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Jahrgang 2015 Nummer 20

Das Leben des »Hartschiers« Joseph Enzinger

Ein Traunsteiner Beitrag zur Bayerischen Landesausstellung »Napoleon und Bayern« – Teil I

Joseph Enzingers Grabstein. (Foto: Heimathaus Traunstein)
Der aufgelassene städtische Gottesacker 1922. Der Obelisk zeigt sich alleinstehend inmitten der zukünftigen Parkanlage. (Stadtarchiv Traunstein, NLB 190)
Hartschiere in ihren prächtigen Uniformen. (Bayersiches Armeemuseum Ingolstadt)

Das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt ist Schauplatz der diesjährigen Landesausstellung »Napoleon und Bayern«, die bis zum 31. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr ihre Pforten öffnet. »Vor 200 Jahren fegte ein Sturm durch Europa. Napoleon, Kaiser der Franzosen, wirbelte die alte Staatenwelt durcheinander. Bayern wechselte auf seine Seite und gewann die Königskrone. Das junge Königreich entwickelte sich zu einem der modernsten Staaten des Kontinents. Das hatte seinen Preis: Die bayerischen Soldaten marschierten an der Seite des Kaisers durch halb Europa und bis an den Abgrund. Im Neuen Schloss zu Ingolstadt wird das Drama des Kaisers und seines Verbündeten in Szene gesetzt. Kostbare Exponate, auch aus französischen, russischen, schwedischen und österreichischen Sammlungen, mediale Inszenierungen und Erlebnisstationen erzählen von Krieg und Frieden, von Hoffnungen und Ängsten, von Glanz und Gloria. Zugleich blicken wir hinter die Klischees der Herrscher- und Schlachtengemälde auf die Schicksale der Menschen im Krieg. Am Ende steht der Mythos Napoleon.«(1)

In der Tat hat die – eigentlich kurze, aber dafür umso intensivere – Ära des Korsen Napoleon Bonaparte, dieses genialischen Staatsmanns und Feldherrn, gerade für Bayern gravierende Veränderungen gebracht, deren Auswirkungen sich noch heute in nicht wenigen Bereichen ablesen lassen. Viele davon waren positiv. Aber sie forderten von der Bevölkerung einen hohen Tribut: Tod und unendliches Leid begleiteten die kriegerischen Auseinandersetzungen, allen voran den Feldzug gegen Russland. Und gerade »die Schicksale der Menschen im Krieg« machen diese Ausstellung interessant. Einige von ihnen werden von Objekten dokumentiert, die aus der Stadt Traunstein und ihrem näheren Umland den Weg nach Ingolstadt gefunden haben; Leihgaben regionaler Archive, Museen und Sammlungen, die für würdig befunden wurden, diese Präsentation zu bereichern. Mit einer von ihnen befasst sich dieser Beitrag.

»Während meiner ausgiebigen Dienstzeit in der Eigenschaft als Vorstand des Rentamts zu Traunstein habe ich mit vielen, oft seltenen Originalen aus der Reihe vormaliger Krieger und Vaterlandsvertheidiger Bekanntschaft gemacht, so daß selbst der berühmte Wiener Invalidenmaler Friedländer mich um manches Exemplar würde beneidet haben. Die Veteranen aus dem Tiroler Feldzuge vom Jahre 1809 bildeten darunter die Ehrfurcht gebietenden Senioren, voran der liebenswürdige Großvater Wispauer, ehemals Gastwirth zum Goldenen Hirschen, der als baierischer Oberjäger den Sturm auf den Paß Lueg mitmachte. Müde und gebrechlich kehrte ein pensionirter Hartschier Namens Enzinger, von Frauenchiemsee zu Hause, bei mir ein und wußte mir zu erzälen von den grausamen Treffen im Jahre 1809 an der Tiroler Grenze. War er doch selbst bei der Kompanie, welche oberhalb Schnaitzelreut Speckbachers Sohn gefangen.«(2) So beschreibt der (von 1860 bis 1882) Leiter des Traunsteiner Rentamtes (Finanzamt) und passionierte Heimatforscher Hartwig Peetz (1822-1892) in seinem Büchlein »Chiemgauer Volk« den Protagonisten dieser Abhandlung: Joseph Enzinger. Sein Grabstein ist eines von über 300 Exponaten. Er befand sich ursprünglich auf dem Traunsteiner Gottesacker bei St. Georg und Katharina und fristete nach dessen Auflassung 1920 jahrzehntelang ein verborgenes Dasein im Lager des Steinmetzbetriebs Zerle, bevor er 1990 dem Heimathaus übergeben wurde. Das Monument eines Soldatenlebens erregte schon vor mehr als einhundert Jahren, als es noch in seiner eigentlichen Funktion auf dem Friedhof stand, die Aufmerksamkeit der Wissenschaft.

