Jahrgang 2001 Nummer 38

Burgen und Schlösser zwischen Wasserburg und Simbach

Die »Burgenzeit« erstreckt sich über das halbe Jahrtausend des Mittelalters bis zum Beginn der Neuzeit

Blick auf Wasserburg am Inn

Blick auf Wasserburg am Inn
Eingangsseite des Schloßes Frauenbühl bei Winhöring

Eingangsseite des Schloßes Frauenbühl bei Winhöring
Blick über den Inn zum Schloß Guttenburg

Blick über den Inn zum Schloß Guttenburg
Wenn sich immer wieder in der Literatur Stellen befinden, die von Burgen aus der Zeit vor dem 11. Jahrhundert erzählen, dann ist damit entweder die zeitliche Zuordnung falsch gewählt worden oder es handelt sich »nur« um Residenzen bzw. Höfe, die niemals mit den wehrhaften Bauten des Mittelalters verglichen werden können. So stellt es sich auch mit den erhalten gebliebenen mittelalterlichen Burgställen entlang des Inntales zwischen Wasserburg und Simbach dar.

Als Burgställe bezeichnet man die Plätze zu Limburg bei Attel, Hohenburg, Königswart, Stampflberg, Kraiburg, Dornberg, Kaiserburg, Tafelberg, Leonberg und Julbach. Dazwischen befanden sich Burgen, die später zu Schlössern umgebaut wurden und heute noch existieren: Wasserburg, Jettenbach, Guttenburg, Tüßling und Frauenbühel. Einige Burgen davon wurden während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts herzoglich-bayerische Pfleggerichtssitze: Wasserburg, Kraiburg, Neuötting, Leonberg und Julbach. Auch vor der zum Hochstift Salzburg zählenden Stadt Mühldorf stand ein Pflegschloß.

Die zum Teil aus Holz erbauten festen Höfe (curiae, curtes) oder Pfalzen (palatia) der agilolfingischen Herzöge, der karolingischen Könige und ihrer Grafen verfügten sicherlich über Tore, Türme und Palisaden, können aber nicht mit mittelalterlichen, aus Stein erbauten Burgen verglichen werden. Solche Residenzhöfe sind im 11. Jahrhundert z.B. bei Limburg (1137 Lintpurc) und in Pürten schriftlich nachgewiesen. In Limburg befand sich der Hof der späteren Grafen von Wasserburg und in Pürten eine Residenz der Aribonen. Um 1050 vertauschten Graf Chadalhoch und dessen Frau Irmengard ihren Hof in Pürten mit allem Zugehör mit dem Erzbischof Baldwin von Salzburg gegen den Hof in Au am Inn, wo erst gegen 1122 ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet wurde. Erst als das »Befestigungsrecht« vom deutschen König als Regal (Hoheitsrecht) auf die ihm untergeordneten Herzöge und Bischöfe überging, wuchsen auf ausgesetzten Bergkegeln und Bergspornen im 12. und 13. Jahrhundert oft an verkehrs-, handels- und verwaltungsstrategisch wichtigen Plätzen gemauerte und befestigte Burgen.

Vom Residenzhof Limburg zog Graf Engelbert von Wasserburg (Hallgraf) vor 1137 in die neu errichtete Burg Wasserburg. Dort an der vom Inn umschlossenen Halbinsel entwickelte sich damals am Schnittpunkt der alten Salzstraße (Hallstraße) von Reichenhall nach Föhring an der Isar (seit 1158 nach München) und dem schiffbaren Inn eine Stadt. Nach der Vertreibung des letzten Grafen von Wasserburg, Konrad (= 1259), im Jahre 1247 ging die Herrschaft über Wasserburg an die wittelsbachischen Herzöge über. Die Burg Wasserburg bestand ursprünglich aus Vorburg und Hauptburg mit Bergfried. Nach 1392 wurde auf der Burg, deren Vorwerke Herzog Ludwig der Bärtige (= 1447) 1415 verstärken ließ, ein Pfleggericht errichtet. Herzog Wilhelm IV. ließ die Burg von 1526 bis 1537 zum spätgotischen Schloß mit einem mächtigen Zehent- und Getreidekasten umbauen. Nördlich des herzoglichen Schlosses führte die Salzstraße von Reichenhall nach München vorbei. Heute wird vom Schloß ein Teil als Vermessungsamt und als Seniorenheim (Kloster Maria Stern) genutzt.

