Jahrgang 2001 Nummer 9

Die Besitzer der Hofmark Oberbrunn

Der Ort wurde bereits im Jahr 924 urkundlich erwähnt, Teil II

Schloß Oberbrunn nach Philipp Apian um 1565 (Original Bayerisches Landesvermessungsamt München).

Schloß Oberbrunn nach Philipp Apian um 1565 (Original Bayerisches Landesvermessungsamt München).
Hanns II. Sunthaimer

Schon 1532 sind die Brüder Hanns und Wolfgang, die Söhne des Hanns I. Sunthaimer zu Oberbrunn erwähnt. Wolfgang kann 1540 bis 1542 als Pfleger in Neuötting nachgewiesen werden. Über seinen Verbleib berichtet kein Schriftstück mehr. Ihre Schwester Margaretha erhielt das seit 1539 im Familienbesitz befindliche Schloß Obing im Jahre 1546, nachdem sie sich mit Melchior Wanninger zum Spitzenberg vermählt hatte. Hanns II. Sunthaimer heiratete im Jahr 1537.

In einem Vertrag im Jahre 1549 zwischen dem Kloster Seeon und dem Hofmarksherrn von Ober- und Niederbrunn wurde die Weide auf Seeoner Waldboden geregelt. Hanns II. Sunthaimer zu Oberbrunn und Thomas Plenagl, Hofmarksrichter zu Seeon, legten den »Plaimb und Ackherlains Bsuechs und Triebs«, auch ins Gehölz am Höhenberg, für 15 Oberbrunner und fünf Unterbrunner fest, so daß diese fortan 225 Schweine in den Forst am Höhenberg treiben durften.

Hanns II. Sunthaimer war wohl lutherisch gesinnt. »Hans Sunthamer sey durch ine (= Prior Maurus von Seeon) ainsten auf bevelch seines prelaten angesprochen worden, er solle doch communiciern und sich christlich halten, aber wenig ausgericht, sonder hab derhalben auf ine und den prelaten ain feindschafft geworffen«. Und Vitus Stadler, »Vicarius« der Pfarrei Obing, gab bei der Visitation im Jahre 1558 an: »Hab wol ainen, nämlich den Sunthaimer, ders sub utraque (die Kommunion in beiderlei Gestalt) begert, aber demselben nit volg gethan«.

Hanns II. und Katharina Sunthaimer zu Ober- und Niederbrunn verkauften 1570 die Hofmark Oberbrunn an Hanns Egidius Sonderndorffer zu Polling. Hanns II. Sunthaimer, er war etwa von 1542 bis 1572 Umgelder in Obing, starb 1577.

Die Sonderndorffer von 1570 bis 1606

Von den ursprünglich aus »Sonderndorf bei Zornolting« (Sunderndorf, Landkreis Ebersberg) stammenden Sonderndorffern (auch Sunderndorfer und Sonderstorfer) wurde 1570 Hanns Egidi Besitzer des Sitzes Oberbrunn. Hanns Egidi Sonderndorffer zu Polling (ein Sitz bei Friedberg im südlichen Innviertel), Pfleger zu Hals (Landkreis Passau) und später Fürstlicher Rat zu Burghausen, war mit Elspeth Hohenkircher von Iffldorf und in zweiter Ehe mit Euphrosina Wanninger zu Obing vermählt.

Die Sonderndorffer saßen schon während des 14. Jahrhunderts (1378 erwähnt) auf dem Sitz Anzing (Landkreis Ebersberg). 1416 ist dort eine Hofmark überliefert. Im Landshuter Erbfolgekrieg 1503/05 diente Hanns Sonderndorffer treu dem Herzog Albrecht IV. von München unter anderem als Futtermeister. Dafür erhielt er 1507 das Schloß Ybm im Innviertel. 1530 konnte Hanns Sonderndorffer auch den Sitz Polling im Innviertel erwerben.

Im vermehrten Wappen führten die Sonderndorffer in zwei Vierteln jeweils in Blau zwei goldene, schräggekreuzte Lilienstäbe. Die anderen Vierteln waren jeweils von Silber und Rot dreimal schräggeteilt.

Der Status der Hofmark Oberbrunn wurde in den Bescheibungen von 1597 und 1598 genau erklärt:

»Die ist ebenmessig von Allter hero ain gefreite Hofmarch gewest, gehert sonnsten Hanns Egidien von Sonnderndorf zu Schenperg unnd Prunn zue, hat sonnsten auch ainschichtige Edlmannsguetern im Gericht, werden in dieser Beschreibung so underbar verzaichnet, unnd neben anndern dergleichen Guetter beschriben.

