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Jahrgang 2015 Nummer 37

Die Polizei in Traunstein

Von ihren Anfängen bis zur Gegenwart

Angehörige der Stadtpolizei »hoch zu Ross« bei ihrer letzten Teilnahme am traditionellen Georgiritt 1971. (Foto: Georg Mayer, rechts im Bild)
Eine Browning 1900 – die erste Selbstladepistole der Traunsteiner Stadtpolizei. (Foto: Walter Staller)
Das erste Einsatzfahrzeug der Stadtpolizei, ein BMW-R75-Gespann. (Foto: BMW Werkfoto 83078)
Die Polizeikaserne vor dem Umbau. (Foto: Sammlung Helmut Kölbl)

In seinem Standardwerk »Bayerns Polizei im Wandel der Zeit« setzte Otto Ernst Breibeck den Beginn der Polizeigeschichte im alten deutschen Reich mit dem Entstehen der Städte im 12. und 13. Jahrhundert gleich. Denn infolge der Aufsplitterung des Reiches in eine Vielzahl feudaler Länder und Ländchen hätten die Städte werden und wachsen können und bald wie Inseln der Ordnung und Sicherheit aus dem Meer der allgemeinen Anarchie im Land aufgeragt. Wobei in der ersten Zeit der »Schutz nach außen« im Vordergrund gestanden haben mochte, mit dem Wachsen der Siedlungen aber bald auch Maßnahmen zu treffen waren, um Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Inneren zu wahren.

Auch Traunsteins Stadtväter erkannten früh, dass eine menschliche Gemeinschaft nur richtig funktionieren kann, wenn Regeln bestehen und diese auch überwacht und eingehalten werden. Mit der Erneuerung der Stadtrechte im Jahre 1375 gab es 92 Punkte, die von sogenannten Auflegern bzw. Schrannenknechten als Ordnungsdiener überwacht wurden. Vermutlich ab 1587 hatte dann der Stadtknecht als Vollzugsorgan des Magistrats die Hauptverantwortung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Nachdem das Königreich Bayern 1818 die modernste Verfassung aller deutschen Kleinstaaten erhalten hatte, übertrug man durch allerhöchste Verordnung vom 17. Mai 1818 in allen Städten und Märkten den Magistraten die »Localpolizey«. Dies war der Beginn der Ära Stadt- und Gemeindepolizeien, wobei sich die Bezeichnungen der Polizisten mehrmals änderten. Von 1819 bis 1874 gab es den Polizeidiener, dann die aus zwei Polizeidienern bestehende Polizeirotte. Ab 1879 wurden aus den Polizeidienern Polizeisoldaten und die Polizeirotte nannte man nun Polizeimannschaft.

In Traunstein wurden durch Beschluss des Magistrats vom 12. Februar 1900 die Polizeisoldaten in Schutzmänner umbenannt, und auf Drängen der Bevölkerung erfolgte 1909 die Einrichtung einer ständigen Polizeiwache im Rathaus. Diese Wache hatte selbst nach der Verstaatlichung der Stadtpolizei zum 1. Oktober 1971 noch Bestand bis zum 1. Juni 1973.

Nun aber nochmals zurück zum 1. Januar 1879: Von da ab regelte eine sehr umfangreiche und strenge Dienstvorschrift für die Polizei der königlich bayerischen Stadt Traunstein das Polizeiwesen neu. Maßgebend für den Dienst waren auch die Vorschriften für die Gendarmerie. Diese Vorschriften galten unter anderem für die Uniformierung und die Bewaffnung der städtischen Polizisten. Ein Polizist erhielt damals jährlich 800 Mark Besoldung, 90 Mark Bekleidungsgeld, 60 Mark Heizungsgeld und freie Wohnung. Die Anstellung war widerruflich, Pensionsansprüche bestanden nicht und die Kündigungsfrist betrug vier Wochen.

