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Jahrgang 2012 Nummer 7

Faschingsmaske – anno dazumal

Auch der Fächer war ein wichtiges Accessoire



In der »Fünften Jahreszeit« sind Ausgelassenheit, überschäumende Lebensfreude und Frohsinn an der Tagesordnung. Da haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Bräuche entwickelt. Eine große Rolle spielt schon lange das Maskieren, also das (wahre) Gesicht zu verbergen oder sogar den ganzen Körper zu verhüllen.

Ein Titelblatt der Münchner Zeitschrift »Jugend« zeigte 1903 eine SIE mit einer Halbmaske, einer Maske, die den Mund nicht bedeckt und dadurch Attraktivität und Ausstrahlung ihrer Persönlichkeit sichtbar macht, ohne die Identität preiszugeben. Mit der kleinen, vom Vogel im Schnabel gehaltenen Perle wurde die Maskierte schließlich zu einer Dame der gehobenen Gesellschaft. Der Fächer war nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern ein modisches Accessoire, das auch dazu diente, das Gesicht zu verbergen oder kokett dahinter hervorzublinzeln, um die Festgäste, vor allem die männlichen, zu beeindrucken. Oft war zu jener Zeit von der »Fächersprache« die Rede, wobei nonverbale Geheimbotschaften gemeint waren, die zwischen Verliebten ausgetauscht wurden. Durch die Bemalung wurden ebenfalls Botschaften übermittelt. Hier hat der Künstler maskierte Figuren locker aneinandergereiht.

Wie die heute üblichen, nur mit Schminke aufgetragenen Masken das andere Geschlecht beeindrucken, ist fraglich. Die hier abgebildete Dame des Künstlers Julius Diez (1870-1957) dürfte auf einem Faschingsball ihrer Zeit sicherlich großen Erfolg haben.


Hans Feist



7/2012