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Jahrgang 2004 Nummer 32

Einst verbot Kaiser Theodosius die Olympiade

Das war im Jahr 394 nach Christus – Ein Rückblick in die Geschichte der Olympischen Spiele

Schaut man auf die Vergleichstabellen der Olympischen Spiele seit 1896 in Athen, so sind die Steigerungen der verschiedenen Rekorde unverkennbar. Den 100-Meter-Lauf gewann 1896 der Amerikaner Thomas Burke noch in 12,0 Sekunden, während sein Landsmann Carl Lewis 1988 in Seoul (Südkorea) für diese Strecke »nur« 9,92 Sekunden brauchte. Wesentlich gesteigert haben sich die Werte im Hochsprung der Männer: 1896 sprang der Amerikaner Ellery Clark 1,81 Meter hoch, 1988 erreichte der Sowjetrusse G. Awdejenko bereits 2,38 Meter.

Allerdings sind das alles schon Werte der Olympischen Spiele der Neuzeit, die nach Gründung des Internationalen Olympischen Komitees durch Baron Pierre de Coubertin (1863-1937) im Jahre 1894 ihre Wiedergeburt erlebten.

Völkerverständigung, Kräftemessen durch friedlichen Sport, Förderung des Amateursports, das waren einige Gründe zur erneuten Austragung der Olympiade, wobei die fünf ineinander verschlungenen Ringe die fünf Erdteile symbolisieren und der Gedanke einer Völkerverbindung durch den Sport das Leitmotiv der Spiele ist.

Bevor die Olympischen Sommerspiele in Athen stattfinden, wollen wir ein wenig aus der Geschichte dieser Idee plaudern. Die ersten sicheren Aufzeichnungen stammen vom Juli 776 vor Christus; damals versammelten sich im Heiligen Hain von Olympia die erfolgreichsten Athleten zum friedlichen Wettstreit. »Veranstalter« dieser Spiele war König Iphitos aus Elis.

Recht genau weiß man über den Verlauf der Spiele deshalb Bescheid, weil der deutsche Historiker und Archäologe Ernst Curtius (1814-1896) 1875 mit den Ausgrabungen im alten Olympia begann. Palästra und Gymnasium wurden freigelegt. In den Übungsstätten stählten die Griechen jener Zeit ihre Körper vor den eigentlichen Wettkämpfen unter fremden Trainern, um den Grundsatz der Gleichheit zu wahren.

Nach strengen Regeln wurden die Spiele dann nach Abschluss der Trainingszeit durchgeführt, wodurch die verfeindeten Griechenstämme geeint werden sollten. Der Lauf im Stadion – rund 190 Meter – war der Ursprung und Auftakt der Spiele. Die anderen Übungen, wie Olympischer Fünfkampf (Diskus- und Speerwerfen, Weitsprung, 200-Meter-Lauf und Ringen, der Faustkampf, Wagenrennen und Waffenübungen) kamen später hinzu.

Schon bei den ersten Olympischen Spielen – man nimmt an, dass sie bereits 1500 vor Christus stattgefunden haben, aber wieder in Vergessenheit gerieten – waren Laufwettbewerbe das Kernstück, und sie blieben es für fast 800 Jahre. Bereits 668 vor Christus war das Boxen »im Programm«. Gekämpft wurde mit bloßen, später mit bandagierten Fäusten bis zur endgültigen Niederlage eines Gegners.

Der erste pferdesportliche Wettbewerb ist uns von den 25. Spielen der Griechen im Jahr 680 vor Christus überliefert. Es war ein Wagenrennen, bei dem nicht der Fahrer, sondern das Pferd und sein Besitzer ausgezeichnet wurden.

Werden heute für die Besten bronzene, silberne und goldene Medaillen vergeben, erhielten die siegenden Sportler einst Palmen- und Olivenzweige, die zwar symbolische Bedeutung hatten, aber keinen matriellen Wert darstellten. Übrigens wurden die Übungen in Gymnasium in unbekleidetem Zustand ausgetragen, nur Männer waren als Zuschauer zugelassen.

Im Jahre 394 nach Christus verbot der römische Kaiser Theodosius der Große (346-395) »wegen des heidnischen Charakters« die Olympischen Spiele. Im Mittelalter wurden in Anlehnung an das alte Olympia faire Ritterkämpfe nach exakten Regeln ausgetragen, die im Sängerwettstreit der Minnesänger ihren Höhepunkt fanden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnerte man sich wieder der fast vergessenen sportlichen Wettkämpfe. Turnfeste, Ruderregatten und andere Wettkämpfe wie Bogenschießen, Fußball, Handball, Hockey. Judo und anderes bildeten die weitere Grundlage für die modernen Olympischen Spiele.

Neu ins Olympia-Programm aufgenommen wurden inzwischen die Rhythmische Sportgymnastik (Frauen), das Synchronschwimmen Solo und Duett (Frauen), Segelsurfen, Straßen-Radfahren (Frauen), im Boxen das Superschwergewicht, in der Leichtathletik 3000 Meter, Marathon, 400-Meter-Hürden jeweils Frauen, sowie im Schießen Luftgewehr, Sportpistole, Standardgewehr, Dreistellungskampf (jeweils Frauen) und Luftgewehr (Männer).

In den in Abständen von vier Jahren stattfindenden Olympiaden sind nun praktisch alle jene Sportarten vertreten, die dem Amateurstandpunkt entsprechen, obgleich 1984 erstmals auch Profis an einem olympischen Fußballturnier teilnehmen durften.

TS



32/2004