Bei der Verpflichtung durch den Bürgermeister musste jeder Polizist einen Diensteid leisten. So schwor der Polizeioffiziant Hermann Reger am 6. Januar 1879: »Ich, Hermann Reger, schwöre, dass ich meine Pflichten und Obliegenheiten als Polizeioffizier auf Grund der allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen und meiner speziellen Dienstvorschrift vom Januar 1879 genau und gewissenhaft, ohne Hass, ohne Gunst, ohne Furcht und ohne Eigennutz erfüllen werde, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort.« Die an sich sinnlose Verpflichtung zur Furchtlosigkeit wurde mehrere Jahre später nicht mehr gefordert.

Was die Ausrüstung betraf, erhielt jeder Polizeisoldat zwei Mäntel, zwei dunkelblaue Waffenröcke, einen grauen Waffenrock, drei schwarze Hosen, eine graue Hose, zwei Mützen, einen Säbel, einen Helm, einen Revolver und dazu 50 Patronen, einen Messingwischstock und eine Schließkette. Zu dieser Zeit war der polizeiliche Dienstbezirk in zwei Bereiche eingeteilt. Für jeden Bereich war ein Polizist voll verantwortlich. Der Bereich I umfasste Taubenmarkt, Stadtplatz, Hofgasse, Höllgasse, Kniebos, Vorberg, Hinter der Veste, Heiliggeist, Schützenstraße, Scheibenstraße, Ettendorfer Straße, Kammerer Straße, Wiesenzeile, Brunnwiese, Sparz, Maierhofen und Trauneck. Den Bereich II bildete der übrige Stadtbezirk. Der von einem Polizisten zu überwachende Bereich war damals also wirklich weiträumig.

Zur Bewaffnung der Polizisten ist anzuführen, dass der ursprünglich eingeführte Revolver ab 1914 durch Selbstladepistolen der Marke Browning (Modell 1900) ersetzt wurde. Von 1913 bis 1935 waren die Polizisten auch mit einem Gummiknüppel ausgerüstet.

Der Personalstand der Stadtpolizei von 1819 bis 1945 stellt sich so dar: 1819 - 1, ab 1874 - 2, ab 1879 - 4, ab 1893 - 3, ab 1906 - 5, ab 1913 - 7, ab 1920 - 6, ab 1933 - 7, ab 1943 - 10. Eine eigene Kriminalpolizei gab es erst, auf Druck der Regierung, ab dem 1. April 1937, besetzt mit dem Polizeikommissär Matthias Wagner. Ab dem 1. Oktober 1943 wurden die Kriminalpolizeistellen aus den städtischen Organisationen ausgegliedert und zu selbstständigen Behörden umfunktioniert, die ihre Weisungen ausschließlich von den Dienststellen der Sicherheitspolizei erhielten. Nach dem Zusammenbruch 1945 wurde die Kriminalpolizei wieder als städtische Dienststelle weitergeführt.

Da in den Jahren 1933 bis 1937 der Kraftfahrzeugverkehr stark zugenommen hatte, wurde 1937 eine »Motorisierte Gendarmerie-Bereitschaft« aufgestellt, für die an der Eugen-Rosner-Straße eine eigene Kaserne errichtet wurde. Mit Fertigstellung am 1. September 1938 zogen dort 36 Polizisten ein.

Der Einmarsch der amerikanischen Truppen am 3. Mai 1945 bedeutete auch das »Aus« für die Stadtpolizei, die entwaffnet und aufgelöst wurde. Alle Hoheitsaufgaben, also auch die Polizeigewalt, übernahm die Militärregierung der Besatzungsmacht mit der Folge, dass die amerikanische Militärpolizei für die polizeilichen Aufgaben zuständig war. In Traunstein war dies die 49. Constabulary Squadron, die in der damaligen Polizeikaserne an der Eugen-Rosner-Straße untergebracht war. Die Einheit umfasste 40 bestens ausgerüstete Polizisten, die über schwere Infanteriewaffen, Panzer, Lastwagen und Jeeps verfügte.