In der Obmannschaft Obing:
Hanns Stadler, Diepperzhaim, ain Guet, gehört dem Herrn von Bern.
Sigmunnden Pranndthuebers, Ilzhaim, ain Guet, gehört dem Herrn von Bern.
Die Agerlperischen haben zue Fraberzhaim ain Guet das besizt Hanns Hueber alda.
Jacob Mayr, Albertaich, Hueberischer Untertan.
Geörg Puecher, Unterpirach, Untertan des Burkhart von Taufkirchen zu Clebing.«

Am 10. August 1565 erwarb Hanns Egidi Sonderndorffer zu Ybm die Sitze Schönberg und Kay (beide Gemeinde Schönberg, Landkreis Mühldorf), die beide herzoglich-bayerische Lehen waren.

Um 1600 betrug die von »Hanns Egidi von Sonderstorf zu Änzing«, Kay, Oberprunn und Schönberg jährlich zu zahlende Rittersteuer für Ober- und Niederbrunn 8 fl. 20 X., für Anzing 4 fl., für Kay 1 fl. 40 X. und für Schönberg 5 fl. 20 X. Schönberg war schon 1600 ein gemauertes Schloß.

Der »Edel und Veste Hanns Egidi von Sonderndorf zu Prunn« wohnte um 1600 auf seinem Sitz zu Schönberg. Hanns Egidi Sonderndorffer starb 1606 als letzter seines Geschlechts.

Die Hofmark Oberbrunn wird 1607 als eine geschlossene Hofmark mit Schloß und Dorf beschrieben; die Hofmarksgrundstücke lagen beieinander. Niederbrunn gehörte niedergerichtlich zur Hofmark Oberbrunn, grundherrschaftlich aber zum Kloster Seeon bis auf ein Anwesen, das zu Oberbrunn zählte.

Die Armannsperger von 1607 bis 1753

Auf dem Erbwege gelangte Oberbrunn in den Besitz der Armannsperger. Die Armannsperger dürften von Armannsperg im Gericht Rottenburg a. d. Laber (Landkreis Landshut) abgestammt haben. Durch die Hochzeit der Sarah von Sonnderndorf mit Sigmund dem Jüngeren von Armannsperg gelangte zunächst der Sitz Anzing 1585 an die Armannsperger.

Die Armannsperger führen im blauen Wappenschild einen silbernen Adler. In den Freiherrenstand stieg das Geschlecht 1719 und in den Reichsgrafenstand 1790 auf.

Ihr Sohn Hanns Wilhelm von Armannsperg zu Anzing, verheiratet mit Maria Jakoba von Elsenheim, hat 1607 von seinem Ahnherrn (und Onkel) Hanns Egidien von Sonnderndorf (gestorben 1606) die Hofmark Oberbrunn durch Erbschaft an sich gebracht. Schönberg und Kay erhielt damals sein Bruder Ferdinand von Armannsperg.

Hanns Wilhelm von Armannsperg zu Oberbrunn und Anzing verkaufte am 8. März 1613 einen Hof im Pfleggericht Kling. 1615 erhielt Hanns Wilhelm von Armannsperg das gefreite Edelmannsgut »Fräbertshaim« von der Familie »Muerer« (Murher). Frabertsham war kein Edelsitz sondern nur ein Bauernhof, darin befand sich ein eigener Stock für die Herrschaft (Rittersteuer 5 fl. 20 X.).

Hanns Wilhelm von Armannsperg verkaufte 1633 Güter zu Anzing an den Münchner Kaufmann und Ratsherrn Leonhard Höger. Sein Nachfolger Johann Franz von Armannsperg veräußerte an denselben Leonhard Höger am 16. Oktober 1652 auch Schloß und Herrschaft Anzing.

Am 18. Dezember 1621 tauschten Hanns Wilhelm von Armannsperg und die Äbtissin von Frauenchiemsee Grundstücke bei Pittenhart. Dabei wird am »Reiterspichl« ein Vogeltenn, also ein für den Vogelfang vorbereiteter Platz im Wald erwähnt. 1630 stritt Hanns Wilhelm von Armannsperg mit dem Urbarwirt in Pittenhart wegen dessen Schankrecht in Oberbrunn; die Regierung zu Burghausen entschied zu Gunsten des Hanns Wilhelm von Armannsperg.

