weather-image
Jahrgang 2004 Nummer 26

Das ehemalige kgl. Bayerische Forstamt Bergen

Eine geschichtliche Darstellung

Holzarbeiter mit dem Sapie, 1925

Holzarbeiter mit dem Sapie, 1925
Holztransport im Winter 1935.

Holztransport im Winter 1935.
Forstamt Bergen: Hochwasserschäden in der Maxhütte.

Forstamt Bergen: Hochwasserschäden in der Maxhütte.
Das Forstrevier Bergen hat eine lange, bewegte Geschichte. Nachdem es als Salinenrevier zu den Salinenforstämtern Traunstein und Marquartstein gehört hatte, wurde es bei der Forstorganisation vom 1. Juli 1885 ein selbstständiges Forstamt.

Mit ausschlaggebend für die Gründung dürfte neben der geschlossenen Lage der Waldungen auch das 1561 von Pankraz von Freyberg gegründete Eisenhüttenwerk Maximilianshütte gewesen sein.

Zur Vorgeschichte wissen wir, dass etwa vor 1600 von einer richtigen Bewirtschaftung der Waldungen keine Rede sein kann. Damals diente der Gebirgswald der Bevölkerung nur zur Befriedigung ihrer Holznotdurft für die Höfe im Tal, ihre Almen und die Viehweide.

Einen bescheidenen Anstoß zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung gab die Forstordnung von 1568, ergänzt 1618, weil man anlässlich des enormen Holzverbrauchs der Salinen und auch der Hüttenwerke bereits eine Holznot befürchtete.

Die Besitzverhältnisse waren nach der Ottonischen Schenkung klar. Das ganze Gebiet gehörte zum Erzstift St. Peter in Salzburg. Nach Jahrhunderte langen Gebietsstreitigkeiten mit den Bayerischen Herzögen änderten sich die Besitzverhältnisse. Jedenfalls gehörten im Jahre 1575 die Hochfellnalm, die Bründlingalm, die Gleichenberg- und die Gschwendalm noch zum Domkapitel Salzburg. Am längsten hielten sich die am Nordhang des Pattenberges liegenden Waldungen, (heute noch »Kapitelwald« genannt,) bei Salzburg.

Über die frühere Verwaltung des Forstreviers und späteren Forstamtes Bergen haben uns Forstrat Florian Ammer und Forstmeister Peter Scheicher Aufzeichnungen hinterlassen.

Forstrat Ammer berichtet, dass für die Zeit vor 1606 keine Aufzeichnungen vorliegen.

Ab 1806 erscheint für Bergen als Forstwart Adam Goldenberg, ab 1812 Forstwart Pauli, ab 1818 Eustach Engel, der vermutlich dem Engelstein den Namen gegeben hat. Ab 1822 bis 1845 war Engel Revierförster. Ihm folgte 1845 bis 1868 Revierförster Wolfgang Reindl – die Waldabteilung Reindlkopf trägt seinen Namen! 1868 bis 1876 war der Oberförster Ludwig, Freiherr von Raesfeld, Revierleiter. Unter seiner Führung wurde 1871 die Siegeshütte erbaut. Von Raesfeldt war dann bis 1904 Kreisforstmeister in München, dann Oberforstrat zu Landshut und München. 1876 folgte dann Oberförster Schaumberg, der mit der Errichtung des Forstamtes 1885 zum Forstmeister befördert und dieses als Amtsvorstand übernahm.

Das neu gegründete Forstamt konnte in den Räumen des 1834 gebauten Forstdienstgebäudes untergebracht werden. Dort befand sich bereits die Verwaltung des bisherigen Forstreviers.

Der amtierende Leiter des Forstreviers, Oberförster Ernst Schaumberg übernahm nunmehr das Neue Forstamt und wurde zum Forstmeister befördert. Er war somit der erste Amtsvorstand des Forstamtes Bergen.

Forstmeister Scheicher beschreibt die Grenzen des neu gegründeten Forstamtes folgendermaßen:

»Das Forstamt umfasst die Waldgebiete am Hochfelln von Scharam – Maria-Eck – zum Hochgern, dann der Ache entlang nach Norden bis zur Mündung in den Chiemsee. Das Gebiet war in drei Revierbezirke eingeteilt: Bergen-Ost, Bergen-West, und Übersee, – wobei das Revier Übersee ein fast reines Auwaldrevier war«.