»Zwei Veteranen möchte ich durch diese Zeilen vor der Vergessenheit bewahren. Der eine, Anton Adner aus der Schönau, ist ein Veteran im Dienste der Volkskunst insoferne, als er etwa zwei Menschenalter lang die Erzeugnisse der Berchtesgadener Schnitzkunst in aller Herren Länder trug und verkaufte. [...] Der zweite Veteran, Joseph Enzinger von Frauenchiemsee, verdient es, unter die Volkskunde im allgemeinen eingereiht zu werden, indem man aus seiner Lebensgeschichte ersieht, was ein kräftiger oberbayerischer Bursche als Soldat in den Napoleonischen Kriegen aushalten musste und konnte.«(3) Dem kann man angesichts des »bescheidenen, aber nicht unschönen Grabsteines« nur zustimmen: Ruhestätte // des // Wohlgebornen Herrn // Joseph Enzinger // geboren zu Frauenchiemsee den 10n // Juli 1787; Hartschier der k. bayer. // Leibgarde; diente in der Armee 6 // Jahre als Gemeiner und 30 Jahre // als Unteroffizier in den Kriegen von // 1806/7 wider Preußen und Rußland, // 1809 gegen Oesterreich und Tyrol, und // 1813, 14 und 15 gegen Frankreich; bei 10 // Schlachten, 53 Treffen, 346 Gefechten, // 18 Belagerungen, und 25 eingenommenen // Plätzen, erhielt hiebei 5 Blessuren, trug // das Armee=Denkzeichen, wurde pensio= // nirt den 1n Oktober 1842 und starb den // 12. August 1862, versehen mit allen hl: // Sterbesakramenten. // Gott gebe ihm die ewige Ruhe!

Leicht könnte man geneigt sein, aus diesen Worten auf das Leben eines Helden zu schließen, mutig und unerschrocken in allen Schlachten, gefeiert bei seiner Heimkehr und mit einem wohlversorgten Lebensabend belohnt für seinen Dienst am Vaterland. Dass die Realität nur allzu oft anders aussah, deutete schon der vorzitierte Hartwig Peetz(4) an. Der gebürtige Franke zeigte sich nicht nur als einfühlsamer und genauer Beobachter »seiner« Chiemgauer, sondern auch als kritischer Begleiter des politischen Zeitgeschehens: »Den Gefallenen vom Jahre 1812, welche jenem Völkerelend unter unsäglichem Jammer erlagen, wollte König Ludwig I. von Baiern durch ein Denkmal in der Stadt München die letzte Ehre erweisen, indem er am Obelisk die ehernen Worte einfügen ließ 'Auch sie fielen für das Vaterland!' [richtig ist: für des Vaterlandes Befreyung; Anm. d. Verf.]. Jenen Wenigen aber, die nicht zu jener Hekatombe [gewaltiger Verlust an Menschen] der Dreißigtausend gehörten und sich auf fast wunderbare Weise aus der blutgetränkten Schneewüste mit äußerster Anstrengung zurück zu schleppen noch gerade genug Kraft besaßen, diesen ward damals kein Empfang bereitet, ja man scheute sich fast, die Bejammernswerten in den Heimatgemeinden wieder aufzunehmen, waren sie doch meist dem traurigsten Loose des zwingenden Bettels verfallen. Daß man von Seite des Staates oder der Volksvertretung gegen diese traurigen Opfer französischer Brutalität zu Verpflichtungen sich bekennen müsse, dieses Zugeständnis war eine gar langsam wachsende Pflanze. Sie bedurfte, der Aloe gleich, fast eines halben Jahrhunderts, bis sie ihre ersten mageren Blüten getrieben. Die Staatsunterstützungen gewährten den meist hinfälligen Greisen für das Vierteljahr 2 Gulden 30 Kreuzer. Daher nannte man diese sogenannte Invalidenpension nicht mit Unrecht 'den Schnapskreuzer'. Wenige alte Männer, Überbleibsel der großen Armee, waren es, welche dieser kargen Gabe sich erst am Spätabend ihres Lebens erfreuen konnten. Nun sind sie alle bis auf den letzten Mann eingerückt zur großen Heerschau.«(5)

