Jahrgang 2009 Nummer 47

Die 1000-Jahr-Feier in Grassau

Vor 75 Jahren fand dieses Großereignis statt

In der Vergangenheit gab es eine Vielzahl von Großereignissen in Grassau, welche von der gesamten Bevölkerung getragen wurden. Ob es die jährlichen Märkte, das Passionsspiel von 1922, der große Fasching von 1928 oder auch die Markterhebungsfeier 1965 waren. Übertroffen wurden sie aber alle von den Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Bestehen der Kirche und der Gemeinde in den Jahren 1933 und 1934. Nach damaliger Kenntnis erfolgte 926 die erste urkundliche Erwähnung der Grassauer Kirche, deshalb hofften die Verantwortlichen in Grassau auch, die 1000-Jahr-Feier unter Beteiligung der ganzen Bevölkerung im Jahre 1926 veranstalten zu können.

Erste Planungsschritte für die Feier

Im Jahr 1925 entwickelten Bürgermeister Georg Bosch und Pfarrer Attenberger die ersten Gedanken zur Gestaltung einer Jahrtausendfeier der Pfarrei Grassau im Jahre 1926. Als ersten Schritt beschloss die Pfarrei, das Kirchengeläut mit einer Jubiläumsglocke zu erweitern.

Zur Unterstützung dieser Planung verabschiedete der Gemeinderat am 16. Juli 1925 einen Aufruf zu Spenden für diesen Zweck:

Im Jahre 1926 ist geplant, den über 1000-jährigen Bestand der Pfarrei Grassau mit besonderer kirchlicher Festlichkeit zu ehren. Würdig und feierlich wollen wir diesem Jahr das Gepräge der Erinnerung an früheste Zeiten geben und besonders unsere mehr als 1000 Jahre alte Pfarrkirche, als sichtbares übernommenes Wahrzeichen, für diese Feier vorbereiten und nach Möglichkeit ausgestalten.

Die Erinnerungsfeier selbst will der Gemeinderat vorerst dem weiteren Gedeihen überlassen; dagegen aber einem großen Wunsch und allseitigem Verlangen der Angehörigen der Gemeinde nachkommen und die Beschaffung einer neuen großen Glocke, um die es sich als erstes handelt, anstreben. – Die Beibringung der Gelder wird wohl die schwierigste und wichtigste Aufgabe sein. Die Gemeinde selbst gibt die Zusage, nach Möglichkeit hierin mitzuwirken; jedoch nur dann wird die Beschaffung möglich sein, wenn alle Kreise mithelfen und reichlich beisteuern.

Wir richten daher an alle Gemeindeangehörigen die große Bitte: »diese ehrende und bleibende Sache tatkräftigst und mit offener Hand zu unterstützen.«

Und diese neue Glocke wird bei der 1000-jährigen Erinnerungsfeier das erste Mal über unserem Gau ertönen und denen, die sie geschaffen, Dank und Befriedigung zurufen!

Zur Vorbereitung der Anschaffung der Glocken und der Festlichkeiten zur 1000-Jahr-Feier lud Bürgermeister Georg Bosch am 21. Juli 1925 in das Gemeindezimmer ein. Dort wurde laut Niederschrift beschlossen, dass im Jahre 1926 das 1000-jährige Bestehen der Pfarrei Grassau festlich begangen werden soll. Um die hierzu notwendigen Vorbereitungen zu treffen und einem lange gehegten Wunsch des Großteils der Gemeindemitglieder nachzukommen, wurde ein Komitee gebildet für die Vervollständigung des Geläuts durch die Beschaffung einer großen »Jubiläums-Glocke«.

Bei den Vorbesprechungen zur Durchführung der 1000-Jahr-Feier entschloss man sich ein historisches Festspiel aufzuführen. Dazu wurde Kontakt zu Fritz Hacker aus München aufgenommen, der einerseits manchmal in Grassau Urlaub machte und andererseits bereits an verschiedenen Orten in Bayern derartige Festspiele organisiert und dazu auch die Texte und die Musik verfasst hatte. Hacker verfügte über eine Vielzahl von Kontakten zu Ausstattern, zur Presse und auch zu Fritz Basil, dem Oberregisseur der Bayerischen Staatstheater. Basil, eigentlich Friedrich Meyer (1862 – 1938) wurde auch dadurch bekannt, dass er Schauspiellehrer u. a. von Frank Wedekind (1864-1918) und Heinz Rühmann (1902-1994) war. Er war von Beginn an als Leiter der Aufführung vorgesehen.