Die Amtsvorstände des Forstamtes bis zur Auflösung im Jahre 1943 waren:
1885-1891 Forstmeister Ernst Schaumberg, 1891-1903 Forstmeister Max Dippold, 1903 kurzfristig Dr. Hefele als Vertreter, 1903-1920 Forstrat Florian Ammer, 1920-1928 Forstmeister Thomas Senfft, 1928-1935 Forstmeister Peter Scheicher, 1935-1943 Forstmeister Gröbl. (Während seiner Dienstzeit bei der Wehrmacht hat ihn Forstmeister Dr. Harrer vertreten. Revierleiter des Reviers Bergen-Ost war bis zur Auflösung des Forstamtes Oberförster Alfons Hilner.

Schon 1881, also noch vor der Gründung des Forstamtes machte der Bayerische Forstverein das Revier und die Chiemseeverwaltung zu seinem Exkursionsziel. Damit wurde die besondere Bedeutung der Chiemseeverwaltung als auch des späteren Forstamtes hervorgehoben.

Während der Zeit des Bestehens des Forstamtes Bergen gab es verschiedene Ereignisse, über die ich – so weit Aufzeichungen vorhanden sind, berichten will.:

Das Wichtigste war wohl die Angliederung der »Chiemsee-Administration« am 1. Februar 1887. Nun waren die jeweiligen Amtsvorstände auch die Chiemseeadministratoren und hatten sich um die Aufgaben dieser Behörde zu kümmern. Diese war 1874 gegründet worden und hatte die Aufgabe alles zu behandeln, was den Arealbestand des Sees mit allen damit verbundenen Rechten betraf, also auch die Nutzbarmachung von Fischerei und Fischzucht. Ursprünglich bestand sie aus dem landwirtschaftlichen Bezirkskomitee unter Führung des Traunsteiner Bürgermeisters Wispauer. Ammer hebt in seinen Erinnerungen ausdrücklich seine erfolgreiche Tätigkeit hervor.

Der See war in vier Fischereidistrikte aufgeteilt, die verpachtet waren. Nur der kleine Teil im Bereich der Mündung der Tiroler Ache, des Grabenstätter Mühlbaches, nebst den Bannwassern an der Seewartei und der Fischzuchtanstalt waren in Regiebewirtschaftung geblieben.

Ammer schreibt dann: »Nachdem dann Wispauer zurückgetreten war, hielt man es für angebrachter, die Verwaltung des Sees einem staatlichen Außenamt zu übertragen. Hierfür eignete sich am besten das Forstamt Bergen, da es mit seinem Bereich an den See grenzt und sowohl die Seewartei als auch die Fischzuchtanstalt in seinem Bereich liegen.

Diese Chiemseeadministration Bergen bestand nun vom 01. Februar 1887 bis zum 31. März 1927«.

In diese Zeit fiel auch die Seespiegelsenkung im Jahre 1904, die für den See und das ganze umliegende Land ihre Folgen hatte. Von der Senkung, die schon 1828 in Erwägung gezogen worden war, versprach man sich die Gewinnung von ca. 1580 Tagwerk landwirtschaftlichen Grund. 1350 Tagwerk Neuland wurden zwar gewonnen, doch mit der landwirtschaftlichen Nutzung klappte es doch nicht ganz. Ammer bezeichnet es als wahres Glück für die Allgemeinheit, dass das Unheil, das aus einer allgemeinen Veräußerung des gewonnenen Neulandes entstanden wäre, abgewendet werden konnte.

Obwohl von den gewonnenen Parzellen etwa 100 in private Hände gingen, von denen leider viele von ihren Besitzern in eigennütziger Weise veräußert wurden, blieben die Seeufer auf diese Weise im Großen und Ganzen der Allgemeinheit zugänglich und es konnte nicht ein Zustand entstehen, wie er an anderen Seen, z.B. am Starnberger- oder am Gardasee zu finden ist. (Diese Tatsache ist Verdienst Forstrat Ammer und wir können ihm heute alle nur dankbar für sein damaliges Verhalten sein.) Nach der Tieferlegung boten nach Ammer die Ufer des Sees das trostlose Bild einer kahlen Wüstenei.

