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Jahrgang 2020 Nummer 27

Geschichte der Körting-Werkfeuerwehr in Grassau

Die nur kurze Geschichte einer wichtigen Einrichtung in Grassau

Löschübungen
Körting-Radiowerke mit der Gänsbachsiedlung 1960 (heute Körting-Siedlung).
Nach dem Brand in Halle D am 10. August 1960.

In vielen Orten in Bayern gibt es Freiwillige Feuerwehren die bereits seit 100 oder 150 Jahren bestehen. Neben diesen etablierten örtlichen Wehren gab und gibt es aber auch weitere Feuerwehren in größeren Betrieben am Ort, welche nach der Auflösung der Fabrikationsstätten ebenfalls aufgelöst wurden. Zumeist setzten die dort aktiven Feuerwehrmänner (zu der Zeit wirklich nur männliche Aktive) ihren freiwilligen Einsatz zum Schutz der Bevölkerung in den örtlichen Feuerwehren fort. Ein typisches Bespiel ist die Werkfeuerwehr der Körting Radiowerke in Grassau.

Vorgeschichte

1949 startete Oswald Ritter mit einem kleinen Stab von Mitarbeitern im Schloss Niedernfels bei Marquartstein die Fertigung von Rundfunkgeräten unter der Firmenbezeichnung Körting Radio Werke Oswald Ritter GmbH. Da die Räumlichkeiten sehr ungünstige Verhältnisse für die Entwicklung und Produktion boten, wurde bereits 1951 der Grundstein für geeignete Fabrikationsstätten, Laboratorien, Konstruktionsbüros und Verwaltungsräume in Grassau nicht weit vom Bahnhof entfernt gelegt. Bereits im folgenden Jahr konnte dann auf einer Nutzfläche von 4900 qm die Produktion aufgenommen werden. Dazu entstand ein weiteres Gebäude mit 700 qm für die Entwicklung und Konstruktion.

Produziert wurden Rundfunktischgeräte und Musiktruhen sowie Geräte für die Elektro-Medizin. Daneben wurden auch Hochfrequenz- Generatoren für die kunststoffverarbeitende Industrie entwickelt. 1954 kam es zur vertraglichen Verbindung mit dem Versandhaus Neckermann zum Vertrieb der Rundfunkgeräte aber auch von Fernsehgeräten.

Bis 1955 waren circa 200 Mitarbeiter bei Körting beschäftigt. Bis 1960 stieg die Zahl auf 377 an. Daneben lief auch der räumliche Ausbau des Werks.

Beginn des Aufbaus der Werkfeuerwehr

Im Juni 1956 wurden die ersten Vorbereitungen für die Aufstellung einer Werkfeuerwehr in der Firma Körting in Grassau getroffen. Das Werk war groß genug und nur eine eigene ortsnahe Feuerwehr konnte im Gefahrenfall die Sicherheit der Beschäftigten garantieren.

Die ersten freiwilligen Feuerwehrmänner meldeten sich im Betrieb. Diese traten dann fast ausnahmslos der später entstandenen Feuerwehr bei. Als vorläufiger Kommandant wurde Herr Geissler bestimmt, sein Stellvertreter wurde Herr Lange. Es meldeten sich gleich genügend Freiwillige, um zwei Löschzüge zu bilden.

Mitglieder des 1. Löschzugs: Althammer, Lucke, Zielke II, Kalischko, Gassauer, Gabler, Zimmermann, Besser, Citzkan, Smy, Brembs, Skarka.

Mitglieder des 2. Löschzugs: Fleischer, Behr I, Behr II, Parsiegla, Kricke, Wolf, Weiss, Kroll, Bock, Beyersdorfer, Glassner, Steininger Helmut.

Als Melder stellten sich die Herren Geissler II und als Sanitäter Herr Ley zur Verfügung.

