weather-image
Jahrgang 2007 Nummer 33

Die Bartholomä-Wallfahrt übers Gebirge

Sie findet immer am Samstag nach dem 24. August statt

Votivbild vom Unglück am 23. August 1688, bei dem über 70 Wallfahrer ums Leben kamen.

Votivbild vom Unglück am 23. August 1688, bei dem über 70 Wallfahrer ums Leben kamen.
Er war einer der zwölf Apostel, der heilige Bartholomäus, der mit Nathanael gleichgesetzt wird. Er predigte in Mesopotanien, Armenien und Indien und soll den Tod durch Abziehen der Haut gefunden haben. Weitere Hinweise auf sein Leben und Wirken finden sich nicht im Neuen Testament. Bartholomäus ist der Patron der Bauern, Hirten und Senner, der Gerber, Sattler und Schuhmacher. Als die wilden Tiere in den Bergen noch in Herden einbrachen und das Vieh rissen, versprachen sich die Bauern Hilfe von diesem Heiligen.

In unserer Heimat sind dem Martyrer viele Kirchen und Kapellen geweiht. Zu seiner Ehre findet alljährlich auch eine in ihrer Art einmalige Wallfahrt statt. Immer am Samstag nach dem 24. August, dem Namensfest des Heiligen, brechen von Maria Alm bei Saalfelden im Pinzgau Wallfahrer zu einer außergewöhnlichen Wallfahrt auf. 1500 m Höhenunterschied im Auf- und Abstieg sind von den rund 2000 Wallfahrern zu bewältigen. Ihr Weg führt sie auf über 2000 m Höhe hinauf über das Steinerne Meer. Eine gute Kondition ist dabei unverzichtbar.

Die Wallfahrt wird schon im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Ihr eigentlicher Ursprung liegt weitgehend im Dunkeln. Wahrscheinlich führten die Bewohner von Maria Alm die Wallfahrt um Hilfe in Pestnot durch, vielleicht sollte sie auch ein Bittgang zum Schutzpatron der Bergleute, Senner und Holzknechte sein.

Geprägt wird die Wallfahrt seit über 300 Jahren durch eine schlimme Katastrophe: 1688 verunglückten über 70 Wallfahrer mit ihrem Schiff auf dem Königssee und starben in den Fluten. So steht es im Sterbebuch von Maria Alm. Seither legen die Bartholomä-Wallfahrer immer einen Kranz an der Unglücksstelle unter Falkensteinwand ab.

Früher war die Wallfahrt eine strapaziöse und nicht ungefährliche Bergtour, heute ist sie eine lange, wunderschöne Wanderung für geübte Berggeher über das Hochgebirge. Um vier Uhr früh brechen sie in Maria Alm auf. Um 7.30 Uhr findet am Riemannhaus eine Bergmesse statt, die musikalisch von einer Blaskapelle aus Maria Alm umrahmt wird. Dann wird es ernst: Unter Führung eines erfahrenen Vorgehers gehts im Gänsemarsch über das imposante Steinerne Meer, im Norden der Watzmann und Hochkalter. Bis zu drei Kilometer zieht sich der Zug in die Länge: Bei Sonnenschein ein Erlebnis über eine Wüste aus Stein, 2000 m hoch, bei schlechtem Wetter eine äußerst gefährliche und mühsame Tour.

Am Karlinger Haus ist das Schlimmste überstanden. Nun gehts hinunter zum Königssee, wo die Wallfahrer um 16 Uhr eintreffen. Jetzt ist es nicht mehr weit nach St. Bartholomä, wo eine Dankandacht abgehalten wird. Im historischen Gasthaus treffen sich dann alle Wallfahrer und stärken sich nach den gewaltigen Strapazen dieser einmaligen Bergwallfahrt. Mit dabei sind natürlich auch hier die tapferen Musikanten, die ihre schweren Instrumente auf dem Rücken über das Steinerne Meer getragen haben. Mit ihren flotten Weisen lassen sie die Wallfahrer alle Mühen des anstrengenden Marsches über das Steinerne Meer vergessen.

Mit dem letzten Boot brechen die Wallfahrer auf zum Dorf Königssee, von dort gehts dann mit dem Bus wieder heimwärts nach Maria Alm. Am Sonntag feiert das Bartholomäuskirchlein am Königssee wie auch andere Kirchen, die dem Apostel geweiht sind, die Kirchweih.

Informationen zur Wallfahrt bei der Kurdirektion des Berchtesgadener Landes, Königsseer Straße 2, 83471 Berchtesgaden, Tel. 08852/9670 oder beim Tourismusverband Maria Alm, Dorfstr. 65, A-6761 Maria Alm, Tel. 0043/65847816.

Dr. Albert Bichler



33/2007