Jahrgang 2001 Nummer 48

Ein schönes Jahr, wenn St. Thomas dunkel war

Wetter- und Bauernregeln für den Dezember

Bauern- und Wetterregeln im Dezember befassen sich meist mit Schnee- und Kälteprognosen für den Rest des Jahres. Doch manche wagen auch Vorhersagen für das kommende Jahr. Eine stabile Wetterlage versprechen etwa die Regeln für den 1. und 2. Dezember: »Ist St. Eligius (1.12.) ein kalter Wintertag, die Kälte vier Monde dauern mag.« Und: »Wenn's regnet am Bibianatag (2.12.), regnet's vierzig Tage und eine Woche danach.«

Für den Barbaratag (4.12.) erhofft man sich einen ausgewogenen Mix aus Kälte und Schnee, weil dies eine gute Sommerzeit in Aussicht stellen und »viel Korn auf jeder Höh« versprechen soll. Zu St. Gerald (5.12.) und St. Nikolaus (6.12.) ist nachzulesen: »An St. Gerald wird es kalt«, »Regnet's an St. Nikolaus, wird der Winter streng und graus« und »Fließt an Nikolaus noch Birkensaft, hat der Winter keine Kraft«. Ambrosius, dem Tagesheiligen des 7. Dezember, wird unterstellt, er stehe in Beziehung zu St. Gregor (12.3.) und St. Florian (4.5.), was in der Regel »Wenn's zu Ambros schneet, Gregor weht« und in der Feststellung »Ist Ambrosius schön und rein, wird St. Florian ein wilder sein« zum Ausdruck kommt.

Zum 8. Dezember heißt es: »Zu Mariä Empfängnis Regen bringt dem Heu keinen Segen.« Nächster Lostag ist dann erst wieder der 13. Dezember, der mit einer der wohl bekanntesten alten Bauernregeln aufwartet: »Geht die Gans zu Luzia im Dreck, dann geht sie zu Weihnachten auf Eis.« Lapidar heißt es indes: »Kommt die heilige Luzia, ist die Kälte auch schon da.« Als vielfach bewährt erweisen sich mitunter auch die Prognosen »Luzia hell - Weihnachten mit Schnee« und »Luzia mit Schnee - Weihnachten klar.«

St. Lazar (17.12.) und St. Thomas (21.12.) stehen für eine längerfristige Wettervorhersage: »St. Lazar nackt und bar, folgt ein linder Februar« oder »ein schönes neues Jahr«. Letzteres soll sich auch ankündigen, »wenn St. Thomas dunkel war«. Friert es am Thomastag, sollen laut einer alten Bauernregel die Kornpreise fallen. Zu Adam und Eva (24.12.) erhofft man sich eine helle, klare Nacht und ein segensreiches neues Jahr.

Steht an Weihnachtstagen Wind ins Haus, können sich Obstbauern freuen. Bei den Winzern ist am Christtag die Sonne gern gesehen, da Weihnachtssonnenschein ihnen viel Wein verheißt. Im Volksmund kennt man auch die Merkregel: »Wenn's Christkindlein Regen weint, vier Wochen keine Sonne scheint.« Letzteres würde zumindest dem Flachs schaden, dieser benötigt nämlich die Sonne des Ste-phanstags (26.12.), um »zur Wonne« zu geraten. Doch bei allem Sonnenschein – Winzern käme ein windstiller zweiter Weihnachtstag gerade recht, zumal dann ihr Wein im nächsten Jahr besonders gut gedeihen soll.

Für den 28. Dezember halten die alten Bauernregeln eine gute oder eine schlechte Vorhersage bereit: »Haben's die Unschuldigen Kindlein (so die volkstümliche Bezeichnung des Tages) kalt, weicht der Frost noch nicht so bald.« Die Gute: »Wenn heute die Sonne scheint, werden das Obst und die Winterfrucht gut gedeihen.« In der Silvesternacht sollen das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Wind über Wohl und Wehe des kommenden Jahres entscheiden, wobei man davon ausgeht, daß »Wind in der Silvesternacht noch nie hat Wein und Korn gebracht«. Eine frostig-klare Silvesternacht beschert Nachtschwärmern und Feuerwerkern zwar kalte Finger und Nasen, sie verspricht aber ein wohlwollendes neues Jahr.

Heike Michel



48/2001