Jahrgang 2009 Nummer 51

Der Nanga Parbat - ein deutscher Schicksalsberg?

Bergsteigen im Hitlerstaat – Parteipropaganda – Heldenverehrung – Kriegsertüchtigung

10. Juli 1934. Lager 7 in 7050 m Höhe am Ostgrat des Nanga Parbat. Seit Tagen tobt der Sturm um den 8125 m hohen Himalayariesen. Orkanböen orgeln über den Grat, peitschen Eiskristalle gegen das Zelt, zerren an den Hanfstricken, versuchen das Zelt vom Berg zu reißen. Feiner Flugschnee dringt durch die Zeltverschnürung, bedeckt die vier Menschen, die mit dem Tode ringen. Ihre Schlafsäcke gingen im Abstieg verloren. Schutzlos der arktischen Kälte ausgeliefert, liegen die Sherpas Gay Lay und Ang Tsering, die deutschen Bergsteiger Willo Welzenbach und Willy Merkl auf dem Zeltboden. Die Zeltplane, vom Frost zu einem Brett erstarrt, schlägt mit dröhnendem Knattern gegen das Zeltgestänge. Noch sichern die wenigen, entscheidenden Millimeter Baumwolle das Überleben.

Welzenbach nimmt ein Stück Papier. Mit Mühe umklammert er den Stift, schreibt mit erfrorenen gefühllosen Fingern: »An die Sahibs zwischen L. 6 und L. 4 ... Sind beide krank. Ein Versuch nach Lager 6 vorzudringen misslang ... Ich Willo habe Bronchitis, Angina und Influenza. Bara Sahib (W. Merkl) hat Erfrierungen an Füßen und Händen. Wir haben seit 6 Tagen nichts Warmes gegessen und fast nichts getrunken. Bitte helft uns bald hier in L. 7«.

Der Brief erreicht die Kameraden nicht. Welzenbach stirbt in der Nacht zum 13. Juli. Merkl und die Sherpas raffen sich auf zu einem letzten verzweifelten Abstiegs-Versuch. Nur Ang Tsering gelingt es. Er überlebt. Vier Jahre später – 1938 – ist einer der Kameraden, Fritz Bechtold, wieder am Nanga Parbat. Am Ostgrat stößt er auf seinen Freund Willy Merkl, der zusammen mit Gay Lay in einer Schneehöhle liegt. Sein wächsernes Gesicht wirkt friedlich, als ob er schlafen würde. Welzenbachs Brief steckt in der Brusttasche seines Anoraks.

Die Nazis starten eine beispiellose Propaganda-Kampagne

»Helden im Eis« titelt in der Heimat, in Hitlerdeutschland, die gleichgeschaltete Presse. In einer beispiellosen Propaganda-Kampagne werden die toten Bergsteiger von den Nationalsozialisten vereinnahmt. Das Scheitern am Nanga Parbat wird umgedeutet in einen »deutschen Heldenkampf«. Von »stählernem Willen, Vaterlandsliebe, Treue bis in den Tod,« wird phantasiert. »Deutsch sein heißt, zum Sterben bereit sein!« Das NS-Kampfblatt Völkischer Beobachter veröffentlicht einen angeblichen »Letzten Hitlergruß nach Deutschland«. Dem Expeditionsleiter, Willy Merkl, wird unterstellt: »Bis zum letzten Atemzug galten seine Gedanken dem Vaterland und seinem Führer Adolf Hitler«. Das Pamphlet endet »... von der Nanga Parbat-Front mit einem Heil Hitler – Willy Merkl«.

Früh erkannten die Nazis die Wirkung bewegter Bilder. Der von Fritz Bechtold und Peter Müllritter gedrehte Expeditionsfilm wird in den Döring-Filmwerken »bearbeitet«. Heraus kommt ein unerträglich schwülstiger Propagandastreifen. Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten spricht den Prolog. Geschniegelt in Parteiuniform, ordengeschmückt, die Hakenkreuzbinde am Arm, mit markiger Stimme: »Die Nanga-Parbat-Expedition ist zu einer Herzenssache des Deutschen Volkes geworden. Im Kampf um den Berg zeigen sich die vornehmsten Mannestugenden: Einordnung in die soldatische Gemeinschaft, selbstlose Hingabe, Kameradschaft ... Bergsteiger stehen in der vordersten Reihe und fordern die deutsche Jugend auf zu neuem Kampfesmut ...«

Der Heldenkult um den Nanga Parbat passte in die nationalsozialistische Ideologie. Galt es doch die deutsche Jugend auf zukünftige Kriege einzustimmen. Heldenhaftes Sterben, Kameradschaft bis in den Tod – das ließ sich gut als Vorbild soldatischer Tugend verkaufen.

