Jahrgang 2020 Nummer 31

Die hl. Martyrinnen Sophia, Fides, Spes und Charitas

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahr 1890

Sophia (= Weisheit), eine griechische Fürstin, hatte drei Töchter: Fides, Spes, Charitas (das heißt Glaube, Hoffnung, Liebe). Sie wurden von einem Bischofe bekehrt und reisten nach Rom. Bald wurden sie wegen Verbreitung des heiligen Glaubens als Christinnen erkannt, gefangen genommen und vor den Kaiser Hadrian I. geführt. Der 12-jährigen Fides wurden die Hände auf den Rücken gebunden; dann ward sie mit Ruten geschlagen; man schnitt ihr die Brust ab; auf einen brennenden Scheiterhaufen geworfen, blieb sie unverletzt; zuletzt wurde sie enthauptet. Die zehnjährige Spes wurde mit Ochsensehnen geschlagen; in einen feurigen Ofen geworfen, weil sie unverletzt geblieben, an einem Balken aufgehängt und mit eisernen Haken so zerfleischt, dass die bloßen Knochen hervortraten; sie wurde ferner in einen Kessel getaucht, der mit siedendem Pech und Harz gefüllt war; aber derselbe zersprang, und einige Schergen wurden getötet, während sie selbst unbeschädigt blieb; endlich wurde sie enthauptet. Die 9-jährige Charitas wurde auf der Folter mit Riemen so ausgedehnt, dass der ganze Körper aus den Fugen ging; hierauf in einen glühenden Ofen geworfen, dessen Feuer die Schergen verbrannte, die Heilige aber nicht ergriff: dann wurde ihr Leib mit Bohrern durchlöchert; endlich schlug man ihr das Haupt ab den 1. August 120. Die Mutter, welche zusehen musste, ermunterte ihre Töchter zur Standhaftigkeit, ließ nun deren Leiber wegbringen, salbte sie und sorgte für ein ehrerbietiges Begräbnis. Bald starb sie am Grabe ihrer heiligen Töchter betend. Ihr Andenken wird am 1. August und das der heiligen Sophia auch am 30. September gefeiert.

Lehre. Die drei heiligen Jungfrauen und Martyrinnen hatten die schönen Namen, welche Glaube, Hoffnung und Liebe bedeuten. Sie waren stark in diesen Tugenden. O Christ! stehe fest im Glauben, lasse nicht ab von der Hoffnung auf Gott und liebe Gott über alles.

Gebet. O Gott, du Spender aller Gnaden, verleihe uns Einsicht und Weisheit, damit wir stets an dich glauben, auf dich hoffen, dich lieben und mit dir im Himmelreiche vereinigt werden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

31/2020

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