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Jahrgang 2004 Nummer 15

Eier, Lamm und Osterhase

Viele Geschichten ranken sich um die Osterbräuche

Warum werden zu Ostern Eier gesucht? Und was treibt den Osterhasen um? Um das Osterfet und seine Bräuche ranken sich viele Geschichten und Erklärungs-ansätze. Fest steht: Mit Ostern wird auch das Ende der 40-tägigen Fastenzeit gefeiert. Während dieser Zeit war es im Mittelalter verboten, bestimmte Speisen zu sich zu nehmen, worunter auch die Eier fielen. Deshalb spielen sie auf dem Speiseplan der sich anschließenden Osterzeit auch eine besondere Rolle. Ei steht für neues Leben und Fruchtbarkeit. Damals wie heute wird seine Schale kunstvoll verziert, in den verschiedensten Techniken bemalt, beklebt oder gefärbt. Seit dem 13. Jahrhundert war Rot die Farbe, mit der Eier in der westlichen Welt traditionell bemalt wurden, denn diese Farbe symbolisiert das Blut Christi und das Leben. Eine andere Erklärung besagt, dass früher Eier nach dem Kochen mit Roter Bete gefärbt wurden, um sie von den rohen Eiern unterscheiden zu können. Und in Osteuropa wurden Eier als Zeichen von besonderer Kostbarkeit in goldene Farbe getaucht. Auch heute gehören Eier zum Osterfest unbedingt dazu – ob als Dekorationsstück oder als kulinarische Zutat. Das Lamm ist im alten Testament ein Opfertier. Johannes der Täufer bezeichnet Jesus als »Lamm Gottes«, der die Sünden auf sich nimmt. Zudem steht das Lamm auch für Reinheit und Unschuld. Doch nicht nur im übertragenden Sinn spielt das Lamm zu Ostern eine große Rolle, sondern auch als Festmahl. Vor allem als gebachene Variante – obe Biskuit-, Hefe- oder Rührteiggebäck – bereichert das Osterlamm die Festtafel. Darüber hinaus bieten die Bäckereien zu Ostern vielfältige Kreationen an, je nach Region Osterzöpfe, Osterkringel und Osterfladen. Noch ein weiteres Tier hat es durch das Ostervest zu weltweitem ruhm gebracht: der Hase. Auf ihn lassen sich nicht ohne weiteres Hinweise in der Bibel oder in alten Dokumenten finden. Aber er ist pünktlich zur Stelle – und nicht nur im Süßwarenregal, auch wenn seine Beziehung zum Osterfest nicht eindeutig nachvollziehbar ist. So erzählt eien der vielen Quellen von dem vermehrten Auftreten der ansonsten so scheuen Hasen im Frühjahr in den Gärten. Während die Erwachsenen sicherlich wussten, dass die possierlichen Tiere nach dem langen Winter lediglich auf Futtersuche waren, machten sie den begeisterten Kindern weis, der Hase verstecke Ostereier im Garten. Spätestens mit der Entdeckung, Zucker auch aus Rüben zu gewinnen zu können, und dem damit verbundenen Aufschwung einer Süßwarenindustrie war es dann nur noch ein kurzer Weg, Genosse Langohr auch als Schokoladenhasen zu präsentieren.



15/2004