Anderl Heckmair, der Bezwinger der Eiger-Nordwand, erwies sich für die NS-Propaganda als weitaus sperriger. Zwar standen in seinem Tourenbericht im »Völkischen Beobachter« auch Sätze wie »Der Führer hat recht, wenn er sagt, das Wort ,unmöglich' gilt nur für Feiglinge«. Ansonsten wurde Heckmair von der Nazipropaganda weitgehend verschont. Der Bergvagabund und Individualist Heckmair entsprach wohl nicht dem Nazi-Ideal der »Einordnung in den soldatischen Geist«. Heckmair bekam nach dem Eiger-Abenteuer eine feste Stelle als Alpin-Ausbilder an der SS-Ordensburg Sonthofen. Aber er blieb der renitente »Bergvagabund«. Statt zur politischen Schulung traf er sich mit seinen Spezln zum Schafkopfspielen. Wegen »politischer Unzuverlässigkeit« wurde er strafversetzt. An die vorderste Linie der Ostfront. Er überlebte den Krieg nur deshalb, weil ihn seine Bergsteigerfreunde, inzwischen höhere Offiziere der Gebirgsjäger, 1943 als Ausbilder für die Heereshochgebirgsschule Fulpmes in Tirol anforderten. Sein Seilgefährte vom Eiger, Wiggerl Vörg, fiel bereits in den ersten Kriegstagen des Russlandfeldzuges. Heckmair distanzierte sich nach Kriegsende glaubhaft von den Propagandasprüchen, die ihm linientreue Redakteure in seine Berichte dazugedichtet hatten.

Die Chance der nachträglichen Distanzierung hatten die Toten vom Nanga Parbat nicht. An Willy Merkl, Willo Welzenbach und seinen Kameraden klebt bis heute der Makel jener unsäglichen Propaganda. In Fritz Bechtolds Nanga-Parbat-Buch steht: »Schön muss es sein, mit dem Siegespreis dieses Berges nach Hause zu kehren, größer noch ist es, sein Leben hinzugeben um solch ein Ziel, den jungen Herzen kommender Kämpfer Weg und Flamme zu sein.« Der selbe Fritz Bechtold schreibt am 28.7.1934 vom Nanga Parbat an seinen Freund Luck Bogner in Traunstein eine Postkarte: »... kehren wir nun heim, ohne Gipfel und ohne unseren lieben Willy – traurig!« Da ist nichts zu spüren von Heldentod, von verlogenem Pathos. Nur Trauer um den gemeinsamen Freund. Es drängt sich zumindest der Verdacht auf, dass der Text in Fritz Bechtolds Nanga-Parbat-Buch nicht nur von ihm stammt. Möglicherweise haben da noch andere Schreiber hineinredigiert.

Aber ein einmal gefälltes Vorurteil hält sich hartnäckig. Es überdauert Jahrzehnte. Selbst ein so kritischer Autor wie Reinhold Messner ist davor nicht gefeit. 2008 gibt er einem deutschen Magazin ein Interview über den Nanga Parbat. Er äußert sich auch zur 34er Expedition und schildert den Expeditionsleiter Willy Merkl als jemand, der wie ein General Befehle erteilt und Bergsteiger wie Soldaten für den Krieg getrimmt hätte. »Man hatte Kamerad zu sein bis in den Tod – Unmenschlich!« (Messner)

Eine Expedition auf einen Achttausender, das bedeutet Tage und Wochen in voll gestopften engen Zelten zu verbringen, deren Innenwände tagsüber vor Nässe triefen und nachts zu Raureif gefrieren. Immer mit den gleichen Leuten auf engstem Raum zusammen, mangelnde Hygiene, eintöniges Essen, Bedrohung durch Lawinen, Wettersturz, Sauerstoffmangel. Wahrscheinlich weiß niemand besser als der herausragende Höhenbergsteiger Messner, dass in solcher Ausnahmesituation das Prinzip militärischer Befehl und bedingungsloser Gehorsam sinnlos ist und bei gleichwertigen, selbstbewussten und ehrgeizigen Bergsteigern überhaupt nicht funktionieren kann.

