Jahrgang 2010 Nummer 25

Der alte Haslacher Pfarrhof und die dazugehörige Ökonomie

Er galt früher als großes landwirtschaftliches Anwesen

Der alte Haslacher Pfarrhof mit Pfarrkirche um 1900/10

Der alte Haslacher Pfarrhof mit Pfarrkirche um 1900/10
Ortsansicht von Haslach, Gemälde um 1860 mit Kirche und Pfarrhof und der neu eröffneten Bahnstrecke mit Bahnwärterhaus (rechts).

Ortsansicht von Haslach, Gemälde um 1860 mit Kirche und Pfarrhof und der neu eröffneten Bahnstrecke mit Bahnwärterhaus (rechts). Im Hintergrund der Hochberg mit Aussichtsturm.
Einfahrtstor zum schlossähnlichen Bau des Pfarrhofes. Postkarte um 1910.

Einfahrtstor zum schlossähnlichen Bau des Pfarrhofes. Postkarte um 1910.
Der ehemalige Pfarrhof von Haslach (neben der Pfarrkirche) galt früher als ein großes landwirtschaftliches Anwesen mit Wiesen und Feldern im Orte Haslach.

Als der erstmals urkundlich aufgeführte Priester »Otto von Hasilach« um 1140 erwähnt wird, dürfte er schon eigenen Grund und Boden gehabt haben. Nach dem Grundsatz, jeder Geistliche solle zur Versorgung seiner und der kirchlichen Bedürfnisse eigenen Grund und Boden haben. So darf man annehmen, dass zu dieser Zeit die eigene Versorgung des Pfarrers gewährleistet war.

Der Pfarrhof war ein echter Bauernhof mit Knechten und Mägden. Als Baumeister war meist der älteste Knecht eingesetzt. Als 1619 Pfarrer Froschmaier (1619 - 1637) beim Antritt der Pfarrei einen stark ruinierten Pfarrhof vorfand, ließ er den Pfarrhof mit den Stallungen abbrechen und um 2.000 Gulden neu erbauen. Weil aber kein Wald zum Pfarrhof, bzw. Pfarrwiddum, damals gehörte, mußte er das Holz und alle baulichen Materialien selbst kaufen.

So wissen wir auch von Pfarrer Dr. Johann Jacob Weyler aus dem Jahre 1642, dass er die Pfarrwiddumsgründe auf drei Jahre verpachtet hatte. Als Pächter wurde im Pachtvertrag ein Leonhard Walch aufgeführt. In dem Pachtvertrag heißt es u. a., dass er die Grundstücke in gutem Zustand erhalten soll und für den Fall von Schauer (Hagelschlag) sollte ihm von den Pachtforderungen etwas nachgelassen werden.

1649 resignierte Pfarrer Dr. Kaspar Kirmayer und so wurde wieder eine Besichtigung des Pfarrhofes durchgeführt. Zu dieser Zeit muss das Ökonomiegebäude in guter Bewirtschaftung gewesen sein und wieder dem Pfarrer unterstanden haben. Zu Protokoll aufgeführt waren 30 Stück Kühe und 30 bis 40 Schweine, sowie 4 Zugpferde. Im Pfarrstall standen auch noch die Reitpferde, die den Pfarrer nach Traunstein zum Gottesdienst brachten oder die Kooperatoren zu den Filialkirchen nach Erlstätt und Nußdorf. Im Winter war dazu der Schellenschlitten bereitgestellt.

Unter Pfarrer Christoph Alexander Rittler wurde 1665 eine genaue Grundbeschreibung des Pfarrwiddums durchgeführt, was für die Flur- und Ortsgeschichte Haslachs von großer Bedeutung ist. Pfarrer Rittler teilte die Grundstücke in 6 Regionen ein:

»1. Liegen in der Au nächst Traunstein die Redlpachwiese, bei der Haslacher Mühle zunächst der Sag (Sägewerk) ein Anger, an der Mühlstraße von Haslach herab das Leitenangerl und hinter des Müllers zu Haslachs Behausung ein weiteres Angerl.
2. Die Paugründt (Äcker) auf der Hennen Preidten im großen Feldt gen Achsdorf (Axdorf) und Seiwolsdorf (Seiboldsdorf), 6 Länder mit jeweils mehreren Äckern.
3. Beim Pfarrhof Haslach selbst befinden sich ein Wurzgarten, der Hausanger und ein Krautgarten.
4. Liegen im Neubruch des Traunstorfer Veldts ein Land mit 5 Äckern und ein Holzpoden.
5. Im Traunstorfer Veldt ein Land mit 24 Äckern und ein Krautgarten mit 6 Äckern.
6. Das Veldt gegen die Hochstraße«.