Im Dezember 1925 wurde ein Vertrag mit Fritz Hacker ausgearbeitet. Die Gemeinde Grassau beauftragte darin Herrn Hacker mit der Schaffung eines historischen Festspiels auf kulturhistorischer Basis gegen eine einmalige Entschädigung von 1100.- RM. Darin verpflichtet sich Fritz Hacker zur Ablieferung der Dichtung des Festspiels bis zum 1. April 1926 und der dazugehörigen Musik bis zum 15. Juni 1926.

Am 27. Dezember 1925 beschloss der Gemeinderat, die Kosten von 1100.- RM zu übernehmen. Damit stand der offiziellen Unterzeichnung des Vertrages am 7. Januar 1926 nichts mehr im Wege.

Planungen für den Bau einer Festspielhalle

Bereits in den ersten Monaten des Jahres regte Fritz Hacker den Bau einer Festspielhalle in Grassau an, so wie er es auch in den anderen Orten gemacht hatte, in denen er Festspiele durchgeführt hatte oder plante.

Am 2. März 1926 schickte die Gemeinde Grassau einen Brief an das Bezirksamt Traunstein, um durch einen Grundstückstausch die Voraussetzungen für den Bau einer Festspielhalle zu schaffen. Darin schreibt sie zudem: »Im August dieses Jahres feiert die Pfarrgemeinde Grassau das 1000-jährige Jubiläum. Um dieses schöne, ernste, tiefsinnige Fest in würdiger Form zu begehen, wird gleichzeitig ein großes kulturhistorisches Festspiel aufgeführt werden. Zu diesen Aufführungen ist eine Festspielhalle erforderlich, die nach Beendigung des Spiels als Kinderheim umgestaltet werden wird und somit einem langersehnten, edlen, sozialen Zweck des ganzen Ortes dienlich gemacht werden kann.«

Am 1. April 1926 übersandte Fritz Hacker das fertige Textbuch. Am gleichen Tag beschloss aber der Gemeinderat die Verlegung der Feier auf 1927, da es zu keiner Einigung zwischen Kirchenverwaltung und Gemeinde kommen konnte.
Die Kirchenverwaltung erklärte sich am 4. April unter folgenden Auflagen mit der Verschiebung einverstanden:
1. Im Mittelpunkt der Feier steht die kirchliche Feier
2. Alle Einnahmen aus den Festschriften und Festzeichen fließen der Kirche zu
3. Jede Bestrebung, ein Pfarrgründegrundstück zu erwerben, wird abgelehnt

Teilnahme am Traunsteiner Stadtjubiläum

Der Gemeinderat beschloss, der Einladung der Stadt Traunstein zu folgen und am Festzug zur 800-Jahr-Feier Traunsteins teilzunehmen. Dabei sollte eine historische Begebenheit Grassaus dargestellt werden und gleichzeitig auf die geplante 1000-Jahr-Feier hingewiesen werden. Dazu wurde ein Festausschuss unter Leitung von Josef Weidinger berufen, der die genauen Vorbereitungen treffen sollte. Fritz Hacker wurde damit beauftragt, den Festzug genau zu planen und detaillierte Vorschläge zu erarbeiten. Innerhalb kürzester Zeit folgte er diesem Auftrag und legte neben Skizzen für den Wagen auch genaueste Vorschläge für den Festzug vor: Detailliert legte er dabei sowohl die Kleidung als auch den Gesang und die Verhaltensweisen der Beteiligten fest. Am 8. September 1926 beteiligte man sich dann am Festzug in Traunstein.

Einstellung der Planung für die 1000-Jahr-Feier

In den folgenden Jahren wurde die Planung der 1000-Jahr-Feier fast völlig eingestellt. Lediglich der Autor Fritz Hacker fragte regelmäßig bei Bürgermeister Bosch an und drängte auf die Aufführung seines Stückes und eine eventuelle finanzielle Entschädigung. Der Briefwechsel während dieser Phase belegt, dass weder Bürgermeister Bosch noch der Autor die Beteiligten von einer baldigen Aufführung überzeugen konnten.

In einem recht harschen Brief beklagte Bosch im November 1927 die zögerliche und abweisende Haltung der Kirchenverwaltung, welche die Durchführung der 1000-Jahr-Feier unmöglich machte.

