Jahrgang 2009 Nummer 24

Durch die kosmische und die irdische Zeit

Der Planetenweg und der Geschichtsweg in Burgkirchen an der Alz

Geschichtsweg Burgkirchen-Hirten entlang des Planetenweges

Geschichtsweg Burgkirchen-Hirten entlang des Planetenweges
Verschiedene Funde aus der Keltenzeit

Verschiedene Funde aus der Keltenzeit
Der Planetenweg beginnt mit der Sonne.

Der Planetenweg beginnt mit der Sonne.
Die riesigen Zeitangaben, mit denen die Astronomen rechnen, entziehen sich unserer Vorstellung. Im Vergleich dazu nehmen sich die Zeitangaben zur Weltgeschichte ausgesprochen mickerig aus. Den Versuch, beide Zeitebenen miteinander in Beziehung zu bringen, unternehmen zwei Lehrpfade in der Gemeinde Burgkirchen an der Alz, der Planetenweg und der Geschichtsweg. Der Planetenweg setzt an bei der Entstehung unseres Sonnensystems vor fünf Milliarden Jahren, der Geschichtsweg beginnt mit der Jungsteinzeit viertausend Jahre vor Christi Geburt. Ausgangspunkt für beide Lehrpfade ist die Obere Alzterrasse nahe der Otachar-Straße in Burgkirchen.

Der Planetenweg ist ein verkleinertes Abbild des Sonnensystems. Die Planetenmodelle von Sonne, Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto sind in Größe und Abstand maßstabsgetreu angeordnet. Jeder Millimeter entspricht eintausend Kilometer im Weltall. Ein Steckbrief – auch in Blindenschrift – unterrichtet über Größe, Oberflächentemperatur und Umlaufzeit der einzelnen Himmelskörper.

Der Geschichtsweg erläutert an konkreten Bodendenkmälern die vorgeschichtlichen Epochen der heimatlichen Region. Die älteste Siedlung im Landkreis Altötting wurde im Jahre 1971 auf der Oberen Alzterrasse nahe der Otachar-Straße entdeckt. Sie gehört zur so genannten Münchshöfener Gruppe (um 4300 - 3900 vor Christus). Gefunden wurden viele Keramikscherben mit der charakteristischen Strichbandornamentik, aus Silex gefertigte Pfeilspitzen, Schaber, Stichel, Abschläge, Klopfsteine, zwei Löffel und ein vollständig erhaltenes kleines Gefäß.

Etwa hundert Meter weiter erinnert die nächste Schautafel an die Bronzezeit. Sie steht unweit der Stelle, an der 1938 beim Ackern ein Bronzehort entdeckt wurde. Er umfasste einen Ringhalskragen, ein Spiralhalsband mit zwölf Spiralen, ein Spiralarmband mit acht Spiralen, ein verbogenes Spiralarmband, 19 halbmondförmige Bronzebarren (Ösenhalsringe) und sieben Teilstücke.

Am Schönbuchweg zwischen Holzen und Höresham wird der Wanderer mit der Keltenzeit konfrontiert, weil sich hier eine Reihe Grabhügel aus der Hallstatt- und Latenezeit befinden. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat eine Reihe Gräber in den Jahren 1958/59 ausgegraben und neben Skeletten verschiedene Grabbeigaben zu Tage befördert, darunter ein eisernes Langschwert und ein eisernes Hiebmesser.

Äußerst eindrucksvoll ist bei Höresham die Geschichtsstation zur Römerzeit mit den Mauerresten einer Villa rustica, die 1988 ausgegraben wurde. Das Wohnhaus war 23 Meter lang und 22 Meter breit. Den hohen Stand der Bautechnik dieser Zeit beweist die im Gebäude befindliche Fußbodenheizung, das so genannte Hypocaustum. Das Gebäude wurde offenbar nicht fertig gestellt. Man nimmt an, dass es im Zuge der Alemanneneinfälle um das Jahr 235 nach Christus noch im Rohbau aufgegeben wurde.

Die Geschichtstafel zur Bajuwarenzeit steht zwischen den zwei Weilern Gufflham und Höresham, die bajuwarischen Ursprungs sind. In Gufflham wurden ebenso wie im Ortsteil Gendorf Reihengräberfelder aus dem 5. und 6. Jahrhundert freigelegt. Damals war es Sitte, die Toten unverbrannt und in West-Ost-Ausrichtung auf dem Rücken in zu Reihen geordneten Gräbern beizusetzen.

Mittelalter und Neuzeit werden auf dem Lehrpfad in einer gemeinsamen Info-Tafel zwischen Urfahrn und Thal unterhalb von Margarethenberg zusammengefasst. Der Text erinnert daran, dass das Land zwischen Inn und Salzach vom 6. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts vom Feudalismus geprägt war. Wenige Grundherren besaßen den Großteil der Bauernhöfe, in Burgkirchen zum Beispiel der baierische Herzog oder das Kloster Raitenhaslach. Im 15. Jahrhundert wurde in Margarethenberg anstelle eines romanischen Gotteshauses eine gotische Kirche erbaut, ebenso in Burgkirchen selbst. Das 19. und das 20. Jahrhundert brachten erhebliche Änderungen der Lebensverhältnisse mit dem Bau der Eisenbahn (1897), der Alzregulierung (1912) und dem Alzkanal (1916/22). Die Errichtung des Chemiewerkes Gendorf (1939) bewirkte einen grundlegenden Strukturwandel, die rein landwirtschaftlich geprägte Gemeinde entwickelte sich zur modernen Industriegemeinde.

Eine Zusammenschau der ganzen Geschichte begegnet dem Wanderer, wenn er an der Schautafel am Parkplatz vor der Kirche in Margarethenberg, dem Schlusspunkt des Lehrpfades angekommen ist. Der aus pleistozänen Deckenschottern und Nagelfluh bestehende Margarethenberg, der 45 Meter über seine Umgebung aufragt, war seit der Steinzeit durchgehend besiedelt. Das Bergplateau ist in zwei Grabungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in den Jahren 1970 und 1985 untersucht worden. Nach den Fundergebnissen dürfte dem Berg schon in der frühen Bronzezeit als Werkplatz der Metallverarbeitung eine überörtliche Wirtschaftsgeltung zugekommen sein. Die Urnenfelderzeit war die zweite Belegungsphase der Berghöhe, wie viele Keramikfunde und ein Bronzeschatz bezeugen. Aus dieser Zeit stammt der erste befestigte Wallabschnitt. Die dritte Besiedlung erfolgte in der Hallstattzeit, aus der ein zweiter Befestigungsabschnitt stammt. Während der Latenezeit, der römischen Kaiserzeit und der Zeit der Völkerwanderung konnte keine Besiedlung nachgewiesen werden. Erst im Früh- und Hochmittelalter gewann der Margarethenberg wieder die Rolle des Herrschaftszentrums zurück. In der karolingisch-ottonischen Epoche wurde der dritte Abschnittswall auf den Ruinen der alten Befestigungswälle errichtet und ist heute noch zu sehen.

Der Ort Margarethenberg (ursprünglich »Zeitlarn auf dem Berg«) erscheint urkundlich ab dem 8. Jahrhundert. Der Zeitlarngau umfasste das Gebiet zwischen Alz und Salzach. Namengebend war die Imkerei in dieser Gegend, früher Zeitlerei genannt. Die Kirche Maria Himmelfahrt wurde auf den Resten zweier Vorgängerkirchen errichtet und im Jahre 1406 geweiht. Ab dem 14. Jahrhundert setzte eine große Wallfahrt zu den 14 Nothelfern ein.

Julius Bittmann



24/2009