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Jahrgang 2013 Nummer 52

Die heiligen unschuldigen Kinder

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Die heiligen drei Weisen kamen nach Jerusalem zum Könige Herodes und fragten, wo der neugeborene König der Juden sei. Da erschrak Herodes und ganz Jerusalem mit ihm. Der König fürchtete für seinen Thron; die Bewohner Jerusalems befürchteten neue grausame Taten. Herodes erkundigte sich bei den Juden, wies dann die drei Könige nach Bethlehem und sagte ihnen, wenn sie das Kind gefunden hätten, so sollten sie zurückkehren und es ihm melden, damit auch er komme und es anbeten könne. Die Heiligen drei Könige wurden aber von einem Engel gemahnt, auf einem anderen Wege heimzureiten und nicht mehr zu Herodes zurückzukehren. Als Herodes dies erfuhr, wurde er zornig und beschloss, alle Knäblein in Bethlehem und Umgegend, die zwei Jahre alt wären und auch noch unter zwei Jahren, zu töten, um desto sicherer den neugebornen König der Juden unschädlich machen zu können. Aber das göttliche Jesuskind konnte er nicht töten; denn es war nach Ägypten in Sicherheit gebracht worden. Der grausame Befehl des Herodes wurde nur zu genau vollzogen, und mehrere Tausende von unschuldigen Knäblein mussten ihr zartes Leben lassen. Der heilige Augustin belehrt uns: »Mit Recht feiern wir den Geburtstag jener, welche die Welt viel glücklicher dem ewigen Leben anheimgegeben hat, als der Mutterschoß für diese Erde; denn sie haben eher die Auszeichnung des ewigen Lebens, als den Gebrauch des zeitlichen Daseins erlangt. Jene also, welche die Gottlosigkeit des Herodes als Säuglinge vom Busen der Mütter weggerissen hat, werden mit Recht die Blüten der Martyrer genannt; denn als die ersten Blumenknospen, welche die Kirche hervorsprosste, hat sie noch in der Winterkälte des Unglaubens der Froststurm der Verfolgung gezeitigt.« Der Gedächtnistag der heiligen unschuldigen Kinder ist der 28. Dezember.

Lehre. Zum Himmel führen zwei Wege: der Weg der Unschuld und der Buße. Wer die Taufunschuld verloren hat, muss sich bemühen, durch die Buße selig zu werden. Der heilige Bonaventura sagt: »Die Buße erfreut die Engel, rechtfertigt die Gottlosen, verschafft wieder die verlorenen Güter, gibt das ewige Leben und sichert vor der ewigen Strafe.«

Kirchengebet. O Gott! Am heutigen Tage haben die unschuldigen Kinder und Martyrer nicht mit dem Munde, sondern durch ihren Tod dir Lob und Preis dargebracht! Ertöte in uns alle Übel unserer verkehrten Neigungen, damit unser Leben den Glauben an dich bekenne, den unsere Zunge ausspricht. Amen

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

52/2013