1639 wurde die Hofmark »Prunn« mit den einschichtigen Gütern beschrieben: »Die ist ebenmessig von alter hero ain gefreithe Hofmarch alda Hannß Wilhelbm von Armansperg wohnt welcher sonnsten auch ainschichtige Edlmannsgüettern im Gericht hat, denen man alda alß ainem Landsessen der nider Gerichtbarkhait dabey bestendtig.
Alß ain Guet zu Fräbertshaimb, so iezt Hannß Hueber alda besüzt.
Wolf Mitter zu Allerzhaimb.
Jacob Mayr zu Albertaich.
Hannß Schuester zu Pergehaimb besüzt ain Gue.
In Jepolting auch zway Güetter, welche an jetzt Paulus Vischer und Hannß Khrauttenperger daselbst besüzen.
Zu Waldthausen drey Güetter so Geörg Probst, Wolf Probst und Conradt Weber besüzen.«

1643 bekam Hanns Wilhelm von Armannsperg die Sitze Schönberg und Kay nach dem Tode Ferdinands von Armannsperg. Hanns Wilhelm ist am 14. Januar 1648 gestorben. Seine Frau Maria Jakoba geborene Freiin von Elsenhain starb am 5. Dezember 1649. Sie wurde in Pittenhart beerdigt. Als das schwedische Heer im Juni 1648 bis an den Inn vordrang, wurde unter aanderem auch der Edelsitz Schönberg vom Feind geplündert.

1652 übernahm Hanns Franz von Armannsperg die Hofmark Oberbrunn und das Edelmannsgut Frabertsham. Er heiratete 1654 eine Weiler von Geratshausen. Seit 1666 war Johann Franz von Armannsperg Hofmarksherr auf Oberbrunn, Schönberg und Frabertsham. 1671 starb Johann Franz von Armannsberg und seine verwitwete Frau übernahm Frabertsham und Oberbrunn. 1678 verschied in Oberbrunn Karl Wilhelm, ein Sohn des Johann Franz.

1676 starb der Erbe Johann Wilhelm von Armannsperg. Die Witwe Maria Euphrosina wohnte zu Schönberg und kam nur zur Stiftzeit nach Oberbrunn.

1689 und 1693 wurde die Hofmark Oberbrunn jeweils erneut beschrieben. 1690 erbte Johann Franz von Armannsperg die Hofmark Oberbrunn und Frabertsham. 1693 bekam Georg Joseph von Armannsperg die Sitze Schönberg und Kay.

1697 erbte Georg Joseph von Armannsperg auch die Hofmark Oberbrunn und Frabertsham. Georg Joseph war seit 1688 mit Maria Anna Freiin von Ruestorf (geboren 1667, gestorben 6. 12. 1698) verheiratet. Der Grabstein der Maria Anna befindet sich an der Pfarrkirche in Pittenhart. Georg Joseph heiratete dann Maria Sophia Adelheid Freiin von Schrenckh auf Notzing. Georg Josephs Grabstein befindet sich an der Pfarrkirche Schönberg und trägt das Sterbedatum 13. April 1727.

Seit 1737 besaß Witwe Maria Sophia Adelheid Freifrau von Armannsperg zu Schönberg, Kay, Frabertsham und Oberbrunn, eine geborene Freiin von Schrenckh auf Notzing, als Witwe und Vormünderin die Hofmark und die genannten Edelsitze. 1748 erbte Franz Xaver Joseph Ignaz Freiherr von Armannsperg Oberbrunn und Frabertsham.

1751 verkaufte am 25. Mai Franz Xaver Joseph Ignaz Freiherr von Armannsperg, kurfürstlicher Kämmerer und Regierungsrat zu Straubing, der am 7. Juli 1790 das Grafendiplom erhielt, seinen Besitz Schloß Schönberg mit dem Sedlhof Kay, worauf ein Bauer lebte, an Carl Adam Franz Joseph Emanuel von Köck auf Mauerstetten mit lehensherrlichem Konsens, da beide Sitze kurfürstliche Lehen waren. 1754 gehen Schönberg und Kay an Joseph Anton Freiherr von Döckee.

