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Jahrgang 2012 Nummer 49

Das Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

In der heiligen katholischen Kirche galt stets die fromme Meinung, dass die seligste Jungfrau Maria unbefleckt empfangen worden sei, dass also die Erbsünde auf sie nicht überging. Sie, die ja den menschgewordenen Sohn des Allerhöchsten gebären sollte, konnte nie einen Augenblick in der Gewalt des bösen Feindes und Gott missfällig gewesen sein. Diese fromme Meinung war nun nach reiflicher Überlegung, vielem Gebete und nach Einholung des Gutachtens aller katholischen Bischöfe vom Papste Pius IX. seligen Andenkens am 8. Dezember 1854 als Glaubenslehre in der St. Peterskirche zu Rom feierlich verkündet in folgender Weise: »Unter Eingebung des heiligen Geistes, zu Ehren der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit, zur Zierde und zum Ruhme der jungfräulichen Gottesgebärerin, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, kraft der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und der Unsrigen erklären wir, sprechen wir aus und entscheiden: Die Lehre, welche dafür hält, dass die seligste Jungfrau Maria beim ersten Augenblicke ihrer Empfängnis durch besondere Gnade und besonderes Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblicke auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von aller Makel der Erbschuld bewahrt worden sein, ist von Gott geoffenbart und muss darum von allen Gläubigen fest und standhaft geglaubt werden«. – Alle Menschen sind mit der Erbsünde auf die Welt gekommen, nur die seligste Jungfrau Maria nicht. Darob jubelt die ganze katholische Welt über die Ehre ihrer Königin und Mutter.

Lehre. Der heilige Bernard sagt: »Maria ist allen liebenswürdig, allen zugänglich, allen anmutig; die Hoffnung der Weisheit, ein Strom der Liebe, ein göttlicher Strahl, der Trost der Unglücklichen, die Zuflucht der Verbannten, die Erlösung der Gefangenen, die Königin der Krieger, die Herrin des Weltalls. – Ich weiß, dass unmöglich einer deiner Diener zu Grunde geht; siehe dies ist der Grund meiner Hoffnung«.

Kirchengebet. O Gott! der du durch die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau (Maria) deinem Sohne eine würdige Wohnung vorbereitet hast: wir bitten dich, dass indem du in Voraussicht des Todes deines Sohnes dieselbe vor jeder Makel bewahrt hast, du auch uns durch deren Fürbitte rein zu dir gelangen lassest. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 


49/2012