Jahrgang 2020 Nummer 31

Brücken verbinden

Die Salzachbrücke in Laufen – Sie gilt als eine der schönsten Jugendstilbrücken Europas

Die Brücke mit dem Watzmann und dem Lattengebirge.
Die Stiftskirche von Laufen an der Salzachschleife.
Laufen – Marienplatz mit der Länderbrücke.
Das verheerende Hochwasser vom 13. September 1899. (Fotos: Fürmann)

Brücken verbinden, sie verbinden dieMenschen hüben und drüben, sie verbinden Orte, Dörfer und Städte, sind unverzichtbar für das soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben. Unverzichtbar aber auch das Leben spendende Nass – das von Brücken überspannte Wasser der Flüsse. Brücken »überbrücken« die über Jahrhunderte als Handelsstraßen genutzten Wasser, die vor der Technik des Brückenbaus nur an Furthen zu durchqueren sind. Flüsse – die wiederum oftmals in ihrer wilden Flut alles sich in denWeg stehende zerstören. So auch in der Stadt Laufen mit dem Nachbarort Altach (heute nach der Verlegung des immer wieder stark in Mitleidschaft gezogenen Ortes Oberndorf benannt) in Österreich.

Auf dieser so einmaligen Brücke zu stehen und dem schnell unter den Füßen strömenden Wassern zuschauen. Beinahe könnte einem da schwindlig werden beim Beobachten der kleinen und großen tief unter meinen Füßen dahinrollenden Wellen. Auf der Brücke jedoch fühlt man sich sicher und es käme eigentlich gar nicht in den Sinn, dass das nicht immer so war.

Doch die Geschichte berichtet von schweren Schicksalen, von Reichtum und Armut in Laufen und Altach – ganz oft verbunden mit der Salzach als Handelsstraße zu Wasser und der berüchtigt schwierig zu beschiffenden Salzachschleife. Und immer ist dabei die Rede von der »Brücke«!

Das von Horst Hieble aus Laufen 2003 verfasste und inzwischen ausverkaufte Buch über die Salzachbrücke mit vielen Bildern und umfangreicher Recherche »von der ersten Erwähnung eines Salzachüberganges im Jahr 1278 bis zur Gegenwart« dient als Grundlage für diesen geschichtlichen Rückblick:

Führt die Salzachbrücke heute vom Marienplatz in Laufen hinüber nach Oberndorf, so hatte diese bis zur Flutkatastrophe 1899 weiter flussabwärts ihren Standpunkt; und zwar vom unteren Stadttor in Laufen hinüber auf die österreichische Seite (Aufgang hinauf zum Kalvarienberg). Heute führt an der Stelle der sogenannte Europasteg als Fußund Radweg über den Fluss und unter diesem Steg kommen bei Niedrigwasser die Pfosten der ehemaligen Holzbrücke zum Vorschein.

Viele Hochwässer hatten die alte Brücke oft teilweise oder sogar ganz zerstört – verbunden mit unsäglichem Leid für die Bewohner. Besonders Altach auf der österreichischen Seite (der »Außenseite« der Salzachschleife) erlitt immer wieder Zerstörungen immensen Ausmaßes. Fährbetrieb ersetzte dann für die Zeit der Reparatur oder des Wiederaufbaus die Brücke. Das endgültige Aus für die alte, als Holzkonstruktion erbaute Brücke und die Planung für eine neue Brückenkonstruktion aus Stein und Eisen folgerte sich aus den verheerenden Hochwasserjahren 1892, 1896, 1897 und 1899. Es handelte sich hier um eine eiligst durchzuführende Maßnahme mit der zudem schnellstens für den Fußgängerverkehr wieder herzustellenden Holzbrücke.

Vier verschiedene Standorte für die neue Brücke galt es zu prüfen und die Ausführung änderte sich von den ersten, ganz einfachen Plänen bis hin zu der monumental-schönen Konstruktion im Jugendstil, wie ich sie so sehr bewundere.

Die Baugeschichte an sich liest sich beinahe wie ein »Wettbewerb« der Oberndorfer und der Laufener. Mal hatte der Eine, dann wieder der Andere einen Vorsprung. Jedoch zogen alle »an einem Strang« und es feierten schon am 2. Juni 1903 nach nur 18-monatiger Bauzeit gemeinsam dieOberndorfer von drüben und die Laufener von hüben die Einweihung des so herrlich gelungenen Bauwerks, das bis heute von seiner Wichtigkeit nichts verloren hat.

 

Rosi Fürmann

 

31/2020

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