In Hohenburg (Gemeinde Soyen) erhob sich auf einem 80 m hoch über dem Inn aufragenden Bergkegel ein befestigter Verwaltungssitz, der erstmals 1234 als Besitz des Hochstifts Regensburg nachgewiesen ist, und der Verwaltung des dort konzentrierten regensburgischen Grundbesitzes und der niederen Gerichtsbarkeit diente. Im 12. Jahrhundert soll die Burg den Grafen von Hohenburg gehört haben, von denen sie nach 1175 an die Grafen von Frontenhausen fiel. Zwischen 1304 und 1566 hatten die Grafen von Fraunberg zu Haag als Lehensträger des Bistums Regensburg die Burg Hohenburg inne. 1566 wurde Hohenburg ein herzoglich-bayerisches Pflegeamt. Nachdem im Sommer 1648 die Schweden die Burg zerstört hatten, wurde sie wieder neu aufgebaut. Erst 1804 ließ sie die kurfürstliche-bayerische Regierung abbrechen. Im Bereich des inneren Burghofes steht heute ein Privathaus.

In Königswart (Gemeinde Soyen) stand ebenfalls eine Burg des Hochstifts Regensburg, die 1202 erstmals als »Chunigswart« bezeichnet wurde. Bischof Konrad IV. Graf von Frontenhausen (Bischof 1204-1226) übertrug 1225 aus seinem väterlichen Erbe die Burgen Königswart und Hohenburg dem Hochstift Regensburg. Am 1. September 1234 beauftragte Bischof Siegfried (1227-1246) den Grafen Konrad von Wasserburg mit der Vogtei, d.h. dem Schutz und der Verteidigung, seiner Burgen Königswart und Hohenburg, die 1304 gemeinsam den Fraunbergern zu Haag verliehen wurden. Philipp Apian überlieferte noch 1554 die Ruine Königswart. Der Burgstall erhebt sich mit geringen Ruinenresten in ausgeprägter Spornlage über dem Westufer des Inns und weist im Süden einen tiefen Halsgraben auf. In der beim eim Anwesen Königswart 1855 erbauten Kapelle befindet sich ein romanisches Kapitell, das wohl von der ehemaligen Burgkapelle stammte.

Der Salzburger Erzbischof beauftragte 1123 seinen Ministerialen und Edelfreien Cuno von Megling auf dem hoch über dem Kloster Au am Inn (Gemeinde Gars) aufragenden Bergsporn hinter zwei tiefen Abschnittsgräben einen befestigten Verwaltungssitz zu errichten, auf dem die Familie der Edelfreien und ihre Nachkommen bis zu ihrem Aussterben 1205 die Vogtei über die um 1125 gegründeten Klöster Gars und Au ausübten. Erst 1156 wurden die Meglinger als Grafen bezeichnet. Nach 1205 belehnten die Salzburger Erzbischöfe Ministeriale mit der Burg Megling. Um 1270 ging Megling als Salzburger Lehen an Friedrich von Törring zu Jettenbach über. 1527 werden der »Burckhstal« und ein Schlößl beschrieben; bei letzterem handelt es sich um den heutigen Turm auf dem Stampflberg, dessen Buckelquadern in die romanische Zeit zurückreichen.

In Jettenbach saßen um 1240 auf eine schmalen Bergrücken Ministeriale der Grafen von Ortenburg-Kraiburg. 1255 vermachte »Chunradus de Jetenpach« seine Burg dem Friedrich von Törring zu Törring (nach einem Dorf nördlich des Waginger Sees). 1287 gehörte der Törringer zu Jettenbach zu den herzoglich-bayerischen Ministerialen. 1490 wird erstmals die Hofmark Jettenbach genannt. Die Törringer wurden 1566 in den Freiherrenstand und 1630 in den Grafenstand erhoben. Ignaz Felix Graf von Törring zu Jettenbach (= 1763) ließ das zweigeschossige, vierflügelige Schloß mit der Kapelle St. Vitus ausbauen. Dazu gehörte einst eine barocke Parkanlage. Das Schloß gehört heute noch der gräflichen Familie Törring.

