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Jahrgang 2013 Nummer 5

Feste und Bräuche um Lichtmess

Kerzenweihe, Dienstbotenwechsel und Berchinger Rossmarkt

Wachsstock im Brautschrank, Heimatmuseum Miesbach

Mariä Lichtmess ist in der katholischen Kirche ein großes Marienfest, das an den Besuch Mariens mit dem Jesusknaben im Tempel von Jerusalem erinnert. Nach alttestamentlicher Vorschrift musste eine junge Mutter 4o Tage nach der Geburt eines Kindes dem Priester im Tempel ein Reinigungsopfer übergeben, eine Regel, an die sich auch Joseph und Maria hielten. Eine Erinnerung an die Darbringung Mariens war der früher vor allem auf dem Land verbreitete Brauch, nach dem Wöchnerinnen meist 40 Tage nach der Geburt eine Kirche aufsuchten,
um sich segnen und »reinigen« zu lassen.

Bis zum Jahr 1912 war Mariä Lichtmess im Königreich Bayern ein offizieller Feiertag. Der Name »Lichtmess« leitet sich von der Kerzenweihe ab, die an diesen Tag in den Kirchen seit Jahrhunderten abgehalten wird, und nimmt Bezug auf eine Stelle im Lukasevangelium, in der das Christuskind vom greisen Simeon bei der Darbringung im Tempel als das »Licht der Welt« bezeichnet wurde.

Nach einem alten Brauch wird an diesem Tag der gesamte Jahresbedarf an Kerzen in den Kirchen geweiht. Gesegnet werden auch die Kerzen und Wachsstöckl, die die Gläubigen mitbringen. Dabei durfte die große Hauskerze nicht fehlen, die beim Empfang der Sterbesakramente eines Familienangehörigen und am Sterbebett angezündet wurde. Neben der schwarzen Wetterkerze, die in jedem Haus vorhanden war, wurde sie auch bei heraufziehenden Gewittern und Unwettern angezündet.

Der Lichtmesskerze wurde immer eine besondere große Weihe- und Segenskraft für Haus und Hof, für Menschen und das Vieh auf einem Bauernhof zuerkannt. Da war es selbstverständlich, dass ein jedes Familienmitglied an Lichtmess etwas aus Wachs geschenkt bekam: die Männer dicke weiße Kerzen, die Frauen ein rotes oder weißes Wachsstöckl und die Kinder dünne bunte Pfenniglichter. Bei den Wachsstöckln gab es einfache, die nicht besonders verziert waren. Sie nahm man in die Kirche mit zum Lesen aus dem Gebetbuch, da in einer Zeit ohne elektrische Beleuchtung auch die Kirche am frühen Morgen dunkel war. Man zündete sie an bei den morgendlichen Rorateämtern und bei Trauergottesdiensten. An diesen Brauch erinnern noch in alten Kirchen schwarze Brandmäler auf den Betbänken.

Wachsstöckl waren auch ein beliebtes Geschenk bei vielen Anlässen, zum Beispiel bei der Taufe, Erstkommunion und Firmung. Darüber hinaus dienten sie auch zur Abwehr von Hexen und Truden, vor denen sich speziell die jungen Mütter fürchteten. Beliebte Lichtmessgeschenke besonders für Mädchen waren verzierte Wachsstöcke, die in keinem Brautschrank fehlen durften.

Über ein schönes Wachsstöckl freute sich früher auch manche Bauerndirn, die einem Knecht die Wäsche machte und die Kammer in Ordnung hielt. Und junge Burschen bekundeten ihrer Liebsten ihre Verehrung nicht wie heute mit einem Blumenstrauß, sondern mit einem Wachsstöckl, oft mit dem eindeutigen Spruch versehen: »Dirn, i hab dir an Wachsstock gebn, jetzt muasst mi mögn.«

Der Bedarf an allen Wachswaren konnte am Lichtmesstag auf Wachsmärkten zum Beispiel in Mühldorf, Wasserburg und Eggenfelden, gedeckt werden. Zu Lichtmess brachten auch manche Bauern gelbes Bienenwachs, das sie in ihrem Bienenstock gewonnen hatten, zum Wachszieher und tauschten es gegen seine Wachswaren.