In dieser Zusammensetzung und als Vorstufe zur Einrichtung einer offiziellen Werkfeuerwehr wurden verschiedene Übungen und Fortbildungen gemacht. So veranstaltete die Firma TOTAL im Mai 1959 eine Vorführung aller im Gebrauch befindlichen Löschgeräte. An bereit gestellten brennbaren Materialien wurde anschließend der Löschvorgang praxisnah geübt. Schwierigkeiten für die Löschgeräte gab es lediglich bei den Materialien aus der Spritzlackiererei, da sie mit den üblichen Löschmitteln nicht abgelöscht werden konnten.

Trotz der schon erfolgten Ausrüstung der Werkfeuerwehr mit Uniformen und Geräten fehlte aber bis dahin noch die offizielle Anerkennung.

Offizielle Anerkennung als Werkfeuerwehr 1959

Im Dezember 1959 wurde die Besichtigung zur offiziellen Werkfeuerwehr abgenommen durch die Herren Fitzthum vom Landesamt für Feuerschutz, Kreisbrandinspektor Andree, Oberinspektor Kühnhauser sowie Oberinspektor Stadler vom Landratsamt. Zur Inspektionwar die Feuerwehr in folgender Aufstellung angetreten:

Kommandant: Lange

Stellvertreter und Ausbildungsleiter: Häfner

Löschgruppen 1 und 2:

Löschmeister 1: Rohrmeyer; 2: Fleischer. Maschinist 1: Bichlmeier; 2: Behr I. Melder 1: Geissler; 2: Behr II. Löschtrupp 1: Kalischko, Gassauer, Brunner; 2: Parsiegla, Kricke, Kroll. Wassertrupp 1: Zimmermann, Wolf, Besser; 2: Weiss, Bock, Glassner. Schlauchtrupp 1: Steininger, Brembs, Skarka; 2: Beyersdorfer, Steininger H., Peteranderl.

Mit Verfügung vom 1. Dezember 1959 wurde dann die offizielle Anerkennung als Werkfeuerwehr ausgesprochen. Mit der Anerkennung war die Auflage verbunden, dass ein ständiger Bereitschaftsdienst eingerichtet werden musste. Damit verbunden war aber auch der Vorteil, dass damit die Feuerwehrmänner von der damals noch abverlangten gemeindlichen Feuerschutzabgabe befreit waren.

Beim Wechsel der Kommandantur wurde Karl Häfner neuer Kommandant, während Leo Fleischer sein Stellvertreter wurde.

Der Maschinist Rupert Bichlmeier absolvierte imDezember 1959 in der Feuerwehrschule in Bayerisch Gmain erfolgreich den Maschinisten-Lehrgang.

Im Frühjahr 1960 nahmen 16 Mitglieder der Werkfeuerwehr an einem Lehrgang des Bayerischen Roten Kreuzes »Erste Hilfe bei Unfällen« teil. Die Teilnehmer erhielten einen Ausweis des BRK, der sie als ausgebildete freiwillige Unfallhelfer auswies.

Die Einweihung der neuen Motorspritze im Mai 1960

Am Samstag, dem 7. Mai 1960 war die Werkfeuerwehr zur Einweihung der neuen Motorspritze angetreten. Als Gäste konnte Herr Direktor Böhme die Honoratioren von Grassau und die Feuerwehrexperten aus dem Landkreis begrüßen: Pfarrer Hausladen und 2. Bürgermeister Steffl, Grassau, Kreisbrandinspektor Andree, Trostberg, Kreisbrandmeister Rexauer, Grabenstätt, Oberinspektor Kühnhauser, Traunstein sowie Herrn Kreuz, Kommandant und Herrn Peschel, Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Grassau. Von der Leitung der Firma Körting waren anwesend: Herr Dr. Thomsen, Geschäftsführer, Herr Ciesielsky, Werbeleiter, Herr Zielke, Fabrikleiter sowie Betriebsratsvorsitzender Herr Mandat.