Obwohl die Militärpolizei energisch und mit voller Härte zugriff, erreichte die Kriminalität in Bayern damals ein Höchstmaß. Aber die Militärregierung erkannte schnell, dass eine Demokratisierung Deutschlands ohne eine gelingen konnte und begann noch im Mai 1945 mit dem Aufbau entsprechender Kräfte. Den Hauptanteil bildeten dabei die ehemaligen Angehörigen der Bayerischen Landespolizei sowie Unteroffiziere und Mannschaften der ehemaligen Wehrmacht. Gemeinden und Städten über 5000 Einwohnern gestand man die Errichtung selbstständiger Gemeindepolizeien zu.

Damit war auch für die Stadt Traunstein der Weg frei zur Neubildung der Stadtpolizei. Damals war Rechtsanwalt Karl Merkenschlager von den Amerikanern als Bürgermeister bestellt. Es ist sein Verdienst, dass in Traunstein bereits ab dem 1. Juni 1945 wieder eine Stadtpolizei aufgestellt werden konnte. Die aktiven Polizisten der »ersten Stunde« waren Revier- Oberleutnant Vinzenz Diez, Polizeimeister Johann Ruckdäschel, Polizeimeister Johann Schultes, Polizeimeister Max Wagner und Kriminal-Obersekretär Matthias Wagner. Verstärkt wurde die aktive Mannschaft durch sieben Hilfspolizisten. Alle 12 waren anfangs nicht uniformiert und mussten praktisch unbewaffnet auf Streife gehen, da man ihnen lediglich Schlagstöcke aus Holz zugebilligt hatte. Zur Erkennung und als Legitimation trugen sie eine weiße Armbinde mit dem Aufdruck »MG-Police«, später erhielten sie ausgesonderte Uniformen der Freiwilligen Feuerwehr. Erst am 6. März 1946 kam es zur Ausgabe der ersten Polizeiuniformen.

Die Sicherheitslage in der ersten Zeit nach dem Kriegsende kann man nur als katastrophal bezeichnen. In der Stadt hielten sich fast 2600 Ausländer auf, darunter viele Polen und Ukrainer. Stellvertretend für zahlreiche Lageberichte des Bürgermeisters an den Regierungspräsidenten hier ein Auszug aus dem Bericht vom 7. August 1945: »Es sind an die tausend Polen im Lager Haidforst und in Privatquartieren untergebracht. Es wird immer wieder die Gegend unsicher gemacht … Es tauchen auch immer wieder einzelne Banden auf, die als Wegelagerer sogar in amerikanischen Uniformen den Leuten, die sie anfallen, Geld und Uhren abnehmen.« Unter diesen Umständen also musste die neu aufgestellte Stadtpolizei für Ruhe, Ordnung und Sicherheit sorgen. Eine nahezu unlösbare Aufgabe, der sich die Polizisten aber in selbstloser Weise stellten, auch wenn sie dabei jederzeit ihre Gesundheit oder gar ihr Leben riskierten.

Auf ständiges Drängen des Bürgermeisters bewilligte die Militärregierung am 11. Juni 1945 der Stadtpolizei einige amerikanische Karabiner vom Typ U.S.M1 Carbine .30. Erst ein Jahr später wurden dann von der Militärregierung endlich 20 Colt-Revolver und 400 Patronen hierzu geliefert. In der Zwischenzeit konnte die Mannschaft der Stadtpolizei verstärkt werden, sodass im Februar 1946 bereits 12 aktive Polizeibeamte und 15 Hilfspolizisten im Dienst waren. Die größere Anzahl von Polizisten, die bessere Bewaffnung und die Mobilität durch ein BMW-Motorrad mit Beiwagen vom Typ R 75 in Verbindung mit dem stets bewiesenen Diensteifer der Polizisten bewirkte innerhalb kurzer Zeit einen starken Rückgang der Kriminalität. Entspannend kam hinzu, dass die Polen und Ukrainer Ende 1946 die Stadt verließen und polnischen Juden Platz machten.