Schlenkelzeit

Auf dem Lande war Mariä Lichtmess früher ein wichtiges Datum. An diesem Tag konnten sich die Dienstboten, die Mägde und Knechte, verändern. Sie konnten kündigen und eine neue Arbeitsstelle antreten, wenn nicht andere Termine vereinbart waren. Sie durften »schlenkeln«. Wollte einer der Dienstboten seinen Arbeitsplatz verlassen, so wurde ihm vom Bauern ein Führungszeugnis ausgestellt. Das waren gewöhnlich nur ganz knappe Bemerkungen im »Dienstbotenbuch«, das jeder Knecht und jede Magd bei allen Wechseln vorlegen musste. Darin waren auch die wichtigsten rechtlichen Bestimmungen enthalten. Danach mussten Treue, Ehrlichkeit, Fleiß, Ehrbarkeit, Nüchternheit und Gehorsam beachtet werden. Ständiger Wirtshausbesuch, nächtliches Fortbleiben, Schulden machen, Geldspiele oder der Umgang mit schlechter Gesellschaft berechtigten den Dienstherrn zu disziplinarischen Maßnahmen, denn er war gehalten, auf Gesundheit und Sittlichkeit seiner Dienstboten zu achten. Trat jemand bei ihm aus, so schrieb er etwa ins Dienstbotenbuch: »Hat treu und redlich gedient ... War immer fleißig und willig.«

Nicht selten waren die Bauern mit ihren Ehhalten, wie die Dienstboten auch genannt wurden, unzufrieden. So war im »Rotthaler Boten« von 1904 zu lesen: »Die oft vernommene Klage über Mängel an tüchtigen, fleißigen und sparsamen Dienstboten ist vielfach nur zu berechtigt. Man hört von Unzufriedenheit und Genusssucht derselben. Man klagt über übertriebene Lohnansprüche trotz schlechter Gegenleistung, über das trotzige Benehmen von kaum der Schule entwachsenen Knaben und Mädchen.«

Meist waren die Dienstboten, die sich nur selten gegen ungerechtes Verhalten auflehnten, anspruchslos und zufrieden. Klagen gab es zuweilen wegen der Verköstigung durch die Bäuerin. Dann war zu hören:

»Enker Kraut und enkere Ruabn, de ham mi vertriebn, waar's a wengal besser g'wen, na waar i wieder blieb'n.«

Viele Ehhalten klagten nicht zu Unrecht über die Kost, die oft recht knapp bemessen war und auch nicht schmeckte, weil die Bäuerin nicht gut kochen konnte oder geizig war. Zu wünschen übrig ließ auch oftmals die Behandlung durch Bauern und Bäuerin, sah man in den Dienstboten doch nicht selten Menschen ohne Rechte und Ansprüche.

Wer von den Dienstboten wechseln wollte, sah sich schon das Jahr über nach einem anderen Arbeitsplatz um.

Wer noch auf der Suche war, konnte sein Glück auf einem der »Schlenkelmärkte« versuchen, die an größeren Orten abgehalten wurden und am Rande von Vieh- und Rossmärkten stattfanden. Hier konnten die Knechte und Mägde Bauern begegnen, die ihrerseits nach neuen Dienstboten Ausschau hielten. Eine Möglichkeit für Kontakte bestand auch in Wirtshäusern. Mägde machten durch zwei unterschiedlich gefärbte Strümpfe oder bunte Bänder, Knechte mit einem kleinen Stroh- oder Ährenbüschel am Hut auf sich aufmerksam. Mit einem Handschlag und einem kleinen »Drangeld« oder »Schlenkelgeld« wurde der Einstand besiegelt. Formalitäten waren nicht üblich und erforderlich.

Der Arbeitsplatzwechsel wurde in der Regel in der Lichtmesswoche vollzogen. Diese arbeitsfreie Zeit stand nach altem bayerischen Recht allen Dienstboten zu. In dieser Urlaubszeit, der »Schlenkelweil«, war auf den Wegen bisweilen viel los. Die Dienstboten wurden mit ihrem wenigen Sach' mit einem Gäuwagerl samt Kleiderkasten, Kommode und Koffer zum neuen Arbeitsplatz befördert. Oft holte auch der Bauer selbst seine neuen Dienstboten auf seinen Hof. Wer nicht schlenkelte, genoss die freien Tage nach Lichtmess gleichsam als Urlaub für Erledigungen und Besuche bei Eltern und Freunden oder brachte Wäsche und Kleidung in Ordnung oder – und das war nicht so selten –
ließ seinen Jahreslohn beim Wirt.