In der Ansprache von Herrn Böhme wurde auch die Ausrüstung derWerkfeuerwehr erwähnt. Neben den Löschgeräten 800 m B- und C- Schläuche, als Löscheinrichtungen 19 Überflur-, Unterflur- und Wandhydranten. Herr Böhme stellte fest, dass das neue Löschfahrzeug mit einem Kostenaufwand von 12 000 DM erworben wurde. Es folgten die Reden und Ansprachen der anderen Herren und durch Herrn Pfarrer Hausladen wurde die feierliche Einweihung und Einsegnung der Motorspritze vorgenommen.

Bei der Übung auf dem Parkplatz konnten die Gäste einen Eindruck vom Ausbildungsstand der Wehr gewinnen. Besonders hervorgehoben wurde die Geschwindigkeit, mit der sich die 2. Löschgruppe mit der Motorspritze zum Übungsort bewegte.

Dafür war es dann auch bei dem abschließenden Weißwurstessen in der Kantine mit einigen Lagen Bier sehr gemütlich. Es spielte die Körting-Musik und es wurden wiederum die obligatorischen Ansprachen von den Gästen, der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat gehalten.

Als Erfolg für diese Vorführung erhielt die Werkfeuerwehr mit Schreiben vom 15.6.1960 die Bekanntgabe der Ernennungen durch den Kreisbrandinspektor.

Der Kommandant Karl Häfner wurde zum Oberlöschmeister und die Gruppenführer Leo Fleischer, Theo Rohrmeier und Josef Weiss wurden zu Löschmeistern ernannt. Als Oberfeuerwehrmann wurden ernannt: Rupert Bichlmeier, Paul Parsiegla, Josef Steininger.

Zu Feuerwehrmännern wurden ernannt: Berndt Geissler, Hans Kalischko, Erich Gassauer, Erich Zimmermann, Franz Wolf, Karl Brembs, Franz Behr, Theo Aigner, Hans Kroll, Helmut Kricke, Franz Bock, Ludwig Bayersdorfer, Ernst Steininger, Josef Ruda, Siegfried Zerr, Georg Brunner, Alfred Skarka, Hartmut Loy, Rolf Besser.

Hauptaufgabe der Feuerwehr war der Schutz der Körting-Werke und deren Beschäftigter vor Bränden, Unfällen, aber auch Unfällen durch Gase und Chemikalien. Dazu kam auch der Schutz bei Hochwasser und in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Grassau auch die Hilfe bei Einsätzen in der Gemeinde Grassau. Viele der aktiven Feuerwehrmänner wohnten in der nördlich des Werksgeländes gelegenen Körtingsiedlung mit großen Punkthäusern und auch Einfamilienhäuser. Dadurch waren die Feuerwehrmänner einerseits recht schnell einsatzbereit, andererseits gewährleisteten sie aber auch den Schutz ihrer eigenen Häuser und Wohnungen in Zusammenarbeit der Freiwilligen Feuerwehr Grassau. Im Mittelpunkt der Tätigkeit der Feuerwehr standen regelmäßige Übungen und auch Erste-Hilfe-Kurse in Zusammenarbeit mit dem BRK Kreisverband Traunstein.

Der Brand in Halle D 1960

Am 10. August 1960 brach um 5.25 Uhr in der HalleDein Feuer aus. Durch Auslösung der Sirene wurde die Werkfeuerwehr alarmiert und die Feuerwehrmänner eilten im Laufschritt zur Brandstelle. Das Feuer wurde mit Handfeuerlöschern bekämpft. Wegen der starken Rauchentwicklung mussten die Männer mit Rauchmasken und Sicherungsleinen vorgehen. Trotz implodierender Bildröhren gelang es in wenigen Minuten eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Die sofort ausgelegte CLeitung war nurmehr zur Abschirmung erforderlich und es wurde vor allem kein Wasserschaden verursacht.