Nachdem in Grassau die Planungen nicht mehr vorangingen, versuchte der Schriftsteller Fritz Hacker in mehreren Schreiben, die Gemeinde zum Handeln zu bewegen. Bürgermeister Bosch versuchte mit dem Schriftsteller eine Entschädigung über 200 Mark zu vereinbaren, um so seine Auslagen zu ersetzen. Sie sollten aber bei einer kommenden Aufführung verrechnet werden.

11. September 1929: Pfarrer Attenberger mit 49 Jahren überraschend verstorben

Am 11. September 1929 verstarb überraschend nach kurzer Krankheit Pfarrer Attenberger im Krankenhaus in Traunstein. In seinem Nachruf stand in der Achentaler Zeitung vom 14. September 1929: »Sein letztes Werk, an dem er schon längere Zeit gearbeitet hatte, konnte er nicht mehr vollenden: nächstes Jahr wollte er die Volksmission und mit ihr die Tausendjahrfeier der Pfarrgemeinde Grassau feiern. Der Herr hat ihn zu früh abberufen.«

Nur wenig später wurde Pfarrer Reichenwallner als neuer Pfarrherr berufen. Damit keimte in Grassau auch die Hoffnung, dass nun doch die 1000-Jahr-Feier in Zusammenarbeit zwischen Kirche und politischer Gemeinde möglich werde.

1932 - Erneuter Versuch, die 1000-Jahr-Feier zu gestalten

Am 11. Oktober 1932 verfasste Fritz Hacker erneut ein Schreiben an den Gemeinderat mit neuen Vorschlägen zur Verwirklichung seines Theaterstückes, so zum Beispiel auf den Verzicht einer Festspielhalle und dafür eine Freiluftaufführung.

In seiner Sitzung am 13. November 1932 nahm der Grassauer Gemeinderat das Schreiben wohlwollend zur Kenntnis. In der Sitzung vom 19. Dezember 1932 wurde der Beschluss gefasst, das Schauspiel 1933 aufzuführen und alle erforderlichen Vorbereitungen zu treffen.

Weiter heißt es im Beschluss: »Der Gemeinderat verspricht sich nicht nur eine wirksame Werbung für den Fremdenverkehr, sondern auch eine Hebung im Ansehen des Ortes und der Gemeinde in geschichtlicher Bedeutung. In wirtschaftlicher Hinsicht dürfte der Einwohnerschaft damit eine Besserung für die Zukunft in Aussicht stehen. Partitur und Textbücher sind vorhanden und damit ein wesentlicher Vorsprung im Kostenpunkt geschaffen.«

In den folgenden Monaten gingen die Planungen flott voran. Mehrmals kam Hacker nach Grassau, um die entsprechenden Vorarbeiten zu erledigen.

Auswahl der Darsteller

Die folgenden Wochen waren bestimmt von der Auswahl der Darsteller für die Rollen. In der Bevölkerung gab es eine große Bereitschaft, aktiv an der Gestaltung des Festspiels mitzuwirken. So bereitete es keine große Mühe auf verschiedenen Sprechproben die richtige Besetzung zu finden.

Lediglich bei der Besetzung der weiblichen Hauptdarstellerin gab es anfänglich einige Schwierigkeiten. Zuerst wurden mehrere Darstellerinnen ausgewählt. Bei einer erhoben sofort ihre Brüder und der Vater Einspruch. Sie sei unabkömmlich insbesondere in der Erntezeit und müsse sowohl im Stall arbeiten als auch das Essen für die ganze Familie zubereiten, da bleibe für solche Spielereien keine Zeit.

Letztendlich wurde aber problemlos die Rollenbesetzung durchgeführt.

Einsetzung eines kommissarischen Bürgermeisters

Nur kurze Zeit nach der Machtergreifung in Berlin am 30. Januar 1933 wurden auch im Landkreis die demokratisch gewählten Bürgermeister abgesetzt und vom Sonderkommisar beim Landratsamt durch kommisarische Bürgermeister ersetzt.