Als Folge musste der Kanal für die Dampfschifffahrt neu ausgebaggert werden, auf der Fraueninsel waren die Brunnen ohne Wasser und mussten tiefer gebohrt werden, und die Laichplätze der Friedfische waren verloren gegangen. Alles Leben auf dem See musste sich umstellen und den neu geschaffenen Verhältnissen anpassen. Auch für das Forstamt brachte die Seespiegelsenkung eine Flächenänderung.

Ammer war damals schon der Ansicht, dass der Wert des gewonnenen Landes in keinem Verhältnis zu dem angerichteten Schaden für See und Landschaft stand.

Die nächste, durch die Seespiegelsenkung erzwungene Maßnahme war dann im Jahre 1908 die Tieferlegung des Grabenstätter- oder Karpfenwinkels, der von der Seespiegelsenkung nicht ganz betroffen war. Dafür musste eine Molasse-Sandbank, die den Winkel gegen den Weitsee abgrenzte, durchstochen werden. Der so genannte Karpfenwinkel war als sehr fischreich bekannt und bedeutete für den Weitsee eine Quelle der Verjüngung. Nun war der Winkel bis auf einige Laken und Tümpel vollständig verschwunden. Mit dieser Maßnahme wurde der Fischerei eine weitere tiefe Wunde geschlagen. Es hat Jahre gedauert bis sich die Natur von allen diesen Wunden erholt hat.
Ein besonderes Problem des Forstamtes, das schier unlösbar schien, war das für die Holzbringung völlig unerschlossene Schindeltal. Das dort vorhandene wertvolle Holz konnte nicht zu Tal gebracht werden da das von steilen Felsabstürzen und tiefen steilen Taleinschnitten durchsetzte Gelände dies nicht zuließ. Bisher hatte man das Holz in Selbstwerbung an die Sägewerksbesitzer Bauer und Lichtmanegger zu einem Preis von 7 Pf. Je Prügel vergeben. Die Prügel mussten dann aber über die Wasserfälle am Wasserwandel heruntergeworfen werden und kamen unten nur noch als Scherben an. Die beiden Sägewerksbesitzer haben dann auch dieses Geschäft bald aufgegeben.
Ursprünglich führte von der Kohlstatt nur ein primitiver Hohlweg zum Lagerplatz Vordermaiertafel und von dort zum Staubwasserfall. Ab dort gab es nur einen Jägersteig über die Hochgschwendwand zum Schindeltal.

Deshalb begann man im Jahre 1910 den provisorischen Ziehweg vom Wasserwandl zur Saugasse zu einem befahrbaren Weg auszubauen und ihn bis zum Schindeltal fort zu führen. Vom Wasserfall bis zur Saugasse am Schindeltalgraben war der Bau noch einigermaßen problemlos und wurde 1910 bis 1911 durchgeführt.

Von da ab gestaltete sich der weitere Bau sehr schwierig, da die steilen Felsabhänge umfangreiche Sprengungen und Überbrückungen erforderten. Das Sträßchen konnte deshalb erst 1914 fertig gestellt werden. Während der schwierigen und gefährlichen Arbeiten hatte sich kein einziger Unfall ereignet. Das Sträßchen erhielt nach dem Erbauer den Namen »Ammerweg«, der auch in die Forstkarte übernommen wurde.

Für die heutigen Revierleiter dürfte die Baugeschichte dieses Weges interessant sein: Da man eine Trasse in den steil abfallenden Felsen des Schindeltalgrabens wegen Unbegehbarkeit nicht festlegen konnte, musste man sich erst von der gegenüberliegenden Seite an der Röthelwand orientieren und von dort aus versuchen Punkt für Punkt am gegenüber liegenden Hang zu fixieren. Mit Sprengungen und Überbrückungen erreichte man dann die Reviergrenze!