Mit einem Anerkennungsschreiben der Geschäftsleitung und einer Geldspende für die Feuerwehrkasse wurde die Wehr für diesen Einsatz ausgezeichnet. Daneben war durch dieses Feuer die große Bedeutung einer einsatzfähigen Feuerwehr klar herausgestellt und die Übungsbereitschaft nochmals stark gefördert worden.

Kurz darauf, am 29. August 1960, wurde deshalb auch im Zweigwerk Siegsdorf eine Löschgruppe der Werkfeuerwehr aufgestellt:

Löschmeister: Mayer Willy

Maschinist: Zagler Adolf

Melder: Scholz Dieter

Löschtrupp: Kracher Ludwig und Clausewitz Werner

Wassertrupp: Bereiter Alois und Fußstetter Leonhardt

Schlauchtrupp: Rösler Helmut und Kopeschinsky Paul

Sanitäter: Mühlbacher Walter

Diese neue Löschgruppe 4-Siegsdorf unterstand dem Kommandanten der Werkfeuerwehr im Hauptwerk Oberlöschmeister Häfner, der zusammen mit Löschmeister Fleischer auch in Siegsdorf die Ausbildung leitete. Als erster Ausbildungsgang begann im Oktober der TOTAL-Schulungskurs: »Brandbekämpfung mit Handfeuerlöschern«.

Kameradschaftsabend

Wichtig für das Funktionieren der Werkfeuerwehr waren neben der fachlichen Ausbildung auch die Maßnahmen zum persönlichen Zusammenwachsen bei eher privaten Festivitäten. Für die Feuerwehr im Hauptwerk fand so zum Beispiel der 2. große Kameradschaftsabend am 29.10. im Gasthof zum Hochgern statt. Das Essen war vorzüglich, die Stimmung und der Bierverbrauch waren großartig. Die musikalische Unterhaltung wurde mit einem Magnettongerät bestritten und es wurde fleißig getanzt. Für jung und alt war es ein gelungenes Vergnügen.

Unseren Ehrenmitgliedern Herrn Dr. Thomsen, Herrn Zielke und Herrn Geißler wurden mit Sirenengetön zum Feuerwehrmarsch die Ehrenurkunden überreicht.

Die Arbeit derWerkfeuerwehr war nicht von großen Einsätzen bestimmt sondern von eher kleineren, für die Sicherheit der Mitarbeiter und den Fortgang der Produktion aber wichtigen Aufgaben.

Feueralarm

Am Samstag, dem 10. Dezember 1960, meldete die Putzfrau aus der Halle beim Pförtner eine starke Rauchentwicklung. »Die ganze Fernseh-Halle ist voll Rauch!«

Ein zufällig vorbeikommender Mann der Werkfeuerwehr schnappte sich sofort einen Trocken-Löscher und eilte, den Brandherd festzustellen.

Der Herd war ein Teerkocher und der Rauch war über eine provisorische Wand in die Halle gelandet und hatte sich dort dicht niedergeschlagen.

Ein Werkzeugmacher-»Stift« hatte inzwischen die Sirene ausgelöst und innerhalb von nicht 2 Minuten waren 20 Mann der Werkfeuerwehr zur Stelle.

Sie bekamen vonHerrn Böhme den Auftrag, die Halle zu entlüften und der Rauch zog ab.

Blinder Alarm – 16. Januar 1961

Um 20.30 Uhr ertönte die Feuer-Sirene zum Alarm für die Werkfeuerwehrmänner. Innerhalb weniger Minuten waren 20 Mann, teils querfeldein, teils über Zäune keuchend zur Stelle. Schon beim Eintreffen an der Werks-Pforte wurde bekannt gegeben: »Blinder Alarm!«

Begründung: Noch um diese Zeit arbeitende Betriebselektriker kamen beim Umschalten von Leitungen mit der Zuleitung zur Feuersirene in Konflikt.

Es gab manches saure Gesicht, aber der Kommandant konnte mit Befriedigung feststellen, im Ernstfall sind die Männer schnell zur Stelle.

