Jahrgang 2001 Nummer 24

Die Michaelskapelle in Haslach

Die Geschichte der Kapelle und ihrer Grabdenkmäler

Die Haslacher Michaelskapelle mit historischem Beinhaus (Südansicht)

Die Haslacher Michaelskapelle mit historischem Beinhaus (Südansicht)
Rotmarmorstein des Traunsteiner Bürgermeisters Elias Großschedl, † 1607

Rotmarmorstein des Traunsteiner Bürgermeisters Elias Großschedl, † 1607
Rotmarmorstein des Traunsteiner Bürgermeisters Conrad Hienersdorffer,

† nach 1518

Rotmarmorstein des Traunsteiner Bürgermeisters Conrad Hienersdorffer,
† nach 1518
Als historisch besonders bedeutsam ist die Haslacher Michaelskapelle, sie bürgt auch eine Fülle von künstlerisch wertvoller Grabdenkmäler und Epitaphien.

Vermutlich in zwei Phasen 1488-92, wurde die Friedhofskapelle St. Michael und Ottilie erbaut. Der Bau, der durch den Traunsteiner Bürger Wolfgang Lantenhammer errichtet wurde, wird einem Baumeister Thomann aus Traunstein zugeschrieben. Es besteht die Vermutung, bei dem westlichen Raumteil könne es sich ursprünglich um einen noch älteren Vorgängerbau handeln, der vor seiner Einwölbung als Beinhaus diente.

Im Jahre 1492 stiftete Bischof Georg von Chiemsee einen Ablaß für die von ihm geweihte Kapelle St. Michael und Ottilie. Der Altar wurde zur Ehre dieser beiden Heiligen errichtet. Dieser Ablaß konnte an fast allen, damals gültigen Feiertagen gewonnen werden. Für seine Gewinnung war vorgeschrieben ein Kirchenbesuch unter Anflehung der göttlichen Barmherzigkeit, ein frommes Werk für den Kirchenbau, die Beleuchtung, die liturgischen Bücher, Paramente und die anderen Bedürfnisse. Es war ein unvollkommener Ablaß von 40 Tagen.

Aus dem Inhalt der Ablaßstiftung kann man ersehen, daß die Einweihung und der Bau der Kapelle unmittelbar vorher geschehen sein mußten. Auf Anordnung des Erzbischofs Friedrich von Salzburg wurde das Fest der Kirch- bzw. Kapellenweihe auf den Sonntag vor dem Fest Maria Magdalena festgelegt.

Im Visitationsprotokoll vom Jahre 1630 steht schon verzeichnet: »Im Friedhof St. Michael gelegen und damit ein Ossuarium (=Bein=haus) verbunden«. 1683 wird vermerkt: »St. Michael in Haslach, ohne Beinhaus, weil sie der Reparierung bedarf, möge restauriert werden«. Das gleiche Problem, daß auch heute noch besteht wurde schon 1644 angesprochen: »Weil die Kapelle allzu tief in der Erde stecket und der Regen und das Schneewasser unaufhörlich hineinsickert, also erfordert die Notdurft, selbe von Grund auf neu zu bauen. Indem aber die Pfarrkirche den durch das Hochgewitter zerschlagenen Turm mit hohen Kosten reparieren muß und die Kapelle aber keinen Kreuzer hat, daß also schier ratsamer wäre, wann gedachte Kapelle bei solcher Beschaffenheit ganz profamiert und daraus Ossuarium vergrößert würde. Die Gottesdienste sollen in die Pfarrkirche transferiert werden, weil die Kapelle für Gottesdienste unbequem ist«.

In einer Aufzeichnung von 1783 wird die Michaelskapelle folgend beschrieben: »Der Hauptraum, eigentlich Vorbau, bildet ein unregelmäßiges Viereck, dessen Bauwerk von Süden nach Norden gerichtet ist. Die südliche Hälfte derselben ist gegen Norden ein ähnlicher Bau vorgelegt, der in 3 Seiten abschließt. Im Chor Holzgewölbe mit kräftigeren einfacheren profilierten, geschwungenen Rippen auf Kragsteinen. Über den eigenartigen Grund-rißtypus ist zu bemerken, daß von sämtlicher noch beim Amt Traunstein vorhandenen spätgotischen Kapellen (Totenkapellen) sein in Emertsham, Deinting, Lindach, Schnaittsee und Haslach vorhanden ist, die durch ihren Grundriß der Totenkapelle in Egern (Rottach-Egern) am Tegernsee an die Seite zu stellen ist, welche mit dieser einen eigenes Typus zeigte, der durch den seitlichen Anbau am Langhaus karakterisiert wird«.

Noch im Jahre 1876 heißt es anläßlich der damaligen Visitation, daß jährlich 2 gestiftete Gottesdienste in der Kapelle gehalten würden. Sie würde auch noch ein Beinhaus enthalten. Beim Bau der südlichen Kapelle dürfte auch das Beinhaus eingewölbt worden sein. Noch unter Pfarrer Stefan Blum’s Zeiten (1908-41) wurden noch vereinzelt Messen abgehalten.

