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Jahrgang 2015 Nummer 5

Brauchtum zum Lichtmesstag

Kerzenweihe und Wechsel der Dienstboten im kirchlichen und bäuerlichen Jahr

Lichtmess galt in der katholischen Kirche früher als Ende der Weihnachtszeit. Noch heute bleiben in manchen katholischen Kirchen und Häusern Krippe und Weihnachtsbaum bis zum 2. Februar stehen. In der christlichen Kirche wurden an diesem Tag die Darbietung Christi im Tempel und gleichzeitig die Reinigung Mariens gefeiert. Denn es war Gesetz, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes 40 Tage lang unrein waren und dann eine Kirche aufsuchen mussten, um sich reinigen beziehungsweise segnen zu lassen.

In Bayern ist Lichtmess seit vielen Jahrzehnten ein Lichterfest, an dem früher die Leute in der Kirche ihren Jahresvorrat an Kerzen weihen ließen. Dabei gab es genau festgelegte Unterschiede bei den Kerzen. Es gab eine schwarze Wetterkerze, die früher in keinem Haushalt fehlte. Sie wurde immer bei Unwetter angezündet und die ganze Familie versammelte sich drum herum und bat, dass das Gewitter ohne größeren Schaden vorübergehen möge. Dass die Kerzen unter Umständen auch für andere Zwecke verwendet werden können, zeigt die humorvolle Aufschrift auf Wetterkerzen, die es im Klosterladen auf der Fraueninsel im Chiemsee zu kaufen gibt. Auf ihnen steht nämlich, sie seien gut »für häusliche und sonstige Gewitter«.

Neben der schwarzen Kerze gab es früher in den Haushalten noch eine rote für Trauerfälle und rote Wachsstöcke wurden auch als Dämonenabwehr an Türen gehängt. Weiße Hauskerzen wurden für Taufen, Kommunion, Firmung und Marienfeiertage verwendet. Brauchtumsexperte Sigi Götze erinnert sich darüber hinaus gern an die sogenannten »Pfenniglichter« seiner Kindheit, die in den unterschiedlichsten schillernden Farben zu kaufen waren. Diese dünnen Pfenniglichter wurden beispielsweise angezündet, wenn der Rosenkranz gebetet wurde, weil sie genauso lange brannten, wie ein Rosenkranz dauert. Sigi Götze erinnert sich noch, dass er in seiner Kindheit, wenn die Familie gemeinsam betete, immer mit den anderen auf dem harten Holzboden knien und die gefalteten Hände auf die Sitzflächen der Stühle auflegen musste. Die Großmutter habe allerdings ein Einsehen gehabt und den Kindern ab und zu ein Kissen untergelegt, damit sie den langen Rosenkranz besser überstanden.

Die Bedeutung der Kerzen ist dann mit der Einführung des künstlichen Lichtes immer mehr in den Hintergrund getreten. Aber noch heute sitze man gerne vor einer brennenden Kerze, die einen viel heimeligeren und gemütlicheren Lichtschein verbreitet als eine elektrische Lampe. Im Chiemgau wird die Bedeutung von Lichtmess, laut Götze, in den letzten Jahren wieder mehr hervorgehoben.

Im Bauernkalender hatte Lichtmess früher noch eine zweite wichtige Bedeutung, da an diesem Tag die »Ehehalten«, die Knechte und Mägde, ein- und ausgestellt wurden. An Lichtmess wurde entschieden, ob das Gesinde noch ein weiteres Jahr bleibt, und dies dann mit Handschlag besiegelt. Für die sparsamen Bauern war das immer ein trauriger Tag, weil sie von ihrem Geld was abgeben mussten, um den Bediensteten ihren Jahreslohn auszuzahlen, der genau nach Rangfolge der Knechte und Mägde abgestuft war. Verbreitet war auch der Brauch, dem Gesinde zu Lichtmess ein Paar Schuhe und eventuell ein Sonntags-oder Werktagsgwand als Lohn zu geben. Auch dem Gesinde selber war es an diesem Tag möglich, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Gelegenheit dazu bestand auch auf sogenannten »Schlenkelmärkten«, wo Arbeitgeber und Arbeitssuchende sich neu zusammenfinden konnten. In späteren Jahren wurde neben Lichtmess noch der Michaelitag im September als zweiter Termin für den Einstand in eine neue Arbeit hinzugenommen.

 

5/2015