Mit Schreiben des Bezirksamtes Traunstein vom 11. April 1933 wurde Dahlem als Wahlleiter für die Neubildung des Gemeinderates bestellt. Am 25. April 1933 erfolgte vom – ohne Wahlen unter Ausschluss der Sozialdemokraten und Kommunisten gebildeten – neuen Gemeinderat die Wahl des neuen Bürgermeisters Dr. Schießleder. Bis zu seinem Rücktritt am 6. Oktober trug er damit auch die Verantwortung für die 1000-Jahr-Feier. Auch in dieser Zeit gingen die Planungen für das Festspiel ungebrochen weiter. Ein typisches Beispiel war das Treffen am 29. April 1933 im Gasthof zur Post unter Teilnahme von Fritz Basil, dem Oberregisseur der Bayerischen Staatstheater. Sogar an die Einrichtung eines Flugplatzes für bedeutende auswärtige Gäste war gedacht

Textüberarbeitung

In der Zeit nach der Machtübernahme wurde auch das Stück von Herrn Hacker noch einmal umgeschrieben und der neuen politischen Situation angepasst. Das von Fritz Hacker vorgelegte Stück ist rein fiktiv und keinesfalls auf der Basis von historischen Erkenntnissen erstellt worden. Auch die Schilderung der Lebensumstände hat mit der historischen Wahrheit wenig bis gar nichts zu tun, sondern ist romantisch überhöht und reines Produkt der Phantasie des Autors. Es wurde eine Liebesbeziehung in die Zeit der Ungarneinfälle zu Beginn des 10. Jahrhunderts gestellt und dabei versucht, zumindest eine geographische Beziehung zu Grassau und dem Achental herzustellen.

Auch in der Zeit der politischen Gleichschaltung gingen die Planungen für das Festspiel mit einer großen Zahl von Sitzungen des Festausschusses ungebrochen weiter. In der Folgezeit wurden die Vorbereitungen immer wieder von Anfeindungen und Misshelligkeiten überschattet. Anfänglich wurde der abgesetzte Bürgermeister Georg Bosch noch zu allen Festausschusssitzungen geladen und nahm auch daran teil. Dann zeigte sich aber, dass eine Zusammenarbeit mit dem, ohne allgemeine Wahlen bestimmten, Nachfolger nicht möglich war. Anfänglich vertrat Frau Bosch noch ihren Ehemann, nach einigen Wochen nahmen weder er noch seine Frau teil.

So kam es bei den Vorbereitungen immer wieder zu Verzögerungen. Dies war einerseits auf die Unerfahrenheit des neuen Bürgermeisters in seinem Amt und andererseits auf sein Misstrauen gegenüber den anderen Mitgliedern des Festausschusses zurückzuführen. Zudem fehlten ihm die Informationen über die langjährigen Diskussionen zur Gestaltung der 1000-Jahr-Feier.

Ab Mai ging aber die Arbeit intensiver weiter. So wurden mit recht großem Aufwand die Bühne, die Zuschauertribünen und die Ankleidekabinen geplant und auch das Germanenhaus unter Hans Hilger erstellt.

Dazu liefen die Proben der Darsteller und der Musiker mit großem zeitlichen Aufwand teils in Anwesenheit von Autor Hacker und Fritz Basil, dem Oberregisseur der Bayerischen Staatstheater, weiter. Zumeist standen diese Vorbereitungen aber unter der Leitung des Festspieleiters Josef Weidinger und des musikalischen Leiters Josef Koch.

Uraufführung am 4. Juni 1933

Die erste Aufführung fand am Pfingstsonntag, dem 4. Juni 1933 vor einer großen Zahl von Zuschauern in Anwesenheit von Oskar von Miller und 30 Journalisten aus München bei schönstem Wetter statt.

Nach sicherlich unzähligen Proben unter der Leitung des Spielleiters Josef Weidinger und der Stabführung des Kapellmeisters Josef Koch konnte an diesem strahlenden Frühlingstag auf der von Hans Hilger vortrefflich hergestellten Freilichtbühne die Uraufführung beginnen.

Im ersten Jahr waren 14 Vorstellungen vorgesehen. Der erste Höhepunkt war die große Schülervorstellung am 15. Juli 1933, an der mehr als 2000 Schüler und 100 Erwachsene aus der ganzen Region bei regnerischem Wetter teilnahmen.

Es folgten vom 20. bis 23. Juli 1933 die kirchlichen Hauptfesttage der Tausendjahrfeier mit Kardinal Faulhaber und Weihbischof Dr. Schauer. Dabei unternahm der Festausschuss besondere Anstrengungen, um die Gemeindemitbürger zur aktiven Teilnahme an den Hauptfesttagen der Tausendjahrfeier zu bewegen. Bei teils sonnigem Wetter vergingen die kirchlichen Festtage mit großer Beteiligung der Bevölkerung aus dem ganzen Achental.