1.10.1961: Notstands-Einsatz – Wasserschaden Halle D und H

Durch einen stillen Alarm wurde am 1.10.1961 der Bereitschaftsdienst zum Hauptwerk beordert.

In einem Schweiß-Generator wurde der Schieber zur Wasserkühlung nicht geschlossen. Am Sonntagmittag sprang durch Überdruck der Verbindungsschlauch ab und das Wasser ergoss sich durch die Halle D zur Halle H, die fast zu 80 Prozent überflutet wurde.

Für diesen Einsatz waren nur Gummistiefel, Besen und viel Arbeitsgeist nötig. Die Wassermassen, die an verschiedenen Stellen bis zu fünf Zentimeter hoch standen, konnten nur mit Auskehren aus den Hallen entfernt werden.

Durch die vorzügliche Hilfe durch die Familien Dr. Mrosek, Dr. Thomsen und Zielke sowie einiger Betriebsangehöriger war das Schlimmste bis 17.30 Uhr geschafft. Der Arbeitsablauf war durch diesen Einsatz für den Montag nicht gestört. So konnte durch einen stillen Einsatz, den die anderen Mitarbeiter gar nicht merkten, viel Schaden verhindert werden.

1962 bis 1968

In diesem Zeitraum bewährte sich die Werkfeuerwehr auch außerhalb des Betriebsgeländes. Im Achental war sie eine der modernst ausgerüsteten Feuerwehren, insbesondere die erste Feuerwehr mit schwerem Atemschutz.

16. Februar 1962: Notstandseinsatz Sturmschaden

Um 22.30 Uhr wurde die Werkfeuerwehr in ihrer gesamten Stärke alarmiert. Durch den Südwest- Sturm wurden auf dem Parkplatz Fahrradständer losgerissen und über die B 305 auf das gegenüber liegende Nachbar-Grundstück geschleudert. Auch der Werkzaun wurde an dieser Stelle stark mitgenommen.

Die notwendigste Arbeit war schnellstens Gegenstände zum Beschweren der restlichen Fahrradständer zu beschaffen. Bis der Werks-LKW zur Stelle war, hatte eine Sturmböe zwei weitere Ständer über den Parkplatz-Zaun zur Halle West I hochgehoben. Einer blieb hängen, beschädigte mehrere Drahtglasscheiben, fiel bei der nächsten Böe zu Boden und war restlos zerstört. Die Feuerwehr konnte nur noch unter größten Mühen und Gefahreneinsatz die restlichen Fahrradständer durch schnelles Beschweren und Anhängen mit Draht sichern.

Kaum waren die letzten Arbeiten ausgeführt, da kam die Meldung aus Staudach, eine Sturmböe hat das Blechdach vom Anwesen König, in dem unser Lager untergebracht ist, abgehoben.

Die eingelagerten Fertigteile waren schwerstens gefährdet, da noch dazu Regen und Schneefall einsetzte. Es fand noch bei Nacht durch die Werkfeuerwehr eine Umlagerung der im Gefahrenbereich stehenden Güter statt. Ein größerer Schaden konnte auch durch diesen Einsatz verhindert werden.

15. Oktober 1962: Kauf eines Löschfahrzeugs Ford Transit

Durch die flächenmäßige Vergrößerung des Hauptwerks und die dort entstandenen neuen Gebäude wurde es dringend notwendig, ein Feuerwehr-KFZ zu beschaffen. Damit sollte auch eine ausreichende Sicherstellung des Feuerschutzes in der Betriebsabteilung Siegsdorf gewährleistet werden.

Schon beim Kameradschafts-Abend am 28.9.1962 wurde zwischen Herrn Dr. Böhme und KBJ Winter Gespräche über den Kauf eines TSF geführt. Verhandlungen ergaben einen äußerst günstigen Rückgabe-Preis unseres TSA zum Ankauf eines Ford Transit. Die Bestellung wurde durch die Geschäftsleitung schnellstens beschlossen und so traf Anfang Dezember 1962 das neue Löschstaffel-Fahrzeug ein. Alles in Allem ein freudiges Ereignis für die gesamte Werkfeuerwehr.

