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Jahrgang 2008 Nummer 44

Bis vor 60 Jahren wurden »Wurstelmaschinen« verwendet

Sie wurden zum Torfabbau in der Kendlmühlfilzn und in der Egerndacher Filzn eingesetzt

Wurstelmaschine mit den Torfarbeitern und den Franzendirndln (später auch Rieferdirndln genannt)

Wurstelmaschine mit den Torfarbeitern und den Franzendirndln (später auch Rieferdirndln genannt)
Torfabbau mit der Wurstelmaschine (Rottauer Strafanstalt)

Torfabbau mit der Wurstelmaschine (Rottauer Strafanstalt)
Franz Riefer mit seinen Töchtern und Heinz Scheerenbeck vor dem aufgeschichteten Torf.

Franz Riefer mit seinen Töchtern und Heinz Scheerenbeck vor dem aufgeschichteten Torf.
Viele Werkzeuge und Maschinen verlieren mit dem Fortschritt der Technik und mit der Veränderung der Lebensgewohnheiten der Menschen so an Bedeutung, dass sie völlig in Vergessenheit geraten. Ein Musterbeispiel sind die Wurstelmaschinen, welche bis vor 60 Jahren verwendet wurden.

Wurstelmaschinen wurden sowohl beim Torfabbau in der Kendlmühlfilzn als auch in der Egerndacher Filzn eingesetzt. Während die Wurstelmaschinen in der Kendlmühlfilzn von der Strafanstalt betrieben wurden, befand sich die in der Egerndacher Filzn, insbesondere der Riefer-Filzn eingesetzte Maschine im Besitz von Franz Riefer, Biebl, aus der Au und Felix Aigner, dem Oberauer aus Weiher.

Diese Presstorfmaschinen ermöglichten es, verdichteten Torf mit einem geringeren Wassergehalt in einer wurstartigen Form zu gewinnen. Umweltfreundlich wurde sie mit dem im Vorjahr gewonnenen Torf über eine Dampfmaschine betrieben. Sie standen auf Gleisen und konnten so ohne zu großen Aufwand bewegt werden.

Mehrere Arbeiter, die sogenannten Grubenhunde, stachen mit Grabscheiten frischen Torf aus und gaben ihn auf ein Fließband. In der Regel arbeiteten dabei zwei Stecher und zwei Gabler zusammen. Über einen Elevator (kleinen Aufzug) wurde der Torf von oben in die Maschine eingeworfen und dann in einer Schnecke wie bei einem Fleischwolf zerfasert und gepresst. Am Ende kamen dann viereckige Torfwürste heraus und wurden in ein Meter langen Stücken auf ein Holzbrett geschoben. Diese wurden dann in drei oder vier gleich lange Teile zerschnitten. An der abgebildeten Maschine in der Egerndacher Filzn machten dies sehr häufig die Töchter des Mitbesitzers Riefer, die damals so genannten Franzendirndln, die Zwillinge Anni und Fanni, welche heuer ihren 90. Geburtstag feierten. Die Torfscheite wurden anschließend von den Arbeitern zum Trocknen ausgebreitet und nach einer ersten Trocknungsphase kastenförmig aufgestapelt, gekastelt, später dann – wenn notwendig – schräg gestellt, gebockelt. In schlechten Sommern mit viel Regen wurden die Torfscheite um senkrecht gestellte Holzpfosten aufgestapelt, gehievelt.

Der Presstorf unterschied sich von dem im Handstich gewonnenen Torf durch eine größere Verdichtung und einen geringeren Feuchtigkeitsgehalt, so dass der Trocknungsprozess schneller voranging. Der so gewonnene Torf war hervorragend für die häusliche Heizung geeignet und wurde so auch an viele Haushalte im Tal verkauft. Dazu waren die Abnehmer Brauereien und auch die Saline. Eine kleinere derartige Maschine war noch nach 1970 im Einsatz.

Auch wenn die Arbeit an der Wurstelmaschine eine Knochenarbeit war, eröffnete sie einen wichtigen Verdienst für die Einwohner des Achentals.

Auch in Rottau war eine derartige Maschine bis nach dem Kriege circa 1948 auf Feld acht im Einsatz. Nach Angaben von Otto Jantke, der auf dieser Maschine arbeitete, erhielt er damals einen Stundenlohn von 52 Pfennigen. Zwei weitere Maschinen arbeiteten bei der Strafanstalt, wurden aber mit Diesel und nicht mehr mit Torf betrieben.

Es ist mit Sicherheit notwendig, die Geschichte dieser Maschinen und der Männer und Frauen, welche daran gearbeitet haben, zu sammeln und niederzuschreiben. Leider ist schon viel Wissen verlorengegangen, aber es leben noch genügend Personen in unserem Ort, die an diesen Maschinen gearbeitet haben und deren Häuser mit dem so gewonnenen Torf beheizt wurden.

Olaf Gruß



44/2008