Der Erbauer der Kapelle, der Traunsteiner Bürger Wolfgang Lantenhammer, stiftete in der St. Oswaldkirche das Benefizium der Seligsten Jungfrau Maria. Seine Ehefrau Elisabeth gab im Jahre 1502 eine Point am Wartberg und 1/2 Pfund Pfennig, wofür der Haslacher Pfarrer in der St. Michaelskapelle »4 Patrozinia, eine Vesper und das Kirchenweihamt« um 4 Schilling 20 Heller halten sollte. In dieser Schenkungsurkunde wird die Micha-elskapelle auch »Kapelle zu Aller Gläubigen Seelen« genannt. Nach einem Vermerk im Diöz. Archiv München heißt es, daß Wolfgang Lantenhammer diese Stiftung gemacht habe; die vier Gottesdienste sollten sein am Michaelstag, St. Ottilientag, St. Thomas des heiligen 12 Boten-Tag und am Kirchweihtag. Gegeben zu Landshut am Augustinstag 1503.

Ausstattung der Kapelle

Die jetzige neugotische Einrichtung des Altares wurde anläßlich der Renovierung 1859 erstellt und der frühere Altar entfernt. Der Altar ist gemauert und verputzt, weiß gestrichener Stipes mit gotischer Rotmarmormensa, auf dem der Hl. Michael mit erhobenem Schwert steht, eine Figur um 1880. Ein achteckiges Rotmarmor-Weihwasserbecken mit konisch zulaufendem Unterteil stammt aus der Zeit des Kapellenbaues um 1690.

Baubeschreibung

Die Michaelskapelle wurde in Nord-Süd-Richtung gebaut, hat ein fensterloses Schiff mit nördlich und südlich je einer segmentbogigen Tür und Krüppelwalmdach. Im südlichen Giebel befindet sich eine Türe (2.00 mal 0,80 m), durch die man früher, durch eine außen angebrachte Holzstiege, den oberen Teil erreichen konnte, um die Gebeine durch eine Öffnung nach unten zu werfen, wie das auch häufig in anderen Orten geschah. An die südliche Hälfte des Schiffs nach Osten angebauter Chor mit dreiseitigem Chorschluß und je einem Spitzbogenfenster auf der Nord- und Südseite. Die Außenwände sind verputzt und weiß gestrichen; am Chor unterhalb der Traufe befindet sich ein gemaltes Maßwerkfries. Das Dach ist mit Holzschindeln gedeckt und in der Mitte des Chordaches quadratisch, ebenfalls holzschindelverkleidet sind die Dachreiter und der vierseitige Spitzhelm, in dem die kleine Totenglocke hängt.

Der Innenraum der Kapelle ist ein viereckiger Saalbau zu zwei Jochen mit sehr niedrigem Gewölbe, dessen grobe Kehlrippen tief herabgezogen sind und von Konsolen ausgehen; in der Längsachse jeweils eine segmentbogige Türe. Über der nördlichen Türe befindet sich eine halbfigurige Wandmalerei mit der Darstellung des Auferstandenen Christus aus dem 19. Jahrhundert. Im südlichen Teil nach Osten zu ist ein einjochiger und dreiseitig schließender Chor mit kräftig profiliertem spitzbogigem Chorbogen, dessen innere Rippe beiderseits unten weggeschlagen ist. Auf der Nord- und Südseite jeweils ein spitzbogiges Fenster. Das feingliederige Netzrippengewölbe über der Spitzkonsole, an einer Rippe befindet sich die Inschrift, die sich auf das ehemals im Chor befindliche Epitaph des Hans Schächner bezieht. Die Inschrift heißt: Hans Schächner, Purger des Indern Taths zu Traunst ..../..../16, ...rin sein Ehelich(haus)s-frau die gestorben/....ruari(?)ao. 16..gott sei Inen genedig. Amen«.

Die Michaelskapelle diente Traunsteiner Bürgergeschlechtern als Grabkapelle. Noch bis 1639 wurden alle Traunsteiner Bürger im Haslacher Friedhof beerdigt. Der Erbauer selbst fand darin auch seine letzte Ruhestätte. Wolfgang Lantenhammer war Bürger zu Traunstein. Er starb am St.-Elisabeth-Tag 1502, seine Ehefrau Elisabeth, eine geborene Hoffweider, starb am St. Bernhard-Tag 1530. Inschrift mit Wappenschild in Medaillon, um 1530. Ein weiterer Rotmarmor-Inschriftstein mit Wappen befindet sich an der Südwand des Chores des Traunsteiner Gerichtsschreibers Wolfgang Kreninger, † 2. Mai 1639 und an der Nordseite des Chores dessen Gattin Judith Krenninger, geb . Gutrater. In diesen Stein wurde das Todesdatum nicht eingemeißelt (Todestag nach 1639).