9. April 1963: Heustadel-Brand bei den Messhütten

Um 8.43 Uhr wurde die Werkfeuerwehr alarmiert, Brand in den Messhütten. Es rückten sofort zwei Löschgruppen aus. Unser TSF war bereits mit einer verstärkten Löschstaffel nach fünf Minuten am Einsatzort. Es brannte der an die westliche Messhütte angrenzende Heustadel. Vom Gänsbach her wurde sofort eine B-Leitung aufgebaut und mit drei C-Strahlrohren musste die Messhütte gegen Hitze abgeschirmt werden. An dem Stadel war nichts mehr zu retten, das dort eingelagerte Heu und Stroh war verloren. Schnellstens waren auch FF Staudach und Grassau zur Stelle. Nach zwei Stunden Einsatz, der für die Werkfeuerwehr erfolgreich verlief, es konnte die angrenzende Messhütte gerettet werden, hieß es wieder »Abrücken«.

30. August 1963: Nachbarschaftliche Löschhilfe bei Landwirt Schroll in Bayern

Alarmierung über Landpolizei-Inspektion am 30.8.1963 um 14.30 Uhr.

Es wurde sofort mit einer Löschstaffel (Pressluftatmer-Träger) nach Bayern bei Bergen ausgerückt. Wir kamen als dritte Feuerwehr an und wurden an der Saugstelle, circa 400 Meter nördlich der Brandstelle eingesetzt. Der Aufbau ging reibungslos vonstatten. Wir speisten das Tanklöschfahrzeug aus Übersee mit Löschwasser. Nach einer Stunde Laufzeit fiel unsere TS 8/8 für kürzere Zeit aus. Ein Schaden im Benzintankmachte sich bemerkbar. (Die Firma Metz lieferte sofort kostenlos einen neuen Benzintank). Der Einsatz unserer Löschstaffel war gut. Wir waren zum ersten Mal bei einer Feuerlöschung über eine lange Schlauchstrecke beteiligt.

19. Oktober 1963: Feuerschutzwoche – Gemeinschaftsübung in Grassau – Brandobjekt beim »Kreuz«

Die Körting-Werkfeuerwehr Gemeinschaftsübung in Grassau. Die Werkfeuerwehr wurde gegen 15.30 Uhr durch einen Melder alarmiert, da an diesem Tag das Werk über Telefon nicht erreichbar war. Wir rückten mit dem TSF und zur weiteren Mannschaftsbeförderung mit dem VW-Bus aus. Wir wurden beim Einsatz Löschwasserförderung über lange Schlauchstrecken verwendet. Der Aufbau verlief schnell und reibungslos. Anschließend gab die FF Grassau eine Brotzeit mit Bier aus. Es folgte auch die Kritik durch den KBM Gnadl, die im Großen und Ganzen gut ausfiel.

19. Juni und 17. Oktober 1964: Feuerschutzwoche und Gemeinschaftsübung

Die Alarmierung erfolgte über Telefon gegen 14 Uhr. Der Einsatz einer Löschgruppe erfolgte mit dem Tragkraftspritzenfahrzeug TSF und dem VW-Bus. Der Einsatz lief vorzüglich ab. Die Löschgruppe der WF Körting kam wieder bei der Löschwasserförderung über lange Schlauchstrecken zum Einsatz. Die Männer verhielten sich ausgezeichnet. Anschließend folgte im Gasthof »Mauthäusl« die Kritik durch den Kreisbrandmeister Gnadl, die gut ausfiel. Anschließend gab es durch die Freiwillige Feuerwehr Staudach Brotzeit und Bier. Beteiligt waren der Tanklöschzug Achental, die Freiwilligen Feuerwehren Staudach, Grassau, Rottau, Marquartstein, Unterwössen sowie die Werkfeuerwehr Körting-Radio-Werke.

