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Jahrgang 2012 Nummer 45

Auf dem Land brachte der Herbst viel Arbeit mit sich

Getreidefelder mussten umgeackert werden – Obst und Gemüse wurden geerntet

Jedes Jahr, wenn sich die typischen Anzeichen des Herbstes mehren, dann kreisen meine Gedanken zurück zu den vielen wichtigen Herbstarbeiten von früher auf dem Land.

Die langen, abgeernteten Getreidefelder mussten mit den Pferden umgeackert werden; das Wintergetreide wurde gesät; die großen Mengen von Erdäpfeln warteten darauf, dass sie aus der Erde gerodet und mühsam »zusammengeklaubt« wurden; das Weiß- und Blaukraut, sowie auch das große Feld mit den »Runkelrüben« musste abgeerntet werden.

Daheim auf dem Hof begann erst die mühsame Arbeit des Kartoffelaussortierens: »Esskartoffel« (Speisekartoffel), »Setzkartoffel« und »Saukartoffel«, diese waren sehr klein, beschädigt oder angefault. Die Erdäpfel kamen über den Winter teils in »Strohmieten« und in den Keller. Die Rüben mussten eine nach der anderen vom Wagen herunter, »g‘happelt« werden. Dazu standen meistens mehrere Frauen um den vollbeladenen Ackerwagen, zogen eine »Runkelrübe« nach der anderen herunter und mit einem schnellen, gekonnten Messerschnitt wurden die dicken Blätter »abgehappelt«.

Das Krauthobeln und Füllen des riesigen Krautfasses war ebenfalls eine langwierige Arbeit, wobei die Kinder das »Krauteintreten« recht gerne mochten.

Auf dem Obstanger beim Haus lehnten schon die langen Holzleitern an einigen Apfel- und Birnbäumen zum »Obstbrocken«, denn nur die nicht haltbaren Sorten wurden heruntergeschüttelt.

Die Zwetschgen waren zuvor schon eingebracht worden, es wurde Marmelade und das gute »Zwetschgenkoch« daraus gemacht. Meine Großmutter füllte die Zwetschgen auch in Weckgläser, übergoss sie mit abgekochtem Wasser und »weckte sie ein«. Das war im Winter etwas besonders Gutes.

Der Herbst war vor allem aber auch die Zeit des Kühehütens. Die jungen Kalbinnen waren bei uns daheim vom Frühling bis in den Herbst hinein auf ihrer großen Sommerweide hinter dem Stadel. Der Stacheldrahtzaun wurde im Frühling dort wo es nötig war ausgebessert, um ein Ausbrechen des aufgeweckten Jungviehs zu vermeiden.

Die Kühe kamen im Frühjahr und teils auch im Sommer ebenfalls auf die Weide. Andernfalls musste ganz zeitig in der Früh, das Gras von der Wiese geholt werden, es wurde »Eingegrast«.

Im Herbst aber, wenn nach der Grumeternte das Gras nocheinmal gut gewachsen war, ist die Zeit des »Kühehütens« gekommen. Es kannte noch keinen Elektrozaun, es mussten die Kühe frei auf die Weide getrieben werden, wozu die ersten Tage mehrere Leute nötig waren. Doch schnell wussten die Kühe ihren Weg alleine, weshalb nur noch Einer voraus- und Einer »hintennach« ging.

Oft war die »Hüterin« mit ihrer Kuhherde allein, nur mit einem langen Stecken ausgerüstet, musste sie den ganzen Nachmittag hüten. Das hieß, dass sie die Kühe nicht aus den Augen lassen durfte, damit auch keine in eine andere Wiese, wie etwa die des Nachbarn hinübergraste.

Ab und zu half ein Nachbarsbub oder Mädel nach der Schule beim Hüten mit. In den Jahren meiner frühen Kindheit war auch ich auf dem Hof meiner Großeltern, immer bei einer meiner Tanten mit dabei. Diese hatte meistens ihr »Strickzeug« mitgenommen, außerdem legte meine Großmutter in die alte Tasche zum Umhängen zwei Butterbrote hinein.

Auf den »Kirta« zu, dem Kirchweihfest musste die ganze Ernte eingebracht sein. Alle auf dem Hof waren gleichermaßen froh, wenn alles »Unter Dach« war, bis die ersten Nachtfröste kamen. Am »Kirta« gab es neben dem guten, reichlichen Essen und Trinken, besonders für die »Ledigen« manch‘ wohlverdiente »Abwechslung«. Am Nachmittag trafen sich die Jungen auf dem Heuboden zum »Kirtaschutzen« und am Abend nach der Stallarbeit fuhr man mit dem Radl zum »Kirtatanz«.

Im Spätherbst, auf Allerheiligen zu, wenn es oft schon nebelig und düster wurde, dann waren sowohl die Menschen als auch das Vieh froh, wenn es auch mit dem »Austreiben« in diesem Jahr wieder vorbei war.

Kurz vor dem Wintereinbruch wurde auf den Höfen mit dem »Dreschen« angefangen.

Den wuchtigen Dreschwagen »fetzte« (fuhr) man von Hof zu Hof, wo er je nach der Menge des Getreides, das gedroschen werden musste, einige Tage in der Tenne stand. Die Nachbarn halfen sich alle gegenseitig, denn es wurden viele Arbeitskräfte gebraucht. Es musste das im Sommer eingebrachte Getreide mit langen Gabeln von der »Osn« hinauf auf den Heuboden geworfen werden. Dort wurden die Garben einzeln mit großen Messern aufgeschnitten, auf den Dreschwagen geworfen und auseinander geschüttelt. Der »Einlasser« musste gut aufpassen, damit das Getreide gleichmäßig durch die breite Öffnung in den Dreschwagen rutschte. Unten füllten sich die Säcke mit Getreide, welche die »Droadtrager« auf den Schultern zu den großen »Droadkast‘n« (Getreidekästen) trugen.

Am anderen Ende häufte sich das Stroh. Die staubigste Arbeit aber hatte die »Gfraßtragerin«, denn diese musste den unter dem Dreschwagen herunterfallenden, staubigen »Abfall« wegtragen.

Trotz allem aber ging jeder gerne zum »Dreschen«. Und das Wichtigste; es blieb trotz allem auch noch Zeit, für Scherzen, Lachen und Geselligkeit.


Elisabeth Mader

 

45/2012