Auch der jedem Bergener bekannte »Rodelweg« wurde im Jahre 1908 als Ziehweg angelegt. Man ermöglichte damit die Holzbringung aus der Abteilung Wimmerboden und schuf durch die Anbindung der Leierbergalm einen besseren Auftriebsweg für die Weideberechtigten. (Damals waren noch die Pattenberger Bauern dort weideberechtigt.) Das Stück oberhalb der Bocknase zur Bründlingalm wurde mit Hilfe des Hochfellnhauspächters Treichl hergerichtet, damit der ganze Ziehweg im Winter als Rodelbahn benutzt werden konnte. Diese wurde auch seinerzeit, als die Schi die Rodelschlitten noch nicht verdrängt hatten, sehr viel benutzt.
Eine Unterbrechung fast aller Arbeiten und Maßnahmen brachte der Erste Weltkrieg.

Besondere Ereignisse vor der Errichtung des Forstamtes, die für das Revier wichtig erscheinen:

Schwere Folgen hatte das Hochwasser vom 10. Mai 1875 in der Weißachen. Die Weißachen veränderte in der Schlucht vielfach ihr Bett. Der Flusslauf hatte die Grenze gebildet und deshalb wechselt die Grenze der später gebauten Straße oft zwischen Forstamt und Gemeinde.

Im Jahre 1876 wurden von Graf Törring-Seefeld angekauft: Die Hofalpe mit Almkaser zu 5,932 ha; und die Gschwendalpe mit Haus zu 12,692 ha.

Andere besondere Ereignisse und Katastrophen, die das Forstrevier im Laufe der vergangenen Zeit betroffen haben (So weit Aufzeichnungen vorliegen!)

1886 wurde unter Pfarrer Otto von Meier das Gedenkkreuz an König Ludwig I. am Hochfelln errichtet.
1889 wurde vom Hochfellnhaus– Verein Traunstein das Hochfellnhaus als Unterkunftshaus errichtet.
1899 begann der Anbruch des Alabasterbruches am Weißgrabenkopf.
1906 am 27. Juni ging am Hochfellnstock ein schwerer Wolkenbruch nieder und richtete schwere Schäden im Schwarzachental und in der Bauernebnet an. Wege und Brücken wurden weggerissen, darunter auch die Brücke an der Mündung der Schwarzache in die Weißache im Einfang. Die Instandsetzungsarbeiten dauerten Monate.
1908 am 8. November brannte die alte Diensthütte auf der Bründlingalm ab. Dabei verbrannte auch das alte, wertvolle Hüttenbuch mit Eintragungen und Zeichnungen berühmter Jagdgäste. Forstrat Ammer hat dieses verlorene Buch nach dem Gedächtnis wieder hergestellt. Meine Arbeit beruht hauptsächlich auf Eintragungen aus diesem Hüttenbuch: »Für die Gäste der Bründlingshütte«.
1910 wurde das so genannte Bauernfeld vom Anwesen des Bauern zu Mühlwinkel um 10 Mark pro Tagwerksdezimale käuflich erworben. Man beabsichtigte dort einen Holzlagerplatz hauptsächlich für Langholz zu errichten. – Später wurden auf diesem Gelände Bauplätze für Holzknechte ausgewiesen – auch das neue Forsthaus wurde dort gebaut –. Heute ist die Fläche restlos bebaut. Heute ist die Fläche restlos bebaut.
1911 drohten Geröllmassen eines Bergsturzes oberhalb der Maxhütte den Eingang des Wasserkanals im Hüttenwerk zu verstopfen, die Gefahr konnte jedoch von den Holzknechten des Forstamtes noch rechtzeitig abgewendet werden. Hier erinnert sich Ammer an unbegreifliche Schwierigkeiten, die seitens des Hüttenamtes dem Forstamt gemacht wurden.
1912 wurde auf dem Tauschwege am Maria-Ecker-Weg ein Wiesengrundstück für den Lagerplatz Dampfgatter erworben.
1913 am 7. Oktober stürzte am Hochfelln der Förster Mantel tödlich ab.
1928/29 war ein sehr strenger Winter mit Temperaturen von minus 35 Grad. Es froren alle Obstbäume im Dorf ab und besonders beim Rehwild gab es hohe Verluste.
1939 In der Hochfellnkirche feiern die Hochfelln-Wirtsleute Loisl und Kathi Maier Hochzeit. Forstleute und Jäger waren eingeladen.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges begann für das Revier wieder eine schwere Zeit. Sowohl der Amtsvorstand Forstmeister Gröbl, als auch der Revierleiter Oberförster Hilner wurden zum Wehrdienst eingezogen und das Revier war verwaist. Oberförster Hilner hat die damalige Situation beschrieben: Die Verwaltung hatte aus der Not heraus den damaligen Hausmeister H. zum Angestellten ernannt und ihm die Vertretung des Revierleiters anvertraut. Der forstlich nicht ausgebildete Mann suchte nun die durch die Kriegswirtschaft notwendig gewordenen Aufgaben, – wie z. B. Brennholzlieferungen für die Hauptstadt München – auf die einfachste Weise zu lösen, indem er Kahlschläge in der Nähe der Wege durchführen ließ und viel wichtigere Durchforstungen einfach unterließ. Hilner beklagt, dass sogar hunderte Festmeter wertvoller Altlärchen dafür verwendet wurden. Doch auch Hilner resigniert mit der Feststellung drüber!!«: »Krieg – höhere Gewalt – Unfähigkeit und Gleichgültigkeit! – Schwamm drüber! (Mit fremdem Eigentum kann man ruhig leichtsinnig umgehen!)