Gegen 1120 erbaute Engelbert II. Graf von Spanheim auf einem weithin im Inntal sichtbaren, steil abbreechenden Bergsporn bei Kraiburg hinter zwei Abschnittsgräben eine Burg und nannte sich fortan Graf von Kraiburg. Dort querte ein Handelsweg den Inn, der ins niederbayerische Land führte. Die Grafen von Kraiburg residierten dort bis 1248. Der bayerische Herzog Heinrich XIII. kaufte die Burg 1257 von den Erben. Aus der Burg wurde ein Pflegschloß, das erst im 18. Jahrhundert verfiel, nachdem die Verwaltung 1740 in den kleinen Markt am Fuße des Burgberges verlegt worden war und 1756 die Burg auf Abbruch verkauft wurde.

Nahe Kraiburg ließ Herzog Heinrich XIII. um 1285 durch seinen Ministerialen Heinrich von Taufkirchen auf einem kleinen Bergsporn die Burg Guttenburg errichten. Ein tiefer Halsgraben trennt die Burg vom südlichen Hinterland. Erzbischof Rudolf I. von Salzburg beschwerte sich umsonst, daß der »Toufchircher« » ein newen veste gebown hat und noch bowet ouf dez gotshous schaden«. Im Bayerischen Krieg von 1422 brannte die Burg Guttenburg aus. Die um 1660/70 und im 18. Jahrhundert zum Schloß umgestaltete und ausgeschmückte Burg gehörte mit einer barocken Gartenanlage bis 1824 den Tauffkirchnern, die 1639 in den Reichsfreiherrenstand und 1684 in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. Das Geschlecht lebt noch. Das Schloß ist in Privatbesitz und wird zur Zeit renoviert.

Aus dem schon um 935 erstmals genannten Mühldorf erwuchs seit dem 12. Jahrhundert eine Stadt, die stets bis 1802 hoheitlich dem Erzbischof von Salzburg unterstand. Hier führte über den Inn eine wichtige Brücke. Vor der Stadt erhoben sich das von einem Wassergraben umschlossene Pflegschloß und der über 33 Meter hohe Voitturm. Das Schloß ließ Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg 1540 erneuern. Als Mühldorf Ende 1802 unter bayerische Hoheit gelangte, blieb zwar das Renaissanceschloß bestehen, der mittelalterliche Voitturm wurde dagegen abgebrochen. 1835 wurden auch die Wassergräben zugefüllt; nurmehr Reste davon als Weiher bezeugen hinter dem heute vom Finanzamt genutzten Pflegschloß die Wehrhaftigkeit des Schlosses.

In Dornberg bei Erharting errichtete sich der Edelfreie Dietmar von Dornberg auf einem Bergkegel eine Burg, von der sich ein schöner Fernblick über das Isen- und Inntal bis zu den Chiemgauer und Salzburger Bergen bot. Zu Füßen der Burg verlief ein vielbenutzter Fernhandelsweg nach Landshut, der über die Innbrücken zu Mühldorf und Neuötting das Reisen und den Handel nach Süden ermöglichte. Hierüber führten der Nürnberger Venedighandel und die Untere Salzstraße von Reichenhall nach Landshut. Graf Eberhard von Dornberg, der letzte seines Geschlechts, verkaufte 1223 dem Erzbischof von Salzburg die Burg Dornberg mit allen Besitzungen und Dienstmannen. Die Burg war im 14. Jahrhundert zwischen den bayerischen Herzögen und den Salzburger Erzbischöfen stark umkämpft. 1333 mußte der Salzburger Erzbischof nach einem Vertrag mit dem niederbayerischen Herzog die Burg schleifen lassen. Kurz danach besetzten bayerische Truppen die Ruine und der Herzog ließ wieder eine Feste errichten. 1352 verlangte Salzburgs Erzbischof Ortolf nun vom bayerischen Herzog die Schleifung der Burg. Schon 1357 erbaute Ekkehard von Tann die Burg Dornberg von neuem. Der 1723 als gemauertes, zweigädiges Schlößl beschriebene Bau gehörte um 1400 den Trenbecken, seit 1564 den Dachsbergern, ab 1697 den Tauffkirchen zu Guttenburg und wurde 1810 abgebrochen.

