Jahrgang 2001 Nummer 43

Bald kommt der »Nebelmonat« November

Von Wetterregeln, Los- und anderen Tagen

Der November war im altrömischen Kalender der neunte Monat und hat daher noch seinen Namen vom lateinischen novem = neun. Die ältere deutsche Bezeichnung Windmonat oder Nebelung deutet auf Wind, Regen, nasse Kälte, düstere Tage. Die Natur hüllt sich in Nebelschleier, während in der Pflanzenwelt das Leben erstarrt. So auch schmücken wir in diesem Monat die Gräber und gedenken der Toten.

Seit alters her wurde das Wetter zu Monatsbeginn besonders genau beobachtet. Wenn es um diese Zeit feucht ist, erwartet man von den Wintermonaten viel Schnee. »Setzt sich Sankt Martin (11. November) schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank und hat er einen weißen Bart, dann wird der Winter lang und hart.«

Der heilige Bischof von Tours, Frankreichs Landespatron, zählt zu den volkstümlichsten Heiligen des Abendlandes. Als Sankt Martin noch Soldat war, reichte er einem frierenden Bettler seine Mantelhälfte. Besonders hoch ging es auf den Martinsmärkten zu, welche die besuchtesten des ganzen Jahres waren. In Weinbaugegenden wird als Martinitrunk der neue Most geprüft; Festbraten ist die Martinsgans.

Ein weiterer Lostag fällt auf Elisabeth, der barmherzigen Landgräfin von Thüringen (19. November). »Sankt Elisabeth sagt an, was der Winter für ein Mann.« So willkommen dem Bauern viel Schnee im Dezember und Januar ist, so ungern sieht er ihn jetzt schon auf die Felder fallen. Wenn er sich in Pfützen verwandelt, und dann der Nachtfrost den nassen Erdgrund wieder erstarren läßt, leidet die Saat Schaden.

In der Andreasnacht (die Nacht zum 3. November) werden die heiratslustigen Mädchen ihren Zukünftigen schauen. So überliefert es der Volksaberglauben, der in manchen Gegenden in Süddeutschland, im Elsaß und in der Schweiz heute noch lebendig ist. Das Liebesorakel der Andreasnacht wird in Süddeutschland und im Elsaß das »Andresleschauen« genannt.

»An Andreas sind die Schafe im Stall, die Hirten am Herd«, so sagt der Bauer, und je nach dem struppigen, dunklen oder freundlichen und klaren Aussehen des Gedenktages, je nach der Kälte oder Wärme bringt die kommende Zeit Regen oder Sonnenschein, Frost oder Tauwetter.

»Andreas hell und klar, bringt ein gutes Jahr«, heißt das Sprichwort. Liegt bereits der erste Schnee auf den Matten, so rufen die Kinder im Dorf: »Andreasschnee tut den Bäumen weh!« oder »Andreasschnee tut den Samen weh!« Dieser Frühschnee bleibt nach der Vorstellung mancher Gegenden hundert Tage liegen.

Günter Dörner



43/2001