Zurück zu Joseph Enzinger. Geboren 1787 auf der Fraueninsel, aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, war er 1806 mit 19 Jahren eingerückt und so ohne große Umwege mitten hinein in das europäische Kriegsgeschehen geraten. Hier ist der vorzitierten Inschrift, die wohl jeder mit ungläubigem Kopfschütteln, wenn nicht einer gewissen Fassungslosigkeit liest, nichts hinzuzufügen. Im Gegensatz zu vielen anderen aber hatte sich Enzinger für eine Laufbahn als Berufssoldat entschieden. Nach einer »10jährigen Dienstzeit in der Linie, während welcher ich 5 Campagnen [Feldzüge] mitmachte«, wechselte er am 1. Februar 1817 zur Gendarmerie und war, zunächst als »Gendarme zu Fuß«, beim Brigadekommando in Traunstein stationiert.(6) Auf die 1812/13 gegründete Bayerische Gendarmerie geht die moderne Polizei als unverzichtbares Kontrollorgan unserer Gesellschaft zurück. Nach französischem Vorbild war sie dezentral über das Land verteilt und militärisch organisiert. Bis 1868 war sie in ihrer Gesamtheit Teil der Armee, und erst im Jahr 1919 wurden alle Polizeien endgültig vom Militär losgelöst und dem Bayerischen Innenministerium unterstellt.(7)

Für Enzinger war diese neu geschaffene Einheit zur Aufrechterhaltung der zivilen Sicherheit und Ordnung auf dem Land das Sprungbrett auf eine zwar nicht allzu hohe, aber immerhin vorhandene Karriereleiter. Am 8. Oktober 1818 äußerte er die »gehorsamste Bitte [...], mich allergnädigst als Gendarme zu Pferd anzustellen«, was ohnehin von Anfang an sein Wunsch gewesen wäre. Er hätte inzwischen »die nöthigen Eigenschaften meiner Dienstesfunction erworben, nicht minder Kenntnisse im Pferdbutzen, Satln und Paken sowie auch im Reiten erlangt«. Die vorgesetzten Stellen pflichteten seinem Gesuch bei, umso mehr, als er im Stande war, »50 Gulden zur Remontierung [Ergänzung des militärischen Pferdebestands durch Jungpferde] beizutragen«. Am 22. Oktober bestätigte ihm ein »Prüfungs-Attest, [...] daß er hinsichtlich seines Sitzes und seiner Führung des Pferdes sowohl im Trapp als im Schritte sehr vielle Uibung und Anlage zum Reitten hat, so auch im Auf- und Absitzen und Satteln zeigt er vielle Fertigkeit und beobachtet genau alle Signal.« Am 7. November 1818 wurde Joseph Enzinger »zur berittenen Gendarmerie versetzt«.

In der Folge – wann genau, ist nicht vermerkt – verschlug es ihn nach Oberfranken, wo er am 25. November 1825 beim Landgericht Bamberg beantragte, »ihn unter das Konscriptions- Maas zu stellen und den Befund gerichtlich zu bescheinigen«. Nichts anderes als seine Größe wollte er amtlich beglaubigen lassen, und die Behörde tat ihm den Gefallen. Heraus kamen »im bayerischen Maase 6 Schu[h] 2 Zoll«, ein Meter und 80 Zentimeter, durchaus stattlich für die damalige Zeit. Warum aber wollte Enzinger das so genau wissen? Die Antwort folgte nur zwei Tage später: »Da es mein einziger Wunsch ist, als Hartschier angestellt zu werden und in der Nähe meines allergnedigisten Königs mein Glück suchen und auch finden werde, so bitte ich gehorsamst, sich gütigst für mich verwenden zu wollen [...], indem ich, wie daß beiliegende Zeugniß enthällt, die gehörige Größe zur Hartschier-Garde besitze.«