Das ist heute noch Brauch: In der Lichtmesszeit kommen die Bauern im Gebiet zwischen Ingolstadt und Riedenburg zu ihrem Bauerntag zusammen, der fast wie eine Bauernhochzeit gefeiert wird. Er ist aus der Isidoribruderschaft hervorgegangen.

Blasius – Patron der Blasmusikanten

Einen Tag nach Mariä Lichtmess feiert die katholische Kirche das Namensfest des heiligen Blasius. Er wirkte im 3. Jahrhundert als Bischof in der armenischen Stadt Sebaste. Der Legende nach versteckte er sich wegen der Christenverfolgungen in einer Höhle, wo ihm Vögel Speisen brachten. Als ihn Soldaten des Kaisers Diokletian dort entdeckten, wurde er in den Kerker geworfen, wo er einen Jungen, der eine Fischgräte verschluckt hatte, durch sein Gebet gerettet haben soll. Nach grausamen Folterungen wurde er im Jahre 316 enthauptet.

Die Verehrung des Heiligen breitete sich von Armenien in die ganze Ostkirche und im frühen Mittelalter auch nach Europa aus. Blasius zählt zu den beliebten vierzehn Nothelfern und ist der Schutzpatron der Ärzte, Hutmacher, Schuhmacher und – wegen der Lautähnlichkeit seines Namens mit »blasen« – der Blasmusikanten. Darstellungen in vielen Kirchen zeigen Blasius im Bischofsornat mit zwei gekreuzten Kerzen.

Schon früh sah man in dem Heiligen der Ostkirche einen Helfer bei Halsund Kehlkopfleiden und knüpfte damit an die legendäre Errettung des Knaben im Kerker an. Im Mittelalter entwickelte sich der Blasiussegen, bei dem der Priester zwei geweihte Kerzen gekreuzt an den Hals der Gläubigen hält und dabei spricht: »Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr von Halskrankheiten und allem Bösen.« Bis heute ist das »Einblaseln«, wie dieser Segen im Volksmund heißt, ein sehr beliebter Brauch.

Berchinger Rossmarkt

In der Lichtmesszeit findet in der schmucken Oberpfälzer Stadt Berching im Altmühltal ein Rossmarkt statt, der in seiner Art in Bayern einmalig ist. Seine Anfänge reichen 250 Jahre zurück. In einer landwirtschaftlich geprägten Zeit war dieser Markt alljährlich ein herausragendes gesellschaftliches Ereignis in der Faschingszeit.

1925 kam zu einer Neugründung des in Vergessenheit geratenen Marktes. Neben der Förderung der Pferdezucht spielen dabei auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle, denn mit einem Markttag wollten die Geschäftsleute Menschen in die Stadt locken, wo sich in der Lichtmesszeit auch viele Mägde und Knechte aufhielten, die auf Arbeitsplatzsuche waren. Nach einer kurzen Pause während des Zweiten Weltkrieges wurde die Tradition des Rossmarktes nach 1945 in einer etwas veränderten Form wieder aufgenommen.

Seit Anfang der 1970er-Jahre hat der einstige Rossmarkt Volksfestcharakter. Dazu trug auch eine neue Attraktion bei: Auf dem Markt kommt es alljährlich zu einem Auftritt prominenter Politiker. Heute bildet der Berchinger Rossmarkt mit dem Auftrieb prächtig geschmückter Rösser den feierlichen Rahmen für das größte Wintervolksfest in Bayern.

Dr. Albert Bichler

 

Quelle: Buch »Feste und Bräuche in Bayern im Jahresverlauf« von Albert Bichler und Fotos von Lisa und Dr. Wilfried Bahnmüller, J. Berg Verlag, München. ISBN 978-3-86246-010-6.

 

5/2013