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Jahrgang 2001 Nummer 41

Ein Jahr der Jubiläen

80. Todestag von König Ludwig III. und andere Frasdorfer Jahrestage

Das Königspaar von Wildenwart, wie es auf dem Altarbild der Pfarrkirche Christkönig dargestellt ist. Vor 80 Jahren verstarb der

Das Königspaar von Wildenwart, wie es auf dem Altarbild der Pfarrkirche Christkönig dargestellt ist. Vor 80 Jahren verstarb der letzte bayerische Monarch, König Ludwig III.
Der Heimat- und Kulturverein von Frasdorf mit seinem aktiven Vorsitzenden Rupert Wörndl machte dieser Tage einen Blick in die Frasdorfer Geschichtsbücher. Dabei fiel den kulturell nach rückwärts schauenden Leuten auf, daß sich in Frasdorf heuer sehr viele Ereignisse als Jubiläum darstellen lassen. Wichtigstes ist wohl ein sehr bedeutsames Datum: der Tod vor 80 Jahren von König Ludwig III., der auf Schloß Wildenwart in der Gemeinde Frasdorf Zuflucht nach der Revolution suchte.

Vor 200 Jahren waren die Franzosen im Dorf. Wie Rupert Wörndl mitteilt, ist das Jahr 1801 in den Kirchenbüchern dahingehend bedeutsam, daß zwei französische Soldaten hier gestorben und im Frasdorfer Friedhof beerdigt worden sind. In vielen Bauernhäusern waren französische Soldaten einquartiert und mußten dort auch verpflegt werden. Täglich hatte man jedem Franzosen ein Pfund Fleisch, drei Krüge Bier, eineinhalb Pfund Brot sowie Gemüse nach einer gewissen Vorschrift zu reichen. 50 Jahre später – 1851 – wurden bei den Frasdorfer Bauern die Heimweiderechte abgelöst. Jeder Bauer bekam rund drei Tagwerk Grund »zur Cultur«, das heißt zum Aufforsten. Erstmals eine Postagentur bekam Frasdorf vor genau 100 Jahren, also im Jahr 1901. Vorher besorgte die Überbringung der Briefpost ein Postbote von Niederaschau. Die angekommenen Briefe wurden beim »alten Kramer« (späteres Wagner-Haus, heute Blumenauer) hinterlegt und ausgegeben. Das Postpersonal erfreute sich damals sehr großer Hochachtung. Wie Georg Mayr als langjähriger Bürgermeister von Frasdorf in seinen Chronik-Erinnerungen schreibt, war man besonders während des 1. Weltkrieges dankbar, daß Feldpostbriefe und Liebespakete an Angehörige und Bekannte weggeschickt werden konnten.

Vor 90 Jahren gab es eine Vereinsgründungswelle in Frasdorf, unter anderem wurden der Männergesangsverein, der Verschönerungsverein, der Theaterverein Westerndorf und der Radfahrerverein »Concordia« gegründet.

1921 – am 18. Oktober – verstarb fast 78jährig der bayerische Monarch Ludwig III. nur wenige Wochen nach seiner Flucht von Schloß Wildenwart auf sein ungarisches Gut »Sarvar«. Kurz zuvor an seinem Namenstag – am 25. August – gab es in Wildenwart noch eine große Feier. Zwölf Tage nach dem Ableben des Königs traf der Sarg mit dem Leichnam in Wildenwart ein und die zwei Jahre zuvor verstorbene Königin Marie Therese wurde gemeinsam mit dem König aufgebahrt. In einem unvergeßlichen Trauermarsch von Wildenwart nach Prien wurde das tote Königspaar zum dortigen Bahnhof gebracht. Von Prien aus ging es dann weiter nach München zur letzten Ruhestätte in der Frauenkirche. Dort erfolgte die Beisetzung durch Kardinal Michael von Faulhaber. Wie Rupert Wörndl in seinen Frasdorfer Chronik-Niederschriften festhält, wurde das Königspaar gemeinsam fünf Tage in einer Gruft der Hauskapelle des Wildenwarter Schlosses aufgebahrt. Die Bevölkerung konnte dabei zahlreich Abschied nehmen. Baron von Laßberg, ein Bediensteter des Königs, schreibt in seinen Erinnerungen: »Ich kann nicht unterlassen anzufügen, daß das eigene Personal für die Leute aus der Gemeinde, vor allem auch der Gemeinderat von Wildenwart mit seinem Bürgermeister Wallner an der Spitze aus freiem Antrieb die Nächte, während welcher die hohen Leichen in Wildenwart in der Schloßkapelle ruhten, eigene Betstunden eingerichtet hatten.« Außerdem wurde jeden Morgen in der Schloßkapelle eine Heilige Messe gelesen und nachmittags eine Rosenkranzandacht gehalten, welche stets von vielen Andächtigen besucht wurden.

Im selben Jahr – 1921 – wurde im nahen Umrathshausen das Schulhaus errichtet. Im gleichen Jahr brachte der langjährige Frasdorfer Bürgermeister und Ehrenbürger Georg Mayr, Bauer in Wessen, seine »Chronik von Frasdorf und Umgebung« heraus. Dieser Chronik ist es auch zu verdanken, daß der Heimat- und Kulturverein von Frasdorf ein nunmehr gutes Nachschlagewerk hat und daß sich die Leute leicht zugänglich mit ihrer örtlichen Vergangenheit und der Geschichte ihrer Heimat befassen können.

Anton Hötzelsperger



41/2001