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Jahrgang 2016 Nummer 25

Die Froschhamer Kapelle

Am kommenden Dienstag, 21. Juni, wird das 175. Weihejubiläum gefeiert

Das Gemälde Johannes der Täufer stammt aus der im Jahr 1790 abgebrochenen Kirche in Froschham. Es zierte dann die 40 Jahre später errichtete Kapelle an gleicher Stelle, ehe es in den 1990er Jahren restauriert wurde und als Dauerleihgabe der Stadt Traunstein in der Pfarrkirche in Kammer einen neuen Platz gefunden hat.

Früher war dort eine Kirche. Heute stehen nur noch das ehemalige Mesnerhaus, das als Forsthaus genutzt wird, und die Froschhamer Kapelle. Überreste von ein paar Grundmauern lassen erahnen, dass hier einmal ein Bauernhof stand. Lange ist's her. In den 1970er Jahren wurden die letzten Gebäudeteile abgerissen. Da gehörte das gesamte Areal des ehemaligen Gutes Froschham schon längst der Stadt Traunstein, die hier einen Teil ihres rund 600 Hektar großen Stadtwaldes aufgeforstet hat. Nun rückt Froschham noch einmal ins Interesse der Öffentlichkeit, denn am Dienstag, dem 21. Juni, wird das 175. Weihejubiläum der Froschhamer Kapelle gefeiert.

Die erste bildliche Darstellung einer Kirche in Froschham stammt aus dem Jahr 1560 und ist von Philipp Apian. Unterlagen aus früherer Zeit gibt es keine mehr; sie wurden vermutlich beim Brand des Ottinger Pfarrhofes im Jahr 1624 vernichtet.

Das Gotteshaus wurde 1790 abgebrochen. Als 1786 wegen erheblicher Baumängel eine kostspielige Sanierung anstand, kam die Frage auf, ob die Kirche überhaupt noch gebraucht werde. Der Ottinger Pfarrer Franz Wernspacher hielt nicht viel vom Froschhamer Kircherl. Seine Stellungnahme für das Konsistorium, die kirchliche Behörde in Salzburg, dürfte den Ausschlag für den Abriss gegeben haben. Die Kirche sei eng und ungeräumig, hatte er mitgeteilt. Kaum 300 Menschen hätten darin Platz und sie sei schlecht eingerichtet.

Die Gläubigen aus den Pfarreien Traunwalchen, Otting und Waging, die jährlich nach Froschham pilgern, könnten genausogut nach Kammer gehen. Deshalb müsse die Kirche in Kammer unterstützt werden, riet der Ottinger Geistliche. Nach Zustimmung des Geistlichen Rates, der Regierung in Burghausen und dem Salzburger Konsistorium folgte der Abriss.

Aber: Kein Schaden ohne Nutzen. Die Hälfte des Abbruchmaterials wurde dafür verwendet, den Turm der Kammerer Kirche zu errichten, die andere Hälfte wurde verkauft und das verbleibende Vermögen ging an die Kirche in Kammer. Das waren das Inventar und Anteil am Erlös aus Grundbesitz. Die Kirchenglocke kam nicht nach Kammer und zunächst auch nicht das Gemälde, welches den Hochaltar zierte. Dass es seit mehr als zehn Jahren in frischem Glanz in der Kammerer Pfarrkirche Johannes der Täufer erstrahlt, ist glücklichen Fügungen und dem Einsatz von Idealisten 200 Jahre später zu verdanken. Davon aber später mehr.

Denn zunächst soll erzählt werden, warum in Froschham ein Kircherl steht, wenn es doch im Jahr 1790 abgebrochen worden ist. Ganz im Gegensatz zur Meinung des Ottinger Pfarrers hatte die Kirchengemeinde ihr Gotteshaus nicht für entbehrlich gehalten. Knapp 40 Jahre nach dem Abriss wurde beschlossen, an gleicher Stelle wieder eines zu errichten. Es waren die unmittelbaren Nachbarn der damaligen Kirche, der Mesner Andreas Seehuber und der Bauer Mathias Kobler, welche die Initiative ergriffen.

Wie aus Unterlagen im Pfarrarchiv Otting hervorgeht, wurde das Bauwerk 1838 fertiggestellt und drei Jahre später vom Ottinger Pfarrer eingeweiht. So jedenfalls berichtet es der ehemalige Kreisarchivar Götz von Dobeneck in einem Beitrag für die Ottinger Ortschronik, die zum 1250. Jubiläum der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des Ortes herausgegeben worden ist.

Die Kapelle wurde wieder Johannes dem Täufer gewidmet; wie früher schon und wie auch die benachbarte Pfarrkirche in Kammer. Froschham war allerdings nicht mehr Filiale von Otting und es wurden dort auch keine Messen mehr gelesen. An Feiertagen wurde das Kircherl geöffnet, damit die Menschen dort privat Andacht halten konnten. Zum Morgen- und Abendgebet wurde die Glocke geläutet.

Nun noch einmal zum Altarbild, über dessen Geschichte der heutige Traunsteiner Stadtarchivar Franz Haselbeck geforscht und im eben erwähnten Buch einen Beitrag veröffentlicht hat. Demnach hat der ehemalige Kreisarchivar Götz von Dobeneck den Anstoß gegeben, das Bild vor dem Verfall zu retten. In Veröffentlichungen in den Jahren 1992 und 1993 hatte er auf den schlechten Zustand des Gemäldes hingewiesen.

Durch Feuchtigkeit war das barocke Kunstwerk stark beschädigt und konnte nur durch eine umfangreiche Renovierung gerettet werden. Die Stadt Traunstein als Besitzerin der Kapelle mit Oberbürgermeister Fritz Stahl an der Spitze sah sich in der Pflicht. In enger Abstimmung mit dem Landesamt wurde das Gemälde umfassend restauriert.

Dass es nicht mehr an seinen alten Platz in Froschham zurückkehren konnte, war von vornherein klar. Die schlechten klimatischen Bedingungen in der ungeheizten Kapelle hätten binnen absehbarer Zeit zu erneuten Schäden geführt. So wurde das Bild der Pfarrei Kammer als Leihgabe überlassen und ziert seither die Pfarrkirche Johannes der Täufer. In Froschham ist eine Fotoreproduktion in Originalgröße.


Klaus Oberkandler

 

25/2016