Jahrgang 2001 Nummer 45

Die Klöster Baumburg, Berchtesgaden und Kastl

Graf Berengar von Kastl-Sulzbach wirkte bei allen drei Klostergründungen mit

Kloster Baumburg.

Kloster Baumburg.
Kloster Berchtesgaden

Kloster Berchtesgaden
Kloster Kastl

Kloster Kastl
Von Baumburg und Berchtesgaden sind Verbindungen bekannt, auch räumlich sind sie nicht weit voneinander entfernt, beide waren Augustiner-Chorherrenstifte. Kastl im Nordgau (Oberpfalz) war Benediktinerabtei. Die Gründung dieser Klöster, oder der Anlaß dazu, geht vor das Jahr 1100 zurück, die Errichtung selbst danach. An allen dreien wirkte Graf Berengar von Kastl-Sulzbach mit. Auf die Gründung des Nordgauklosters Kastl im Jahre 1098 und dem Gründungsgeschlecht, die Grafen von Kastl-Sulzbach-Habsberg, soll hier nicht eingegangen werden. Dieses wurde aus Anlaß zur 900jährigen Wiederkehr in den Chiemgau-Blättern 1998 Nr. 9/10, behandelt. Die Gründung für die Klöster Baumburg und Berchtesgaden gehen vom Geschlechte der Sieghardinger aus, diese waren Grafen im Chiem- und Salzburggau. Ihr Stammvater, ein Graf Sieghard, ist im Jahre 908 Inhaber einer Grafschaft, in der der königliche Hof Salzburghofen (Freilassing) lag. Gut zwanzig Jahre später gibt es im gleichen Raume die Grafen Sieghard, Engelbert und Nortperth, wahrscheinlich dessen Söhne. Von einen diesen dürfte Friedrich, Erzbischof von Salzburg (958-991) und sein Bruder Sieghard abstammen. Dessen Söhne sind Engelbert, Nortperth und Piligram, um 980-1005.

Nortperths Sohn Friedrich war Diakon in Salzburg, sowie Graf Sieghard, gestorben 1046, der mit einer Pilihild vermählt war. Von ihren Söhnen ist Sieghard Patriarch von Aquileja (1069-1077) an der Adria/Oberitalien, und Friedrich, Graf von Tengling (1046-1072). Dessen Sohn Heinrich ist Bischof von Freising (1098-1137), Sohn Sieghard, gestorben 1104, Graf von Burghausen und Schalaburg (Niederösterreich), sowie Friedrich, gestorben 1120, Graf von Tengling und Peilstein (Niederösterreich). Mit der Peilsteiner Linie starben die Sieghardinger 1218, nach über 300 Jahren aus.

Graf Sieghard, Sohn des Engelbert um 980-1005, war mit der Judith von Ebersberg vermählt. Beide sind zugegen als der Erzbischof Hartwig von Salzburg (991-1023) die Kirche/Kloster in Baumburg einweiht. Aus diesem Anlaß übergeben sie alle ihre Besitzungen in Baumburg der von ihnen gegründeten Kirche zur hl. Margarethe. Eine Kaiserurkunde Heinrichs III., vom Jahre 1048, nennt die Witwen von zwei Siegharden, die beide im großen Traunwald begütert waren. Pilihilde mit den Söhnen Sieghard und Friedrich und Judith mit den Söhnen Sieghard, Engelbert, Marquart, Meginhard, Sigeboto, Geroh und Sigebold.

Graf Engelbert vermählte sich mit Irmgard, Tochter des Pfalzgrafen Kuno von Rott am Inn, dem Stifter des dortigen Klosters um 1085. Nach dem Tode Engelberts, um 1070, heiratete sie den Grafen Gebhard I. von Kastl-Sulzbach, daraus der Sohn Graf Berengar. Nach dem Tode Gebhard, um 1080, ging Irmgard eine dritte Ehe mit dem Grafen Kuno den Älteren von Horburg-Lechsgmünd ein. Söhne dieser Ehe sind Graf Kuno der Jüngere von Horburg (an der Wörnitz) und Heinrich von Lechsgmünd.

