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Jahrgang 2013 Nummer 1

Drei Könige aus dem Morgenland

Ihre Gebeine ruhen seit dem Jahre 1164 in Köln

Die Sternsinger gehen von Haus zu Haus und bringen den Segen..
Der Dreikönigsschrein (1181-1220) wurde von Nikolaus von Verdun geschaffen und befindet sich im Kölner Dom.
»Gasthaus zur Krone« in Weißenburg
Segenswunsch der Sternsinger

»Als Jesus in den Tagen des Herodes zu Bethlehem geboren war, kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen

und sind gekommen, ihn anzubeten.« Nach dem Evangelisten Matthäus waren es Magier, die das göttliche Kind in Bethlehem besuchten. Wir erfahren nichts über ihre Anzahl, wohl aber, was sie mitbrachten. Es waren kostbare, königliche Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Diese Gaben sind symbolisch zu verstehen und weisen nach theologischer Auslegung hin auf Christus den König, auf den Gott und auf den Menschen: Das kostbare Gold ist Ausdruck für Kraft und Weltherrschaft, der duftende Weihrauch dient der Ehre des Gottessohnes und die bittere Myrrhe deutet hin auf seinen Tod am Kreuz.

Ob wirklich drei Könige nach Bethlehem kamen, ist bis heute nicht erwiesen. Bestimmt waren es keine Könige, sondern sternenkundige Gelehrte, Magier. Ein seltener Stern ließ sie, unabhängig voneinander, aufbrechen. Nach einer 60 Tage langen Reise durch Wüsten gelangten sie nach Jerusalem, wo sie nach dem Bericht des Evangeliums König Herodes besuchten.

Der königliche Besuch in dem kleinen Ort Bethlehem hat zu allen Zeiten die menschliche Fantasie bewegt. Wer waren die unbekannten Besucher? Im 6. Jahrhundert deutete man die Magier aus dem Morgenland als Könige mit dem Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Die Gebeine der Heiligen Drei Könige waren im Mittelalter die kostbarsten Reliquien. Ihre Verehrung in der West- und Ostkirche wurde ausgelöst durch ihre Entdeckung in Mailand im Jahre 1158. Wann und wie und durch wen sie in die oberitalienische Stadt gelangten, ist historisch nicht belegt. Es lässt sich weder ihre Echtheit noch ihre Unechtheit beweisen. Nach einer Legende soll sie die römische Kaiserin Helene (gestorben 330) gefunden und nach Konstantinopel gebracht haben; von dort sollen sie nach Mailand gelangt sein.

Seit dem Jahre 1164 ruhen die Gebeine der Heiligen Drei Könige in Köln. Ermöglicht wurde diese Überführung durch die Eroberung der oberitalienischen Stadt Mailand durch Kaiser Friedrich I., dabei kamen auch die Gebeine der Heiligen Drei Könige in seinen Besitz. Für Barbarossa erfüllte sich damit ein Traum: Er ließ die Reliquien nach Köln bringen, wo man als würdigen Platz für sie einen gewaltigen Dom plante. 1248 wurde der Grundstein für den gotischen Dom gelegt, der bis heute unverändert ist. Nikolaus von Verdun, der bedeutendste Goldschmied jener Zeit, erhielt den Auftrag, für das Gotteshaus den wertvollsten und figurenreichsten Reliquienschrein des Mittelalters zu schaffen, der beträchtliche Ausmaße hat: Er ist 1,50 Meter hoch, 1,10 Meter breit und 2,20 Meter lang.

Die Verlegung der Reliquien an den Rhein beflügelte die Verehrung der drei Könige in ganz Westeuropa, und das, obwohl sie nie offiziell heiliggesprochen wurden. Köln entwickelte sich im Mittelalter zum Zentrum der Dreikönigsverehrung. Es bildeten sich Wallfahrten und Prozessionen, Patrozinien und Bruderschaften, die Könige wurden die Schutzpatrone der Reisenden und Pilger. An sie erinnern bis heute Gasthäuser mit Namen wie »zum Mohren«, »zur Krone« oder »Zum Stern«. In den Königen sah man auch Patrone für die »Letzte Reise« und betete zu ihnen um einen guten Tod. Weil sie sich vor dem Jesuskind auf den Boden geworfen hatten, erwählte man sie als Helfer gegen die dämonisch empfundene Epilepsie. Macht gegen Dämonen erkannte man ihnen ja schon wegen ihres Standes als Magier zu.

Sternsinger bringen Segen ins Haus

Nach einem alten Brauch ziehen zwischen Neujahr und Dreikönig als Könige verkleidete Kinder von Haus zu Haus. Sie tragen einen großen Stern mit sich und singen Dreikönigslieder und wünschen allen im Haus ein glückseliges neues Jahr. Um ihren Segenswunsch sichtbar zu machen, schreiben die Sternsinger an die Tür mit geweihter Kreide die Initialen der drei Könige: C + M + B, die vom Volksmund als die Anfangsbuchstaben für Caspar, Melchior und Balthasar gedeutet wurden. Es handelt sich dabei aber um einen lateinischen Segenswunsch: »Christus mansionem benedicat« - »Christus segne dieses Haus!« Der heutige Sternsingerbrauch, der auch im nord- und westdeutschen Raum gepflegt wird, lässt sich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen.

In manchen Gegenden war das Sternsingen früher bestimmten Berufsgruppen vorbehalten, zum Beispiel den Schiffsleuten, den Leinwebern und Maurern. Da die Reformatoren die Heiligenverehrung ablehnten, geriet der Sternsingerbrauch im 16. Jahrhundert völlig in Vergessenheit. In katholischen Regionen lebte er in der Gegenreformation wieder auf, wurde aber durch unliebsame Begleiterscheinungen diskreditiert, da er in reine Bettelei ausartete. So kam es im 19. Jahrhundert zu einem staatlichen Verbot.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der alte Brauch eine erfolgreiche Neubelebung, er bekam einen neuen, zeitgemäßen Sinn, angestoßen und getragen vom katholischen Kindermissionswerk. Die heutigen Sternsinger sammeln nicht mehr für sich, sondern für einen guten Zweck. Mit den Geldern - im Jahre 2010 waren es über 40 Millionen Euro - werden Hilfsprojekte in der Dritten Welt unterstützt. Das Sternsingen ist das weltweit größte Projekt für Not leidende Kinder.

Geheimnisvolle Dreikönigsnacht

Die Dreikönigsnacht (5. Januar) ist neben der Thomasnacht (21. Dezember) und der Heiligen Nacht (24. Dezember) die letzte Raunacht. Auf dem Lande räuchert man in vielen Familien nach altem Brauch am Vorabend des Dreikönigstages Haus, Stallungen und Scheunen aus. Im Bauernjahr galt der Dreikönigstag (6. Januar), der kirchlich als Fest der Erscheinung (Epiphanie) gefeiert wird, bis ins 20. Jahrhundert als Neujahrstag. Man sprach von »Großneujahr« oder »Oberneujahr«. Mit dem Dreikönigstag endet die Weihnachtszeit, die Christbäume werden wieder aus den Wohnungen entfernt. Der Alltag des neuen Jahres beginnt, die Tage werden nun schon merklich länger.


Dr. Albert Bichler

 

1/2013