Jahrgang 2003 Nummer 34

Gedenkstätte Schloss Hartheim

Auch Behinderte aus Bayern waren unter den Opfern der Tötungsaktion

Schloss Hartheim in der Gemeinde Alkoven.

Schloss Hartheim in der Gemeinde Alkoven.
Der Arkadenhof des Schlosses Hartheim.

Der Arkadenhof des Schlosses Hartheim.
Der von Herbert Friedl (Pregarten) gestaltete Gedenkraum für die 30 000 Opfer der NS-Euthanasie von Hartheim.

Der von Herbert Friedl (Pregarten) gestaltete Gedenkraum für die 30 000 Opfer der NS-Euthanasie von Hartheim.
Westlich von Linz liegt im Eferdinger Donaubecken das zur Gemeinde Alkoven gehörende Schloss Hartheim, eine der markantesten Renaissancebauten von Oberösterreich. Es befand sich seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der bekannten Familie Starhemberg. Aus Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph wurde es im Jahre 1896 von Fürst Camillo Starhemberg dem Oberösterreichischen Wohltätigkeitsverein als Schenkung übereignet, der im Schloss ein Heim für geistig und körperlich behinderte Kinder einrichtete.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich bauten die Nationalsozialisten das Schloss zu einer Tötungsanstalt für Behinderte um, ohne das äußere Erscheinungsbild zu verändern. Der Einbau einer Gaskammer und des Verbrennungsofens war von außen nicht zu erkennen, ein Holzschuppen diente als Garage für die Zubringerbusse. Von Mai 1940 bis August 1941 wurden in Hartheim rund 18 000 Behinderte vorwiegend aus der Ostmark, aber auch aus den bayerischen Pflegeanstalten Haar-Eglfing, Kutzenberg und Regensburg umgebracht.

Im August 1941 wurde die Tötung der Behinderten im ganzen Deutschen Reich gestoppt. Grund war der Protest des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen. Aber in Hartheim sollte das Morden nicht enden. Statt der Behinderten wurden nun in der »Landesanstalt Hartheim« (so der offizielle Name) kranke KZ-Häftlinge aus Mauthausen, aus Dachau und anderen Konzentrationslagern getötet, insgesamt mindestens 11 000 Personen.

Als sich das Kriegsende abzeichnete, kam aus Berlin der Befehl, den Betrieb in Hartheim einzustellen und alle Spuren von Gaskammer und Krematorium zu beseitigen. Für diese Arbeit wurden Häftlinge aus Mauthausen eingesetzt. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches diente das Schloss als Unterkunft für Flüchtlinge, 1954 wurden hochwassergeschädigte Familien darin untergebracht. Ende der Neunziger Jahre übernahm das Land Oberösterreich die Generalsanierung und machte das Schloss zu einer Gedenkstätte für die Mordopfer des NS-Regimes, die im Juni 2003 ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Die Gedenkstätte umfasst den Ost- und Nordflügel des Erdgeschosses. Durch die Gaskammer, den Technikraum, das Leichenzimmer und das Krematorium wurde ein Mauerdurchschnitt gelegt, um die Spuren der NS-Zeit zu erhalten und den Verlauf der Tötungsstrecke sichtbar zu machen. Im ehemaligen Aufnahmeraum sind die Namen der fast 30 000 Opfer dokumentiert. Von hier wurden die Ankömmlinge unter dem Vorwand, es ginge zum Baden, in die Gaskammer geführt. Die Asche der Getöteten wurde teils in die Donau geschüttet, teils im Garten vergraben. Die Angehörigen erhielten eine Nachricht mit fingierter Todesursache, auf Wunsch auch eine Urne mit den Überresten irgendeines Patienten.

Im Schloss ist außerdem eine Dokumentationsstelle untergebracht, die vom Oberösterreichischen Landesarchiv in Linz betreut wird. Sie sammelt nicht nur Quellen und Dokumente zur Geschichte der Euthanasieanstalt Hartheim, sondern soll auch die Zusammenarbeit mit einschlägigen Institutionen fördern. Außerdem wird bis Ende Oktober im Schloss die Ausstellung »Wert des Lebens« gezeigt über die Entwicklung der gesellschaftlichen Stellung von behinderten Menschen. (Internet: www.schloss-hartheim.at)

JB



34/2003
Einstellungen