Feier zum fünfjährigen Bestehen der Körting-Werkfeuerwehr im Dezember 1964

Aus Anlass des fünfjährigen Bestehens der im Dezember 1959 anerkannten Werkfeuerwehr veranstaltete die Leitung der Werkfeuerwehr einen Kameradschaftsabend.

Kommandant Häfner konnte begrüßen Herrn Dr. Böhme, Herrn Dr. Thomsen, Kreisbrandinspektor Winter, Kreisbrandmeister Gnadl, Amtmann Maier vom Brandversicherungs-Amt Traunstein und die Feuerwehrkameraden aus Siegsdorf. Nach einer Ansprache des Kommandanten, in der er die Sorgen und Nöte aus dieser Zeit bekanntgab, sprach er seinen von der Gründungszeit übrig gebliebenen neun Männern seinen Dank und Anerkennung aus.

Kommandant Häfner sprach aus Anlass des Fünfjährigen folgende Ernennungen aus: Zum Oberlöschmeister wurde ernannt Fleischer Leo und zum Löschmeister Kalischko Hans.

16. Februar 1965: Ausflug zur Rachl-Alm

Zur Förderung der Kameradschaft und der besseren Zusammenarbeit wurde bei der Körting-Feuerwehr auch Wert auf gemeinsame Feiern gelegt, ohne dabei aber die Sicherheit im Betrieb während dieser Zeit zu gefährden.

Am 16. Februar 1965 besuchten 24 Personen die Rachl-Alm (Körting-Ski-Hütte).

Der Aufstieg begann um 9 Uhr von Niedernfels. Beim Eintreffen hatte ein Vorauskommando schon für Wärme und heiße Getränke gesorgt. Mittags gab es Würstl mit Bier, Nachmittags Kaffee mit Kuchen. Nach dem gut gelungenen Tag, der viel zu schnell zu Ende ging, ging es an die Abfahrt mit Ski und Rodel.

14. Dezember 1968: 10-jähriges Gründungsfest der Werkfeuerwehr

Geführt von 1. Kommandanten Karl Häfner und 2. Kommandant Leo Fleischer.

Mit insgesamt 38 Mann. Aktiv waren vier Löschgruppen mit 31 Mann, dazu eine Löschgruppe mit sieben Mann in Siegsdorf, welche auch dem Kommandanten Häfner unterstanden. Für zehnjährige Dienstzeit wurden acht Feuerwehrmänner ausgezeichnet.

8. und 9. Juli 1972

Im Frühsommer wurde nach längerer Vorlaufzeit eine Feuerwehrstandarte in Auftrag gegeben. Mit einer starken Delegation nahm die Körting-Feuerwehr an der 100-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr Grassau unter der Schirmherrschaft von Dr. h.c. Böhme teil. In diesem Rahmen erfolgte auch die Weihe der Standarte der Werkfeuerwehr Körting.

5. Februar 1972

Durch die weitere Vergrößerung der Werkfeuerwehr und die damit verbundenen umfangreicheren Aufgaben wurden am 5. Februar von der Werksleitung die Schlüssel für ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 übergeben.

Damit besaß die Werkfeuerwehr: 2 Fahrzeuge, 1 Anhängeleiter, 1 Pulveranhänger, 12 Pressluftatmer sowie diverse Feuerwehr-Gerätschaften. Das neue Fahrzeug ermöglichte eine Vergrößerung der Mannschaft auf 45 Mann.

13. Dezember 1975

Bei der Weihnachtsfeier 1975 wurde der langjährige Kommandant K. Häfner mit Ehrungen durch Dr. Böhme verabschiedet. Neuer Kommandant wurde: 1. Kommandant Hans Kalischko und 2. Kommandant Leo Fleischer.

