Jahrgang 2001 Nummer 8

Die Besitzer der Hofmark Oberbrunn

Der Ort wurde bereits im Jahr 924 urkundlich erwähnt, Teil I

Schloß Oberbrunn, Südseite

Schloß Oberbrunn, Südseite
Im vergangenen Jahr feierten die Bewohner des Dorfes Oberbrunn (Gemeinde Pittenhart) die Ersterwähnung ihres Dorfes aus dem Jahre 924, also vor 1075 Jahren. Aus einem wohl aribonischen Besitz des 10. Jahrhunderts, der im Spätmittelalter sich als Gutshof herzoglich bayerischer Beamter darstellte, wurde um 1530 ein Edelsitz. Am Platz dieses Gutshofes entstand um 1530/35 erstmals ein Schloß, das gleichzeitig Zentrum einer adeligen Hofmark wurde, die alle Anwesen des Dorfes Oberbrunn einschloß.

Die Ersterwähnung von Oberbrunn vor 1075 Jahren

Auf der Insel Herrenchiemsee wurde am 1. November 924 ein Gütertausch zwischen den edlen Brüdern Eginolf und Waltker einerseits und dem Erzbischof Odalbert von Salzburg (923 bis 935) andererseits in Anwesenheit des Vogtes und Grafen Chadalhoch I. (gestorben um 959), eines Aribonen, beurkundet. Dabei wurden Güter von »Brunn« (in loco Prunna) gegen Besitz in »Arnesdorf« (in loco Arnesdorf; = Ernsdorf, Gemeinde Prien) getauscht. Es wird im ersten Band des Salzburger Urkundenbuches dieses »Brunn« mit Ober- bzw. Niederbrunn in der Gemeinde Pittenhart gleichgesetzt. Ob es sich zweifelsfrei um das »Brunn« in der Gemeinde Pittenhart handelt, kann aber nicht bewiesen werden.

Bei beiden Ortschaften hatte es sich um adelige Güter gehandelt. Vielleicht gehörten die Güter von »Brunn« zum aribonischen Besitz, der sich um Seeon erstreckt hatte und sogar bis in das nördliche Gemeindegebiet von Eggstätt reichte. Daran läßt nämlich die Mitwirkung des Grafen Chadalhoch I. denken. Dessen Sohn Aribo I. (gestorben um 1000) gründete im Jahre 994 das Benediktinerkloster Seeon.

Urkunden aus dem 12. Jahrhundert

Leider besteht nun bis zur nächsten urkundlichen Nennung von »Brunn« eine sehr lange Lücke, obwohl zwei Urkunden um 1160 eine Ortschaft »Brunn« bzw. »Brunnen« nennen. Diese Beurkundungen können aber eindeutig dem Dorf Breitbrunn am Chiemsee zugewiesen werden.

Als um 1160 der Edelfreie Friedrich von Eschenau (Gemeinde Pittenhart), Ministerialer des Grafen Engelbert von Kraiburg, dem Kloster Herrenchiemsee Güter in Stöttham (Gemeinde Chieming) und »in loco Prunnen« übereignete, ist unter diesem »Brunnen« der Ort Breitbrunn, nicht Ober- oder Niederbrunn gemeint. Um 1163 wird ein »Brunn« (in loco Prone) als Salzburger Besitz erwähnt, den der Salzburger Ministeriale Adalbero inne hatte. Erzbischof Eberhard I. schenkte nun um 1163 dieses Gut zu »Brunn« dem Kloster Herrenchiemsee. Da das Kloster Herrenchiemsee aber bis 1803 nie in Ober- oder Niederbrunn Besitzungen hatte, dagegen aber sechs Anwesen in Breitbrunn besaß, dürfen »Prunnen« bzw. »Prone« eindeutig dem Dorf Breitbrunn am Chiemsee gleichgesetzt werden.

Für Breitbrunn spricht auch die Gewohnheit der Klöster, ihren Güterbesitz zu vermehren, ungern aber zu veräußeren. Der klösterliche Güterbesitz wurde als wertvolle wirtschaftliche Grundlage über Jahrhunderte gepflegt.

Ein Indiz für einen Ministerialen aus Oberbrunn enthält aber der »Codex Falkensteinensis, also eine Rechtsaufzeichnung der Grafen von Falkenstein aus dem 12. Jahrhundert. Im Jahr 1168 trat »Odelricus de Brunnen« als Zeuge einer Schenkung des bayerischen Herzogs an Graf Siboto IV. auf. Obwohl Frau Noichl diesen Odelricus dem Weiler Brunn (Gemeinde Samerberg) zuordnet, dürfte dieser doch eher in Oberbrunn gewohnt haben.

