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Jahrgang 2008 Nummer 43

Ein ganzes Haus voller Bilder

Maria Schöfer hütet in Töging am Inn die Werke ihres Vaters Max Schöfer

Das Haus der Rentnerin Maria Schöfer in der Emil von Behring Straße 7 in Töging am Inn beherbergt einen Schatz der ganz besonderen Art: In großen Regalen lagern Dutzende Gemälde in Öl und Tempera, Aquarelle, Holzschnitte, Lithographien und Zeichnungen ihres Vaters, des Malers Max Schöfer, der das letzte Jahr seines Lebens in Bergen im Chiemgau verbracht hat. Auch in den Zimmern und im Treppenhaus hängen Bilder von seiner Hand. Einige Werke sind unvollendet, Schöfer hatte vor, sie nach seinem Umzug nach Bergen zu vollenden, doch der Tod nahm dem 71-jährigen Künstler am 12. November 1966 allzu früh den Pinsel aus der Hand. Seine Witwe blieb in Bergen und überlebte ihren Mann um mehr als dreißig Jahre.

Max Schöfer war als Maler ein Spätberufener. Er kam im Jahre 1895 als Sohn eines Gutsbesitzers in der Nähe von Straubing zur Welt. Zunächst arbeitete er auf dem elterlichen Hof, nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und erwarb anschließend einen Bauernhof im Allgäu. Schon früh fühlte sich Schöfer zur Malerei hingezogen, aber es war ihm unklar, wie er sein Ziel erreichen könnte, Maler zu werden. Da lernte er durch Zufall den späteren Kunstprofessor Adolf Hartmann kennen, dem er seine Arbeiten zeigte und der ihm dringend empfahl, die Kunstakademie in München zu besuchen. Schöfer bestand die Aufnahmeprüfung und wurde Schüler von Adolf Schinnerer und Hermann Groeber, die das Talent des jungen Mannes erkannten und ihn nach Kräften förderten.

Schon im Jahre 1925 wurden einige Bilder Schöfers im Münchner Glaspalast ausgestellt, später erwarben auch die Neue Pinakothek und die Bayerische Staatsgalerie mehrere seiner Werke. Nach Abschluss des Studiums zog er wieder auf seinen Hof in der Nähe von Immenstadt, richtete sich ein Atelier ein und unterrichtete dort auch Schüler. »Als Künstler blieb er immer seinem unverbildeten, bäuerlichen Wesen treu«, beschreibt ein Biograf das Charakteristische von Schöfers Kunst. Schöfer gehörte zum Freundeskreis um die Künstler Arno König, Fritz Wrampe und Heinrich Kirchner und traf sich gerne mit ihnen zum Gedankenaustausch auf seinem Hof und in München. Schöfer war ein sehr geselliger Mensch und pflegte eine umfangreiche Korrespondenz mit seinen Freunden. In einem Nachruf schreibt ein Mitglied seines Bekanntenkreises, Schöfers Briefe seien so lebendig gewesen, als ob sie im Stil und in der Gedankenfülle aus der Feder eines Dichters stammen würden. Außerdem liebte er die Musik und spielte sein Leben lang mit bemerkenswertem Talent auf der Geige.

Wie Maria Schöfer erzählt, ging ihr Vater gerne auf Reisen, um neue Eindrücke für seine Kunst zu sammeln. Berlin, Neapel, Paris und Koriska hatte er schon als junger Mann besucht. »Ganz gleich, wo er hinkam, er zog immer gleich seinen Notizblock aus der Tasche und machte sich Skizzen von allem, war er nur erblickte«, erinnert sich die Tochter.

Schöfers malerisches Werk umfasst Porträts, Landschaften, Stillleben und religiöse Darstellungen. Den größten Raum nehmen dabei die Bildnisse ein. »Während für das Frühwerk im formal-figürlichen Bereich archaisierende und monumentalisierende Tendenzen und eine eher zurückhaltende, stumpfe Farbigkeit bestimmend sind, gewinnen die späteren Werke zunehmend an Helligkeit, Buntfarbigkeit und Expressivität, die gelegentlich mit partieller Abstraktion einhergeht« urteilt der Kunstkritiker Michael Teichmann über Schöfers Bilder. Ein anderer Kritiker schrieb: »Wenn Schöfer eine Rose in einem Glas malte, dann geriet nicht nur der schöne Schein, nicht nur das Vergängliche, Flüchtige in Bild, sondern etwas vom großartigen Grundmuster der Natur, dessen Verwirklichung Schöfer als ein Wunder erschienen ist ...«.

Die Ungunst der Kriegs- und Nachkriegsjahre brachte es mit sich, dass es für Max Schöfer nicht leicht war, als freier Künstler vom Verkauf seiner Arbeiten zu leben. Die meisten Menschen waren damals vollauf damit beschäftigt, das Nötigste für Nahrung und Kleidung zu verdienen, für den Erwerb eines Bildes war kein Geld vorhanden. Im süddeutschen Raum waren Max Schöfer des öfteren Ausstellung gewidmet, bei denen seine Kunst einem größeren Kreis bekannt wurde. Eine Ausstellung in Dublin stand unter keinem guten Stern, denn in Folge eines Brandes wurden zwölf Zeichnungen vernichtet. Im Jahre 1956 verlieh ihm Kempten den Kunstpreis der Stadt. Nach seinem Tod wurde in der Städtischen Galerie in Rosenheim eine Ausstellung mit seinen Werken gezeigt. In der Süddeutschen Zeitung erschien am zehnten Jahrestag seines Todes ein Aufsatz über Max Schöfer. Darin nannte ihn die Kunstkritikerin Doris Schmidt einen Künstler, der noch darauf warte, entdeckt zu werden – eine Hoffnung, die sich bis heute nicht erfüllt hat.

Maria Schöfer ist gerne bereit, für Interessenten nach vorheriger Anmeldung eine Führung durch ihr Haus zu vereinbaren und ihnen die Bilder ihres Vaters zu zeigen (Tel. 08631-309495).

Julius Bittmann



43/2008