Jahrgang 2010 Nummer 6

Fasching in Grassau vor mehr als 80 Jahren

Ein unvergesslicher Höhepunkt im Faschingstreiben war das Jahr 1928

Die Grassauer Musikkapelle in ihrer schmucken Uniform beim Faschingszug 1928.

Die Grassauer Musikkapelle in ihrer schmucken Uniform beim Faschingszug 1928.
Der »große Fasching« in Grassau 1928.

Der »große Fasching« in Grassau 1928.
Die Rutschbahn für den Fasching 1928 in Grassau.

Die Rutschbahn für den Fasching 1928 in Grassau.
Der Fasching war über viele Jahrzehnte in Grassau einer der Höhepunkte im Jahreslauf und von vielen Aktivitäten geprägt. So fanden jährlich der Faschingsmarkt sowie das Faschingskonzert und eine Vielzahl von Bällen statt. Daneben gelang es aber auch in vielen Jahren einen Faschingsumzug zu organisieren. Da in den letzten Jahrzehnten die Aktivitäten immer mehr nachgelassen haben, ist es an der Zeit an einige Faschingshöhepunkte vor mehr als 80 Jahren zu erinnern, eventuell auch als Ansporn, das närrische Treiben in Grassau wieder mehr zu beleben.

Eines der ältesten Dokumente vom Fasching ist eine Faschingszeitung von 1913. Im ersten Artikel konnte man lesen:

»Grassau, 4. Januar 1913. Da die, früher so rege Vereinstätigkeit in unserem Orte in der allerletzten Zeit bedenklich nachlässt, sahen sich mehrere Bürger veranlasst, Schritte zu unternehmen, um dieser bedrohlichen Erscheinung Einhalt zu gebieten. Es wurde daher von Herr M. Schmaus eine Versammlung in das Hotel »Verihof« einberufen, zu welcher die Interessenten zahlreich erschienen waren. Nachdem der Herr Einberufer in seiner bekannten, jeden mit sich fortreißenden temperamentvollen Art in seiner Eröffnungsrede den Zweck der Versammlung klar gelegt hatte, setzt sofort eine lebhafte Debatte ein. Nachdem der Vorschlag nach einen Musikverein zu gründen, keine Anhänger gefunden hatte, drang schließlich Herr Hans Hilger mit seinem Plan zur Gründung eines »Vereins zur Bekämpfung des Geburtenrückgangs« einstimmig durch. Nach äußerst anregender Debatte zu diesem Thema wurde der Verein definitiv gegründet und rasch füllte sich die ausgelegte Mitgliederliste. Die Wahl der Vorstandschaft ergab folgendes Resultat: Vorsitzender Hans Hilger, Schriftführer Otto Freiherr v. Hunoldstein, Kassierer Dr. med. Meier, Beirat Frau Grill und Frau Breitenlochner. Die Vereinstätigkeit wurde durch den Herrn Vorsitzenden sofort aufgenommen, wie wir bestimmt erfahren mit bestem Erfolg. Alle näheren Auskünfte erteilt bereitwilligst der Herr Vorsitzende in seinem Büro.«

In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg fanden jedes Jahr in Grassau und auch den umliegenden Gemeinden insbesondere an den Wochenenden und vom Unsinnigen Donnerstag bis zum Faschingsdienstag eine Vielzahl von Bällen statt. Teilweise nahmen die Besucher dabei Fußmärsche von mehr als einer Stunde in Kauf, um am Faschingstreiben teilzunehmen.

Ein unvergesslicher Höhepunkt des Faschingstreibens bot das Jahr 1928. Die Zimmerschützen-Gesellschaft machte den Anfang. In den Achentaler Nachrichten vom 25. Januar 1928 war zu lesen:

»Grassau. Wie aus dem großen Inserat in der heutigen Nummer ersichtlich ist, veranstaltet unsere hiesige »Zimmerschützen-Gesellschaft« am kommenden Sonntag, den 29. Januar 1928, einen zünftigen Schützenball. »Der Einfachheit halber« haben unsere Schützen gleich alle 3 Stockwerke bei ihrem Herbergsvater Sperrer mit Beschlag belegt, um genügend Platz zu haben! 2 Musikkapellen werden unermüdlich dafür sorgen, dass die Tanzbeine dauernd in Schwung bleiben. Ein origineller Schützen-Festzug (an Stelle der ewigen« Polonaise) verspricht eine große Viecherei zu werden. Auch sonst sind natürlich unseren stets fidelen Schützen allerhand Dummheiten eingefallen, die den Gästen sicherlich großes Vergnügen bereiten werden. Echter Schützenhumor wird den ganzen Abend beherrschen, weshalb Niemand, der Sinn für fröhliches Faschingstreiben hat, den Besuch des Grassauer Schützen-Balles versäumen sollte. ...«