Keine Vogtei über Oberbrunn?

Ein Vogteirecht über Oberbrunn ist im »Codex Falkensteinensis« nicht enthalten. Genausowenig ist rund 200 Jahre später in der Urkunde von 1394 ein Vogteirecht der Pienzenauer zu Hartmannsberg über Oberbrunn beschrieben, als diese die Hofmark Hartmannsberg mit der Vogtei über herrenchiemseeische Besitzungen bekamen. Ein Vogteirecht über die Anwesen in Oberbrunn wird erstmals zu Beginn des 16. Jahrhunderts genannt.

Die Pruner zu Prun

Während des 15. Jahrhunderts lebte wahrscheinlich eine Familie »Prunner« auf dem Gut zu Oberbrunn, das damals gewiß noch kein Schloß war sondern vielmehr einem Bauernhof glich.

Die Prunner zu Prunn sollen schon 1374 dem oberbayerischen Landstand angehört haben. 1419 ist als Umgelder (Ungelder) von Obing erstmals ein Hanns Prunner erwähnt. Ein Umgelder mußte an den Mautstellen die Abgaben auf den Verkauf von Getränke und Vieh eintreiben. Hanns Prunner wird 1447 nochmals als Zeuge einer Beurkundung erwähnt.

Den nächsten Umgelder in Obing namens Hanns Prunner weist ein Schriftstück erst wieder 1471 auf. Am 28. September 1471 verlangte Herzog Ludwig der Reiche von Hanns Prunner, daß dieser von den Bürgern zu Wasserburg kein Ungeld mehr fordern soll, da die Bürger mittlerweile vom Ungeld befreit wurden. Und gegen 1490 wurde in der Landtafel Herzog Georg des Reichen unter Pfleggericht Kling ein »Hanns Pruner zu Prun« eingetragen.

Aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert stammen auch die ersten Nachrichten über Bewohner von Oberbrunn. Am Platz der späteren Hammerschmiede bei Oberbrunn stand damals eine Mahlmühle. Der Müller war 1472 ein Höriger des »Hannsen von Vordorf zu Oberbrunn«. 1512 waren Ulrich und Anna Weber von Oberbrunn Lehensinhaber eines Zellergütls, das sie nun dem Abt Franziskus von Seeon zurückgaben. Wo das Zellergütl stand, kann in der Urkunde nicht erkannt werden.

Die Sunthaimer von 1528 bis 1570

Hanns I. Sunthaimer wird Besitzer von Oberbrunn. Um 1528 existierte also in Oberbrunn ein größeres Bauerngut, über das der bayerische Herzog wohl das Lehensrecht besaß. Nun gelangte Hanns Sunthaimer um 1528 in den Besitz dieses Guts. Hanns Sunthaimer, damals Hofmarksrichter zu Seeon und Umgelder zu Obing (Pfleggericht Kling), siegelte am 29. September 1528 eine Urkunde, in der er mit der Ortsbestimmung »zu Oberbrunn« überliefert wird. Es darf angenommen werden, daß das Gut Oberbrunn im Spätmittelalter meistens dem Umgelder als wirtschaftliche Grundlage zugewiesen war.

Dem »Hannsen Sunnthaimers Siz unnd Guet zue Oberpronnen« wurde 1530 die Vogtei auf die Güter der Hofmark Oberbrunn verliehen. Der Sunthaimer wurde auch von den auf dem Gut Brunn lastenden Vogtdiensten und Scharwerken befreit, die dem bayerischen Herzog zu leisten waren. Am Tag Johannes des Täufers im Jahr 1530 übergab Hanns von Pienzenau zu Hartmannsberg dem Hannsen Sunthaimer die Vogtei über Oberbrunn, die der Pienzenauer bisher als Lehen vom Herzog zu Eigen hatte. Am 11. März 1531 bestätigte Herzog Wilhelm IV. von Bayern (1508 bis 1550) die vom Hanns Pienzenauer auf den Hanns Sunthaimer gewechselte Vogtei zu Oberbrunn.

Am 27. April 1531 wurde Hanns Sunthaimer zum freien Landsassen ernannt, was dem Hofmarksrecht für den Sitz Oberbrunn gleichgesetzt werden darf. Dadurch erhielt der Sunthaimer zu seiner von Hanns von Pienzenau erkauften Vogtei sämtliche Güter in Oberbrunn. Dafür mußte zukünftig der Hanns Sunthaimer »in Kriegsläuften« mit einem gerüsteten Pferd dem Herzog Gefolgschaft leisten.

