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Jahrgang 2015 Nummer 3

Der »Sebastianitag« und »Pauli-Bekehr«

Alte Bräuche und Bauernregeln für den Januar

Der »Sebastianitag«, wie der Tag des Sankt Sebastian am 20. Januar früher landläufig genannt wurde, war schon in früherer Zeit bald kein richtiger Feiertag mehr. Dafür jedoch konnte er sich auf dem Land lange noch als »kloana Feierdog« behaupten. Das hieß, dass man nach der morgendlichen Stallarbeit noch kleinere, nötige Arbeiten im Haus oder Scheune verrichtet hatte. Nach dem Mittagessen bei dem es wegen des Fasttages, das dieser Tag damals noch war, zwar kein Fleisch gab, dafür aber konnten alle den ganzen, langen Nachmittag in der warmen Stube drinnen bleiben. Meine Großmutter aber machte sich am Nachmittag auf den Weg ins Pfarrdorf zum alljährlichen »Allerseelen-Rosenkranz« in der Kirche.

»Ganz früahra«, so hat mir meine Tante erzählt, gab es in unserer Gegend noch die sogenannten »Sebastianimärkte «. Dort durften die Bäcker ihre »Pfennigbrezen« auf den recht einladend hergerichteten Brotständen verkaufen. Diese bescheidene »Ausgabe « für etliche Fastenbrezen, konnte sich sowohl der Bauer als auch der Handwerker und ein Dienstbote leisten. Deswegen ging das Geschäft auf den »Sebastianimärkten« auch recht gut.

Obwohl besagte Brezen recht seltsam und »kasig« ausschauten, schmeckten diese zum Bier oder zum Most gut. Weil diese eher groß und handlich geformt worden sind, war das »Breznhackeln«, bei dem jeder sein »erhackeltes« Stück behalten durfte, allseits bekannt und beliebt.

»An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gah'n«, so heißt eine alte Redensart, die man heutzutage zwar kaum mehr hört, die aber dennoch seine Richtigkeit hat. Es ist damit gemeint, dass die Bäume nach dem langen »Winterschlaf« nun wieder zum Leben erwachen sollen. Fabian und Sebastian waren früher für die Waldarbeit überhaupt von großer Bedeutung. So soll nach alter Bauern- und Holzknechtmeinung von diesem Tag an, kein Holz mehr »umgemacht« (gefällt) werden, denn von da an fangen die Bäume »zu saften« an.

Noch gut in Erinnerung ist mir die Rede von der gefürchteten »Sebastiani-Kält'n«. Blieben doch der klirrenden Kälte wegen, auch bei meinem Großvater öfter die Rösser im warmen Stall und statt der schweren Holzarbeit wurde drinnen in der Stube gestrickt, geflickt und genäht. Die Mannerleut hatten an solchen Tagen in der Werkstatt drinnen genug zu tun mit dem Herrichten von kaputten Rechen und Gabeln.

Meinem Großvater war die eisige Kälte in diesen Tagen, ja oft sogar Wochen, ganz recht, denn hieß es doch früher nicht zu Unrecht: »Tanzen im Januar die Mucken, so muss der Bauer nach dem Futter gucken«. Was heißt, dass auf einen zu milden »Hochwinter «, der warme Frühlingswind erst spät das Gras auf den Wiesen wachsen lässt.

Zu »Pauli-Bekehr« am 25. Januar heißt es deshalb auch nicht zu unrecht: »Pauli Bekehr, halb Winter hin, halb Winter her«. So galt dieser Tag auch als »Halbwintertag«, an dem Bauer, Bäuerin, Knecht und Dirn, jeder für sich oben auf der »Heirem« (Heuboden) »schatzten«, ob das Heu für die Kühe und Rösser auch noch für die zweite Hälfte des Winters ausreichen würde. Fiel das »Schätzen« allseits gut aus, waren sowohl die Bauersfamilie als auch die Dienstboten froh und erleichtert. An diesem Tag gab es ein besonders gutes Essen, das man sich gut schmecken ließ, konnten sie doch den Launen des Wettergottes im Spätwinter gelassen entgegen sehen.


Elisabeth Mader

 

3/2015