1947 wurde die Hilfspolizei wieder aufgelöst und eine Reihe der ehemaligen Hilfspolizisten in den aktiven Polizeidienst übernommen. Damit standen nun 17 uniformierte Polizisten und vier Beamte der Kriminalpolizei zur Verfügung. 1958 erhielt die Stadtpolizei einen Volkswagen-Kombi und 1965 noch einen Volkswagen-Variant mit Funkanlage. Auch mit Handfeuerwaffen wurde die Stadtpolizei Zug um Zug gut ausgestattet. So standen 1971 30 Pistolen, eine Maschinenpistole sowie ein modernes Schnellfeuergewehr zur Verfügung.

Parallel dazu wurde 1947 in der ehemaligen Kaserne an der Eugen-Rosner- Straße die »Polizeischule Traunstein« installiert. Am 1. April 1953 erfolgte nach einer Organisationsänderung die Umbenennung in »Lehrabteilung Traunstein«, die bis zum 28. Februar 1970 Bestand hatte. Am 11. Oktober 1954 bezog zusätzlich der »Verkehrszug II der Polizeidirektion Oberbayern« in dem Gebäude Quartier. Hinzu kamen im Dezember 1970 die »Landpolizei-Bezirksinspektion mit dem Landpolizei-Hauptposten sowie die »Kriminalaußenstelle«.

Allerdings konnte sich auch die Stadt Traunstein der allgemeinen Entwicklung zur Verstaatlichung der Stadt- und Gemeindepolizeien nicht verschließen und beantragte deshalb im Januar 1971, die Aufgaben der Stadtpolizei durch die Landpolizei wahrnehmen zu lassen. Hauptgrund hierfür war, dass durch die Verstaatlichung jährlich etwa 380 000 DM eingespart werden konnten. Dem Antrag wurde stattgegeben und der Übernahmetermin auf den 1. Oktober 1971, 00.00 Uhr, festgesetzt. Die damals 27 Beamten der Stadtpolizei konnten in die Bayerische Landpolizei übernommen werden und zogen ebenfalls in die ehemalige Kaserne. Damit war die Landespolizei auch für die Große Kreisstadt Traunstein zuständig.

1977 wurde die »Polizeidirektion Traunstein« gebildet, und nach einem Mitte der 80er Jahre erfolgten Umbau der Kaserne waren dort nun die Polizeidirektion (PD), die Polizeiinspektion (PI), die Kriminalpolizeiinspektion (KPI), die Verkehrspolizeiinspektion (VPI), der Einsatzzug (EZ) und die zivile Einsatzgruppe (ZEG) unter einem Dach untergebracht. Infolge weiterer Organisationsreformen wurde die Polizeidirektion Traunstein zum 1. Januar 2009 wieder aufgelöst, und es entstanden neue Arbeitseinheiten wie z. B. der Kriminaldauerdienst (KDD) oder das Kommissariat »Deliktübergreifende Kriminalität und Rauschgift«. Allein der örtliche Zuständigkeitsbereich änderte sich für die Polizeiinspektion Traunstein nicht. Der umfasst circa 268 Quadratkilometer, in dem rund 50 000 Menschen leben, wobei die Große Kreisstadt Traunstein den Einsatzschwerpunkt bildet. Daneben werden die Gemeinden Bergen, Chieming, Grabenstätt, Nußdorf, Siegsdorf, Surberg und Vachendorf betreut.


Wolfgang Schweiger


Quellen:
Alfred Staller »Stadtpolizei und Polizeikaserne«, Jahrbuch 1998 des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein.
Alfred Staller »25 Jahre Polizeidirektion Traunstein«, Jahrbuch 2002 des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein.
Alfred Staller »So war es bei der Stadtpolizei Traunstein – Erinnerungsausstellung in der Alten Wache«.
Otto Ernst Breibeck »Bayerns Polizei im Wandel der Zeit«.
Zusammengestellt, bearbeitet und ergänzt von Wolfgang Schweiger.

 

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