Die Klostergründung in Berchtesgaden (Anstoß dazu) dürfte die früheste der drei Klöster sein. Möglicherweise äußerte Graf Engelbert vor seinem Tode den Wunsch in Berchtesgaden ein Kloster zu errichten. Irmgard brachte dieses Versprechen in ihre zweite Ehe ein. Auch Graf Gebhard konnte dies nicht verwirklichen, er starb bereits um 1080. So ging dies auf seinen Sohn, Graf Berengar über. In Baumburg wissen wir von der Einweihung einer Kirche oder Kloster um 1020, weitere Nachrichten fehlten dann. Engelberts Bruder, Graf Marquart I. dürfte seinen Sitz im Chiemgau (Hohenstein/Marquartstein) gehabt haben. Es ist nicht sicher ob er oder sein gleichnamiger Sohn Marquart II. der Gründer von Marquartstein ist. Beide (Marchwart et Marchwart) sind bei der Einweihung des Klosters Michaelbeuren (bei Salzburg) 1072, durch ihren Geschlechtsvetter Sieghard, Patriarch von Aquileja, zugegen. Marquart I. dürfte um 1077 gestorben sein.

Marquart II. von Marquartstein heiratete um 1090 Adelheid, Tochter des Grafen Kuno von Frontenhausen, der gegen diese Verbindung war und enterbte sie. Das Eheglück der Beiden dürfte nur kurz gewesen sein, denn eine Rache für dieses Tun kostete Graf MARQUART das Leben. Nach seinem Tode schenkte die Gräfin Adelheid zum Seelenheil ihres Gemahls, im Orte Hörpolding einen Hof, sowie eine Mühle und ein daranliegendes Moos, dann jenseits derselben eine Wiese nebst Hofteil und einen Hof nahe dem Simsee. Schon vorher schenkte die Gräfin Irmgard, für das Seelenheil ihres Gatte, Graf Engelbert (Bruder von Marquart I.) zwei Höfe im Ort Babensham (bei Wasserburg) an Baumburg.

Marquart II. machte vor seinem Tode ein Gelübde, in Baumburg das Kloster wieder zu beleben, und trug dies seiner Gemahlin auf. Sie heiratete danach den Witwer Graf Ulrich von Pasau-Formbach, woraus die Tochter Judith (auch Utta) hervorging. Adelheids zweiter Gatte Ulrich starb schon 1097. Auch er konnte Kloster Baumburg nicht verwirklichen. Um 1099 ging sie mit dem Grafen Berengar von Sulzbach eine dritte Ehe ein. Auf diesem lasteten nun zwei Gelübde, in Berchtesgaden und Baumburg ein Kloster zu gründen. Um die Jahre 1102/5 erfüllte Graf Berengar den Wunsch seiner Mutter Irmgard, die 1109 starb, in »berthercatmen« das Kloster zu errichten. Er berief aus dem Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch acht Brüder mit Propst Eberwin, sich in Berchtesgaden niederzulassen. Das unwirtliche rauhe Bergland zwang sie jedoch, nach dem im Vorland gelegene Baumburg überzusiedeln und Eberwin erwirkte um 1107 für dieses Stift ein päpstliches Schutzprivileg.

Trotz des Widerstandes der Chorherren in Baumburg gab Berengar die Stiftung in Berchtesgaden nicht auf und erreichte, daß Propst Eberwin mit einigen Chorherren wieder ins Gebirge zurückkehrte. In Baumburg wurde nun Gottschalk Propst. So konnte Berengar doch beide Klöster verwirklichen. Sie wurden 1122, durch den Salzburger Erzbischof Konrad I., eingeweiht. Auf diese Zeit, um 1120, dürften auch die Hauptvermächtnisse bezogen werden, die Graf Berengar beiden Klöstern vermachte. Für Baumburg waren dies: Die Kirche in Ettendorf (Traunstein) mit allem was dazugehört, Dachslug, Bernbichl, Hachau (Gemeinde Siegsdorf) mit Holz und Wiesen, Baumgarten (Übersee), eine Mühle in Chieming, einen Hof zu Tittmoning, einen halben Hof zu Gunzenberg (Tittmoning), eine Mühle und eine Salzquelle zu Reichenhall, sowie zwei Weinberge zu Bozen (Südtirol) mit allem was dazu gehört.