Auf der gegenüberliegenden breiten Innterrasse entwickelte sich wohl aus einer kleinen Wasserburg Salzburger Ministerialer beim schon im 8. Jahrhundert erwähnten Dorf Tüßling im 12. Jahrhundert ein Wasserschloß. Die heute so mächtige Schloßanlage geht auf Bautätigkeiten im 16. und 18. Jahrhundert zurück. 1580 bis 1583 ließ Johann Veit I. Freiherr von Törring das vierflügelige Renaissanceschloß mit den Arkaden im Innenhof und den vier wuchtigen Ecktürmen erbauen. Um 1710 bis 1725 wurden die Schloßkapelle St. Veit, Zimmer im Südflügel und der Festsaal barockisiert. Eine Glanzzeit für das Schloß und dem sich erst seit dem späten 14. Jahrhundert entwickelnden Markt Tüßling (Marktrecht seit 1379) leiteten die Törringer ein, die von 1361 bis 1630 Besitzer von Schloß und Hofmark Tüßling waren. Das prächtig renovierte Schloß befindet sich in Privatbesitz.

Nur knapp 8 km Luftlinie von Tüßling entfernt erhebt sich seit 1420 durch den kleinen Isenfluß vom Dorf Winhöring getrennt etwas versteckt das Schloß Frauenbühl. Damals war es Sitz des Verwalters der Hofmark Winhöring, sie seit 1018 zum Bistum Bamberg gehört hatte. 1560 verkaufte der Bischof von Bamberg seine Hofmark und sieben Jahre später gelangte Johann Veit I. Freiherr von Törring zu Tüßling (= 1582) in den Besitz von Schloß Frauenbühl und der Hofmark Winhöring. Das heute vierflüglige Schloß wurde ab 1621 errichtet und 1721 bis 1730 unter Feldmarschall Graf Ignaz von Törring zu Jettenbach im barocken Stil umgebaut. Frauenbühl ist auch heute noch im Besitz der gräflichen Familie Törring.

In Neuötting ließ der bayerische Herzog Ludwig der Kelheimer (= 1231) in der auf einem langgestreckten Sporn um 1210 neu gegründeten Stadt einen Amtssitz errichten, der sich um 1300 zum Pfleggerichtssitz für das »geriht ze Oetting« entwickelte. Das sich an der Nordostecke der Stadt erhebende Pflegschloß wurde beim vernichtenden Stadtbrand am 10. Juni 1797 zerstört. Gegenüber der Stadt Neuötting erstreckt sich hoch über der Siedlung Eisenfelden der eindrucksvolle Burgstall Kaiserberg (Gemeinde Reischach) mit den mächtigen Wall-Graben-Anlagen von Vor- und Hauptburg. Wahrscheinlich geht der Burgstall auf eine Fliehburg des frühen 10. Jahrhunderts zurück. Eine mittelalterliche Nutzung als Burg kann nicht nachgewiesen werden, obwohl Philipp Apian um 1554 Ruinen auf dem »Keysersberg« beschrieb. Lange Zeit blieb es still auf dem Kaiserberg bis 1897 sich dort der Neuöttinger Ziegelfabrikant August Unterholzner ein romantisches Schlößchen erbauen ließ, das seit dem Brand vom 19. Dezember 1969 nun zur Ruine verfällt.

Wenige Kilometer westlich von Marktl erhoben sich nebeneinander auf zwei zum Inn vorspringenden Bergspornen die Burgen Leonberg (Gemeinde Marktl) und Dachenberg (Tafelberg, Gemeinde Perach). Vielleicht bestand schon um 1180 auf dem »Lewenberc am Inn« ein befestigtes Haus, das den Edelfreien von Tann und Schildthurn gehörte. Heute fällt davon nur noch der tiefe Halsgraben auf, der den Burgstall vom Hinterland trennt. In der nahegelegenen um 1586/87 erbauten Kirche St. Sebastian befinden sich im Turmuntergeschoß Sandsteinfragmente und Pfeilersockel der ehemaligen Schloßkapelle. Gleich südlich des Kircherls trennt ein hoher Wall das Gelände des zum Inn vorspringenden Sporns.

