Jahrgang 2001 Nummer 33

Bienen und fleischfressende Wespen

Ungebetene Sommergäste stören oft die sommerlichen Mahlzeiten im Freien

Ein Bienenschwarm hat sich auf die süßen Kuchenstücke eines Bäckerladens gestürzt. Die unerwünschten Gäste stören auch sommerlic

Ein Bienenschwarm hat sich auf die süßen Kuchenstücke eines Bäckerladens gestürzt. Die unerwünschten Gäste stören auch sommerliche Mahlzeiten im Freien. Schlagen oder Wegpusten ist die falsche Taktik gegen Bienen und Wespen: man sollte sie nach Expertenansicht eher mit einem Teller mit Marmelade oder Schinken weglocken.
Bei sommerlichen Mahlzeiten im Freien sind sie unerwünschte Gäste: Bienen stürzen sich auf Zwetschgenkuchen und anderes Süßes, Wespen schlagen auch bei Wurst oder Steaks zu. Wespenlarven brauchen Proteine, also Eiweiße, daher auch die Fleischeslust der bis zu zweieinhalb Zentimeter großen Wespen. Zur Aufzucht ihres Nachwuchses jagen sie im Spätsommer tierisches Eiweiß in Form anderer Insekten und deren Larven.

Auch Bienenbrut benötigt Proteine, allerdings pflanzlicher Herkunft: aus Blütenpollen. Wespen gibt es schon viel länger als Bienen und Blütenpflanzen – frühe Wespen könnten sogar Zeitgefährten später Dinosaurier gewesen sein. Bienen sind erst vor etwa 50 Millionen Jahren »Hand in Hand« mit Blütenpflanzen aufgetaucht.

Ausgewachsene Wespen und Bienen ernähren sich von Kohlehydraten. Die finden sie im Blütennektar – oder eben in Marmelade. Ein Bienenvolk überwintert und legt dazu einen Vorrat an Kohlehydraten an, den Honig. Er lagert in den Wachswaben des Bienenstocks. Bei Wespen dagegen überwinterten nur begattete Weibchen. Im Frühjahr gründeten sie ein neues Wespenvolk und bauten ein neues Nest aus zerkautem Pflanzenmaterial.

Bienen und Wespen gehören zwar beide zur Insektenordnung der Hautflügler, weisen aber viele Unterschiede auf. Ein Bienenvolk zählt bis zu 50 000 Tiere, ein Wespenvolk dagegen nur etwa 1 000. Wespen sind »stechfreudiger«. Ihr glatter Stachel bleibt, anders als die mit Widerhaken bewehrte Waffe der Bienen, nicht in der Haut von Menschen und Säugetieren stecken. Stechen Bienen zu, reißt ihr Stachelapparat heraus, und sie sterben. Wespen können mehrere Stiche setzen und überleben es.

Auch das Flugverhalten ist unterschiedlich. Beide schaffen zwar etwa 30 Stundenkilometer, also Sprintgeschwindigkeit, aber Wespen sind viel wendiger. Diese benötigten zudem ein bestimmtes Tempo, um überhaupt scharf sehen zu können. Dieses Umherschwirren, eventuell dicht vor dem Gesicht, empfinden Menschen oft als aggressiv.

Überhaupt wirkt ihr Erscheinungsbild auf uns eher bedrohlich. Die Farbkombination Schwarz-gelb signalisiert in der Natur Gefahr. Die vom Aussterben bedrohten Hornissen, mit bis zu vier Zentimetern Länge die größten Wespen, sind auffallend kräftig. Auch Geschichten Gestochener tragen zur Furcht bei. Sorgen allerdings muß sich normalerweise nur machen, wer gegen Wespen- und Bienengift allergisch ist. Nach Angaben der Deutschen Haut- und Allergiehilfe sind das bundesweit rund drei Millionen Menschen.

Schlagen oder Wegpusten ist die falsche Taktik gegen Bienen und Wespen. Wer mit der Hand in der Gegend rumfuchtelt, kann ziemlich sicher sein, daß er bald gestochen wird. Und beim Anpusten einer Wespe wirkt der kohlendioxidhaltige Atem wie ein Alarmsignal, da eine ähnliche Luftmischung auch bei einem gestreßten Wespenvolk auftritt. Fachleute raten, bei unerwünschtem Besuch von Wespen oder Bienen im Freien ruhig zu bleiben – und zu teilen: Man sollte ihnen in einer entfernteren Ecke etwas anbieten, zum Beispiel einen Teller mit Marmelade oder Schinken.

Sabine Brendel



33/2001