Am 28. Januar 1928 folgte in den Achentaler Nachrichten der Bericht von den Vorbereitungen zu einer der herausragendsten Veranstaltung des Grassauer Faschings in der Geschichte des Ortes:

»Grassau. (Der große Fasching) Nach einer am letzten Samstag vorausgegangenen Komitee-Sitzung folgte am Donnerstag die erste öffentliche Gro-Versammlung im Gasthof »Post«. Allmählich füllte sich das Lokal, Alt und Jung war da und in voller Erwartung für das Kommende. Unter größter Ruhe war es dem Vorstand möglich, auf die Bedeutung eines größeren Faschings-Unternehmens, das bei uns Tradition ist, hinzuweisen und die Idee die vorgesehen wäre, zu erklären. »Der Einzug der vier Karten-Könige mit Huldigung und Volksfest«, soll es sein. Aller Zuhörer Mienen ließ erkennen, dass diese Idee gute Aufnahme fand, die ja besonders im Volksfest eine unbegrenzte Ausdehnung zulässt. Nach Erörterung des Kostenpunktes, dem eine gewissenhafte Behandlung zu Teil wurde, war der Anfang für das Ganze gemacht.

Ein Kassenwesen konnte errichtet werden und eine unter den Anwesenden herumgereichte Garantieliste brachte nahezu die Hälfte der gesamten voraussichtlichen Ausgaben. Wollen wir hoffen, dass durch günstige Witterung hiervon kein Gebrauch gemacht zu werden braucht und die einmütige Versammlung zeigte, dass alle des Willens sind, für eine ganze Sache zu arbeiten. Der Antrag, am kommenden Donnerstag im Gasthof Sperrer eine weitere große Versammlung abzuhalten fand einstimmige Genehmigung und wird ein vollzähliges Wiedersehn mit Sicherheit anzunehmen sein.«

Nach der Versammlung im Gasthof Sperrer folgte am 7. Februar eine weitere im Gasthof Stiglmeier in Mietenkam, um auch die Bewohner dieses Ortsteils für die Idee zu gewinnen.

Am 15. Februar 1928 schrieben die Achentaler Nachrichten zum Fortgang der Vorbereitungen:

»In fieberhafter Tätigkeit arbeitet alles für den großen Fasching in Grassau. An dem bestimmten Aufstellungsplatz für die große Rutschbahn werden Stangen aufgestellt. Holz herbeigeschafft und trotz des äußerst schlechten Wetters ist bereits viel geschehen. An den Festwagen beschäftigen sich die altbewährten Kräfte und ein gegenseitiges Befragen über einheitliche Dekoration der Häuser wird zu einem schönen Resultat führen. Die Hauptversammlung am Mittwoch abends beim Weißbräu wird die allgemeinen Vorbereitungen noch bis zum Kleinsten regeln und so sehen wir dem großen Ereignis entgegen. Hoffentlich wird der Wettergott gnädig sein.«

Rasch schritten die Bauarbeiten für die große Bühne im Bereich des Birkenweges und der großen Holzrutsche am Platz vom heutigen Polizeigebäude und Foto-Normann voran.

Die Holzrutsche bedurfte nicht nur eines aufwändigen Holzgestells, sondern auch eine Dampfmaschine. Hiermit wurde ein mit einem Teppich belegter Elevator (Fließband) betrieben, mit dem man zum Start der Holzrutsche kam. Die ganze Technik und die eigentliche Rutsche wurde per Bahn und Pferdefuhrwerk durch die Aktiengesellschaft ‚Rutsch’ gestellt. Diese betrieb die ‚Tobogan’ genannte Rutsche vom Sonntag bis zum Faschingsende in Grassau.

Neben den Vorbereitungen auf den »großen Fasching« in Grassau, fanden aber auch weitere Veranstaltungen in Grassau, Rottau und Marquartstein statt.

