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Jahrgang 2004 Nummer 14

Das Heilige Grab in Grabenstätt wird wieder aufgebaut

Tradition geht auf das Jahr 1660 zurück – Ortsheimatpfleger Gustl Lex hat historische Hintergründe »ausgegraben«

Das schön ausgeschmückte Heilige Grab in der St. Johanniskirche in Grabenstätt, eines der letzten Beispiele dieses alten religiö

Das schön ausgeschmückte Heilige Grab in der St. Johanniskirche in Grabenstätt, eines der letzten Beispiele dieses alten religiösen Brauchtums in der Region, umfasst beinahe den gesamten Altarraum. Seine Tradition reicht nachgewiesenermaßen bis auf das Jahr 1660 zurück. Gebetsstunden sind auch heuer wieder am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag.
Das Heilige Grab in der St. Johanniskirche in Grabenstätt ist eines von nur noch ganz wenigen großen Beispielen dieses alten Brauchtums, die bis in die heutige Zeit alle Jahre aufgebaut werden. Seine Geschichte reicht über 300 Jahre zurück, wurde in der Säkularisationszeit kurz unterbrochen, dann aber bald wieder aufgenommen. Die Anbetungsstunden vor dem Heiligen Grab sind heuer am Gründonnerstag von 21 bis 23 Uhr, am Karfreitag von 16.30 bis 21 Uhr und am Karsamstag von 8.30 bis 15 Uhr.

Der Grabenstätter Ortsheimatpfleger Gustl Lex hat, wie bei so vielen anderen historischen Gegebenheiten, auch im Zusammenhang mit dem Heiligen Grab fleißig recherchiert und ist auch fündig geworden. Das älteste Zeugnis über dieses fromme »theatrum sacrum«, dieses heilige Theater, stammt demnach aus dem Jahr 1660. Der damalige Grabenstätter Schlossherr Freiherr Ludwig von Widerspach verfasste im Juni jenen Jahres, als seine dritte Ehefrau verstorben war, wohl in trüben Todesgedanken ein Testament. Darin stand unter Punkt acht wörtlich zu lesen: »Zur jährlichen Ausrichtung des hl. Grabes in der Charwoche sollen vom Schlosse 5 Gulden bezahlt werden.«

Danach scheint das Heilige Grab in der Johanniskirche zu Grabenstätt eine feste Institution geworden zu sein. Ein Wendepunkt trat ein mit dem Aufkommen der Säkularisation im Jahr 1803. Damals wurden die heiligen Gräber, wie so viele andere religiöse Brauchtümer auch, von Kurfürst Max IV. Josef verboten, auf Betreiben seines »berüchtigten« Ministers Maximilian Graf von Montgelas. Aller Protest half nicht, auch das Heilige Grab in Grabenstätt musste verschwinden.

Über die weitere Geschichte dieser Grabenstätter Tradition erzählt uns eine Urkunde, die Gustl Lex im Freisinger Diözesanarchiv »ausgegraben« hat. Sofort nach dem Sturz von Minister Montgeals im Jahr 1817 durch Kronprinz Ludwig lebte landauf landab das alte religiöse Brauchtum allmählich wieder auf. Die Gunst der Zeitläufte wollte wohl auch der damalige Grabenstätter Pfarrer Jakob Danner nutzen. In einem Schreiben wandte er sich am 23. Juli 1817 an das General-Vikariat von Freising unter anderem um die stiftungsaufsichtliche Genehmigung zur Errichtung eines Heiligen Grabes, die schließlich auch erteilt wurde. Immer wieder wurden in der Folgezeit Teile des Heiligen Grabes auch renoviert oder erneuert, zuletzt in größerem Umfang Anfang der 60er Jahre, als es von dem Grabenstätter Malermeister Anton Probst neu gefasst wurde.

Seit 1818 also wird es alljährlich in den stillen Tagen der Karwoche wieder aufgebaut. Zeitzeugen zufolge wurde diese Tradition auch nicht unter dem Nazi-Regime beziehungsweise während des Krieges unterbrochen. Das Heilige Grab umfasst in seiner Größe den gesamten Altarraum der Johanniskirche. Es soll aber nicht, wie es den Verantwortlichen der Pfarrei Grabenstätt ein Anliegen ist herauszuheben, als ein Zur-Schau-Stellen alter Traditionen verstanden werden. Es sei vielmehr immer noch ein frommer Ausdruck der Pfarrgemeinde zu den Kartagen. Mit seiner Ruhe und seiner Ausstrahlung, umrahmt von den bunten Lichtern, soll es ein Ort der Meditation und des Gebetes sein und wird von den Gläubigen auch in der Weise angenommen.

HE



14/2004