Die beiden Klöster Baumburg und Berchtesgaden der Augustiner-Chorherrn bestanden über 700 Jahre, bis sie im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst wurden. Das Nordgaukloster Kastl der Benediktiner hatte einen anderen Weg. Durch die Teilung der wittelsbachischen Lande, im 14. Jahrhundert kam ein Großteil des einstigen Nordgaus an die pfälzer Wittelsbacher. Diese wandten sich im 16. Jahrhundert dem neuen Glauben, Luthertum und Calvinismus, zu. So schlug auch für das Benediktinerkloster Kastl 1556 die letzte Stunde, bis die Oberpfalz 1625 wieder an Bayern kam. In dieser Zeit wechselte der Glaube fünfmal, der des Landesherrn galt für alle seiner Untertanen. 1636 übergab der bayerische Kurfürst Maximilian I. das Kloster den Jesuiten. Als Papst Clemens XIV. 1773 den Orden aufhob, mußten sie Kastl wieder verlassen. 1782 folgten die Malteserritter, bis dann die Säkularisation das endgültige aus brachte.

Der Anstoß über diese Klöster nochmals kurz zu schreiben geht auf anfangs dieses Jahres zurück. Im Traunsteiner Tagblatt stand die Todesanzeige des: H.H. Prälat, G.R., Otto Schüller, Pfr. i.R., Ehrenbürger der Marktgemeinde Berchtesgaden, gestorben am 3. Februar 2001 im Alter von 91 Jahren und nach 66 Jahren unermüdlichem Dienst als Priester in Berchtesgaden.

Der Schreiber dieses Artikels stammt aus jenem Kastl, wo die ehmalige Klosteranlage der Benediktiner heute noch, als markantes Wahrzeichen, den Markt überragt. Die Schulzeit fiel in die Jahre des dritten Reiches, darunter der zweite Weltkrieg (1939-1945). Über Grafen und Klöster wurde damals wenn, nur negativ berichtet. Ich befaßte mich, seit Mitte der 70er Jahre mit den Grafen von Kastl-Sulzbach-Habsberg und ihrer Klostergründung dort. Durch ein Buch las ich, daß die Sulzbacher auch in Berchtesgaden tätig waren. Nach einem Schreiben an das kath. Pfarramt Berchtesgaden im Januar 1976 schickte mir der damalige Pfarrer, Geistlicher Rat Schüller, von dort einen Kirchenführer, mit ein paar Zeilen auf einer beigelegten Karte. So erinnerte mich seine Todesanzeige an damals.


Benützte Literaturen:
Das Nordgaukloster Kastl, von Karl Bosl, 1939. Die Babenberger, von Karl Lechner, Wien 1975. Handbuch der bayerischen Geschichte, herausgegeben von Max Spindler, München, 1975. Historischer Atlas von Bayern, Fürstpropstei Berchtesgaden, 1954. Historischer Atlas von Bayern, Traunstein, 1970. Stammreihe und Geschichte der Grafen von Sulzbach, von Joseph Moritz, München 1833.
Die Chiemgau-Blätter:
1979 Nr. 9/10, Die Sieghardinger Grafen im Chiem- und Salzburggau. 1982 Nr. 5/6, Ettendorf, Kleinod des Chiemgaus. 1983 Nr. 34/35, Siegsdorf, die Gründung eines Grafen Sieghard? 1984 Nr. 52, Die Gründung des Klosters Berchtesgaden. 1985 Nr. 22, Die Klostergründung Rott am Inn vor 900 Jahren. 1998 Nr. 9/10, Die Gründung des Klosters Kastl vor 900 Jahren und Die Grafen von Kastl-Sulzbach-Habsberg.

Siegfried Moll



45/2001