Jahrgang 2009 Nummer 31

Die Geschichte des Kargesshofs von Haslach

Bis 1961 stand der Bauernhof in der Ortsmitte

Das Kargess-Anwesen in Haslach

Das Kargess-Anwesen in Haslach
Der Kargesshof um 1930/40. Die Bauweise zeigt, wie die Haslacher Höfe vor dem Brand im Jahre 1875 gebaut waren.

Der Kargesshof um 1930/40. Die Bauweise zeigt, wie die Haslacher Höfe vor dem Brand im Jahre 1875 gebaut waren.
In der Haslacher Ortsmitte stand der aus dem 16. Jahrhundert erbaute Bauernhof »beim Kargess. 1961 wurde das alte historische Wohnhaus abgebrochen und durch einen Neubau, ein dreigeschoßiges Wohnhaus, ersetzt. Die Stallung aus neuerer Zeit ist heute noch erhalten. 1944 wurde bei einem Bombenangriff die Stallung schwer beschädigt und vier Kühe getötet.

Der Hofname Kargess kommt von einem früheren Besitzer mit dem Namen »Eucharius«, der im 14. Jahrhundert auf dem Hof war. Der Hof war 1680 ein 1/4 Lehen und laut Hofanlagebuch von 1752 1/16 Hoffuß groß, also ein kleines Anwesen. Gerichtlich und leibrechtlich gehörte das Kargessanwesen zur Hofmark Winkl. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlten die jweiligen Hofinhaber an Stift zur Hofmark Winkl jährlich an Geld 5 Gulden, 25 Kreuzer, an Naturalscharwerk hatten sie jährlich einen Tag mit den Pferden Spannfrohndienst zu leisten oder einen Gulden an Geld zu zahlen. Weitere Abgaben: zur Pfarrei Haslach 1 Wachtlaib Brot, dem Haslacher Mesner 2 Läutgarben an Getreide und für den Gerichtsdiener in Winkl ein »Säumlingsgeld« von 28 Kreuzer. An Zehent gab man Getreide und Flachs zur Pfarrkirche Haslach.
1580 nannte man in den Beschreibungen der Weitmoserischen Untertanen auf dem Edelmannsitz Winkl den »Cargesshof« zu Haslach, aber ohne Namen des Lehensinhabers.

1624 ist im Haslacher Sterbebuch der Tod der Tochter Sara der Bauersleute Christian und Eva Kargess von Haslach eingetragen. Im Briefprotokoll vom 22. Juli 1633 folgt die nächste Erwähnung, als der Maurer Hans Pfeil 1 Joch Land am Wartberg verkaufte. Als Zeugen traten auf die Haslacher Bauern Christian »Kharger« (Kargess) und Andreas Storflinger.

1634 (27.06.) steht erneut ein Eintrag im Haslacher Sterbebuch. Christian und Sabina (2. Frau) Kargess betrauerten ihren Sohn Georg, der an der Schwarzen Krankheit (Pest) gestorben ist. In dieser Zeit herrschte in unserem Gebiet die Pest.

Um 1650 dürften die Aschl auf den Kargesshof gekommen sein. 1670 (06.03.) starb die Kargessbäuerin Maria Aschl von Haslach. 1680 wird in der Güterbeschreibung der Hofmark Winkl auf dem Kargesshof ein Joseph Aschl mit 1/4 Lehen erwähnt. In der Hofmarkbeschreibung von 1693 wird das Anwesen auch als Aschlgut bezeichnet. Als Hofinhaber zur Hofmark Winkl ist ein Georg Pletschacher aufgeführt.

Nach den Pletschachern folgten die Sonnenleithner auf dem Hof. Im Juni 1709 starb der Kargessbauer Hans Sonnenleithner. Aus diesem Anlass wurde von der Hofmark Winkl ein Vertragsbrief ausgefertigt. Seine hinterbliebene Ehefrau Katharina und ihre beiden Kinder Georg und Barbara führten den Hof bis zur Wiederverehelichung im gleichen Jahr, mit Georg Praidtmoser von Neuling. 1710 starb der neue Hofinhaber Georg Praidtmoser und die Hofmark Winkl musste erneut einen Vertrag ausstellen. In diesem Brief heißt es u. a.: »… dass sich die Witwe mit den beiden Kindern vertragen hat«.

1711 übergab die verwitwete Kargessbäuerin das Anwesen an ihren Sohn Georg Sonnenleithner. Dieser verehelichte sich mit Ursula Schuhböck, unbekannter Herkunft.