Joseph Ignaz Kretz, 1752 bis 1760

1752 erwarb Joseph Ignaz Krez aus München, kurfürstlicher Hofkammerrat und Hofzahlmeister, die Hofmark Oberbrunn und den Sitz Frabertsham. Die Edelmannsfreiheit verlieh ihm Kurfürst Maximilian III. Joseph (reg. 1745 bis 1777) im folgenden Jahr. Krez kümmerte sich zunächst sehr um seinen neuen Besitz und ließ die Hofmark Oberbrunn mit vielen topographischen Details kartographisch darstellen. Leider ist nicht bekannt, warum Kretz schon nach acht Jahren Oberbrunn und Frabertsham verkauft hatte.

Der Hofmarksbesitz um 1760

Der Besitz der Hofmark Oberbrunn einschließlich des Sitzes Frabertsham umfaßte im Jahr 1760 nach den Angaben des Hofanlagebuches folgende Anwesen:

Schloß Oberbrunn mit Ökonomie und 19 zumeist kleineren Anwesen, wovon nur die Höfe beim Heinrich (mit Wirtschaft), Hasler und Huber je 1/8 Hoffuß hatten. Zu den Gütlern mit dem Hoffuß 1/16 zählten Hausmeister, Bauernschmied (bis 1902 Schmiede) und Schuster, zu den 1/32 gehörten Gassner (Bürger), Doffl, Zettl, Königschneider, Kaindl, Binder, Maurer, Sebald, Mooslackner, Christlhuber (Zubau zum Wirt), Kramer- oder Jäger (Hofmarkjäger), Jäger (Hofmarkjäger) und Hammerschmiede (bis zum 17. Jahrhundert eine Mühle, 1686 - 1750 Kupferschmiede, seit 1750 Hammerschmiede). Das 1/32 Wagnerhäusl in Windschnur und ein 1/16 Gütl in Kirchholz bei Albertaich zählten ebenfalls zur Hofmark Oberbrunn. Einschichtige Güter waren der Schmied und Hufschmied (1/8) in Pittenhart, der Wimmerhof (1/8) in Niederbrunn, der Mitterer (1/8) in Allertsham, der Mayrhof (1/2) in Albertaich, der Fischerhof (1/4) in Jepolding, der Krausenbergerhof (1/4) in Jepolding, der Schusterhof (1/4) in Großbergham, der Oberprobsthof (1/2) in Waldhausen, der Unterprobsthof (1/2) in Waldhausen, der Aßlhof (1/16) in Waldhausen und der Untzenhof (1/16) in Waldhausen.

Der Jagdbezirk von Oberbrunn

Die Jagdbarkeit um Oberbrunn dürfte bis 1531, als sie dem Hanns Sunthaimer verliehen wurde, zur Hofmarksherrschaft Hartmannsberg gehört haben. Am Nikolaustag 1533 verwarnte Hanns Taufkircher zu Guttenburg, Pfleger zu Kling und Jägermeister vorm Gebirge, den Hanns Pienzenauer zu Hartmannsberg, da dieser in die Jagdbarkeit von Oberbrunn eingegriffen hatte.

Die Jagdgrenzen von Oberbrunn wurden 1533, 1539, 1738, 1750, 1754 und 1756 jeweils neu festgestellt und verhandelt. Das Jagdterrain grenzte im Süden an das Jagdgebiet des Klosters Frauenchiemsee und im Norden an das des Klosters Seeon an. 1533 wird der Bereich so beschrieben, daß die Südgrenze von Fembach das Weitmoos hinauf längs der Eggstätter Felder mitsamt den Bachhölzern (Reischlholz) auf das Brückl hin verläuft, wo der Hartsee ausrinnt (Gemeinde Eggstätt). Vom Brückl ging der Jagdbogen einschließlich des Hochholzes, des Schönholzes und der Ulshamer Filzen bis nach Unterhöslwang, von dort über Pittenhart nach Großbergham und entlang der westlichen Seeoner Hofmarksgrenze zurück in die Brunner Fluren.

Am 23. März 1750 wurde der Jagdbezirk neu aufgenommen und beritten. Am 24. November 1760 verlieh der Kurfürst den Jagdbezirk an Obrist und Inhaber des Infanterie-Leib-Regiments Franz Seraph von La RosÈe. Der Jagdbezirk hatte bis 1848 in dieser Form Bestand.

