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Jahrgang 2015 Nummer 51

Beim heiligen Pförtner

Schätze aus dem Leben des Konrad von Parzham

Am Schlüsselbund über der Kutte war der heilige Bruder Konrad von Altötting als Klosterpförtner zu erkennen. (Fotos: Hans Gärtner)
Zeugnis der Sorgfalt – das Pfortenbuch.
Sterbezelle des heiligen Bruder Konrad.

Vor zehn Jahren stand fest: Das Altöttinger Kloster St. Anna, in dem der 1934 heiliggesprochene Bruder Konrad von 1849 bis 1851 und von 1852 bis zu seinem Tod 1894 wirkte, muss umfassend erneuert werden. Dies geschah, mit sichtlichem Erfolg, zwischen 2006 und 2008. Heute trägt das Kapuzinerkloster nicht nur den Namen des 1818 im niederbayerischen Parzham als Johann Birndorfer geborenen späteren Pförtners, den es nach Altötting verschlug; es bewahrt auch Schätze aus seinem der Frömmigkeit und der Armenhilfe gewidmeten Leben und zeigt sie in einer ganzjährig täglich von 8 bis 18 Uhr geöffneten mehrteiligen Ausstellung. Dabei ist die 2009 anlässlich des Bruder-Konrad-Festes eingerichtete Schatzkammer nur im Rahmen einer Führung zu betreten.

Das Haupt des Heiligen sieht aber schon der Klosterkirchenbesucher von St. Konrad in einem mit Seide umhüllten Gefäß. Die sterblichen Überreste birgt die liegende Figur in einem neuen kostbaren Schrein unter dem Reliquienaltar. In zwei Räumen des Klosters – der Weg zu ihnen führt über die Pforte des Heiligen – wird gezeigt, was mit dem Altöttinger Leben und Wirken Bruder Konrads im Zusammenhang steht. Kleinigkeiten wie etwa der Schlüsselbund, den der Pförtner am Gürtel über der Mönchskutte trug oder sein über 41 Jahre sorgfältig geführtes Pfortenbuch, seine geistlichen Gerätschaften wie Rosenkranz und Reliquienkapsel oder sein gern benütztes Erbauungsbuch weisen den Heiligen als bescheidenen und dem geistlichen Leben verpflichteten Mann aus.

Auch ein Blick in die Sterbezelle wird dem Besucher gewährt. Das Fenster schaut auf den ausgedehnten Platz vor der 8000 Personen fassenden Basilika St. Anna. Ihr Bau wurde 1912, wie die Kapuziner betonen, dank der Fürbitte ihres fleißig betenden Mitbruders vorangetrieben. Dass er nun seit 2014 nach umfangreicher Restaurierung im neuen Glanz erstrahlt, ist für manchen Altötting-Pilger das Mitverdienst des heiligen Pförtners.

Er stellte das Kreuz Jesu Christi als Zeichen des Heils ins Zentrum seiner Glaubenspraxis. Auf Schritt und Tritt durch die Ausstellung begegnet man hierzu bildlichen und schriftlichen Belegen. Aus einem seiner Briefe vom Jahr 1872 ist zu entnehmen, dass das Kreuz gewissermaßen sein Buch war: »Nur ein Blick auf das Kreuz lehrt mich in jeder Gelegenheit, wie ich mich zu verhalten habe. Da lerne ich Geduld und Demut, Sanftmut und jedes Kreuz mit Geduld zu ertragen. Ja, es wird mir süß und leicht.«

Beeindruckt von der Gottergebenheit des frommen Mannes, nimmt der Ausstellungsbesucher so manche Darstellung des Heiligen als inneres Bild mit nach Hause. Da gibt es eine Steinfigur, deren Künstler unbekannt ist. Sie zeigt den Heiligen in Mönchskutte als Verehrer des Kreuzes Christi, das er im Arm hält, aber auch als den Armen, besonders den Kindern, zugewandten Helfer: Einem Buben, der sich an den Heiligen schmiegt, reicht dieser ein Stück Brot. Die kleine Figur entstand 1927. Viele andere Bruder-Konrad-Bilder – das eine oder andere darf sich der Ausstellungsbesucher gedruckt als Andenkenbildchen mit nach Hause nehmen – erinnern an die Beliebtheit des Bauernsohns aus Parzham. Der Dießener Künstlerin Babette Schweizer diente Bruder Konrad als Motiv für einen zinnernen Weihbrunn. Wer das Bild des Heiligen mit der brennenden Kerze auf Holz über der Tür zur Sterbezelle malte, ist vielleicht im Kloster-Archiv vermerkt.

Vielleicht fällt ein zeitgenössisches Bild Bruder Konrads erst beim Verlassen der Ausstellung auf. Der Bärtige reicht einen Laib Brot einer Gruppe von Armen und Bettlern, während sich ein Kind an ihn wie seinen eigenen Vater klammert. Die daneben wiedergegebene Anekdote gibt dem Scheidenden noch auf dem Heimweg zu denken. Sie hebt nicht nur einen Wesenszug des sympathischen Gottesfreunds heraus; sie kann dem eigenen Leben eine Richtung geben, die mit der Haltung des Mannes, dessen Gedenkstätte man besuchte, zu tun hat: Einem Bettler, der die Verteilung der besseren Speisen am Vormittag verpasste, reichte Bruder Konrad etwas Suppe. Der Empfänger warf die Schüssel samt Inhalt zu Boden, sodass sie zerbrach und sagte: »Die kannst du selber fressen«. Darauf der Pförtner Konrad, gelassen, sanftmütig und verständnisvoll: »Gell, die magst du nicht. Ich hol dir eine andere.« Und hob auch noch die Scherben auf.


Dr. Hans Gärtner

 

51/2015