weather-image
-2°
Jahrgang 2016 Nummer 50

Auserwählte unter sich

Im Goldenen Buch des Salzbergwerks haben sich über Jahrhunderte besondere Besucher eingetragen

Von 1807 stammt Teil 1 des Goldenen Buches des Salzbergwerks Berchtesgaden. (Fotos: Pfeiffer)
Seit 2007 hat sich in Band 2 von 1853 keiner mehr verewigt. Spätestens 2017 soll es wieder soweit sein.
Der König von Preußen war 1899 zu Gast im tiefsten Bayern und festgehalten auf Papier.
Bergwerksbahn mit Besuchern

Kronprinz Ludwig, Grace Kelly oder Tom Jones – wer im Goldenen Buch des Salzbergwerks in Berchtesgaden stöbert, bekommt Einblicke in die Vergangenheit. Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums gestattet das Salzbergwerk erstmalig einen Blick auf den in Leder gebundenen und gut vor der Öffentlichkeit gehüteten »Schatz«, in dem sich unzählige Persönlichkeiten verewigt haben.

»Das ist etwas ganz Besonderes«, sagt Peter Botzleiner-Reber, Tourismuschef des Salzbergwerks. Er zeigt auf die beiden Goldenen Bücher, die in dickem Leder eingefasst sind. Das erste, etwas kleinere, dafür umso dickere mit weit über 700 Seiten, stammt aus dem Jahr 1807, das zweite, das man anschaffte, als das erste mit Beglückwünschungen und Unterschriften gefüllt war, ist auf das Jahr 1853 datiert. Zwei »alte Schinken« also, keine klassischen Bücher, trotzdem geben sie Einblicke in die lange, ereignisreiche Geschichte des Salzbergwerks Berchtesgaden, an dessen Anfang 1517 der Anschlag des Petersbergstollens stand. Deshalb ist nächstes Jahr ein ganz besonderes. Das Salzbergwerk feiert Jubiläum, 500 Jahre, ein halbes Jahrtausend Abbau des weißen Goldes, mit Höhen und Tiefen. Die technische Entwicklung in dieser Zeit ist beeindruckend.

Privilegierte unter Tage

Nicht weniger beeindruckend ist der historische Rückblick, den man im Goldenen Buch erfährt. Die Zahl derer, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts das Salzbergwerk besucht haben und in den Berg eingefahren sind, ist gewaltig. Zumal das Goldene Buch nur diejenigen auflistet, die etwas zu sagen hatten, »auserwählte Gäste«, sagt Peter Botzleiner-Reber, »Privilegierte«. Denn nicht jeder konnte früher einfach in den Berg einfahren. »Das war nur bestimmten Persönlichkeiten vorbehalten«, so der Salzbergwerk-Tourismuschef.

Aktuell sind die beiden Goldenen Bücher in einem Stahlschrank eingeschlossen. Herausgeholt werden sie heutzutage lange nicht mehr so oft wie in früheren Zeiten. Das letzte Mal im Jahr 2007, als die Grubenwehr des Bergwerks Jubiläum feierte. Das mag mitunter daran liegen, dass die Zahl »wichtiger Personen«, die nach Berchtesgaden kommen, kleiner geworden ist. Das Salzbergwerk ist, obwohl darin auch heute noch aktiv gearbeitet wird, ein Besucherbergwerk, jeder darf mittlerweile einfahren.

Fürsten, Könige und spätere Päpste

Die Seiten der mächtigen Bücher sind mittlerweile vergilbt, die Werke sind dennoch in guter Verfassung. Einmal aufschlagen und man liest den Namen Maria Luise. »Am 18ten Juny 1820 geruheten Ihre Majestät die Frau Erzherzogin Maria Luise, Herzogin von Parma mit nachstehenden Personen allerhöchst Ihres Gefolges den hiesigen Salzberg zu befahren.« Auf das Papier gebracht wurde es per Kalligrafie, der Kunst des Schönschreibens. In der Tat sind zahlreiche Einträge des Goldenen Buches ein regelrechter Blickfang – »Ihre Majestät unser allergnädigster König Ludwig« – steht dort, datiert auf 1827. Ein Jahr später war es »Ihre Königliche Hoheit die Frau Fürstin von Thurn und Taxis«, die im Buch verewigt wurde. Die Einträge von einst ähneln sich, jedem gebührt eine ganze Seite, am 3. September 1856 ist es König Maximilian, der »den Königlichen Salzberg mit allerhöchstihrem Gefolge« befahren wollte. Auch mit Gefolge, aber ungleich unspektakulärer verewigte sich 1937, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, Ludwig Siebert: »Zur Erinnerung an die Grubenfahrt des Herrn Ministerpräsidenten Ludwig Siebert, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bayerischen Berg-, Hütten- u. Salzwerke A. G. Am 16. Juni 1937.« Die Eintragungen während der Nazi-Jahre wurden später herausgetrennt. Auch Adolf Hitler war im Salzbergwerk zu Besuch und hatte sich in das Goldene Buch eingetragen. Die Seite wurde später aber vernichtet. Auch Grace Kelly war hier Gast und setzte ihre Unterschrift, nachdem sie in den Berg eingefahren war, Alfons Goppel, ehemals Bayerischer Ministerpräsident, begleitete 1975 die Bergweihe in Berchtesgaden und »Kardinal Prof. Dr. Josef Ratzinger«, mittlerweile emeritierter Papst und bekannt als Benedikt XVI., besuchte den Salzberg im Januar 1990.

Goldene Platte im Berg

Unzählige Persönlichkeiten waren im Laufe der beiden vergangenen Jahrhunderte da, besonders gut erinnert man sich an Tom Jones' Anlass, in den Salzberg einzufahren. 1969 war das. Jones, einst Staubsaugervertreter und später weltbekannt als britischer Popsänger, war damals am Höhepunkt seiner Karriere und erhielt 1969 eine Goldene Platte verliehen. Für seinen Hit »Help Yourself«, der auch in den deutschen Charts Platz 1 eroberte.

Auch wenn der letzte Eintrag von 2007 stammt, als die Grubenwehr Berchtesgaden das 100. Jubiläum feierte, und das Buch in den letzten neun Jahren immer im Schrank blieb, soll es das nicht gewesen sein, sagt Peter Botzleiner-Reber. Spätestens im nächsten Jahr, wenn groß gefeiert wird, gibt es einen würdigen Anlass, das Werk in Leder hervorzuholen.

Ministerpräsident Horst Seehofer ist zu den Feierlichkeiten in Berchtesgaden eingeladen. Eine fixe Zusage gibt es bislang aber noch nicht.


Kilian Pfeiffer

 

50/2016