Nach dem Tod des Erbauers der Burg Leonberg belehnte Herzog Heinrich der Löwe den Edelfreien Heinrich von Stammham (= 1192) mit der Burg und der Herrschaft Leonberg. Um 1205 wird die Burg »in castro Lewenberc« genannt. 1210 besitzt Graf Bernger von Altendorf (Oberpfalz) die Burg mit der Herrschaft um Leonberg, Schildthurn und Tann. Unter Wernhard II. von Altendorf zu Leonberg entstand am Inn ein Markt, den man »zum Märckhtlein«, d.h. den kleinen Markt, nannte. Die für den Handel in diesem Raum wichtigen Innüberfuhren (Fähren) bestanden bei Marktl und zu Haunreit beim flußabwärts gelegenen Dorf Stammham. Eine Innbrücke wurde bei Marktl erstmals 1697 errichtet. 1386 erwarb der bayerische Herzog die Herrschaft Leonberg mit den Marktplätzen Marktl und Tann. Der herzogliche Richter, der gleichzeitig als Zöllner und Kastner amtierte, wohnte schon um 1480 nicht mehr auf der Burg Leonberg, sondern in Marktl, obwohl noch im 16. Jahrhundert die Güter der Herrschaft unter »Urbar zum Casten Leonberg« geführt wurden. Die Burg verfiel zur Ruine. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts rutschte der südliche Teil des Burgstalls zum Fluß hin ab. Durch Marktl führte seit 1692 die Postroute München - Wien. Westlich der Burg Leonberg entstand nach 1210 auf einem Bergsporn, dem Dachenberg, eine Burg, von deren Abschnittsbefestigungen, zwei Wall-Graben-Linien, heute noch beeindruckende Reste erhalten sind. 1228 wird diese »Dachenberch« als Burg einer edelfreien Familie genannt, die bis um 1260 nachgewiesen ist und ihre Familiengrabstätte in der Klosterkirche zu Raitenhaslach hatte. Um 1326 werden zwei Güter »bei der purig ze Tahenperch« überliefert. Apian beschrieb noch um 1554 die Ruinen der Burgen Dachenberg und Leonberg.

Über dem Dorf Julbach erhob sich seit dem 12. Jahrhundert eine stattliche Burg. Ministeriale der Grafen von Vornbach kommen aus Julbach bereits 1112 vor und werden seit 1150 als Edle (nobilis) bezeichnet. Den Aufstieg der Familie legte der Edle Wernhart von Julbach (= 1165) durch die Ehe mit Benedikta, einer Tochter des Grafen Heinrich von Vornbach. Wernharts Sohn Heinrich erhielt von den Herzogen von Österreich den westlichen Teil der Grafschaft im Traungau (im heutigen Oberösterreich) als Lehen und ließ sich dort die Burg Schaunberg erbauen. Obwohl 1180 Gebhard von Julbach einmal als Graf bezeichnet wurde, war Julbach nie eine Grafschaft. Dagegen entwickelte sich Schaunberg aus einer Rodungsherrschaft heraus zur Grafschaft. Die Julbacher waren im Bereich ihrer Stammburg im Inntal reich begütert, woraus sich die Herrschaft Julbach bildete. Die Grafen von Schaunberg besaßen darin die Grundherrschaft und die Gerichtsbarkeit.

Erst 1377 gelangten die Wittelsbacher in den Besitz der Herrschaft Julbach. Die Burg wurde nun 1382 Sitz eines Pfleggerichts und im Bayerischen Erbfolgekrieg am 14. August 1504 zerstört. 1568 erhoben sich noch die Ruinen auf dem Burgstall. Die eigenständige Verwaltung des Pfleggerichts wurde fortan in der herzoglich-bayerischen Stadt Braunau fortgesetzt. Als Braunau nach dem Teschener Frieden von 1779 österreichisch geworden war, mußte der kurfürstlich bayerische Pfleger von Julbach Braunau verlassen. 1781 siedelte der Pfleger nach Simbach um. Im Februar 1802 endeten die alten Strukturen der bayerischen Pfleggerichte.

Meinrad Schroll



38/2001