Jahrgang 2009 Nummer 32

Die politische Entwicklung zwischen Bayern und Tirol

Die Geschichte des Schützenwesens in der Region – Teil I: Von der Völkerwanderung bis zu Napoleon

König Maximilian I. Joseph von Bayern im Krönungsornat

König Maximilian I. Joseph von Bayern im Krönungsornat
Napoleon Bonaparte

Napoleon Bonaparte
200 Jahre sind seit den Napoleonischen Kriegen mit erbitterten Schlachten zwischen Bayern und Tirolern vergangen. Aus diesem Anlass finden und fanden heuer zahlreiche Ausstellungen, Veranstaltungsreihen und Feste in den umkämpften Gebieten in Tirol und Bayern statt. Will man die Entwicklungen bis zu diesem denkwürdigen Jahr 1809 verstehen, muss man jedoch wesentlich eher beginnen. Ganz eng im Zusammenhang mit der politischen Geschichte steht die Geschichte der Bayerischen Gebirgsschützen am Alpenrand, angefangen vom Allgäu über das Grenzgebiet am Inn bis zur Saalach bei Bad Reichenhall.

Südostbayern und Tirol waren seit jeher Durchzugsgebiet auf dem Landweg Richtung Süden und deshalb auch immer schon von enormer strategischer Bedeutung. Schon zur Zeit der Völkerwanderung 400 bis 600 nach Christus wird das Unterinntal von bayerischen Stämmen besiedelt, bis 1504 von bayerischen Herzögen christianisiert und regiert. Erste Spannungen zwischen den Habsburgern (Tiroler Landesfürsten) und den Wittelsbachern (bayerische Herzöge) entstehen, als Margarete Maultasch 1363 Tirol den Habsburgern vermacht, während sich die Wittelsbacher als legitime Erben wähnen. 1504 nun hilft der Landesfürst Tirols und deutsche Kaiser Maximilian I. dem Bayernherzog Albrecht IV. im Landshuter Erbfolgekrieg. Als der Bayernherzog die als Entlohnung versprochenen, oberbayerischen Grenzbezirke Rattenberg, Kitzbühel und Kufstein nicht abtreten will, besetzt Maximilian I. diese Gebiete mit 9000 Soldaten kurzerhand. Als am 13. Oktober 1504 auch das hart umkämpfte Kufstein fällt, gehört das heutige Unterinntal komplett zur Grafschaft Tirol. Der Grundbesitz der bayerischen Landesherren wird unter den Leibeigenen aufgeteilt, die Leibeigenschaft abgeschafft. Aus den Untertanen werden freie und stolze Tiroler Bürger.

Im 30-jährigen Krieg ab 1618 bleibt das Gebiet östlich des Inns von Kriegshandlungen verschont. Nur südlich von München ziehen plündernde und zündelnde Schwedenhorden übers Land. Als bayerische und spanische Truppen, die brandschatzend und marodierend durch Bayern ziehen, in Ober- und Niederbayern ihr Winterquartier beziehen wollen, kommt es 1634 in Wasserburg am Inn zum Bauernaufstand. Mitte des 17. Jahrhunderts, als die Türken unter Süleyman I. auf Wien zumarschieren und die Stadt belagern, bittet der Habsburger Kaiser Ferdinand I. die Bayern um Beistand. Die Belagerung wird gemeinsam abgewendet.

Als 1665 die Tiroler Landesfürsten aussterben, wird der österreichische Kaiser nun auch Tiroler Landesfürst. Im Spanischen Erbfolgekrieg kämpft Kurfürst Max Emanuel II. von Bayern mit Viktor Amadeus von Savoyen und dem französischen Kaiser Ludwig XIV. gegen den österreichischen Kaiser Leopold I. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen beschließen nun die bayerischen Herzöge 1703, Tirol aus der »habsburgischen Unterdrückung« zu befreien. Zu dieser Zeit fühlen sich die Tiroler aber bereits als Österreicher, die gar nicht befreit werden wollen. Die Bevölkerung erhebt sich zum »Tiroler Volksaufstand« und jagt, mit Unterstützung des Landsturms, die Bayern wieder aus dem Land.

Um Vergeltung zu üben, stoßen nun die Tiroler ihrerseits plündernd und raubend weit auf das bayerische Gebiet vor. Fast hundert Jahre herrscht nun Frieden in Europa, bis der Geist der Französischen Revolution neues Unheil provoziert. Ein großer Flüchtlingsstrom aus Frankreich erreicht ab 1790 Bayern und Tirol. Emigranten berichten von großen Greueltaten dort. Gesteuert von der geistlichen Führung hängen nur wenige Tiroler den Errungenschaften der Revolution an. Doch erklärt König Ludwig XVI. von Frankreich am 20. April 1792 dem österreichischen Kaiser Leopold II. den Krieg. Dieser »Erste Koalitionskrieg« findet vorerst vorwiegend in Holland statt. Tirol als Auf- und Durchmarschkorridor Richtung Süddeutschland und ab 1796 Richtung Italien haben enorme Belastungen zu ertragen. Die Soldaten müssen verpflegt und einquartiert werden. Für die Kosten muss das Land Tirol aufkommen.

1795 zerbröckelt die Koalition aus Österreich, Preußen, Russland, Neapel und der Türkei. Österreich hat nun die Kriegs-Hauptlast zu tragen. 1796 wird Napoleon Bonaparte Oberbefehlshaber der Armee in Italien. Um die Armeen in Italien und Süddeutschland zu vereinigen, plant Napoleon dies über den kürzesten Weg durch Tirol zu realisieren. Noch Ende dieses Jahres beginnen die Auseinandersetzungen mit den Bewohnern Tirols, die sich den Besetzern in den Folgejahren bis 1809 erbittert gegenüberstellen.


Werner Bauregger

Teil 2 und 3 in den Chiemgau-Blättern Nr.33 und 34/2009



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