1671 wurden unter Pfarrer Dr. Ignaz Scherer die Pfarrgründe erneut verpachtet. Georg Pöheimb und seine Ehefrau Sabina waren Baumannsleute auf dem Pfarrhof. Die Pachtzeit begann am Simon und Juda Tag 1671 bis Lichtmeß 1677. In diesem Pachtvertrag wurde Folgendes festgelegt:

»Alle Stadel und Stallungen, ausgenommen die mittleren Stuben samt Stubenkammer des obersten Stüberls, so dem Pfarrer zu seiner Wohnung fallen. Für das Haus und Stallungen soll der Pfarrer und für das kleinere aber der Pächter besorgen.

Im Kuhstall sind 9 Kühe (eine um die andere Kuh zu 12 Gulden), 1 Kalb, 1 Ochs, 1 Stier, 3 Ziehkälber, 2 Geißen, 1 Böckerl, 26 junge und alte Schafe. Im Roßstall stehen 4 Pferde und 1 Geißbock, im Schweinestall ist ein Schweinsberr und eine Schweinsmutter mit 10 jungen Schweindl. In der unteren Stube des Pfarrhofes befinden sich 21 Hennen und 2 Hahn, 2 Kopaun, 8 junge und 3 alte indianische Stück, 4 Gäns und 2 Enten«.

Nachdem die Pachtzeit von Georg Pöheimb abgelaufen war, hat sich Pfarrer Scherer entschlossen, den Pfarrhof umzubauen. Der bisherige Bau war äußerst einfach. Aus dem Bittschreiben vom April 1676 geht hervor, dass nur ein kleines Wohnzimmer, sonst im übrigen lauter finstere Holzkammern waren. Dieser Neubau, der Pfarrer Dr. Scherer fast zu seinem Ruin gebracht hätte, da er aus seiner eigenen Tasche zusätzlich 3400 Gulden hinzugab und deshalb Schwierigkeiten in den jährlichen Zurückzahlungen der Raten hatte. Als Baumeister waltete der aus Graubünden stammende Lorenzo Sciasca. Er verwendete wiederum die Außenmauern des Erdgeschosses. Alles Übrige wurde neu gebaut. Dieser Bau wurde im Jahre 1718 beim Dorfbrand von Haslach eingeäschert. Auch die Wirtschaftsgebäude sind ein Raub der Flammen geworden.

