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Jahrgang 2012 Nummer 1

Ein Leben mit und für die Volksmusik

Vor 50 Jahren bekam der Auer Hansl aus Hammerau seine erste Ziach

Hansl Auer mit Vater Hans beim Heimatabend in Ainring.

Hansl Auer mit Vater Hans beim Heimatabend in Ainring.
Drei, die das Ziachspielen prägten: von links Hansl Auer, Willi Schneider und Hias Häusler beim Ziachspielertreffen 1981.

Drei, die das Ziachspielen prägten: von links Hansl Auer, Willi Schneider und Hias Häusler beim Ziachspielertreffen 1981.
Hansl Auer 2011 mit seiner ersteigerten Ziach.

Hansl Auer 2011 mit seiner ersteigerten Ziach.
Mit dem Geschenk einer zweireihigen Hohner-Ziach legte dem Auer Hansl aus Hammerau quasi das »Christkindl« 1961 den Grundstock für ein Leben voller Musik unter den Christbaum. Neben Hias Häusler aus Piding, Willi Schneider aus Waging und in späteren Jahren Hermann Huber aus Ainring prägte er die Entwicklung des Ziachspielens auf der »Steirischen« nicht nur im Berchtesgadener Land, sondern weit darüber hinaus im benachbarten Österreich und im Alpenraum.

Hansl Auer kam am 22. 5. 1955 in Bad Reichenhall zur Welt, absolvierte nach Grund- und Realschule im elterlichen Betrieb eine Malerlehre und schloss diese 1973 mit der Gesellenprüfung ab. Die ersten Musikstunden auf seiner nagelneuen Ziach erhielt er bei seinem Vater Hans. Neben der Musik prägte Hansl Auer sehr stark auch die Aktivität im Trachtenverein Hammerau-Ainring, wo er als Mitglied der Kindergruppe nicht nur plattelte und tanzte, sondern bereits im Sommer 1962, bei den Heimatabenden, mit der Harmonika aufspielen durfte. Wieder ein Jahr später lag 1963 ein Hackbrett auf dem Gabentisch. Zunächst lehrte ihn seine Mutter Giselind darauf zu spielen. Bereits ab 1965 erhielt er dann den ersten Hackbrettunterricht in der Salzburger Volksmusikschule bei Musiklehrerin Frau Prof. Anni Brunner. Auf ihr Anraten gründete seine Mutter 1966 die »Hammerauer Stub´nmusi« die ab 1967 bereits in der typischen Tobi-Reiser-Besetzung mit Hackbrett, Zither, Harfe und Gitarre musizierte. Das Hackbrett war nicht das letzte Instrument, welches Hansl Auer lernte. Ab September 1966 bekam er von Frau Prof. Brunner zusätzlich Unterricht auf der Volksharfe. Im Laufe des Jahres 1969 entstand mit den »Hammerauer Buam« ein neues Trio zusammen mit den Geschwistern Seidl vom Wiesbachhof. Bereits damals wurden nicht nur der Bayerische Rundfunk und der ORF, sondern auch namhafte Persönlichkeiten aus dem Bereich der Volksmusik wie etwa Prof. Harald Dengg oder Tobi Reiser sen. auf den Hansl und seine Gruppen aufmerksam. Ab Anfang der 1970er Jahre spielte gelegentlich Rupert Schäfer mit seinem Kontrabass mit den drei Buam mit. Zwischendurch durfte Hansl Auer, als guter Schuhplattler, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in München im August 1972 mitwirken. Bereits im März hatte der Hansl bei Frau Prof. Marianne Oberascher eine Art Vorstudium im Fach Klavier/Harfe in Salzburg begonnen, dem sich ein Studium am »Mozarteum« anschloss. 1976 beendete er dieses durchwegs mit Bestnoten. Während seines Studiums erhielt Hans Auer auch Unterricht von Prof. Cesar Bresgen, der sich der Volksmusik gegenüber als sehr aufgeschlossen zeigte. Er schrieb für Hansl Auer u.a. Liedeinspiele zu einigen Passionsliedern für das Großgmainer Passionssingen. Bei einem dieser Singen, lernte Auer 1973 den Gitarristen Wasti Irlinger kennen, der noch im gleichen Jahr zu den, nun sogenannten »Hammerauer Musikanten« stieß. Am 1. September 1975 begann Auer, zunächst als Teilzeit- und ein Jahr später als Vollzeitlehrkraft, seine Lehrtätigkeit an der Sing- und Musikschule Inzell, die damals von Sigi Spranger geleitet wurde. Am 1. Januar 1988 trat er in dessen Fußstapfen als Leiter bis zum 1. Februar 2002. Prägend für die Entwicklung des Ziachspielens in unserem Raum waren sicher die Harmonikaspielertreffen in Waging am See, die er, zusammen mit Hias Häusler, Willi Schneider und Koni Drexlmaier ab 1979 organisierte. Zur Vorbereitung eines der ersten Treffen schreibt Hias Häusler an Fritz Schwärz vom ORF Salzburg: »Da Hanse ist, wenn man so sagen kann, einer unserer ersten und treuesten Nachfolger, denn er war als fünfjähriger Bub beim Ziachtreffen in Piding auch schon dabei und hat sich praktisch dann an meinen Stil angelehnt, wenn man so sagen darf. Ist technisch ein hervorragender Spieler. Er ist heute Musiklehrer in Inzell und hat viele gute Arbeit geleistet für den Nachwuchs und es freut mich besonders, dass er bei der Jugend sehr beliebt ist.«

