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Jahrgang 2010 Nummer 9

Franziskus auf der Seiseralm

Auf Europas höchster Alm wurde eine Kirche eingeweiht

Außenansicht der Kirche

Außenansicht der Kirche
Franziskus mit der Taube im Vorraum

Franziskus mit der Taube im Vorraum
Die Seiseralm in Südtirol ist vielen Bergfreunden als ideales Wandergebiet im Sommer und als schneesicheres Wintersportgebiet ein Begriff. Die in 2000 Metern über dem Meer gelegene größte Hochalm der Alpen lockt jährlich Zehntausende von Gästen aus ganz Europa an. Die gesamte Seiser Alm liegt in einem Landschaftsschutzgebiet und führt teilweise durch den Naturpark Schlern-Rosengarten.

Die intensive landwirtschaftliche Nutzung, vor allem aber der Bau zahlreicher Hotels sowie der von Jahr zu Jahr anwachsende Besucherstrom, den die Umlaufbahn von Seis aus in wenigen Minuten auf die Alm befördert, haben dazu geführt, dass die einstens idyllische Ruhe einer lauten Betriebsamkeit gewichen ist. Das neueste Projekt, ein als Langlaufzentrum geplanter Betonklotz, soll weiteren Trubel auf die Alm bringen.

Ein Gegengewicht zu dieser fragwürdigen touristischen Erschließung soll die Franziskuskirche sein, die der Brixener Bischof Dr. Karl Goiser im Herbst vergangenen Jahres auf der Seiser Alm eingeweiht hat. Der Bischof gab dabei seiner Hoffnung Ausdruck, das Gotteshaus möge den Besuchern eine Atmosphäre der Ruhe und der Sammlung vermitteln. Die Wahl des hl. Franziskus zum Patron soll auf die Verpflichtung des Menschen für die Bewahrung der Natur als einer Schöpfung Gottes hinweisen.

Die Kirche ist ein Werk des Südtiroler Architekten Walter Dietl. Er wählte als Grundform die Gestalt einer Taube, wobei der Hauptraum den Vogelkörper darstellt, während die beiden Zugänge von Westen und von Osten an die ausgebreiteten Flügel erinnern und der nach oben weisende Turm der Taubenkopf ist. Die Taube, das Symbol für den Heiligen Geist, war für Franziskus wichtig als Sinnbild des Friedens zwischen allen Geschöpfen, die er dazu einlud, Gott, den Schöpfer und Vater zu loben und zu preisen.

Außer einer Franziskus-Statue im Vorraum erinnern weitere Details an den Heiligen aus Assisi. So führen von der Sakristei Wolfsspuren durch den ganzen Altarraum zum Ambo und erinnern an den von Franziskus gezähmten Wolf von Gubblo, vor dem Ambo erkennt man Spuren von Vögeln als Hinweis auf die Vogelpredigt des Heiligen. Der Altar birgt eine Kapsel mit Reliquien von Franziskus, davor befindet sich eine kleine Platte mit dem Buchstaben Tau, dem Segenszeichen des heiligen Franz. Schließlich trägt eine der drei Glocken das Bild des Kirchenpatrons mit dem Satz aus dem Sonnengesang: »Laudato sii, o mi Signore«.

Die Seiseralm gehört kirchlich zur Pfarrei Kastelruth. Von dort kommt während der Saison an jedem Sonn- und Feiertag ein Geistlicher zur Feier des Gottesdienstes in der Franziskuskirche.

Julius Bittmann



09/2010