Zudem sollte wie jedes Jahr auch am Faschingsdienstag der altherkömmliche Faschingsmarkt abgehalten werden. Dazu war zu lesen:

»Auch an diesem Tag wäre günstiges Wetter notwendig, um den Besuch zu erhöhen, was für die ganze Geschäftswelt in Grassau zu wünschen wäre. Aber nicht bloß den Geschäften kommt es zu gute, auch die Kauflust am Viehmarkt wird eine höhere sein, wenn die Sonne dazu ihre Strahlen senden würde.«

Dazu meldeten die Achentaler Nachrichten am 18. Februar auch: »Grassau. Ein seltener Besuch – In unserer Redaktion erschien heute Fräulein Wosa die schwerste Dame der Welt. Sie besitzt das ansehnliche Gewicht von 445 Pfund und ist trotz ihrer Körperfülle eine sehr hübsche Dame. Dieselbe wird am Faschingssonntag ihr hiesiges Gastspiel absolvieren.«

Am 22. Februar erschien dann der Artikel zu dem großen Ereignis am 19. Februar 1928, an dem das ganze Dorf aktiv teilgenommen hatte und von dem man noch nach vielen Jahren immer wieder begeistert sprach.

»Grassau. (Der große Fasching.) Trotz äußerst ungünstiger Witterung waren am Samstag alle Vorbereitungen getroffen. Die Dampfmaschine am Tobogan gab schrille Pfiffe als Zeichen der Probe, ein Rennen und Laufen belebte die Ortsstraße, an der die Budenbesitzer emsig ihre Vorbereitungen trafen. Das Karussell hatte den Betrieb bereits aufgenommen und nur die eintretende Dunkelheit brachte allmählich Ruhe. Inzwischen war auch die Propaganda-Reise unserer Musik mit dem Impressario beendet und allmählich verzogen sich die ermüdeten Geister unter bangem Hoffen auf das morgige Wetter in ihr Lager.

Grauer Morgen, eisiger Südwind mit etwas Schneegestöber, so setzte der Sonntag ein. Doch gegen Mittag wurde es besser und zur Aufstellung des Festzuges sendete sogar die Sonne ihre Strahlen. Zu pünktlicher Zeit war alles da. Von Mietenkam traf die wohlgelungene Kegelbahn unter zahlreicher Begleitung rechtzeitig ein. Wie eine Prozession war der von Piesenhausen ankommende Festwagen begleitet und reibungslos verlief die Aufstellung des Festzuges, der sich pünktlich um 2 Uhr in Bewegung setzte. Ein Zebra, 3 Herolde mehrere Reiter eröffneten den Zug, denen in schmucker Uniform die 22 Mann starke Grassauer Musikkapelle folgte. Ihnen reihten sich die Liliputaner Hochzeitsgruppe an. Diese Gruppe lockte manchem Zuschauer Tränen der Ergriffenheit heraus und ihre Ausstattung wäre überhaupt nicht mehr besser zu machen gewesen. Die behäbige Bürgerwehr mit ihrem in seinem Dienst aufgehenden Hauptmann folgte schützend dieser herrlichen Gruppe und flößte auch sonst der Allgemeinheit den nötigen Respekt ein. Die Hauptgruppe, die 4 Wagen der Könige, reihte sich an. Dekorativ einer schöner wie der Andere. Unsere Damenwelt in geschmackvollen, der jeweiligen Farbe angepassten Kostümen belebten ungeachtet der für diese Bekleidung nicht recht angenehmen Kälte in fröhlichster Stimmung die Wagen, von denen, majestätisch die Könige von ihren Thronen herabblickten. Mit besonderem Stolz hatten die Besitzer der Gespanne ihre Pferde aufgeputzt und sichtlich erfreut lenkten sie die 4-spännigen Züge dieser Prunkwagen. Die Kartenblätter folgten sinngemäß ihren Königen, so auch die 4 bezilinderten Spieler in einem festlich gezierten Landauer. Die Göttin Diana, ein zierlich erbauter Festwagen (gestellt vom Burschenverein Piesenhausen) mit Jägerbegleitung gab der Hauptgruppe einen würdigen Abschluß. Nachfolgend das dröhnende Kegelspiel, ebenfalls 4-spännig bespannt (gestellt von Mietenkamern) passte sich der Gesamtidee vorzüglich an. Das zur Ausschreibung gebrachte Preisscheiben fand flotten Betrieb und sollen damit die erheblichen Opfer, die die Herstellung der Wagen bedurfte, einige Deckung finden. Große Erwartungen waren gestellt an die Schlußgruppe, die holländische Teestube. Diese Erwartungen wurden aber weit übertroffen, denn das gesamte Personal auf dem mit Ochsen bespannten Leiterwagen fand so viel Beifall, dass wir sie recht gerne noch einmal sehen möchten.

