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Jahrgang 2004 Nummer 16

Eine der schönsten spätgotischen Hallenkirchen feiert Jubiläum

Von der Burgkapelle St. Michael zum Gotteshaus des edlen Ritters Hans Hertzhaimer

Am Berghang mit der Michaelskapelle auf der einstigen Burg liegt die St. Andreaskirche, die in diesem Jahr das 500jährige Weihej

Am Berghang mit der Michaelskapelle auf der einstigen Burg liegt die St. Andreaskirche, die in diesem Jahr das 500jährige Weihejubiläum feiert.
Seit 1957 schmücken zwei Assistenzfiguren des weltbekannten holländischen Schnitzers Aegid Verhaelst das Kreuz im Altarraum: Mar

Seit 1957 schmücken zwei Assistenzfiguren des weltbekannten holländischen Schnitzers Aegid Verhaelst das Kreuz im Altarraum: Maria und der Jünger Johannes.
Ein Blick ins Kircheninnere, das unter anderem die Grabplatte des Ritters  Hans Hertzheimer aus Heretsham beherbergt der als gro

Ein Blick ins Kircheninnere, das unter anderem die Grabplatte des Ritters Hans Hertzheimer aus Heretsham beherbergt der als großer Gönner des Gotteshauses um 1500 auf überwiegend eigene Kosten das alte Langhaus abbrechen und in wesentlich größerer Form als spätgotische Halle neu errichten ließ.
Am 14. April 2004 wurde die Trostberger St. Andreaskirche 500 Jahre alt - Silberner Kelch aus der Anfangszeit wird noch heute bei den Messfeiern benutzt – Jubiläums-Festgottesdienst am Sonntag, 25. April mit Weihbischof Dr. Franz Dietl Trostberg. Zur Einstimmung in das Jubiläumsjahr ermöglichte der langjährige Kirchenpfleger Ernst Rieger einen Blick weit zurück in die Frühgeschichte der Pfarrei St. Andreas in Trostberg, mit Vorträgen beim Katholischen Frauenbund und erst kürzlich für die gesamte Pfarrei im Pfarrzentrum St. Andreas. Vor zahlreichen Besuchern konnte er dabei auf Forschungen des Rieger-Familienmitgliedes Ernest Geiß zurückgreifen, der 1810 als lediges Kind geboren wurde, nach großen Schwierigkeiten wegen seiner Geburt im Jahre 1839 die Priesterweihe empfing und in Trostberg seine Primiz feierte. Voller Begeisterung für sein Wirken und aus Liebe zu seiner Vaterstadt hatte Ernest Geiß als erster die Archive der Pfarrei durchforscht und alles Bemerkenswerte in einem Buch zusammengetragen, das bis heute eine reiche Quelle für Erkenntnisse über das Entstehen der Pfarrei St. Andreas und der Stadt Trostberg darstellt. Es war ein steiniger Boden, den die Pfarrer im 13. Jahrhundert in Trostberg vorfanden, als die Burg über den damaligen ersten Häusern nahe dem wilden Alzfluss seine Kapelle erhielt und 74 Bürger aus dem Tal dort die Messe besuchen konnten. Ernst Rieger hatte für seine Vorträge auf zahlreichen alten Landkarten die Einbindung Trostbergs in das Erzbistum Salzburg dargestellt, das durch Dezentralisierung eine gewisse Eigenständigkeit auch des Archidiakonates Baumburg ermöglichte. Er erinnerte daran, dass bei der Gründung Trostbergs durch Herzog Otto II. von Wittelsbach der 23. Bischof in Salzburg regierte, die Abteien auf Herren- und Frauenchiemsee seit fast 500 Jahren und Seeon seit 250 Jahren bestanden und in Baumburg seit 100 Jahren eine romanische Basilika existierte. Die Burgkapelle St. Michael in Trostberg wurde vom Pfarrsitz Tacherting betreut und so entstand bei den Bewohnern der Stadt im Jahr 1344 der Wunsch, eine eigene Kirche zu errichten. Da die Stadt auf dem Gebiet des Klosters Baumburg lag und dieses die Konkurrenz Trostbergs gegenüber dem Alten Markt fürchtete, wurden Streitigkeiten über den Baugrund erst durch Kaiser Ludwig dem Bayern durch die Schenkung des Niederhofes in Thalham als Tauschobjekt aus der Welt geschafft. Pfarrer Heinrich von Tacherting willigte in das Tauschgeschäft ein und so wurde der Baugrund der jetzigen St. Andreaskirche erworben.