Und dann kam – noch während des Krieges – die Auflösung des Forstamtes!

Zum Schluss sei noch eine mehr komische als tragische Begebenheit, die sich am 18. November 1908 auf der Bründlingalm ereignete angefügt:

An der Türe der abgebrannten Bründlinghütte war ein »Marterl« angebracht, an dem folgende, leicht tragische, jedoch eher komische Begebenheit festgehalten war. Ammer hat sie uns aus dem Gedächtnis überliefert:
Bild: Vor der geöffneten Tür des an den Grieserkaser angebauten »stillen Örtchens« steht ein Mann mit dem Bergstock und betrachtet den im Häuschen sitzenden Mann:
Inschrift: »Habt Erbarmen mit mir Armen
Alles ist hier menschenleer,
Berge, Steine – ringsumher.
Weg und Steg verloren
Tag und Nacht gefroren,
Hunger löschte aus das Licht –
Käm der Förster Schorschi nicht!«

Ursache: Ein Forstpraktikant aus Traunstein wollte zum Hochfelln aufsteigen. Auf der Bründling überfiel ihn der »Berggeist« – so sagten die Alten – wir sagen heute »Platzangst,« – er getraute sich nicht mehr bergauf, noch bergab, nicht mehr vor, noch rückwärts, – kurzum er konnte sich nur mehr in besagten Anbau des Grieserkasers retten, wo er frierend zwei Tage zugebracht hatte.

Als der Praktikant einen Tag abgängig war, stieg der Förster Schaumberg mit Schorsch Lichtmanegger von Bergen auf um den Vermissten zu suchen. Der »Förster Schorschi« – Georg Lichtmanegger – fand ihn schließlich frierend im »Häusl« des Grieserkasers.
Am Ende seiner Aufzeichnungen, die uns Forstrat Ammer als sein »Vermächtnis« hinterlassen hat, setzte er noch den Abschied:
Wenn in 5000 Jahren die Tiroler Achen, die jährlich einen Schuttkegel von siebzig Metern in den Weitsee hinausschiebt, diesen ganz ausgefüllt haben wird, dann wird der schöne See nicht mehr sein!

Werden und Vergehen:
»Mögen aber Generationen der Menschen Dich, schöner Chiemsee in deiner jetzigen Anmut und Herrlichkeit unverändert schauen, möge ein gütiges Geschick Dich vor einem ähnlichen Schlage, wie 1904 bewahren und mögest Du nie ein Opfer der Industrie werden und zu einem Staubecken derselben erniedrigt werden!
Mögen die beiden Wächter des Chiemgaus Hochfelln und Hochgern, sich in Deinen reinen Wellen baden, bis Dein Schicksal sich von selber erfüllt. – Schirm Dich Gott Du Land der Bayern und mit ihm Dich, schöner Chiemsee, Du Bayerisches Meer!«
Das ist das Herzensgebet Deines letzten Chiemseeadministrators Florian Ammer.

Am 01.11.1943 wurde das Forstamt Bergen endgültig aufgelöst. Forstmeister Gröbl ging als Amtsvorstand an das Forstamt Fischbachau, Oberförster Hilner blieb als Revierleiter in Bergen. Alle Reviere wurden dem Forstamt Marquartstein zugeteilt.

FS



26/2004