Messner verdächtigt Merkl sogar, seinen Sherpa Gay Lay womöglich gezwungen zu haben, bei ihm zu bleiben und mit ihm zu sterben. Sicher – die 34er Expedition hat Fehler gemacht, war langsam, zu umständlich, ihre Lagerkette zu lang. Sie hatten den Wettersturz unterschätzt, hielten sich zu lange in der Todeszone über 7000 Meter auf. Aber die Expeditionsteilnehmer pauschal als Protagonisten einer verlogenen NS-Ideologie hinzustellen, ist unfair. Erfüllungsgehilfen und Wegbereiter des Nationalsozialismus, das waren andere.

Der Alpenverein und der Antisemitismus

Der Wiener Hofrat Eduard Pichl, ein passabler Hochalpinist, Vorsitzender der einflussreichen Wiener Sektion Austria, war zwar nicht der erste Judenhasser der österreichischen Alpenvereinssektionen – aber er war der fanatischste. »Die Reinigung wird anfeuernd auf noch verjudete Sektionen wirken«, tönte er 1921, als er handstreichartig den Ausschluss jüdischer Mitglieder aus seiner Sektion durchsetzte. Jüdische Bergsteiger organisierten sich danach in einer eigenen Sektion »Donauland«, blieben aber Mitglieder des »Deutschen und Österreichischen Alpenvereins«. In der Sektion Donauland organisierten sich prominente Bergsteiger wie der Wiener Psychiater Viktor Frankl, Spitzenkletterer und Begründer der Logotherapie, oder Fred Zinnemann, der später als Hollywoodregisseur mit dem Western »12 Uhr mittags« weltberühmt werden sollte.

Der Antisemit Pichl gab keine Ruhe. Als Führer des »Deutschvölkischen Bundes im Alpenverein« entfachte er eine Kampagne gegen die Juden: »Die Sektion Donauland bedroht wegen ihrer volksfremden Zusammensetzung das Deutschtum in den Alpenländern und untergräbt den Bestand des Vereins.« 1924 war er am Ziel. Die Hauptversammlung in München beschließt den Ausschluss der jüdischen Sektion Donauland aus dem DuÖAV. Gleichzeitig nehmen – nicht alle, aber viele – deutsche Sektionen den sog. »Arierparagraphen« in ihre Satzungen auf. Das war 11 Jahre vor den Nürnberger Rassegesetzen der Nazis. Eine folgenschwere Entscheidung, völlig freiwillig, ohne politischen Druck von außen. Jahrzehntelang hatte sich der Alpenverein gesonnt im Glanze alpiner Großtaten seiner jüdischen Mitglieder. Die Wiener Max und Guido Mayer, Erstbegeher klassischer Felsrouten, der Münchner Berg-Pionier Fritz Pflaum, oder die Ikone im Fels, Paul Preuss, der beste und verwegenste Freikletterer vor dem I. Weltkrieg. Auf einmal galten ihre Leistungen nichts mehr – weil sie Juden waren. Ab sofort wehten auf Berghütten Hakenkreuzfahnen. An den Eingangstüren prangten Schilder: »Juden und Mitglieder der Sektion Donauland unerwünscht«. Juden hatten den Alpenverein zu verlassen, kamen als neue Mitglieder nicht mehr in Frage. Es gab wütende Proteste aufrechter liberal gesinnter Bergsteiger. Besonders in Norddeutschland. In Berlin gründete sich ein jüdischer »Alpenverein Berlin«. Es waren Aktionen einer Minderheit. Ihre Proteste blieben wirkungslos. Die Mehrheit schwieg.