Hartschier (abgeleitet aus dem Italienischen: Archiere, Bogenschütze), Angehöriger der Leibgarde des Bayerischen Königs, wollte der inzwischen 38-Jährige, zum Zeitpunkt der Antragstellung im Markt Hischaid stationiert, also werden, und dafür benötigte man selbstverständlich erst einmal Gardemaß. Conditio sine qua non war aber auch ein Leumund ohne Fehl und Tadel. Und Enzinger hatte zwar seine – unbestritten zahlreichen – Belobigungen, unter anderem wegen »Dienstfleiß, gutem Betragen, vorzüglicher Propretät [Sauberkeit] und Quantität und Qualität der geleisteten Dienste«, hervorgehoben. Verschwiegen allerdings hatte er zwei ebenfalls aktenkundige Bestrafungen: »1. am 7ten Mai 1825 vom k. Corps-Commando wegen unnöthiger Arretierung des Soldaten Eberlein mit 2-tägigen Localarrest; 2. am 10ten August 1825 vom Compagnie-Commando wegen Nachläßigkeit und nicht gehörig erhollter Unterschrift beim Ortsvorstand mit 8-tägigen Zimmer-Arrest bei Dienstverrichtung.« Zwar fand das Gesuch dennoch über Hirschaid, Bamberg und Bayreuth seinen Weg nach München, wo der zuständige Beamte es der »königlichen Majestät zur allergnädigsten Berücksichtigung« vorlegte und dabei, wie damals üblich, vorsorglich schon einmal »in allertiefester Ehrfurcht« erstarb. Eine Reaktion aber blieb aus.

Doch Enzinger gab nicht auf. Am 31. Oktober 1829 erneuerte er seine Bitte, und dieses Mal wurde er von seinen unmittelbaren Vorgesetzten deutlich offensiver unterstützt, da er, mittlerweile nach Lichtenfels beordert, seit 1825 »nicht nur keine Strafe mehr erhalten, sondern eine vorzüglich gute Aufführung gepflogen hat«. Jetzt wurde ihm zumindest eröffnet, dass er »zur Hartschier-Leibgarde vorgemerkt seye und das weitere abzuwarten habe«. Noch einmal zogen drei lange Jahre ins Land, dann aber war es endlich so weit: Der »Brigardier zu Pferd Joseph Enzinger«, dessen Leumund inzwischen wieder als »ausgezeichnet gut« galt und der »sowohl in dienstlicher als auch moralischer Hinsicht dieser Anstellung vollkommen würdig und auch ganz hiezu qualifiziert« war, wurde am 7. Oktober 1832 zum Hartschier der Leibgarde ernannt.

Es war geschafft! Der Sohn einfacher Leute, katholisch, ohne erlernten Beruf, war einer von nur 100 Soldaten – auf diese Mannschaftsstärke, zuzüglich 15 Offiziere und Unteroffiziere, hatte Ludwig I. die Stärke seiner Leibgarde 1828 beschränkt – die als zeremonielle Haustruppe ohne eigentliche militärische Aufgaben dem Herrscher nahe waren. Und das, obwohl ebenfalls 1828 deren Körpergröße auf 6 Fuß 3 Zoll fixiert worden war und erst 1839 auf 6 Fuß reduziert wurde.(8) Zur Erinnerung: »Unser« Gendarm konnte »nur« 6 Fuß 2 Zoll vorweisen. Doch offensichtlich nahm man es hier schon 1832 nicht mehr ganz so genau. Warum sollte man auch, denn ungeachtet der fehlenden 2,5 Zentimeter war Enzinger – blonde Haare, breite Stirn, blonde Augenbrauen, graue Augen, spitze Nase, kleiner Mund, weißlicher Bart, rundes Kinn, längliches Gesicht, gesunde Gesichtsfarbe, untersetzter Körperbau, ansonsten ohne besondere Kennzeichen – ein gestandenes Mannsbild, keine klassische Schönheit, beileibe nicht, aber in seiner prächtigen Gardeuniform zweifellos eine Erscheinung, die Aufsehen erregte, auch bei der Damenwelt. So verwundert es wenig, dass er nicht einmal ein Jahr nach seiner Beförderung um Erlaubnis zur Eheschließung nachsuchte. Bei der Auserwählten handelte es sich um Eva Margaretha Fischer, ledige Hofgutsbesitzerstochter von Thelitz (damals Gemeinde Obersdorf, jetzt Hochstadt am Main, Landkreis Lichtenfels).(9) 49 Hartschiere, also knapp die Hälfte der Truppe, waren damals verheiratet, ein dienstliches Hinderniss bestand demnach nicht, und mit 46 Jahren war es für den Bräutigam auch kaum mehr zu früh für diesen Schritt. Alle erforderlichen Bescheinigungen waren beigebracht, die Einwilligungen der Mütter (die Väter waren beiderseits bereits verstorben) lagen vor und zudem hatte die »praesumptive Braut sich über Schulbesuch, genoßenen Religions- Unterricht und gute Aufführung ausgewiesen«. Vor allen aber hatte Enzinger die erforderliche Heiratskaution in Höhe von 1500 Gulden geleistet.(10) Daher übermittelte ihm das Kriegsministerium am 1. Oktober sein Einverständnis, nachdem König Ludwig »diesen Ministerialantrag [in] Berchtesgaden, den 29ten September 1833«, genehmigt hatte.