Die Festspielleitung entschloss sich, wegen des oft schlechten Wetters noch zwei Aufführungen im September abzuhalten. Die letzte Aufführung des ersten Festspieljahres erfolgte am 17. September.

Die Besucherzahlen bei den insgesamt 17 Vorstellungen während des ganzen Jahres blieben etwas hinter den Erwartungen zurück. Einerseits war daran das sehr häufig regnerische Wetter schuld, andererseits war es auch das Ergebnis der geänderten politischen Situation. Die Veranstalter hatten mit vielen Besuchen von Vereinen und Verbänden gerechnet. Da aber die meisten Vereine in ihrer traditionellen Struktur aufgelöst worden waren und sich noch nicht in den neuen, vom Staat vorgeschriebenen, Strukturen zusammengefunden hatten, fehlten diese fest eingeplanten Besucher.

Die höchste Besucherzahl mit mehr als 2000 Gästen war bei der Schüleraufführung zu sehen. An manchen Regentagen verloren sich aber weniger als 200 Besucher auf den Zuschauerplätzen.

Schutzhaft gegen den ehemaligen Bürgermeister Georg Bosch am 23. September 1933

Nur wenige Tage nach der letzten Aufführung 1933 erging ein Schutz-Haftbefehl gegen den Initiator des Festspiels und ehemaligen Bürgermeister Georg Bosch. Darin heißt es: »Der frühere Bürgermeister der Gemeinde Grassau, der Landwirt

Georg Bosch

erweist sich als erbitterter Feind der nationalen Regierung und ihrer Mitarbeiter, indem er gegen den nationalsozialistischen Gemeinderat von Grassau in böswilliger Weise hetzt und ihm Schwierigkeiten zu bereiten sucht, wo es möglich ist. Er behauptet vom gegenwärtigen Gemeinderat, dass dieser die Gemeinde schädige und sucht Unzufriedenheit und Missstimmung zu erregen. Er hat wiederholt in Gasthäusern nationalsozialistische Gemeinderatsmitglieder gröblich beleidigt und die Mitglieder der N.S.-Frauenschaft als Hitler-Pritschen bezeichnet.«

Die sogenannte Schutzhaft dauerte insgesamt 3 Monate.

Nachdem der nach der »Machtergreifung« eingesetzte Bürgermeister Schiessleder am 6. Oktober 1933 aus beruflichen Gründen seinen Rücktritt erklärt hatte, wurde am 7. Oktober 1933 Karl Dasch durch den Gemeinderat zu seinem Nachfolger berufen.

1934 nur 6 Aufführungen

Im Jahre 1934 waren nur 6 Aufführungen des Stückes vorgesehen. Alle Darsteller erklärten sich bereit, auch im zweiten Jahr zu spielen. Lediglich Peter Schifflechner konnte seine Rolle wegen familiärer Probleme nicht mehr spielen. Er wurde durch Josef Meier (Falkner) ersetzt, der bereits 1933 für diese Rolle vorgesehen war.

Im Gegensatz zu den Zeiten der Vorbereitung des Stückes als auch zum ersten Veranstaltungsjahr liegen vom Verlauf des zweiten Jahres kaum Unterlagen vor. In den sehr umfangreichen Unterlagen zur 1000-Jahr-Feier im Archiv der Marktgemeinde Grassau sind auch keinerlei Auszeichnungen zu den Nachbetrachtungen oder dem finanziellen Abschluss zu finden.

Zusammenfassung

Die 1000-Jahr-Feier hat durch die über mehr als 2 Jahre dauernde Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde und zwischen allen Gemeindeteilen sehr zur weiteren Festigung des Ortes beigetragen. Dazu haben die Festlichkeiten auch bewirkt, dass Grassau weit über die Landkreisgrenze hinaus als Veranstaltungsort wichtiger Kulturveranstaltungen bekannt wurde.

Zwar gab es Überlegungen, das Stück noch einmal aufzuführen, aber weder der Text noch die Musik sind zeitgemäß. So wurde sinnvollerweise darauf verzichtet und es sollte mehr an die großen Leistungen erinnert werden, wie ein recht kleines Dorf gemeinsam eine so große Veranstaltung mit so vielen Mitwirkenden verwirklichen kann


Olaf Gruß



47/2009