Hanns Sunthaimers Herkunft

Der Lebenslauf des Hanns Sunthaimer weist bis 1528 Lücken auf. Hanns Sunthaimers Eltern waren Erhart Sunthaimer (gestorben nach 1485) und Margarethe von Truchtlaching zu Poing (gestorben nach 1485), die wahrscheinlich 1466 geheiratet hatten. Deshalb finden sich in seinem quadrierten Familienwappen die Wappen der Sunthaimer und der Truchtlachinger - nach dem Ableben des letzten Truchtlachingers im Jahr 1491 - vereinigt. In den Feldern eins und vier ist schräg links geteilt ein Steinbock, das Stammwappen der Sunthaimer, und in den Feldern zwei und drei der geflügelte Fisch, das Stammwappen der Truchtlachinger, dargestellt. Erhart Sunthaimer dürfte um 1465 aus Schwaben ins Herzogtum Bayern an den fürstlichen Hof gekommen sein. Die Sunthaimer waren ein schwäbisches Rittergeschlecht aus Sontheim bei Heidenheim an der Brenz (Schwäbische Alb).

Als Pfleger des herzoglichen Amtes Brannenburg (Landkreis Rosenheim) erscheint Hanns Sunthaimer erstmals im Jahre 1517. Schon 1519/20 war er Markt- und Landrichter von Rosenheim. 1528/29 fungierte er in der Klosterhofmark Seeon als Richter und in Obing als Umgelder.

Der Rentmeister Hanns Sunthaimer zu Oberbrunn

Vom 29. März 1530 bis zum 26. August 1540 war er in Burghausen fürstlicher Rat und Rentmeister, 1532 auch Landschreiber. Von 1533 bis 1541 wirkte »Hanns Sonndthaimer"« (= Sunthaimer) zu Oberbrunn zudem auch als Pfleger im Pfleggericht Trostberg, zu dessem Bereich auch der Sitz Pullach (Gemeinde Seebruck) gehörte.

Haintz Stadler zu Oberbrunn sagte am 31. Mai 1532 dem Hanns Sunthaimer zu Oberbrunn, Rentmeister und Landschreiber zu Burghausen, als rechtem Grundherr gegen das Stadlergut zu Oberbrunn, das er freistiftsweise besessen hatte, für sich und seine Erben auf (das heißt, er kündigte die Pacht).

Aus dem Steuerregister des Gerichts Kling von 1537: »Was ich Hanns Sunthaimer zu Oberbrunn Rentmaister zue Burckhausen meinen Hinderseßen unnd Höllden in beeden meiner Hofmarchen unnd anderer Orten alda ich Güeter habe ...«

Hofmark Oberbrunn: Hanns Schuester, Jörg Gaßner, Khalltenegkher, Hanns Hainwirker, Hanns Haslacher, Wolffgang Lechner, Christoff Schmidt.
Hofmark Niederbrunn: Leonhart Nidermair, Gilg Obermair, Jörg Hüllger, Weber, Kuenzel, Paulus Weber – alle Grundherrschaft Kloster Seeon, Hanns Widmer – Grundherr Hanns Sunthaimer.

Hanns Hädler von Großbergham, Hofmark Prunn.
Leonhard Schmid, Pittenhart, Hofmark Prunn.
Wilhelm in Niederbrunn ist eigen.
Michel Brunner zu Hüntennhaimb, Gericht Wildenwart, gehört der Hofmark Oberbrunn.
Besitz in Obing: Sigmund der Weinwirt, Hanns Fürrer, Hanns Lindtner, Hanns Khramer und Hanns Schneider.

1539 erwarb Hanns I. Sunthaimer auch den Sitz Obing, wofür er am 6. April 1540 von Herzog Wilhelm IV. die Hofmarksgerechtigkeit erlangte.

Schloß Oberbrunn neu errichtet

Unter Hanns I. Sunthaimer wurde das Schloß Oberbrunn um 1535 von Grund auf neu erbaut. Bis zu diesem Zeitpunkt stand an dessen Stelle nur ein größerer Bauernhof. Nun verwirklichte sich der Edelmann eine standesgemäße Wohnstätte. Die Schloßkapelle weihte am 22. April 1536 der Bischof von Chiemsee, Philipp von Lavant. Von den zwei Glocken der Schloßkapelle trägt die kleinere in gotischen Minuskeln die Inschrift »o rex glorie veni cum pace« und die Jahreszahl 1532; sie kam unter Hanns Sunthaimer nach Oberbrunn. Die zweite Glocke ist heute verschollen.

