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Jahrgang 2004 Nummer 26

Er prägte das Stadtbild von Salzburg

Die Kollegienkirche ist Fischer von Erlachs bedeutendstes Werk

Die Kollegienkirche diente als Universitätskirche.

Die Kollegienkirche diente als Universitätskirche.
Kein anderer Künstler hat das Stadtbild von Salzburg so entscheidend geprägt wie der Architekt und Bildhauer Johann Bernhard Fischer von Erlach. Seine wichtigsten Bauten in der Salzachstadt sind die Dreifaltigkeitskirche, die Kollegien- oder Studienkirche, die zum Johannes-Spital gehörende Johanniskirche und die Ursulinenkirche. Außerdem war Fischer von Erlach verantwortlich für die Gestaltung des Mirabellgartens und für die Fassade des Hofmarstalls mit der bekannten Pferdeschwemme und der Felsenreitschule.

Johann Bernhard Fischer von Erlach kam im Jahre 1656 in Graz als Sohn eines Bildhauers zur Welt. Seine außergewöhnliche Begabung ist sicherlich auf das väterliche Erbe zurückzuführen, sie konnte sich während eines sechzehnjährigen Italienaufenthalts, vornehmlich im Kreis um Bernini in Rom, zu universeller Reife entfalten. Seit 1687 war er kaiserlicher Hofarchitekt in Wien, zwei Jahre später ernannte ihn der Kaiser zum Architekturlehrer des Kronprinzen Joseph, im Jahre 1705 wurde er Oberinspektor der Hofgebäude.

Um das Jahr 1690 erhielt Fischer von Erlach die ersten Aufträge in Salzburg, wo Erzbischof Johann Ernst Graf Thun aus Abneigung gegen »wälsche« Künstler den seit den achtziger Jahren am Salzburger Hof tätigen Giovanni Zuccali entlassen hatte.

Den künstlerischen Höhepunkt erreichte die kirchliche Baukunst Fischers mit der Kollegienkirche, stellt Franz Fuhrmann fest. »Dieser nach Ausmaßen und Formkraft mit dem Dom wetteifernde Bau setzt nicht nur einen der markantesten Akzente in das Salzburger Stadtbild, sondern verkörpert in höchstem Maße ein bis ins Innerste seiner Gestalt durchstrukturiertes individuelles Architekturgebilde; eine ungewöhnliche Formphantasie wird durchdrungen von einer intellektuellen Ordnungsmacht und führt im Zusammenwirken emotioneller und rationaler Kräfte zu einer einzigartigen Synthese, die Fischers Rang in der europäischen architekturgeschichte bestimmt.« Eine Strukturanalyse hat ergeben, dass sämtliche Proportionen der Kollegienkirche von einer einzigen Größe, nämlich dem Seitenmaß des Vierungsquadrates (44 Salzburger Fuß) geometrisch ableitbar sind. Fuhrmann sieht in dieser folgerichtigen geistigen Durchdringung die Ursache dafür, dass der Bau den »Adel absoluter Architektur« ausstrahlt, wie er sonst nur noch in den Tempeln des klassichen Griechenland zu finden ist.

Fischer von Erlach hat in seinem im Jahre 1721 veröffentlichten Stichwerk »Entwurff einer historischen Architectur« die Vision einer Weltarchitektur entworfen und die Summe der bisherigen Baukunst gezogen. Die umfangreichen Studien und Zeichungen als Vorbereitung zu seinen Bauwerken reichen von ersten Ideenskizzen über Entwurfszeichnungen bis hin zu Architekturprospekten. Von Anfang an komme es, wie Fischer schreibt, darauf an, schon im Entwurf eine »ungemeine Wirkung zu erzeugen, um den Auftraggeber das geplante Objekt möglichst überzeugend vor Augen zu stellen.

Als Erzbischof Johann Ernst Graf Thun starb, verließ Fischer Salzburg. Der neue Erzbischof ernannte Fischers Rivalen Johann Lucas von Hildebrandt zum Nachfolger. In Wien schuf Fischer von Erlach u.a. die Karlskirche, die Peterskirche, den Palast des Prinzen Eugen und den kaiserlichen Marstall. Auch die ersten Pläne von Schloss Schönbrunn stammen von seiner Hand. Mit Ehren überhäuft starb er als kaiserlicher Hofbaudirektor am 5. April 1723. Sein Sohn und Schüler Josef Emanuel Fischer führte die unvollendeten Werke seines Vaters zum großen Teil zu Ende und veröffentlichte das Werk »Vorstellung der vornehmsten Gebäude sowohl innerhalb der Stadt als in den Vorstädten von Wien«.

JB



26/2004