Nach drei Jahren Bauzeit feierte man am 30. August 1347 die Kirchweihe des schlichten Bauwerks, von dem keine Bilder vorhanden sind. 1380 zog der Pfarrer von Tacherting nach Trostberg in eine erneuerte und größere Kirche, damit sank Tacherting zur Filialkirche ab, während die Pfarrei Trostberg entstand. Am 25. Juli 1400 weihte der Weihbischof von Salzburg die wiederum vergrößerte St. Andreaskirche. Wenige Tage zuvor hatte er auch Kirchen in St. Wolfgang und Brünning bei Palling sowie die erneuerte Deintinger Kirche geweiht.

100 Jahre später war die St. Andreaskirche wiederum zu klein und baufällig geworden. Da fand sich mit dem edlen Ritter Hans Hertzhaimer aus Heretsham bei Trostberg ein großer Gönner des Gotteshauses, der auf überwiegend eigene Kosten das alte Langhaus der Kirche abbrechen und in wesentlich größerer Form als spätgotische Halle neu errichten ließ. Der damalige Baumeister ist leider unbekannt, doch dürfte er der Burghauser Schule angehört haben. Nach wenigen Jahren Bauzeit konnte man am 14. April 1504 die Weihe durch den Salzburger Weihbischof Nikolaus Kaps von Hippo feiern. Dieses Datum ist der Anlass für das festliche 500-jährige Jubiläum in diesem Jahr. Der edle Spender Hertzhaimer stattete sein Gotteshaus, das auch Begräbnisstätte seiner Vorfahren ist, mit vielen Einrichtungs- und Sachspenden aus: Messgewänder und Chormäntel, eine Monstranz, Marien- und St. Andreasbilder, Kästen für die Sakristei und vor allem einen silbernen Kelch mit dem Hertzhaimer-Wappen, der heute noch bei festlichen Anlässen bei der Messfeier Verwendung findet.

Viel zu Schmunzeln gab es beim weiteren Gang durch die Geschichte der Pfarrkirche. So war von einem Visitationsbesuch im Jahre 1558 die Rede, von dem noch ein ausführlicher Fragebogen vorliegt. 1581 entstand westlich der Kirche die St. Ursulakapelle, die dann 1866 der Erweiterung der Pfarrkirche weichen musste. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges 1618 bis 1648 herrschte auch in Trostberg große Not. Aus der Burg wurden wertvolle Teile der Kapelle nach Burghausen gebracht, kehrten aber nie mehr zurück.
Unmittelbar nach dem Ende des schrecklichen Krieges wurde die Sebastianskapelle am Vormarkt errichtet. Erst um 1700 wurde wieder gebaut, den spitzen Turm von St. Andreas ersetzte man durch eine barocke Zwiebelhaube mit Laterne, die noch heute das Wahrzeichen der Stadt bildet.

Zur Zeit des Rokoko wirkten in Trostberg bedeutende Künstler, doch ihr Nachlass in der Stadt ist nur gering. Ein bedeutendes Werk des Kirchenmalers Franz Joseph Soll befindet sich in der Schlosskapelle Schedling, es zeigt den Bischof von Mailand Karl Borro-mäus bei den Pestkranken.