1980 heiratete er seine Frau Maria. Ein besonderer Glücksfall, wie er sagte, da sie sich rührig auch um die musikalische Erziehung der eigenen Kinder Hansi, Vroni und Katharina annahm, wenn er in der Musikschule oder beim Musizieren war. In den 1990er Jahren wurde das Aufgabenfeld für Hansl Auer immer breiter. Er wirkt u.a. seither als Sprecher bei Volksmusikabenden, musizierte vermehrt mit der »Elstätzinger Geigenmusi« oder der eigenen Familienmusik und moderiert regelmäßig eine Volksmusiksendung bei Radio Untersberg (heute Bayernwelle Südost). 1996 feierte er zusammen mit seinen Musikkolleginnen und -kollegen nicht nur das 30-jährige Jubiläum der Hammerauer Musikanten, sondern erhielt bei dieser Gelegenheit den Kulturpreis der Gemeinde Ainring. 1995 hatte er bereits die Kiem Pauli Medaille, in Würdigung um die Pflege des bayerischen Volksliedes, erhalten. Seit 1. Januar 2009 ist Hans Auer selbstständiger Musiklehrer in seiner Heimatgemeinde. Es gäbe noch viele Termine und Aktivitäten zu nennen, die ein Buch füllen könnten. Gefragt nach den schönsten Spielgelegenheiten schwärmte Hansl Auer von den vielen Tanzveranstaltungen. Für ihn sei besonders die Ziach in der Tanzmusik am besten aufgehoben »wenn d´Musi so richtig in‘d Fiaß und in‘s Bluat geht und die Leit mit Freid d‘rauf tanz‘n«. Ein guter Ziachspieler müsse seinem Dafürhalten nach seinen eigenen Stil, seinen eigenen Weg finden und dann, irgendwann, von selber förmlich »explodieren«. Schade sei es, dass man Ziachspieler aus den einzelnen Alpenregionen oder den Landschaften Bayerns nicht mehr am Musizieren erkennen könne, weil aus dem großen Angebot allzu oft nur nachgespielt werde. Besonders stolz blickt er auf die vielen, ehemaligen Schüler, die heute vielfach hervorragende Volksmusikanten, Musiklehrer oder sogar selber Musikschulleiter geworden sind oder ein Musikstudium absolvierten. Eine besondere Freude machte er sich zu Weihnachten 2011 selber; aus dem Internet konnte er eine dreireihige Ziach mit Bemalung seines Vaters Hans Auer ersteigern.


Werner Bauregger



1/2012