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Jahrgang 2007 Nummer 34

Brauchtum und Lebensfreude

Rosstag in Rottach-Egern am Tegernsee

Schaulaufen von Pferd und Halter - beim Rosstag sind vom einspännigen Karren bis zum zehnspännigen Zug viele Gefährte zu sehen.

Schaulaufen von Pferd und Halter - beim Rosstag sind vom einspännigen Karren bis zum zehnspännigen Zug viele Gefährte zu sehen.
Prunkgeschirr für die Tiere, Trachten für den Mann auf dem Kutschbock - beim Rosstag am Tegernsee wird stolz die Tradition geleb

Prunkgeschirr für die Tiere, Trachten für den Mann auf dem Kutschbock - beim Rosstag am Tegernsee wird stolz die Tradition gelebt.
Durch den eleganten Kurort am Tegernsee weht ein Geruch von Pferdeäpfeln: Es ist wieder soweit – es ist Rosstag in Rottach-Egern. Er wird am letzten Sonntag im August gefeiert und gehört ganz den mehr als 200 festlich geschmückten Pferden und Traditionsgespannen, die alte Fuhrmannsherrlichkeit aufleben lassen.

Die Entstehungsgeschichte des Rosstags geht auf das Jahr 1968 zurück: »Wenn mich die Kreuther nicht dabei haben wollen, dann mache ich eben mein eigenes Fest«, sagte sich Thomas Böck damals. Mit seinem schlichten Haflinger-Einspänner war er bei der Leonhardifahrt von Kreuth nicht gern gesehen. Nach Ansicht der Veranstalter passte er nicht ins Gesamtbild des prunkvollen Umzugs. Kurzerhand inszenierte Böck seine eigene Veranstaltung und hatte auf Anhieb Erfolg.

Inzwischen ist der Rosstag Tradition geworden und aus dem Veranstaltungskalender von Pferdefreunden nicht mehr wegzudenken. Die 39. Ausgabe findet am 26. August statt und steht wie immer unter dem Motto »D'Fuhrleut kemman z'samm«.

Vom einfachen, einspännigen Almkarren bis hin zum zehnspännigen Zug vor historischer Prachtkutsche wird wieder alles zu sehen sein, was noch vor 100 Jahren das Straßenbild prägte. Geschniegelt und gestriegelt stellen sich Ross und Reiter zur Schau. Die Vierbeiner präsentieren sich mit auf Hochglanz polierten Prunkgeschirren, und ihre Besitzer tragen voller Stolz bayrische Trachten. Der Festzug, in den sich auch Musikkapellen, Trachtengruppen und eine Abordnung aus der Partnergemeinde Kastelruth in Südtirol einreihen, formiert sich vor dem Hotel »Überfahrt« am See.

Mit dabei sind auch die Bundeswehrsoldaten der einzigen noch bestehenden Gebirgs-Tragtier-Kompanie Bad Reichenhall mit ihren Mulis und Haflingern. Nicht fehlen darf der Wagen mit dem riesigen Fass des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee, das daran erinnert, dass es Pferde waren, die Jahrhunderte lang den beliebten Gerstensaft in die Wirtshäuser brachten. Hoch im Kurs bei Kindern stehen die Pony-Gespanne.

Kurz vor zwölf Uhr sitzen dann alle in den Kutschen und der Festzug setzt sich langsam in Bewegung. Rund fünf Kilometer lang ist die von begeisterten Zuschauern gesäumte Strecke bis zum Vorführ- und Festplatz Enterrottach. Der Weg führt an der kleinen Rosskapelle vorbei, wo ein Kaplan die Teilnehmer segnet. Auf dem Festplatz werden dann die Gespanne, Kutschen und Reiter präsentiert.

Besonders eindrucksvoll ist die Vorführung der Zehnspänner, bei dem die vordersten Pferde 22 Meter vom Fahrer entfernt sind. »124 Meter lang sind die Zügelleinen«, verkündet Moderator Bruno Six, der das Geschehen auf dem Festplatz kommentiert. »Was so leicht aussieht, stellt sich als eine komplizierte Aufgabe heraus, die viel Geschick und Erfahrung erfordert. Tempo und Kurvenradien müssen genau aufeinander abgestimmt sein, sonst können die Gespanne beim ›Elchtest‹ leicht ins Kippen kommen«, erklärt er.

Dann kündigt er die Rottacher Goaßlschnalzer mit ihrem gekonnten Peitschenknallen an, das als Echo von den Bergen zurückhallt. Längst ist Volksfeststimmung aufgekommen. Reiter und Besucher stärken sich an den zahlreichen Brotzeitständen, dazu gibt es eine kühle Maß Bier. Im nächsten Jahr, da sind sich alle einig, werden sie wieder mit dabei sein.

Informationen: Tegernseer Tal Tourismus, Hauptstraße 2, 83684 Tegernsee (Tel.: 08022/927380, Internet: www.tegernsee.com).

Detlef Berg



34/2007