Jahrgang 2001 Nummer 31

Die Kugelmühle an der Almbachklamm

Am Eingang zur Almbachklamm steht der letzte noch existierende Betrieb dieses Gewerbes

Die Mühle an der Almbachklamm ist vom 1. Mai bis 31. Oktober an allen Tagen in der Woche von 9 bis 18 Uhr in Betrieb.

Die Mühle an der Almbachklamm ist vom 1. Mai bis 31. Oktober an allen Tagen in der Woche von 9 bis 18 Uhr in Betrieb.
Die Marmorbrocken werden zunächst als Rohlinge behauen und dann in die Mahlform gelegt.

Die Marmorbrocken werden zunächst als Rohlinge behauen und dann in die Mahlform gelegt.
Nicht nur die Kugelmühle, auch die Almbachklamm an sich ist ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Nicht nur die Kugelmühle, auch die Almbachklamm an sich ist ein lohnenswertes Ausflugsziel.
Für den Export aus dem Berchtesgadener Land waren die Erzeugnisse der Kugelmühlen in vergangenen Jahrhunderten einst das Hauptgeschäft. Heute gibt es nur noch eine einzige Mühle, in der man sehen kann, wie diese Kugeln aus Marmor hergestellt werden.

Die Mühle vor dem Eingang zur Almbachklamm nahe der B305 zwischen Berchtesgaden und Markt Schellenberg ist seit 1683 urkundlich nachgewiesen und ist heute als eine der ältesten Produktionsstätten aller Gewerbe in Bayern noch in Betrieb, wenngleich sie mehr als Touristenattraktion dient, denn als Betrieb mit nennenswertem Ausstoß.

Die Blütezeit dieser Mühlen waren im 18. Jahrhundert. Damals wurden Marmorkugeln aus dem Berchtesgadener Land über Rotterdam und London bis nach Ost- und Westindien exportiert. Die Mengen waren beachtlich für die damalige Zeit. Die Jahresmengen an erzeugten Kugeln erreichten bis zu 1000 Zentner, wobei ein Zentner etwa 10 000 kleiner Marmorkugeln entspricht.

In der Exportwirtschaft der Segelschiffära waren die Kugeln beliebt. Sie dienten während der Überfahrt als Ballast für die Schiffe, hatten bei kleiner Form ein großes Gewicht und konnten in den Frachträumen optimal verstaut werden.

Betrieben wurden in den vergangenen Jahrhunderten die Kugelmühlen vor allem von armen Bergbauern, die sich mit diesem Gewerbe ein zusätzliches Einkommen verdienten.

Um 1920 gab es am Almbach noch 42 Kugelmühlen. Inzwischen wurden die Erzeugnisse der Kugelmühlen durch moderne Ton- und Glasprodukte vom Markt verdrängt. Dennoch werden im Berchtesgadener Land in kleinem Umfang die Marmorkugeln erzeugt. Die Mühle an der Almbachklamm ist vom 1. Mai bis 31. Oktober an allen Tagen in der Woche von 9 bis 18 Uhr in Betrieb. Um die Kugeln zu »mahlen« werden erst schön gemaserte Marmorbrocken gesucht und zu Rohlingen mit einem Stockhammer behauen, an den Ecken abgerundet. Diese Rohlinge kommen dann in die Kugelmühle, die aus dem unteren, feststehenden Schleifstein, meist aus hartem Sandstein vom Obersalzberg gehauen und der Oberen Drehscheibe aus Buchenholz besteht. Obenauf ist das Schaufelrad aus Lärchenholz aufgezapft. Bachwasser wird dann über Schaufelräder geleitet. In der kreisrunden, steinernen Hohlform drehen sich durch den Antrieb die grob behauenen Marmorsteine so lang, bis sie eine kugelrunde Form haben und poliert werden können. Je nach Größe der Kugeln dauert dieser Vorgang zwei bis acht Tage.

Ein Bezugsnachweis über Marmorkugeln aus dem Berchtesgadener Land ist außerdem über den Markt Berchtesgaden, Telefon 08652/60060, möglich.

M. Heindl



31/2001