Vorher hatte es anscheinend auf dem Gut wahrscheinlich noch keine Kapelle gegeben, weil bis 1536 in keinem Schriftstück davon die Rede ist. Es gab also auch 1195/1202 noch keine Kapelle in Oberbrunn, als die Altpfarrei Obing mit allen dazu gehörenden Kirchen in Obing, Diepoldsberg, Albertaich, Pittenhart, Eschenau, Ischl und Niederseeon dem Benediktinerkloster Seeon übertragen wurde. Als um 1485 Abt Erhard II. von Seeon die Einnahmen des Obinger Pfarrers und seines Hilfspriesters festsetzte wurden zwar alle Filialkirchen aufgezählt, von Oberbrunn hingegen wird nichts berichtet. Erst 1581 erfährt man, daß »Johann Egyd von Sunderndorf« über seine Schloßkapelle das Patronatsrecht ausübte und der Obinger Pfarrer in ihr jeden Donnerstag eine Wochenmesse gelesen hatte, wofür er 4 Gulden bekam.

Hanns Sunthaimer als Besitzer von Pullach

1532 überreichte der bayerische Herzog Wilhelm IV. das Lehen Pullach dem damaligen Burghausener Rentmeister und Rat Hanns Sunthaimer. Der Herzog hatte das Urbargut, den Hof Pullach genannt, »frei ledig gemacht« und zum adeligen Sitz erhoben.

Im Freiheitsbrief für den Hof zu Pullach wird deutlich, warum dem Hanns Sunthaimer diese Gunst erwiesen wurde. »... weil aber unser Rentmaister zu Burghausen, Rath und lieber gethreuer Hans Sunthaimer unseren Herrn und Vatter seeligen hochlöblicher Gedächtnüß Herzog Albrechten und uns also regierenden Landesfürsten von jugent auf gutwillige, erspriesliche und nuzbare Dienst bewiesen, die er noch sein Leben lang zu thun erbittigist und sich alwey unterthäniglich gehalten...« dafür erhält Hanns Sunthaimer »... aus fürstlicher sonderer Gnad und Milt für uns all unser Erben und Nachkommen obernannte unser Traidt- und Küchendienst hiemit ganz gnädiglich zu ewigen Zeiten begeben und nachgesehen. Wür wollen ihne auch solchen unsern Urbar Hof samt den Fischwasser alle anderer ein und zugehörung nichts ausgenommen so wür von fürstlicher Hochheit wegen gehebt ime und allen seinen Erben und Nachkommen zu ewigen Zeiten als ander ihr frey ledig Guet, die damit nach ihrer Nuz und Notdurft willen handlen mögen, hiemit ganz gnädiglich für all unser Erben und Nachkommen gegeben haben ...«. So haben wir ihm und all seinen Erben den Hof zu Pullach, »... der vormalls von Menschen Gedachtnüß ain Edlmanß Gesess gewest, gnädiglich gefreyt laut desselben Briefe von uns ausgangen dem wür ihme von neun also gnädiglich widerum also ein Edlmans Geseß conformirn und bestetten«.

Der Sunthaimer saß auf Pullach vielleicht nur bis 1536, da ungefähr in diesem Jahr seine Tochter Barbara und Georg Reuthammer zu Grabenstätt heirateten und seitdem auf Pullach wohnten. Im Urbar des Kastenamtes Trostberg heißt es zwar noch für 1556 »Item zu Puellach ain hoff bey Yschl gehört in Trosperger Gericht, so Hanns Sundthaimer zu Obernpronn innen hat«. Der Besitzerwechsel im Jahre 1536 und das Ableben von Hanns Sunthaimer im Jahre 1541 werden dem Kastner - wie es scheint - noch viele Jahre danach nicht bewußt gewesen sein.

Hanns I. Sunthaimers Grablege

Der Rentmeister Hanns I. Sunnthaimer starb am 20. Januar 1541; er wurde in der Barbarakapelle im Kloster Seeon beerdigt. Am 13. Dezember 1541 wurde über dessen Erbe eine Urkunde ausgestellt.

Hanns Sunthaimers Grabstein lag noch im 18. Jahrhundert am Fußboden der St. Barbara-Kapelle zu Seeon, konnte damals aber kaum mehr entziffert werden. Der Seeoner Benediktinerpater Benno Feichtmayr (geboren 1724; gestorben 1771) beschrieb und deutete noch 1761 die Textfragmente, wobei er aber die Namen Sunthaimer und Reuthammer verwechselte, ebenso die Jahreszahl mit 1590 gegenüber der richtigen 1541 falsch notierte. Nach Feichtmayr lautete der Text, hier berichtigt:

»Hie ligt begraben der edl vest Hanns [Sunthaimer] zu Obernprunn gewester Richter zu Seon, Umgelter zu Obing, Rentmaister und Lanntschreiber zu Burghausen, der gestorben [1541]«.

Meinrad Schroll

Teil 2 in den Chiemgau-Blättern Nr. 9/2001



8/2001