Franz Haselbeck


Anmerkungen:

1 Zitiert nach dem Faltblatt zur Ausstellung.
2 PEETZ, HARTWIG: Chiemgauer Volk. Erinnerungen eines Chiemgauer Amtmannes, Leipzig 1892, S. 1 - 21 (Invaliden und Veteranen im Chiemgau), hier bes. S. 2.
3 VIERLING, ALBERT: Zwei Veteranen, in: Volkskunst und Volkskunde. Monatsschrift des Bayerischen Vereins für Volkskunst und Volkskunde, 5. Jahrg., München 1907, S. 74.
4 Zu H. Peetz siehe DOBENECK, GÖTZ VON: Freund und Erforscher des Chiemgaus. Vor 100 Jahren, am 17. April 1892, starb Rentamtmann Hartwig Peetz, in: Der Heimatspiegel 3/1992. SCHWENKMEIER, WILLI: Wer war Hartwig Peetz? Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung im Lichthof des Rathauses am 7. Oktober 2002, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein 2003, S. 7-16.
5 PEETZ, wie Anm. 2, hier bes. S. 3-4
6 Bayerisches Hauptstaatsarchiv-Abteilung IV Kriegsarchiv: UP (Unteroffiziers-Personalakt) Nr. 54624; alle weiteren Fakten ab hier entstammen, soweit nicht anders vermerkt, dieser sehr aussagekräftigen Quelle.
7 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Polizei_Bayern, 15.4.2015, sowie Findbuch online zum Bestand »Gendarmerie-Korps-Kommando 1812-1962« des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, bearbeitet von Dr. Annelie Hopfenmüller, v.a. die Einleitung; http://www.gda-old. bayern.de/findmittel/ead/index.php?fb=366, 15.4.2015.
8 Bayerisches Armeemuseum: Objektbeschreibung »Wache der Hartschiere in der Residenz München«. Aquarell, München 1910; https://www.armeemuseum.de/fr/collections/ objets-selectionnes/peinture-et-graphique/ 61-sammlungen/objekte-des-monats/736-objekt- aquarell-hartschiere.html, 15.4.2015.
9 Wann Enzinger seine Braut kennengelernt hatte, ist nicht überliefert. Die Möglichkeit zur Heirat jedenfalls hätte dienstlich für ihn auch als Gendarm schon bestanden; vgl. Findbuch wie Anm. 7.
10 Neben dem zitierten Akt (siehe Anm. 6) ist ein weiterer vorhanden, der sich ausschließlich mit dieser Heiratskaution und deren Rückgängigmachung befasst (Bayerisches Hauptstaatsarchiv-Abteilung IV Kriegsarchiv: UP Nr. 4410). Auch er wurde vom Verfasser eingesehen. Demnach sicherte Enzinger eine Summe in Höhe von exakt 1.525 Gulden ab mit: 1. Einer Staatsschuld-Obligation in Höhe von 800 Gulden, datiert München, 30. Oktober 1832. 2. Einem Schuld- und Hypothekenbrief in Höhe von 725 Gulden, datiert Miesbach, 3. Juni 1833. Dieses Kapital ruhte in 1. Hypothek auf dem Anwesen der Joseph Dauerschen Eyerkäufers-Eheleute zu Thalham, das auf 1.636 Gulden geschätzt wurde. Am 11. Dezember 1833 wurden beide Urkunden »der freien Disposition des Herrn Gäubigers zurückgegeben«. Wie Joseph Enzinger, der in den Personalbögen (»Manns-Grundlisten«) unter der Rubrik »Vemögen nach gerichtlicher Bestätigung« den Vermerk »ohne« stehen und lediglich »200 Gulden Montur-Guthaben« verzeichnet hatte, zu dieser doch ansehnlichen Summe gekommen war, ist nicht dokumentiert. Ein elterliches Erbe ist angesichts der einfachen Abstammung wenig wahrscheinlich.


Teil II in den Chiemgau-Blättern Nr. 21/2015

 

20/2015