3. Juli 1976: Größter Einsatz der Werkfeuerwehr

Am 3. Juli 1976 wurdeum3.30 Uhr die Feuerwehr nach Unterwössen zu einem Großbrand in einer Lagerhalle gerufen. Dazu schrieb am 4. Juli das Traunsteiner Tagblatt:

»Lagerhalle ausgebrannt

Traunstein. Ein Schaden von fünf bis sechs Millionen Mark entstand in der Nacht zum Samstag in Unterwössen (Landkreis Traunstein) durch einen Großbrand in einer Lagerhalle, in der Fernsehgeräte und elektronische Zubehörteile einer Radio-Firma aufbewahrt waren. Wie aus einem ersten Bericht der Kriminalpolizei hervorgeht, konnte die Brandursache bisher nicht ermittelt werden. Brandstiftung sei nicht ausgeschlossen. In dem zu einer Lagerhalle umgebauten Sägewerk in Unterwössen breitete sich das Feuer, das gegen 3 Uhr nachts ausbrach, mit großer Schnelligkeit aus. Noch vor dem Eintreffen der Löschzüge aus den umliegenden Ortschaften hatten die Flammen auch auf das angebaute Wohnhaus übergegriffen. Während das Gebäude gerettet werden konnte, brannte die Lagerhalle vollkommen aus. Die Polizei bezifferte den Brandschaden auf rund eine Million Mark. Der tatsächliche Verlust liegt nach Angaben der Firma wegen der entstandenen Produktionsausfälle bei sechs bis sieben Millionen Mark. In der 60 mal 80 Meter großen Halle lagerten neben fertigen Farbfernsehgeräten eine große Anzahl von für die Montage notwendigen Bauteile.«

Unruhige Zeiten für die Körtingwerke

In der wirtschaftlichen Krise des Körting-Werks durch die schlechte Auftragslage 1978 war auch die Werkfeuerwehr betroffen. So kam es in dieser Zeit zu Bombendrohungen, ausgelöst wahrscheinlich durch die Entlassung von Betriebsangehörigen. Sie führten zur Räumung des Werks und zur Bombensuche durch die Polizei.

11. August 1978

Im Jahre 1978 traf der 1. Konkurs auch die Werkfeuerwehr. Aber am 1. August kam es dann zur Wiedergründung des Werkes unter dem neuen Namen: Gorenje-Körting. So konnte die Feuerwehr weiter bestehen. Die Kommandanten Hans Kalischko und Leo Fleischer behielten ihrAmtund auch eine Anzahl von Feuerwehrleuten blieben beim Betrieb (circa 40 Mann).

1979

Die Werkfeuerwehr feierte ihr 20-jähriges Bestehen und konnte dafür drei Mitglieder auszeichnen: Hans Kalischko, Leo Fleischer und Helmut Kricke.

Aber leider wurde der Betrieb auch weiterhin von der schlechten Auftragslage getroffen, so dass es wieder zu Entlassungen kam, die auch die Werkfeuerwehr trafen.

17. Dezember 1982

Am 17.12.1982 feierten die Feuerwehrler ihre letzte gemeinsame Weihnachtsfeier.

Danach kam es noch einmal zu einem Kommandantenwechsel: 1. Kommandant Helmut Kricke, 2. Kommandant Raimund Schupfner, der spätere Grassauer Bürgermeister. Damit übernahmen zwei Nachbarn aus der Körtingsiedlung die Leitung der Feuerwehr.

1983

Im Jahre 1983 kam es zum 2. Konkurs der Firma Gorenje in Grassau und damit zur Auflösung der »Körting-Werkfeuerwehr«. Den Brandschutz des Betriebsgeländes übernahm nun die Freiwillige Feuerwehr Grassau.

 

Olaf Gruß

 

Danksagung: Mein Dank gilt Raimund Schupfner, ehemaliger aktiver Feuerwehrler, Betriebsrat und Grassauer Bürgermeister, der mir vor vielen Jahren bei der Sichtung und Zusammenstellung des Materials half, sowie dem späteren Kommandeur der Freiwilligen Feuerwehr und Marktgemeinderat Alfred Körner.

27/2020