Mit der Säkularisation 1803 verschwanden viele kirchliche Einrichtungen, wurden aufgelöst, zerschlagen und zerstört. Die Kapelle in Trostberg am Vormarkt wurde zur Registratur des Gerichts, die prächtige Möglinger Kapelle nutzte der Müller als Stadel. Trostberg hatte 830 Einwohner und war keine Pfarrei mehr. Erst 1805 erfolgte die Abtrennung von der Pfarrei Peterskirchen, und der Peterskirchener Vikar Lorenz Zoglauer wurde nach Jahrhunderten erster Pfarrer in Trostberg. 1817 löste man den Chiemgau von seinem bisherigen Erzbistum Salzburg, er kam zum neu gegründeten Erzbistum München-Freising. Eine weitere Änderung: Deinting kam zur Pfarrei Trostberg.

Der letzte große Umbau der St. Andreaskirche erfolgte 1866 mit der Verlängerung nach Westen. Dazu wurde die Ursulakapelle auf dem damaligen Friedhof abgebrochen und die Kirche von allem barocken »Plunder« befreit, das Gleiche geschah in der Burgkapelle St. Michael, die sich seit diesen Tagen als schmuckloser Kirchenraum zeigt. Auch Deinting wurde nicht verschont, ein Juwel des Rokoko, gestaltet vom Trostberger Künstler Franz Joseph Soll, verschwand als staubiger Mörtelhaufen.

Inzwischen ist auch die neugotische Inneneinrichtung von 1866 aus der St. Andreaskirche wieder verschwunden, unter Stadtpfarrer Wagner erhielt 1956 der Kirchenraum sein jetziges Aussehen, erst seit jüngster Zeit haben die Heiligenfiguren von Paul Horchler aus dem neugotischen Altar einen schönen Platz im Kirchenschiff gefunden. Stadtpfarrer Anton Geisenhofer führte die Erneuerungsarbeiten seines Vorgängers weiter, und sorgte 1971 und 1972 für eine Außenrenovierung des Kirchenschiffs und des Turms und war entscheidend am Neubau des Pfarrzentrums beteiligt.

Mit der Freilegung von Pflanzenornamente im Rippengewölbe bei der Restaurierung 1977 unter Stadtpfarrer Helmut Kopp, einem geborenen Traunsteiner, wurden weitere Details aus der Kirche des Hanns Hertzhaimer wieder sichtbar. Zur 500-Jahr-Feier der Kirchenweihe am 14. April erhielt der Innenraum der St. Andreaskirche als geistiger Mittelpunkt der Stadt wieder einen neuen Glanzpunkt: Ein übermaltes Fresko im Altarraum, das den Heiligen Andreas auf dem Weg zur Kreuzigung zeigt, konnte mit vielen Spenden aus der Bevölkerung und der ganzen Stadt freigelegt werden. Um 1900 hatte der Maler Ludwig Glötzle in der Trostberger Kirche viele Kunstwerke als Altarbilder und Fresken geschaffen.

Auch an weitere Veränderungen im Bereich der Kirchen Trostbergs in den zurückliegenden 50 Jahren erinnerte Ernst Rieger. Im früheren Gebiet der Pfarrei St. Andreas entstand die Mariae-Himmelfahrtskirche in der Schwarzau, die 1951 die Weihe erhielt. Architekt ist der nun hochbetagte Prof. Wiedemann aus München, das Altarbild schuf der Kunstmaler Horndasch. Auch an das Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Trostbergs, die Christuskirche, erinnerte Ernst Rieger. Auf einem ehemaligen Grundstück seiner Familie errichtete der Trostberger Architekt Frank diese Kirche, die am 14. Oktober 1951 geweiht wurde. Eindrucksvoll ist immer wieder das Geläut der Glocken, die mittlere mit 7,5 Zentnern Gewicht ist 500 Jahre alt und stammt aus Borchersdorf in Ostpreußen, die kleinere aus dem Jahre 1706 stammt aus Turheim, Schlesien, die größte mit neun Zentnern wurde erst 1965 gegossen, ein Geläut also mit vielen Erinnerungen. In diesem Umfeld freut sich ganz Trostberg auf die 500-Jahrfeier der Andreaskirche, in der Taufen und Hochzeiten, Kommunion, Firmung aber auch Trauergottesdienste für die vielen Gläubigen gefeiert wurden und auch weiterhin zur Ehre Gottes gebetet wird.

EH



16/2004