So bewegte sich der Festzug durch eine zirka 3000-köpfige Zuschauermenge ohne jeden unangenehmen Zwischenfall. Mit großer Spannung wurde das Festspiel erwartet, dessen Abwicklung glatt vor sich ging und allgemein die Frage löste: Wie werden’s das machen? Die Ruhe der Zuschauermenge gab den Beweis, dass alle mit dem Gang der Spiele mitgingen und sich erst dann als Unbeteiligte erfreute, als die Verhaftung der Spieler erfolgte. Nun ging der Rummel los! Das Riesenunternehmen, der Tobogan, übte eine ungeheure Anziehungskraft aus, aber dessen stabile Ausführung hielt dem Andrang stand. Ein Gewoge von Bude zu Bude. Die schwerste Dame der Welt, die »dicke Wosa« konnte sich einer massenhaften Besichtigung erfreuen. Nicht minder gut war der Besuch des Kasperl-Theaters, der Hexenschaukel, der Scherben-Wurfbude und der Luftgewehr-Schießbude. Darunter mischten sich die dumpfen Schläge auf dem Lukas und Jung und Alt erfreute sich an dem so vorzüglich konstruierten Karussell. Wer glaubte, etwas erkältet zu sein, fand gute Unterkunft in der holländischen Teestube, deren Wirtschaftsbetrieb mustergültig war. Die eintretende Dunkelheit brachte das Ende des Festes. Hohe Befriedigung ob des günstigen Wetters und des massenhaften Besuches war allen Gesichtern abzulesen. In bester Stimmung verlief auch der Narrenball bei einer übergroßen Beteiligung. So ist der »große Fasching in Grassau« vorbei. Ein Berg von Arbeit, unbegrenzte Selbstlosigkeit, Mut und Ausdauer unter dem Witterungseinfluß, haben ein Fest fertig gebracht, das auch unsere Gegner respektieren müssen. Diese Zusammenarbeit hatte einen Besuch zur Folge, der weit über das Erhoffte hinausging und was Grassau besonders Freude machte, war der so zahlreiche Besuch aus Traunstein, mit dem so sehr geschätzten Bürgermeister Prandtner an der Spitze.

Zum Abschluß dieses Aufsatzes ist nur ein Wort angebracht, dass allen gelten soll: »Dank allen, die mitgeholfen haben!«
Verspätet erschien der Bericht zum traditionellen Faschingskonzert am 29. Februar 1928. Der Bericht zeigt auch die Belastungen, unter welchen nicht nur der Berichterstatter im Fasching in Grassau stand.

