weather-image
11°
Jahrgang 2004 Nummer 51

Auf den Spuren des Ritters von Herrantisperch

Stilles Urlaubsland hoch über dem Simssee

Das südwestliche Chiemgau zwischen den Ufern des Simssees und dem Alpenkamm bietet eine malerische Landschaft. Schon von Ferne grüßt Hirnsberg über dem Simssee mit seiner Kirche. Der hohe Turm mit seinem spätgotischen Satteldach verleiht der Kirche einen trutzigen Charakter.

Erstmals wird Hirnsberg um 1100 urkundlich als »Herrantisperch« erwähnt – die Burg eines Herrant Kuno, eine Nebenlinie des mächtigen Falkensteiner-Geschlechts.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts übersiedeln die Herren der Burg Hirnsberg auf ihre zweite Burg nach Hohenaschau. Der letzte Ritter von Hohenaschau auf Hirnsberg und Wildenwart eignet sich so große Befugnisse und Macht an, dass Herzog Stephan von Bayern 1378 die Burg Hirnsberg einnimmt und bis auf die kleine Burgkapelle völlig zerstört.

Die Burg wird nicht wieder aufgebaut, sondern als Steinbruch verwendet. Die Namen von Hirnsberg werden nun öfters gewechselt: Herrantisperch – Hürnsperg – Hernsberg – Hörnsberg – Hirnsberg.

Die 1488 bis 1500 von einem Landshuter Baumeister erbaute jetzige spätgotische große Kirche ist aus Teilen der kleinen Burgkapelle aufgebaut. Der Unterbau des Turmes stammt auch vom Wehrbau der Burg. Er ist aus Granitquadern zusammengefügt mit einer Mauerstärke von 1,8 Meter und 6,1 Meter Seitenlänge.

Der Oberteil ist aus kleineren Tuffquadern später aufgesetzt. Der Hochaltar ist ein gotischer Schreinaltar mit drei gotischen Figuren.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entsteht eine rege Wallfahrt nach Hirnsberg »zu unserer lieben Frau am Berge«, die neben den Wallfahrten von Halfing und Tuntenhausen zu den größten der damaligen Zeit zählt.

1544 schreibt der Söllhubner Pfarrer Simon Sumer, dass »zu Hörnsperg gar ein kostbar schön Gotzhauß sei, dergleichen Gebäude auf dem Land nicht gefunden werde«. 1724 wird der jetzige barocke Kreuzaltar an der Nordseite der Kirche erstellt. Im Jahre 1743 folgt die völlige Barockisierung innen.

Hirnsberg gehörte ehemals zum Bistum Salzburg, dessen westlicher Teil ab 1218 ein eigenes Bistum bildete, mit der Domkirche auf der Herreninsel. Erst 1817 wird die Kirchengemeinde hoch über dem Simssee dem Bistum München-Freising zugeteilt. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist Hirnsberg auch politisch eine selbstständige Gemeinde.

Die Geschichte der Anlage zu Hirnberg, hoch über dem Simssee reicht noch weiter zurück. Bis zum 5. Jahrhundert nach Christus gehörte die gesamte Region von den Alpen bis zum Limes und zur Donau zum römischen Weltreich. Von Salzburg (iuvavum) nach Augsburg (augusta vindelicum) führte über Seebruck (bedaium) durch die Gemeinde Endorf eine Heerstraße zur Innbrücke nördlich vom heutigen Rosenheim (pons oeni). Im Jahre 488 verließen die Römer das südliche Bayern, nur ein Teil von ihnen und ein Teil der keltischen Urbevölkerung blieben zurück, bis um das Jahr 500 die Bajuwaren einwanderten und das Voralpenland in Besitz nahmen.

Im 8. Jahrhundert begann die Christianisierung in der Region nach Gründung der nahen Chiemseeklöster Herrenchiemsee und Frauenwörth.

Nicht minder besuchenswert ist nicht weit von Hirnsberg entfernt, auf halber Höhe des Bergrückens der kleine Weiler Rain mit seinem barocken Friedhofskirchlein von dessen Südseite aus sich zugleich ein wunderschöner Blick auf den Simssee eröffnet.

TD



51/2004