Jahrgang 2009 Nummer 26

Das Geheimnis der Teiser Kugeln

Ein Südtiroler Mineraliensucher erfüllt sich seinen Lebenstrau

Paul Fischnaller, der Initiator des Museums

Paul Fischnaller, der Initiator des Museums
Teiser Kugel mit Quarzkristallen

Teiser Kugel mit Quarzkristallen
Das Südtiroler Dorf Teis am Eingang zum Villnößtal beherbergt mit seinem Mineralienmuseum eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, nicht nur für Mineraliensammler, sondern für jeden Naturliebhaber. Die Hauptattraktion des Museums sind die prachtvollen Geoden und Achatmandeln, die im Ortsbereich von Teis gefunden wurden und deshalb auch die Teiser Kugeln genannt werden. In diesen bis zu 20 Zentimeter großen Steinkugeln sind herrliche Mineralien eingebettet, meist Quarzkristalle und Amethyste von durchsichtiger Reinheit oder Achate mit ihren fast geometrischen Farbenringen. Jede Geodenhöhle birgt ihr eigenes Kristallgeheimnis, das sich erst erschließt, wenn man die äußerlich unscheinbare Steinhülle zerschlägt.

»Es ist für mich immer noch aufregend und spannend, eine Kugel aufzuschlagen«, sagt Paul Fischnaller, der Initiator des Teiser Mineralienmuseums. Als erfahrener Stoansucher oder Strahler kann er schon aufgrund des Gewichts einer Kugel sagen, ob sie innen hohl oder gefüllt ist. Fast fünfzig Jahre sind es jetzt her, dass Fischnaller die erste Geode gefunden hat. Seitdem nutzte der gelernte Weber jede freie Stunde, um mit Hilfe seiner Frau seiner Sammelleidenschaft nachzugehen.

Im Laufe der Jahrzehnte nahm seine Sammlung ständig an Umfang und Qualität zu. Schließlich reifte in Fischnaller der Wunsch, seine glitzernde Kristallwelt auch anderen Interessenten und Neugierigen zugänglich zu machen. So entstand in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Villnöß im Vereinshaus des Dorfes das heutige Mineralienmuseum. Neben den Funden aus der engeren Umgebung sind darin auch Geoden und Mineralien aus anderen Regionen untergebracht, in denen Fischnaller schürfte, zum Beispiel aus der Schweiz, dem Mont-Blanc-Gebiet und dem Aostatal.

Die Entstehung der Teiser Kugeln hängt mit dem Vulkanismus in diesem Teil Südtirols zusammen. Vor gut 280 Millionen Jahren kühlte die Lava an der Erdoberfläche ab und es entstand die so genannte Bozener Porphyrplatte, zu der auch der Teiser Quarzporphyr gehört. Als diese älteren vulkanischen Schichten von jüngeren Porphyrgesteinen durchschlagen wurden, kam es zur Entstehung kugelförmiger Blasenräume, in denen sich die Geoden oder Teiser Kugeln bildeten. Ihre Schale besteht aus Chalzedon, nach innen folgen Quarzkristalle, auf denen noch bis zu 40 verschiedene weitere Mineralien vorkommen können. Die besten heimischen Fundstellen für die Geoden befinden sich im Bereich des Gostner Grabens, des Pfeifer- und des Wasserkofels.

Die ersten Nachrichten über die Teiser Kugeln gehen zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals kaufte ein durchreisender Herr spielenden Teiser Kindern für einen Gulden einen rundlichen Stein in der Größe eines Tiroler Knödels ab. Durch einen Zufall wurde der Stein zertrümmert – und eine wunderschöne Amethystgeode kam zum Vorschein.

Julius Bittmann



26/2009