»Grassau. Vor lauter Faschings-Gaudi, Rutschbahn und anderer Viecherei wäre unserem Berichterstatter beinahe eine große Unterlassungssünde passiert: der längst schon fällige Bericht über das Faschings-Konzert unseres altbewährten »Musik- und Gesangs-Vereins« blieb liegen! Man verzeihe uns bitte die Verspätung, aber es war ganz gewiß keine böse Absicht dabei! Uns ist’s halt heuer, wie vielen unserer Mitbürger gegen den Schluß des so ereignisreichen Faschings auch »zu hart« geworden! Heute wollen wir das Versäumte um so gewissenhafter nachholen. Also: das heurige Faschings-Konzert war eines der bestgelungenen seit langer Zeit. Darüber sind sich wohl alle Besucher einig gewesen. Das mit 22 Herren besetzte Orchester des Vereins bot diesmal nur leichte Musik und traf damit den rechten Ton für den Abend. Unter Leitung des Herrn Posthalter Hilger kamen alle Orchester-Nummern des Programmes bestens zu Gehör. Ganz besonders gut gelang ein Satz aus der »Bauernsymphonie« von Mozart. 2 Violinen, 1 Viola, 2 Waldhörner und 1 Baßgeige brachten, in entsprechenden Kostümen, den »musikalischen Spaß«, wie Altmeister Mozart diese Komposition selbst nennt, so urgelungen zum Vortrag, dass fröhliche Lachsalven des Publikums dankbar dafür quittierten. Der gemischte Chor bot unter Herrn Lehrer Schmuck’s vorzüglicher Führung und mit Herrn Lehrer Reill’s ganz ausgezeichneter Begleitung am Flügel zunächst mit dem altbekannten »Sonntag auf der Alm« von Koschat eine hochbefriedigende Darbietung. Eine der gelungensten Nummern des Programms war aber zweifellos die »Frühlings-Symphonie« von Weiß Ferdl. Schon die Kostümierung des ganzen Chores löste große Heiterkeit aus. Beim Vortrag dieser »Symphonie« kamen die Zuhörer aus dem Lachen nicht mehr heraus. Der unermüdliche Herr Lehrer Schmuck war als Dirigent einfach unübertrefflich und sein Chorpersonal unterstützte ihn so ausgezeichnet, dass ein Satz der Symphonie (»die Frösch«) sogar wiederholt werden musste. Von den Singspielen des Abends stand in erster Reihe »Der Wäschetag« nach Melodien von Lortzing bearbeitet von Dr. Erich Fischer. Hier lieh Frau Dr. Wichera dem Verein ihre unschätzbare Kraft, so dass das Scherzspiel mit Fr. Rutzmoser’s reizendem, stets arbeitsamem Haustöchterchen und Herr Weidinger’s ernstem, stimmlich wieder ausgezeichneten Dr. Klausen eine ganz vorzügliche Wiedergabe erfuhr. »Das gestörte Ständchen« war eine rechte Gaudi. Herr Lehrer Reill, als Seele des Ganzen, würzte seine Rolle mit vielen köstlichen Lokal-Witzen. Ihm assistierte bestens Herr Georg Raffl als urgelungener Dichterling und Musikus, sowie Hilger Xaverl junior als Polizei-Wachtmeister Hupfhäubl. Die Damen Thilde Hilger in unübertrefflicher, komischer Maske, und Liesl Huber als schmachtende Jungfrau waren eine vorzügliche Ergänzung dieses zwerchfellerschütternden Ensembles. Tränen wurden gelacht über »D’Feuerwehrübung«. Sämtliche Mitglieder der »Freiw. Feuerwehr Dimpflhausen« haben sich allerbestens bewährt. Hier war wieder Hilger Xaverl ein famoser, stimmlich übrigens überraschend guter Wirt. Fleidl Sepp als Kommandant, Schmaus Karl als »Schneidergoas« und besonders Herr Sekretär Häringer als »Egidi« waren zum Totlachen! Schmaus Hans war der einzige einigermaßen »normale« Feuerwehrmann und Frl. Ölkuch hatte die kurze weibliche Rolle übernommen, die sie bestens ausfüllte. Und dann die »Pauken-Verse«! Die Herren Vinzenz Gnadl und Jakob Zusann hatten »gewissenhaft« alles zusammengetragen, was sie so im Laufe eines Jahres an »aktuellen« Dingen ereignet. Die Beiden hatten, wie immer, die Lacher auf ihrer Seite. So war das heurige »Faschings-Konzert« unseres rührigen »Musik- und Gesang-Vereins« wieder ein glänzender Erfolg auf der ganzen Linie.

Wir gratulieren dem Verein herzlichst zu diesem schönen Resultat mühseliger Arbeit, von der der Außenstehende ja keine blasse Ahnung hat und wir hoffen, dass unser altbewährter »Musik- und Gesang-Verein Grassau« recht bald wieder einem schönen Konzert erfreuen wird!«

Auch in den folgenden Jahren fanden immer wieder große und kleine Bälle in großer Zahl statt. Leider liegt davon aber kein Bildmaterial vor.

Als der Fremdenverkehr durch die ‚Kraft durch Freude’ – Organisation der Nationalsozialisten – auch in Grassau einen besonderen Aufschwung erfuhr, waren die Vereine vor Ort gefordert, auch Faschingsveranstaltungen zu organisieren. Eine besonders aufwändige Veranstaltung fand am 28. Januar beim Sperrer für einen KdF-Kurs statt.

Nach dem Krieg fanden bis in die 70er Jahre regelmäßig Faschingsumzüge mit teils sehr großer Beteiligung und einer Vielzahl von prächtig ausstaffierten Wagen statt. Dazu organisierte der Musik- und Gesangsverein regelmäßig seine Faschingskonzerte mit den viel gerühmten Paukenversen. Sogar eine Faschingszeitung wurde 1960 in Mietenkam herausgegeben, um den anstehenden Bürgermeisterwahlkampf etwas zu beleben.

Der Fasching in Grassau in der Vergangenheit hat gezeigt, wie viel in einem kleinen Ort erreicht werden kann, wenn alle zusammenhalten und gemeinsam derartige Veranstaltungen verwirklichen. Dies zeigte sich zum Beispiel auch in den Jahren 1933 und 1934 bei den Aufführungen zur 1000-Jahrfeier und auch vor wenigen Jahren als die Gemeinde das 40. Jahr der Markterhebung feierte.


Olaf Gruß



06/2010