Jahrgang 2001 Nummer 26

Die Franzosen waren Bayerns erste Landvermesser

Vor 200 Jahren wurde dann von Kurfürst Max Joseph das Topographische Bureau gegründet

Ein Theodolit in einer Ausstellung im Landesvermessungsamt in München. Als Napoleon Bayern besetzt hatte, ließ er im Frühjahr 18

Ein Theodolit in einer Ausstellung im Landesvermessungsamt in München. Als Napoleon Bayern besetzt hatte, ließ er im Frühjahr 1800 Französische Soldaten Bayern unter militärischen Gesichtspunkten vermessen.
Am 19. Juni 1801 gründete der bayerische Kurfürst Max IV. Joseph, der spätere König Max I., das Topographische Bureau mit dem Auftrag, das Land topographisch aufzunehmen und in Karten darzustellen. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde der Bayerischen Vermessungsverwaltung, deren Leistungen bereits in kürzester Zeit in ganz Europa einen hervorragenden Ruf genossen.

Seit dem Frühjahr 1800 war Bayern während des Zweiten Koalitionskrieges zwischen Frankreich und Österreich von französischen Truppen besetzt. Napoleons Wunsch war es, für die Zwecke der französischen Heeresleitung eine »astronomisch und geographisch richtige Karte« von Bayern herzustellen, denn gute Karten erlaubten Napoleon eine detaillierte Strategieplanung im Vorfeld seiner Gefechte. Daraufhin beauftragte die Generalität der französischen Rheinarmee den in München kommandierenden General Decaën, eine »Commission des routes« mit Sitz in Nymphenburg einzusetzen und diese mit der topographischen Aufnahme Bayerns zu betrauen.

Als nach dem Frieden von Lunéville vom 9. Februar 1801 die französischen Truppen Bayern verließen, war das begonnene Werk einer Karte von Bayern unvollendet geblieben. Die Idee einer flächendeckenden, genauen Karte Bayerns aber war geboren. Aussagen und Forderungen wie »schleunige Verfertigung einer Karte von Baiern« oder »très grand intérêt à la plus prompte conception possible d‘une Carte exacte du Cercle de Bavière« mehrten sich im Jahre 1801 und führten schließlich zur Gründung des »Topographischen Bureaus« durch Kurfürst Max IV. Joseph, am 19. Juni 1801.

Die Aufgaben des Topographischen Bureaus bestanden vorwiegend in
– der Fortsetzung und Vollendung der im Jahre 1800 begonnenen Arbeiten
– der topographischen Aufnahme des Landes und
– der Darstellung Bayerns in topographischen Karten.

Im Gegensatz zu den Franzosen verfolgte der Kurfürst das Ziel, die Karte nicht nur militärischen Zwecken, sondern auch der Zivilverwaltung nutzbar zu machen, so z. B. auch der geplanten und wenig später auch realisierten Katastervermessung.

In einer französisch-bayerischen Kooperation begannen im Sommer 1801 französische Ingenieurgeographen unter Leitung des Obersten Bonne damit, eine Basisstrecke zwischen München und Aufkirchen zu messen, quasi das bayerische »Ur-Meter«.

Die Länge der direkt gemessenen Linie beläuft sich auf 21 653,8 m. Heutige Messungen mit modernsten Satellitenmethoden ergeben eine Abweichung von nur etwa 70 cm, das entspricht einem »Fehler« von nur drei cm auf einem Kilometer der von Oberst Bonne gemessenen Grundlinie.

Originale dieses sogenannten Bonneschen »Basisapparates« können im Deutschen Museum in München oder in der vermessungshistorischen Ausstellung im Bayerischen Landesvermessungsamt besichtigt werden.

Anfangs- und Endpunkt der Basislinie sind durch Pyramiden gekennzeichnet und können noch heute in München-Oberföhring und Aufkirchen bei Erding besichtigt werden (Basispyramiden).

Der nördliche Turm der Münchener Frauenkirche wurde als Nullpunkt der Bayerischen Landesvermessung gewählt. Von ihm aus überzog ein Dreiecksnetz von Fixpunkten (Trigonometrische Punkte) ganz Bayern mit der damals dazugehörigen Rheinpfalz.

Noch heute bildet der nördliche Turm der Münchener Frauenkirche das Zentrum für die Blatteinteilung der bayerischen Flurkarten (Katasterkarten). Dieser Turm wurde deshalb in einem königlichen Dekret auch als »Zentralpunkt der Monarchie« bezeichnet.

Durch die Gebietszuwächse im Zuge der napoleonischen Kriege entsprach Bayern einem bunten »Teppich« von über 114 verschiedenen Grundsteuersystemen, die es zu vereinheitlichen galt, quasi die erste Steuerreform.

Die systematische Vermessung aller Grundstücke in Bayern begann mit der Gründung der Steuervermessungskommission: 1808 ordnete König Max I. für ganz Bayern die Vermessung aller Grundstücke an. Ziel war es, eine gerechte und einheitliche Besteuerung zu erreichen, denn die Grundsteuer bildete seinerzeit die Haupteinnahmequelle des Staates.

Die Vermessung und Kartierung der damals über 21 Millionen Parzellen erfolgte graphisch auf dem Messerstich im Gelände. Insgesamt entstanden so von 1808 bis 1864 über 23.000 Messerstich- , sogenannte Uraufnahmeblätter. Die Messtischblätter wurden auf Lithographiesteine übertragen und mit Hilfe des kurz vorher von Alois Senefelder entdeckten Steindrucks vervielfältigt. Diese Lithographien sind heute wertvolle Schätze in den Archiven der Vermessungsämter.



26/2001