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Jahrgang 2016 Nummer 1

Der heilige Macarius der Jüngere, Einsiedlerabt

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Macarius (= glückselig) der Jüngere wurde zu Alexandrien in Ägypten geboren. Ein innerer Drang zum Einsiedlerleben bewog ihn, sich in die thebaische Wüste zurückzuziehen. Beständig bekämpfte er die Eigenliebe durch Entsagungen, Entbehrungen und Bußwerke jeglicher Art, besonders durch strenges Fasten und erlangte so große Selbstbeherrschung. Gott verlieh ihm deshalb die Erkenntnis der Herzen und wunderbare Kraft, namentlich über die wilden Tiere. Die bösen Geister bereiteten ihm viele Versuchungen, die er mit Gottes Hilfe stets überwand. Um jene Versuchung zu besiegen, aus eitler Ruhmbegierde Wanderungen zu machen, trug der Heilige einen mit Sand gefüllten schweren Sack so lange umher (siehe Bild!) bis sein Körper ganz ermüdet war, indem er dabei sagte: »Ich quäle den, der mich quält«. Viele Einsiedler unterstellten sich seiner vortrefflichen Leitung. Einstmals bekam er eine herrliche Traube zum Geschenke, versagte sich aber deren Genuss und gab sie einem Mitbruder. Dieser tat das Gleiche, eben der dritte und so weiter. So kam die Traube wieder in die Hände des Abtes zurück. Wegen dieser Abtötung seiner Untergebenen brachte er Gott ein inniges Dankgebet dar. Die Arianer, welche die Gottheit Christi leugneten, verleiteten durch Verleumdungen den Kaiser Valens dazu, dass er den Heiligen, der diese gottlose Sekte mutig bekämpfte, in die Verbannung schickte. Später durfte Macarius zurückkehren und starb im hohen Alter am 2. Januar 394.

Lehre. Der heilige Macarius pflegte zu sagen: »Diese Meinung, dass man alles um Christi willen tun wolle, zu haben und zu behalten, ist das beste Mittel gegen die Versuchungen«. Ahme, o Christ! diesem Heiligen nach, verrichte alles in guter Meinung, beobachte Mäßigkeit in Speise und Trank, halte die vorgeschriebenen Fasttage genau und ertrage geduldig alle Beschwerden dieses Lebens.

Gebet. O heiliger Macarius, der du die Einsamkeit so sehr geliebt und so viele Abtötungen geübt hast: erbitte uns von Gott die Gnade, dass wir allen ungeeigneten Umgang mit der Welt fliehen, dem Gebete eifrig obliegen, ein bußfertiges Leben führen und hiedurch ewig glückselig werden mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

1/2016