Damals war Graf Johann Philipp Cajetan von Lamberg, Pfarrer von Haslach. Noch im Brandjahr ließ nun dieser Pfarrer durch den Maurermeister Johann Haslinger aus Untersiegsdorf und den Traunsteiner Stadtzimmermeister Anton Rumgraber ein schloßähnliches Wohnhaus, bzw. Pfarrhaus neu erbauen. Über seine Bauabsichten schreibt der Pfarrer am 19. Februar 1719 seinem Ordinarius: »Sonst verlange ich keinen unnotwendigen Bau nicht zu führen, sondern in der Hauptsache nur das alte Herkommen, wie es ist, so viel Kapläne und eine weitschichtige Hauswirtschaft unumgänglich erforderlich, zu halten«. Die Bauakten vermerken, dass der Wiederaufbau von Kirche und Pfarrhof anfänglich 2200 fl kosteten. Aber durch den aufwändigen Bau des Pfarrhofes mußten nochmals 6977 Gulden bewilligtes Darlehen zu Lasten des Pfarrers und seinen Nachfolgern mit einer jährlichen Tilgungsrate von 100 fl aufgebracht werden. So wurde von den folgenden Kirchen ein Darlehen aufgenommen: Vom St. Georg-Gotteshaus am Berg (Pfarrei Vachendorf) 800 fl, von der damaligen Filialkirche Siegsdorf 400 fl, Gotteshaus Ising 300 fl und aus den Gotteshäusern von dem Gerichten Kling 800 fl, Schärding 1000 fl, Braunau 700 fl, Uttendorf 450 fl, Mauerkirchen 250 fl, Trostberg 500 fl, Kraiburg 500 fl, Neumarkt 300 fl, Friedburg 300 fl und Halfing 300 fl. Beim Bau des Wohngebäudes hatte man die alten Außenmauern wiederum verwendet. Man machte die vorher quadratischen Fenster und die alten Außenmauern um einen halben Meter höher. Da man auch die anderen Gebäude neu aufführen mußte, wollte man in Manchem etwas zweckmäßiger bauen. Weil man den Pfarrhof, vor allem die Wirtschaftsgebäude größer baute, mußte der Storflinger seinen Anger zur Verfügung stellen. Dafür wurde dem Storflinger ein anderweitiges Grundstück angeboten. Pfarrer Graf von Lamberg schreibt in seinem Bericht nach Salzburg folgendes über die Erweiterung des Pfarrhofgeländes: »Das durch den neuen Getreidekasten, wie auch Rohrbrunnen und Roßschwemme der Hofplatz um ein gutes schmäler geworden sei und weil der Platz für die Dungstatt nicht mehr gut (auf dem alten Platz) hin könnte, solche auch gleich vor den Pfarrhoffenstern übel und wegen des groben Gestank halber widerlich wäre… beim Getreidestadel man auch die Durchfahrt machen müsse und um hierdurch bei Abladen des Getreids von den Ehehalten und Taglöhnern die Bemühungen geringer zu machen«.

Weiter heißt es in diesem Bericht: »So habe man die Tungetstatt auf besagten Anger übertragen und zugleich für das Geflügel neben der Tungetstätt einen Hennengarten, um somit dieses Ungemach und Unsauberkeit auf dem Platz des Pfarrhofes ein Ende zu setzen«.

Den Bau dieser so angeregten Änderungen genehmigte Salzburg oberhirtlich am 26. April 1720.

Als Pfarrer Drattner im Jahre 1743 verstarb, wurde auch bei seinem Tod ein genaues Inventarverzeichnis zum Zwecke der weltlichen Übergabe angelegt. Der Pfarrhof war demnach eingeteilt wie folgt: Im Pfarrhof war Parterre das gewöhnliche Wohnzimmer, im mittleren Gaden gegen den Garten zu das Schlafzimmer, Studierzimmer, der Flöz (=Flur), das erste Kaplanszimmer, das andere Kaplanszimmer und das Zimmer der Haushälterin. Im 1. Stock waren gegen dem Garten zu das obere Schreibzimmer, das mittlere Zimmer, das vordere Zimmer gegen den Hof, das vordere gelbe Zimmer (= Bibliothek), das Schäferzimmer, das Garderobezimmer (gegen den Friedhof) und der Flöz. Unter dem Dach waren allerlei Gegenstände für den Haushalt. Ferner wird eine Layudistube erwähnt, sowie ein Nebenkämmerl und eine Dienerkammer. In der Speis gab es Zinn-, Kupfer- und Messinggeschirr, außerdem das Speisezimmer und Kuchl, einen Platz unter der Stiege und ein Gartenzimmer.

Dann gab es den Kuhstall, den Roß- und Schafstall mit den Liegestätten für die Knecht, das Eisenkammerl mit Ketten und Sägen, das Knechtkammerl, das Krautkammerl, ein Nebenkammerl. Im Hofplatz der Getreidekasten, das Milchkammerl, die Baustuben, der Platz »unterm Werch« (hier waren die Reitsättel untergebracht), das Waschhaus, die Hennenstuben, der Backofen, die Holzhütten, der große Hof mit aufgeschichtetem Holz, die Wagenhütte (hier standen die Kutschen und Schlitten), die Tenne, die Streuhütten, der Korntennenstadl, die Schnackenburg (?) und die Schießhütten (Toiletten?).