1756 erwarb nach dem Tod des Vaters Georg Sonnenleithner die Tochter Salome den elterlichen Hof. Gleichen Jahres verehelichte sich die Hofübernehmerin mit Jakob Vachenlueger, Sohn der Hainzlpaulseheleute Simon und Maria Vachenlueger, von Surberg.

1781 überging das Anwesen an den Sohn Andreas Vachenlueger und seiner Braut Anna Zehentner von Kammer.
Im Häuser- und Rustikalsteuer-Kataster der Steuergemeinde Haslach von 1810 wird das Kargess-Anwesen mit 1/16 Hof und mit Haus-Nr. 8 in Haslach aufgeführt. Als Hofinhaber wurde irrtümlich der Name Andreas »Vachenauer« eingetragen, der natürlich Andreas Vachenlueger war. Der Hof gehörte leibrechtich und gerichtlich zum Patrimonialgericht Winkl. Andreas Vachenlueger zahlte an Rustikalsteuer 5 Gulden, 23 Kreuzer, 2 Heller.

Laut Übergabsbrief vom 6. Februar 1829 übernahm Andreas Vachenlueger von seinem Vater den Hof mit sämtlicher Einrichtung, Vieh und Fahrniß um 667 Gulden Schätzung. eine Frau war die Bauerstochter Anna Pillinger von Wimpesing, Pfarrei Truchtlachting.

Als 1848 der Kargesshof von der Grundherrschaft befreit wurde, lebte der Kargessbauer Andreas Vachenlueger nicht mehr. Der Hof wurde von der Witwe Anna Vachenlueger bewirtschaftet. Sie zahlte, lt. Ablösungskasse, an die Hofmark Winkl 100 Gulden und an die Haslacher Kirche 195 Gulden. Diese beiden Summen wurden durch den jährlichen Bodenzins abgezahlt.

1862 überging der Hof an den Sohn Johann Vachenlueger und seiner Braut Therese Spiegelsperger, Lindnerbauerstochter von Grabenstätt.
1882 verkauften die Vachenlueger das Anwesen an Josef Brand von Saxenham. Dieser verkaufte das Anwesen im März 1896 an Anna Rummel. Ein Jahr später, im Juni 1897, erwarben die Schmiedeheleuge Georg und Therese Schwaiger von Haslach den Hof durch Kauf.

Im September 1898 ging der Besitz an Bartholomäus Zenz. Beim Verkauf des Anwesens behielten sich die Schmiedeheleute Schwaiger mehrere Grundstücke zurück. Bartholomäus Zenz war mit Anna Loher von Chieming verheiratet. Anna Zenz starb 1914 und ihr Ehemann 1938 mit 74 Jahren.

Lt. Erbfolge erwarb 1938 deren Sohn Josef Zenz den Hof. Der Hofübernehmer heiratete 1939 die Hasbauerstochter Therese Buchner von Traundorf. Die Ehe blieb kinderlos.

1961 wurde das Wohnhaus abgebrochen. Somit verschwand ein wertvolles historisches Kulturgut aus der Haslacher Ortsmitte. Zwei Dorfbrände und einen Bombenangriff hatte das Haus überstanden, nun musste es einem dreistöckigen Wohnhaus weichen. Damals hatte man noch nicht erkannt, dieses wertvolle bäuerliche Denkmal für ein Bauernhofmuseum zur Verfügung zu stellen, um dieses der Nachwelt zu erhalten.

Betäubender Lindenduft

Wenn man an einem schönen Hochsommerabend in der Nähe blühender Lindenbäume gelangt, überkommt einen ihr starker Duft manchmal so, dass man sagt: »Die Linden duften betäubend«. Es gibt nun tatsächlich Lindenarten, deren Duft betäubende Wirkungen, wenn auch praktisch nur auf Bienen, hat. Es sind dies die sogenannten Silberlinden aus Ungarn. Der Baumwissenschaftler Camillo Schneider beschrieb, wie er selbst beobachtet hat, dass unter einer blühenden Silberlinde eine große Anzahl von Bienen betäubt am Boden lag. Dem von der Silberlinde gelieferten Honig kommen allerdings keine giftigen Wirkungen zu. Ihren Namen verdankt die Silberlinde der stark behaarten Unterseite ihrer Blätter, die von Sternhaaren silbergrau bis weißlich ist.


Karl Rosenegger



31/2009