»Als wir das Gewehr aus der Hand geben mussten, tastete die verwaiste Hand nach dem Eispickel«

1918 kehrten aus einem verlorenen Krieg junge Soldaten und Offiziere in die Heimat zurück. Desillusioniert kamen sie in ein Land, in dem Bürgerkrieg, Hunger und Gesetzlosigkeit herrschten, wo sich politische Fanatiker brutale Kämpfe lieferten. Da bot sich Bergsteigen an als eine Möglichkeit zur Flucht aus der Trostlosigkeit des Alltags. Der Weltkriegsoffizier Paul Bauer, später Gründer der Deutschen Himalaya-Stiftung, schrieb: »Als wir das Gewehr aus der Hand geben mussten, tastete die verwaiste Hand nach dem Eispickel«. Die tatendurstige Bergsteigerelite teilte sich in zwei Lager: National gesinnte Akademiker des gehobenen Bürgertums scharten sich um den »Akademischen Alpenverein München« oder vereinigten sich zu »Akademischen Sektionen« im DuÖAV. Nicht wenige unter ihnen waren glühende Verehrer Adolf Hitlers, ehemalige Freikorpskämpfer und begeisterte Nationalsozialisten. Auf der anderen Seite gab es die Arbeitslosen, gescheiterte Existenzen, die ohne viel Geld zum Klettern in die Berge zogen, von ihrer kärglichen »Stütze« und von Gelegenheitsarbeiten lebten. Anderl Heckmair und Hans Ertl waren die berühmtesten »Bergvagabunden« jener Zeit. Beiden Gruppen gemeinsam waren jedoch ihre Aufsehen erregenden alpinen Glanzleistungen, die auch im Ausland Anerkennung und Bewunderung fanden. Das angesehene englische »Alpine Journal« erklärte in den 20er Jahren München zum Zentrum des modernen Hochleistungsalpinismus.

In den Tourenberichten sowohl der Akademiker als auch der »Bergvagabunden« überwog militärisches Vokabular. Da wurde »zum Sturm auf die Wand« angetreten, von »Kampf mit dem Fels« ist die Rede, »der Sieg ist unser«. Es wurde vom »durchkommen oder umkommen« fabuliert. Man scheute kein Risiko, riskierte das Äußerste. Anderl Heckmair beschrieb einmal die wilden Jahre sarkastisch: »Sonntags klettern, montags einen abgestürzten Freund bergen, Mittwoch Beerdigung«. Militarismus schien Zeitgeist zu sein. Alpenvereinsfunktionäre unterstützten diese Ideologie: »Das was der Alpenverein in jahrelanger Arbeit an der Ertüchtigung der deutschen Jugend geleistet hat, beginnt Früchte zu tragen. Ungezählte im Kampf mit den Bergen hart gewordene junge Männer tragen jetzt ihr geliebtes Edelweiß am Soldatenrock und reihen sich Glied für Glied ein in unsere stolze Wehrmacht.« (G. Leuchs, 1939, Sekt. München).

Berghütten wurden zu Wehrertüchtigungs-Stützpunkten. Reichssportführer von Tschammer und Osten glaubte zu wissen: »... dem Bergsteiger brauche ich das Kämpfen nicht zu lehren weil Bergsteigen selbst kämpfen bedeutet«.

Andere Stimmen gingen unter. Wer wollte mit dem Philosophen und Bergsteiger Leo Maduschka noch vom »Bergsteigen als romantische Lebensform« schwärmen oder dem wortgewaltigen Dichter Eugen Guido Lammer zuhören, der im Bergsteigen »das Ideal des zweckfreien nutzlosen Mühens« sah und den individualistischen Alpinismus verteidigte mitsamt der Gefahr des Scheiterns und der Aussicht sein Leben zu verlieren. Berge zu besteigen nur um ihrer Schönheit willen, die Einsamkeit suchen, das war zumindest offiziell verpönt.