Die La RosÈe von 1760 bis 1851

Franz Seraph Basselet de La RosÈe, Obrist und »Inhaber eines Regiments zu Fuß«, wurde 1760 der nächste Besitzer der Hofmark Oberbrunn und des Sitzes Frabertsham. Die La RosÈe stammten ursprünglich aus Spanien und gelangten über die Niederlanden nach Bayern. Der Bruder des Franz Seraph, Johann Caspar de La RosÈe, erlangte am 5. April 1764 vom Kaiser die Reichsgrafenwürde. Das Stammwappen der Familie besteht aus einem rotem Schild mit einer silbernen Rose und zwei grünen Blättern. Das erweiterte reichsgräfliche Wappen enthält das Stammwappen im Herzschild. In zwei Vierteln befindet sich in Silber ein von Rot und Schwarz schräg geteilter Stein mit acht roten Strahlen, in den anderen Vierteln sind zwei geflutete blaue Schrägbalken in Gold dargestellt.

Franz Seraph Basselet starb 1781 als Statthalter und Feldmarschalleutnant in Ingolstadt. Ihm folgte sein Sohn Franz Joseph Gottlieb von La RosÈe als Besitzer von Oberbrunn und Frabertsham. Den Sitz Frabertsham verkaufte Franz Joseph Gottlieb um 1785 an den Posthalter Kaspar Klausner, der in Frabertsham neben dem Sitz die Gastwirtschaft mit der Wagnereigerechtigkeit (ehemals Pichlmayrhof genannt) inne hatte.

Die Familie La Rosè besaß von 1780 bis 1790 auch den Hof Landenham (Gemeinde Babensham), für den sie den Status als Edelsitz ohne Jurisdiktion erhalten hatten. Seit 1765 hatte Johann Caspar Reichsgraf von La Rosè (gestorben 1795) den Sitz Rettenbach (Gemeinde Edling) mit Jurisdiktion inne, der sich ebenfalls aus einem Bauernhof herausgebildet hatte. Bis 1808 gehörte dieser Sitz auch seinem Sohn Johann Caspar Alois (gestorben 1826).

Nächster Hofmarksherr in Oberbrunn wurde der königliche Hauptmann Christoph Anton Basselet von La RosÈe (geboren 1783). Am 17. April 1813 richtete er an die Regierung ein Gesuch, um ein Ortsgericht in Oberbrunn errichten zu dürfen. Da er aber im Krieg seit dem 28. Oktober 1813 einige Zeit vermißt wurde und durch das Ableben des königlichen Kommunaladministrators Michael Estermayr 1814 die Verwaltung des gutsherrlichen Gerichts erledigt war, wurde es vorübergehend zum Landgericht Trostberg eingezogen. Graf Lamberg von Amerang beantragte nun, Oberbrunn mit Amerang gemeinsam verwalten zu dürfen. Die Genehmigung wurde dafür erteilt. So unterstand Oberbrunn nun bis 1822 dem gräflich-lambergischen Patrimonialgericht Amerang.

Am 14. Januar 1822 wurde dem Christoph Anton von La Rosée, der mittlerweile als Oberförster in Zwiesel tätig war, die Bildung eines Patrimonialgerichts II. Klasse für Oberbrunn und Frabertsham gestattet, d.h. die Gerichtsbarkeit lag beim Hofmarksherrn, der auch Anspruch auf die Polizei- und Gemeindeverwaltung besaß. 1848 endete die Patrimonialgerichtsbarkeit und Oberbrunn wurde mit der Gemeinde Pittenhart vereinigt.

Seit 1851 erlebte das Schloß Oberbrunn viele Besitzerwechsel. Auf die Familie La Rosée folgte 1851 zunächst Hauptmann Karl Max von Belli di Pino aus München. 1891 kaufte das Schloß der Kunstmaler Steinheil aus München, der schon 1899 von Theodor Freiherr von Cramer-Klett auf Hohenaschau als Besitzer abgelöst wurde. 1919 erwarb Werlin-Illig aus München das Schloß, 1922 der Großkaufmann Paul Naber aus Rheydt im Rheinland, 1936 Konsul Merkle aus Nürnberg, 1954 die Arbeiterwohlfahrt und 1985 die Karl Rubenberger KG in Erding.