Im Hofraum befindet sich ein Rohrbrunnen, welcher von der Schoberleiten am rechten Traunufer durch ca. 600 Teiche hergeleitet wird und seit undenklichen Zeiten Jahr für Jahr dem Pfarrhof, Küche und Stallungen und auch die Häuser und Höfe im Ort Haslach wohltätig zum Überfluß mit seinen Quellwasser versieht. Die Unterhaltung dieses Brunnens wurde dem jeweiligen Pfarrer aufgebürdet.

Mit der Aufhebung des Zehents 1848 und der Verlegung des Pfarrsitzes nach Traunstein 1851 waren die großen Gebäude zur Einlagerung des Zehents, sowie die ganze Ökonomie in Haslach überflüssig geworden. Der große Pfarrhof neben der Kirche stand nun leer. Der Pfarrhof, sowie die Grundstücke wurden teils verkauft. Das war ein sehr schmerzlicher Vorgang für die Pfarrei Haslach: 700 Jahre Geschichte wurde dadurch ausgelöscht. Als man wieder die Pfarrei Haslach 1914 errichtete, wäre man froh gewesen, diesen Besitz noch zu haben.

Die Verkaufsurkunde vom Jahre 1851 hat folgenden Wortlaut:
»Das Pfarrwiddum Haslach-Traunstein verkauft in der Person des Herrn Dekan und Pfarrers Michael Ernst in Haslach-Traunstein mit allerhöchster Genehmigung vom 24.12.1850 lt. rentamtlicher Umschreibungszertifikate zum heutigen 23.1.1851 von ihrem Besitz: 1. Das Pfarrhaus mit sämtlichen Ökonomiegebäuden und Hofraum (Pl.-Nr. 7). Unter Ziffern 2 - 14 alle Wiesen und Äcker und die Wasserleitung von der Schwoberleite an Peter Huber, bürgerlicher Wein- und Gastgeber (Höllbräu) in Traunstein, und dessen Ehegattin Walburga, geb. Winklpeiner, um die abgeschlossene Kaufsumme von 13.452 Gulden«. 1853 gehörten zum Besitz des Brauereibesitzers Peter Huber 23 Fluren mit 43,79 Tagwerk Grund.

Mit dieser Verkaufsverhandlung schließt die Geschichte des 700 Jahre dauernden Pfarrwiddums Haslach. Diese Verkaufssumme wurde für den Bau des neuen Pfarrhauses in Traunstein verwendet.

Im Mai 1880 erwarb die Höllbräuwitwe Walburga Huber, Besitzerin des alten Pfarrhofes das benachbarte Schmidgütl um die Kaufsumme von 2228,58 Mark. 1881 wurde das alte Schmidanwesen, das zwischen dem Haus Schuhbeck und dem alten Pfarrhof stand abgebrochen. Dadurch konnten die damaligen Pfarrhof- bzw. Höllbräustallungen an der heutigen Rupertistraße vergrößert werden.

1886 überging der Besitz an die Brauereibesitzer August und Walburga Huber. Um 1902 wurde der alte Pfarrhof mit den Grundstücken verkauft und die Landwirtschaft aufgelöst. Die landwirtschaftlichen Gebäude werden später zu gewerblichen Zwecken genutzt. 1902 durch Kauf an den Traunsteiner Rechtsanwalt Adolf Gschaider. Zwei Jahre später 1904 durch Kauf an Hugo Regemann. 1907 durch Kauf an den Oberstleutnant Anton Raechl und seiner Frau Frieda, sowie nach dem Tod der Mutter 1975 an die Tochter Edith Raechl. 1989 übergab Edith Raechl den Besitz weiter an ihren Adoptivsohn Daniel Endres-Raechl.
Unter den Raechl's wurde 1910 der ehemalige Pfarrhof umgestaltet und dabei das Äußere dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend angepaßt.


Karl Rosenegger

Archiv: Pfarrarchiv Haslach
Literaturnachweis: Die Geschichte der Pfarrei Haslach, 1963, Pfarrer Josef Rosenegger Haslach - Häuser, Höfe und ihre Familien, 1994, Karl Rosenegger.



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