Himalaya-Expeditionen und der Zeitgeist

Wer in den 30er Jahren eine Himalaya-Expedition organisieren wollte, war auf das Wohlwollen staatlicher Organe angewiesen. Man benötigte Reisepässe, Visa, Devisen-Ausfuhrgenehmigungen, Unterstützung der Botschaften im Ausland. Hitlerdeutschland war eine Diktatur, ein Polizeistaat, kontrolliert durch ein System von Spitzeln und Geheimdiensten. Wer als politisch unzuverlässig galt, hatte keine Chance. Unter den Bergsteigern der deutschen Himalaya-Expeditionen befanden sich deshalb kaum Regimegegner oder Widerstandskämpfer. Aber mit Sicherheit waren es keine verbohrten Nazis, die »für ihren Führer Adolf Hitler den Heldenkampf mit dem Nanga Parbat« aufnehmen wollten. Private Aufzeichnungen, Briefe an Freunde und Verwandte beweisen es. Es war eine Gemeinschaft ehrgeiziger Spitzenalpinisten. Die besten ihrer Zeit. Sie verband ein einziges Ziel: Sie wollten als erste Menschen auf dem Gipfel eines Achttausenders stehen. Darin unterscheiden sie sich kaum von der heutigen Bergsteigergeneration. Geändert haben sich Ausrüstung, Finanzierung, Transportmittel, Kommunikationsmöglichkeiten – und die Sprache. 1932 schrieb Willy Merkl: »Seit Jahren umwirbt heldenhaftes Ringen der Bergsteiger vieler Länder den Himalaya. Wie sollten wir Deutsche da im Kampf der Nationen beiseite stehen.« Das war der Stil der damaligen Zeit. Der Australier George Finch, Mitglied der Britischen Everest-Expedition 1924, klingt nicht viel anders, wenn er sich zur »heldischen Tat« bekennt und den Anspruch erhebt, dass es »einem Manne unserer Rasse gegönnt sein möge, als erster seinen Fuß auf den Gipfel des Everest zu setzen«. Nach dem Tod Mallorys und Irvins kabelte die Royal Geographical Society ins Everest Bascamp: »Heroische Leistung, tief bewegt über ruhmreichen Tod«.

Dass sich deutsche Expeditionsbergsteiger zu Propagandazwecken missbrauchen ließen, ist bitter. Teils konnten sie sich nicht wehren, weil sie tot waren, teils haben sie es wohl mit einem Achselzucken in Kauf genommen, um sich die Chance für zukünftige Auslandsbergfahrten und Expeditionen nicht zu verbauen.

Über Sport und Nationalsozialismus gibt es Vorurteile in beide Richtungen. Das Traunsteiner Tagblatt schrieb einmal über den Spitzensportler Willy Bogner sen., der bei der Winterolympiade 1936 in Garmisch den Olympischen Eid sprach. In einem Nebensatz wurde beiläufig erwähnt, dass sein Bruder Luck offizieller Betreuer der Nordischen Skimannschaft gewesen sei. Prompt kam ein wütender Leserbrief: Dies könne gar nicht stimmen, weil der Bogner Luck gar kein richtiger Nazi gewesen sei und deshalb niemals zu solcher Ehre gelangt sein konnte. In der Ausstellung »Bergsteigerstadt Traunstein« liegt der »Mannschaftsführerausweis für Ludwig Bogner«, mit Reichsadler und Hakenkreuz, unterschrieben vom Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten.


Otto Huber



51/2009

In der Ausstellung »Bergsteigerstadt Traunstein«, die zur Zeit noch im Heimathaus gezeigt wird, wurde auf die Politik und die Ideologie der Zwischenkriegszeit nicht eingegangen. Es hätte den Rahmen dieser kleinen Bergsteigerausstellung gesprengt. Trotzdem sollte nicht vergessen werden, wie sehr die Politik und die Ideologie des Nationalsozialismus auf die alpinen Vereine und das Bergsteigen eingewirkt haben.
Der Deutsche Alpenverein bekannte sich im März 2001 in seiner Proklamation »Gegen Intoleranz und Hass« zu seiner Vergangenheit. Der DAV bedauert ausdrücklich die judenfeindlichen Vorgänge um den Ausschluss der Sektion Donauland im Jahr 1924, die »dem Geist der Toleranz und der bergsteigerischen Kameradschaft widersprachen«. Eine begrüßenswerte Initiative. Einziger Wermutstropfen: Warum mussten 70 Jahre vergehen, bis es zu dieser Proklamation kam?