Im Chorpflaster befinden sich drei stark abgetretene Grabplatten: Conrad Schwaiger, Bürger von Traunstein, † 1495 und seine Ehefrau Magdalena und vermutlich deren Sohn Wolfgang Schwaiger, † 1505, eine Inschriftplatte mit 3 Wappenschildern (Hausmarke) und Medaillon. Der zweite Stein von Heinrich Altherr, Bürger des inneren Rats zu Traunstein, † 2. Februar 1527 und Katharina, seine »Hausfrau«, † 15. August 1525. Umschrift und Altherr’isches Schild im Rundfeld, sowie eine weitere spätgotische Grabplatte eines Unbekannten mit eingeritzten Wappenschildern, teilweise vermauert, um 1500.

An den Wänden im Hauptraum befinden sich weitere 10 Grabplatten. An der Westseite: Die Rotmarmor-Inschriftplatte des Traunsteiner Bürgers und des Rates, Lienhart Steub, † Montag nach Judica 1525, und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Wider, mit Wappenschilder der Steub (Hausmarke) und Wider. Daneben steht der Rotmarmorstein des Traunsteiner Bürgermeisters Conrad »Hienersdorffer«, † nach 1518 (Todesdatum nicht ausgefüllt) und seine Ehefrau Katharina, † 1518. Am Stein befindet sich ein sehr plastisch gearbeitetes Wappen mit muschelbekrönter Arkade und Umschrift, unten zwei kleine Wappenschilder. Künstlerisch wertvoll ist auch die Grabplatte des Traunsteiner Bürgers und des Rats, Oswald Aigner, † 10. Juni 1610, sowie seiner zwei Ehefrauen (die zweite, Ursula Seepichler, namentlich genannt) und mehrerer Kinder. Die Rotmarmorplatte hat im Relief die Auferstehung Christi in Pfeilerarkade, darunter die knieende 22-köpfige Familie. Neben der Grabplatte der Aigner steht der Rotmarmorstein des Traunsteiner Bürgermeisters Elias Großschedl, † 4. November 1607 und seiner Ehefrau Catharina, geb. Tumeldorffer, † 12. März 1590. Der Stein führt im oberen Relief die Taufe Christi mit Gottvater und Engel in Dreipaßarkade auf. Darunter befindet sich die knieende Stifterfamilie mit Doppelwappen, unten die Inschrifttafel in Rollwerkrahmung.

Dann folgte die Grabplatte des Traunsteiner Gerichtschreibers und Bürgers Leopold Tumeldorffer, † 29. April 1588 und seiner Ehefrau Barbara, geb. Obernperger, † 30. Dezember 1589. Der Rotmarmorstein führt in der Inschrifttafel eine Rollwerkrahmung auf, darunter befinden sich die Doppelwappen in gedrückter Pfeilerarkade. Die Westwand schließt ab mit dem bedeutendsten Stein des Traunsteiner Bürgers des Inneren Rats, Martin Frumholzer, † 1612 (Todesdatum nicht ausgefüllt) und seiner drei Frauen, sowie mehrerer Söhne und Töchter. Der Rotmarmorstein zeigt im Relief die Kreuzigung Christi mit der knieenden Stifterfamilie in dreipaßförmiger Pfeilerarkade, darüber Gottvater in den Wolken.

An der Nordwand der Kapelle befindet sich der Rotmarmor-Wappenstein des Hans Pyrchinger, † 1529 und die Grabplatte der Fida, Ehefrau des Conrad Zollner und deren Sohn Johannes, Chorherr zu Herrenchiemsee 1397. Der beachtliche Inschriftstein mit großen Wappen in eingetieftem, profiliert gerahmtem Vierpaßfeld.

An der inneren Ostwand sind zwei Grabsteine angebracht: Nur mehr ein Bruchstück ist der Rotmarmorstein des Traunsteiner Stadtrichters Polay (Pelagius) Keller, † 1490/91 und seiner Ehefrau Dorothea, † Sonntag nach Bartholomä 1488. Erhalten von dem Stein ist noch am unteren rechten Rand das Wappen und ein Teil der Inschrift. Daneben steht der markante Rotmarmorstein des Hans Oberperger, ein Weitmoser’ischer Richter, und des inneren Rates zu Traunstein, † 6. Januar 1606, und seiner Ehefrau Catharina, geb. Tannpeck, † 9. Juli 1606. Der Stein führt im oberen Relief die Darstellung Christi am Ölberg, darunter die knieende Stifterfamilie mit zwei Wappenschildern.

Seit 1936 dient die Michaelskapelle für die Haslacher Pfarrangehörigen als Leichenhaus. Die Kapelle hat somit wieder eine sinngerechte Aufgabe erhalten.

Karl Rosenegger

Quellennachweis: Pfarrarchiv Haslach, Stadtarchiv Traunstein. Literaturnachweis: Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising für die Pfarrei »Maria Verkündigung« Haslach, 1993, Geschichte der Pfarrei Haslach von Pfarrer Josef Rosenegger, 1963.



24/2001