Meinrad Schroll

Teil 1: Siehe Chiemgau-Blätter Nr. 8/2001


Quellennachweis:
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München
Altbaierische Landschaft (AL) Nr. 27, fol. 24; Nr. 132, fol. 121, 133, 475; Nr. 133, fol. 987; Nr. 134, fol. 1651; Nr. 135, fol. 1895. -
Kurbayern Äußeres Archiv (KÄA) Nr. 670, fol. 24; Nr. 671, fol. 179; Nr. 673, fol. 59, 159. -
Kurbayern Geheimes Landesarchiv (KGL) Nr. 1087, fol. 14-18; Nr. 1089, fol. 371 f., 552 f.; Nr. 1090, fol. 452, 481, 489, 532. -
Gerichtsliteralien (Gl) Kling Nr. 10, 5. Heft. -
Gerichtsurkunden (GU ) Kling 73, 76, 79, 352, 353, 431, 433, 434, 442, 682, 683, 685. -
GU Trostberg 32, 99, 100, 101, 102, 161, 323, 384. -
Klosterliteralien (Kl) Baumburg Nr. 38. -
Kl Seeon 18.
Staatsbibliothek München
Codex Germanus Monacensis 2290, Bd. XXV, fol. 381.

Gedruckte Quellen:
Willibald Hauthaler, Salzburger Urkundenbuch Bd. I, Salzburg 1910, S. 82/Nr. 16. - Bd. II, S. 514/Nr. 366. -
Monumenta Boica Bd. II, München 1764, S. 299/Nr. 56. -
Elisabeth Noichl, Codex Falkensteinensis, Die Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein, in: Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte, Neue Folge, Bd. 29, München 1978, S. 99/Nr. 132.

Literatur:
Herbert Erich Baumert, Georg Grüll, Burgen und Schlösser in Oberösterreich, Innviertel und Alpenvorland, Wien 1985, S. 190. -
Reiner Braun, Die bayerischen Teile des Erzbistums Salzburg und des Bistums Chiemsee in der Visitation des Jahres 1558, St. Ottilien 1991, S. 250, 252. -
Tertulina Burkhard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling, in: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 15, München 1965, S. 42, 53, 55, 97, 104, 219, 232, 251, 254 f., 257, 259 f., 268 f., 276 f., 298, 305 f., 308, 322, 334 f. -
Richard van Dülmen, Traunstein, in: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 26, München 1970, S. 118. -
Ernest Geiß, Die Reihenfolge der Gerichts- und Verwaltungsbeamten Altbayerns, in: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte Bd. 26, München 1865/66, S. 37, 39. -
Heimatbuch des Landkreises Traunstein Bd. I/3, Trostberg 1969, S. 292, 298. - Bd. II/1, S. 36.
Susanne Herleth-Krentz, Gottfried Mayr, Erding, in: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 58, München 1997, S. 284. -
Wiguläus Hundt, Bayrisch Stammenbuch Bd. III, Nachdruck, Neustadt a. d. Aisch 1999, S. 227, 388, 651 f., 679. -
Aloys Kis, Die Pfarrei Obing, in: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte Bd. 40, München 1881, S. 10 f., 37 f., 42, 59 f., 86. -
Ernst Heinrich Kneschke, Neues deutsches Adels-Lexicon, Leipzig 1859, Bd. I, S. 105. - Bd. V, S. 403. - Bd. VIII, S. 533. -
Heinz Lieberich, Mitteilungen für die Archivpflege in Oberbayern, München 1940/50, S. 133, 350, 523, 1022 f. -
Heinz Lieberich, Die bayerischen Landstände 1313/40-1807, München 1990, S. 159. -
Walter Mayer, De Obinga im Laufe der Zeit, Seebruck 1990, S. 86, 249 f., 252. -
Gottfried Mayr, Ebersberg - Gericht Schwaben, in: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 48, München 1989, S. 225, 283 f.
Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte Bd. 9, München1848, S. 407. -
1075 Jahre Oberbrunn, Festschrift, Traunreut 2000, S. 25 ff. -
Hartwig Peetz, Die Kiemseeklöster, Stuttgart 1879, S. 263. -
Augustin Pfaffenberger, Eggstätt - meine Heimat, Handschrift, Meisham 1936, S. 111, 125, 127, 129, 131. -
Meinrad Schroll, Heimatbuch der Pfarrei Truchtlaching Bd. I, Seebruck 1995, S. 257 ff. -
Matthias Seeanner, Die Glocken der Erzdiözese München und Freising, in: Beiträge zur Geschichte, Topographie und Statistik des Erzbistums München und Freising, Bd. 11, München 1913, S. 113. -
Johann Siebmacher, Die Wappen des bayerischen Adels, Bd. 22, Nachdruck, Neustadt a. d. Aisch 1971, I. Teil, S. 5/Taf. 1, S. 15/Taf. 8. - II. Teil, S. 103/Taf. 67, S. 181/Taf. 185. -
Helmuth Stahleder, Mühldorf am Inn, in: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 36, München 1976, S.198 f.



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